Angespielt: Alien – Isolation – Nervenaufreibend & gemein

Alien: Isolation

Alien: Isolation soll Fans der Filmfranchise endlich zufrieden stellen und nach der Colonial Marines-Enttäuschung ein Spiel abliefern, das der Marke gerecht wird. Zwei Spieler mit unterschiedlichem Alien-Background schildern euch ihre Ersteindrücke.

Ein kurzer Überblick: Amanda Ripley macht sich auf die Suche nach ihrer Mutter, Ellen Ripley bekannt aus dem wegweisenden Original Alien-Film von Ridley Scott aus dem Jahre 1979. Ellen befand sich zuletzt auf der Nostromo und nun ist der Flugschreiber des Raumschiffes auf der Sevastopol-Station, einem Versorgungsdepot aufgetaucht. Die Tochter macht sich mit einer kleinen Crew auf, den Flugschreiber aufzuspüren, findet stattdessen aber etwas ganz anderes auf der Station vor.

Kurz-Info: Wir konnten beide das Spiel schon auf der gamescom anspielen und haben sehnsüchtig auf die jetzt vorliegende finale PC-Version gewartet. Das Gameplay-Video stammt von Patrick und darauf basiert auch der Eindruck. Die Screens stammen von XTgamers Alien-Experten Merlin aus den ersten drei Spielstunden.

Unser Gameplay-Video

Merlins Meinung

Alien_Isolation (5)Klaustrophobisch, nervenaufreibend und meistens einfach nur gemein: Alien: Isolation zeigt schon in den ersten Spielstunden, dass Creative Assembly mit diesem Projekt die bittere Schmach der Katastrophe namens Aliens: Colonial Marines ein für alle Mal ad acta legen will. Dieses Vorhaben gelingt bisher zumindest meiner Ansicht nach absolut, perfekt ist Isolation jedoch nicht.

Allen voran fällt ab der ersten Spielminute die meisterhafte Inszenierung der Station Sevastopol auf, der Look des 79’er Klassikers Alien wurde perfekt eingefangen und mit einer Vernarrtheit zum Detail auf die Disc gepresst dass die Herzen aller Science Fiction- und vor allem Alien-Fans höher schlagen sollte. Negativ fallen lediglich die etwas hölzernen Gesichtsanimationen der wenigen menschlichen Charaktere sowie das starke Kantenflimmern (Aliasing) in der PC-Version auf. Jedoch fällt dies während des Spielverlaufs nicht sonderlich ins Gewicht da der atmosphärische Sog des Titels derartige Kleinigkeiten locker ausgleicht.

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Die als unberechenbar versprochene KI unseres Alien-Kumpanen wurde ohne Abstriche integriert und ist einer der treibenden Spaß- und Frustfaktoren des Spiels. Aus dieser Unberechenbarkeit folgt nämlich eine enorme Menge an Toden Alien_Isolation (2)welche freilich oftmals aufgrund eigener Fehler über den Bildschirm flackern, manchmal reagiert der flinke Jäger jedoch fast schon zu schnell.

Für sich ist diese Problematik kein weiterer Beinbruch, aber euer Spielfortschritt wird nicht in gewissen Abständen automatisch gespeichert. Dafür sind fast schon altertümlich anmutende Speicherstationen notwendig, welche noch dazu eine gewisse Warmlaufphase benötigen, bevor ihr euer kostbares Vorankommen absichern könnt. Prinzipiell habe ich gegen ein derartiges System nichts, aber ein Zwischenspeichern während langatmiger Missionen wäre ein absoluter Segen gewesen, ohne die Balance des Titels nachhaltig zu beeinträchtigen.

Mehr soll vorerst nicht gesagt werden, meine Zeit auf der Sevastopol ist nämlich noch lange nicht vorbei.

