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Im Test: Steins;Gate 0

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Das ursprüngliche Steins;Gate ist eine der bekanntesten Visual Novels auf dem Markt. Als ein Nachfolger angekündigt wurde, fieberten wir der Veröffentlichung entgegen um herausfinden zu können, ob dieser an den ersten Teil heranreicht. Was am Ende dabei herauskam ist ein enttäuschendes Spiel, welches großes Potential hatte und wenig zur übergreifenden Steins;Gate-Geschichte beiträgt.

Habt ihr das erste Steins;Gate bislang nicht gespielt, empfehlen wir euch das tunlichst nachzuholen. Es handelt sich nicht nur um eine fantastische Visual Novel, aber das gesamte Konzept von Steins;Gate 0 ist ein massiver Spoiler für die Ereignisse des ersten Spiels.

Steins;Gate 0 beginnt dort, wo das wahre Ende von Steins;Gate ausklingt. Hauptcharakter Rintaro konnte erfolgreich aus der World Line (einer Zeitlinie), in der Mayuri, sein Freund aus Kindheitstagen, Mayuri stirbt, fliehen. Stattdessen segnet Kurisu, seine Freundin aus der anderen World Line das Zeitliche. Beim Versuch das sogenannte ‚Steins Gate‘, eine Zeitlinie in der beide überleben, zu erreichen, bringt er beim Versuch sie von ihrem verrückten Vater zu retten aus Versehen Kurisu um. Im Urspiel schickt Rintaro sich selbst eine Textnachricht, in der der Weg zum Steins Gate beschrieben wird. In Steins;Gate 0 erhält er diesen Hinweis hingegen nicht und das erlittene Trauma aufgrund des Verlusts von Kurisu und weitere Ereignisse aus der anderen World Line bringen ihn dazu es aufzugeben, die Vergangenheit weiter zu verändern.

Steins;Gate 0 ist düsterer als das erste Spiel, was vor allem auf die Veränderung der Persönlichkeit von Rintaro zurückzuführen ist. Er lässt seine verrückter Professor-Persona ‚Kyouma Hououin‘ hinter sich zurück, ist wesentlich lockerer drauf und möchte lediglich seinen Universitätsabschluss machen, um daraufhin ein normales Leben zu führen. Die Art und Weise wie seine Depressionen und die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), an denen er leidet, dargestellt werden, sind nachvollziehbar, und sie zeigen, wie sehr die Ereignisse des ersten Spiels Rintaro verändert haben. Seine Persönlichkeit hat sich dadurch verändert, er wurde dadurch allerdings nicht zu einem völlig anderen Charakter. Diese exzellente Charakterisierung weitet sich auch auf den Rest des zurückgekehrten Ensembles aus. Von „Super Hacker“ Itaru zur ruhigen Moeka, sie sind allesamt so überzeugend wie im ersten Steins;Gate.

Die neu in Steins;Gate 0 hinzugekommenen Figuren sind eine bunte Mischung. Maho, ein mit Kurisu befreundeter Wissenschaftler, ist unter ihnen unser Favorit. Sie eröffnet uns einen frischen Einblick in Kurisus Persönlichkeit und Vorgeschichte und ist darüber hinaus für sich genommen ein interessantes Individuum. In 0 wechselt die Perspektive, aus der man das Geschehen beobachtet, öfters. Statt alles aus dem Blickwinkel von Rintaro zu erleben, ändert sich die Auffassung der gesamten Handlung und der Beschreibung einzelner Charakter aus Mahos Sicht völlig. Mit Ausnahme von Maho haben die neuen Figuren entweder wenig Relevanz oder wurden dürftig geschrieben.

Amadeus ist ein Programm, dass Künstliche Intelligenzen (KIs) aus digitalen Erinnerungen herstellt, und es soll eine wichtige Rolle in der Geschichte von Steins;Gate 0 spielen. Rintaro gelingt es schon früh in der Geschichte auf Amadeus zugreifen zu können. Er verschafft sich damit Zugang zu einer digitalen Version von Kurisu und verwendet ihre Erinnerungen vor ihrem Tod. Als sie erstmals im Spiel vorgestellt wird, entsteht der Eindruck, dass wir ständig mit Amadeus zu tun hätten. Im Endeffekt interagiert Rintaro nur selten mit dem Programm und das im Großteil der verfügbaren Pfade, die das Spiel bietet. Aus der Interaktion mit Amadeus hätte man mehr machen können und der einzige Grund, dass es zu existieren scheint, ist um Kurisu selbst nach dem Ableben eine größere Bedeutung zu verleihen.

Wie im ersten Steins;Gate trefft ihr Entscheidungen, die den weiteren Verlauf der Geschichte beeinflussen, mit Rintaros Handy. In 0 stockt er von einem Feature-Phone zu einem Smartphone, auf dem die Textnachricht-Anwendung ‚RINE‘ installiert ist und welches den Zugang auf Amadeus ermöglicht, auf. Im ersten Spiel konnte Rintaro auf eingegangene Nachrichten antworten. Dies erfolgte dadurch, dass er sich ein Schlagwort aus der empfangenen Botschaft aussuchte und darauf klickte. Die Antwort passte sich gemäß dem jeweiligen Schlagwort nach an. Wählte man die richtigen Wörter aus, konnte man das „wahre“ Ende oder zusätzliche Charakterentwicklungen bzw. Geheimnisse freischalten. Die Anwendung RINE hat hingegen keine Relevanz in der Geschichte und genauso wenig eure Antworten auf die empfangenen Nachrichten in der App. In Steins;Gate 0 gibt zwar sechs unterschiedliche Pfade, allerdings nur