Patricks Meinung

Zu Beginn möchte ich gleich klarstellen, dass meine einzigen Berührungspunkte mit Alien darin liegen, dass ich Prometheus gesehen und Aliens: Colonial Marines (im Vergleich zu meinem Kollegen komplett durch) gespielt habe. Viele Fans der Franchise werden da wohl die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und sagen ja, das sind ja genau die Highlights der Serie. Dem bin ich mir bewusst, möchte aber trotzdem meine Eindrücke nach ca. anderthalb Stunden schildern.

Alien_Isolation (3)Manchen dürfte es vielleicht stören, dass sich das Spiel viel Zeit nimmt mit einer umfassenden Einführung. Ich finde, dass der cineastische Einstieg dem Spiel gut tut und die Anfangsmomente erinnern mich an moderne Sci-Fi-Knaller wie Moon oder das eher noch unbekanntere Cargo aus der Schweiz. Wenn die gigantische Weltraumstation Sevastopol durch die Fenster der Torrens sichtbar wird und die eigens für das Spiel neu eingespielte Original Alien-Musik von teils den ursprünglichen Musikern, kommt das erste Mal Gänsehautatmosphäre auf.

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Dass man sich bei den Soundeffekten auch an neu gefundenes Material vom Original-Alien aus den Fox-Archiven orientiert hat, merkt man auch schnell. Die Geräuschkulisse ist phänomenal, ständig erwartet ihr, dass jemand oder etwas um die Ecke springt und genau wenn ihr es nicht erwartet, geschieht ist. Dieses Gefühl konnte ich zuletzt nur in Konamis P.T. (dem spielbaren Appetithappen des nächsten Silent Hill) erleben.

Alien_Isolation (1)Dass sich Creative Assembly zu Beginn auf den heruntergekommenen Zustand der Station konzentiert, war eine erfreuliche Überraschung für mich. Die einst lebhafte Station ist gebrandmarkt mit verstörenden Grafitis und in desolatem Zustand. In der Abflughalle kam für mich dann schon etwas Bioshock-Flair auf, besonders durch die Audio Logs, die in schöneren Tagen aufgenommen wurden und bereits jetzt viel mehr interessante Inhalte haben als die nervigen Logs im Aliens-Spiel von Gearbox.

Wo wir schon bei den Einflüssen sind: Die Art und Weise wie man sich fortbewegt – zunehmend schleichend und durch High-Tech-Lüftungsschächte, die so gut in das Schiffkonzept miteingebaut wurden, dass ich beim ersten Mal direkt vorbei gelaufen bin – und das Leveldesign mit den großen Räumen, patroulierenden Wachen und Deckungsmöglichkeiten, die euch genau zum Ziel führen, aber gutes Timing benötigen, erinnern mich stark an das brilliante Deus Ex: Human Revolution, was man rein als Kompliment nehmen kann. Die KI ist leider nicht ganz auf der Höhe der genannten Referenz, was besonders am Ende des Videos (oben) ersichtlich wird. Gegner stehen manchmal einfach nur da und erst nachdem ihr schon aus ihrem Blickfeld wieder raus seid, fangen sie an sich zu verteidigen.

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Technisch überzeugt mich Alien: Isolation vor allem durch die tolle Lichtstimmung und die detailliert abwechsungslreich gestaltete Raumstation. Lippensynchron sind die Dialoge bei weitem nicht und manche Figuren bleiben einfach in ihren Animationen stecken, doch der gesamte visuelle Eindruck ist toll. Auch die Synchro der Figuren ist fantastisch, besonders Andrea Deck (Turning Woman 6 aus Les Misérables) als Amanda Ripley kann ich nur in den höchsten Tönen (Knaller-Gag) loben.

Ich bin mal gespannt wie es weiter geht und freue mich sehr darauf zu erfahren, wie sich das Gameplay mit dem Xenomorph entwickelt, denn recht viel hab ich ja von ihm noch nicht gesehen.

Alien: Isolation ist ab sofort für PC, PlayStation 4, Xbox One, Xbox 360 und PlayStation 3 erhältlich (Retail und digital).

 

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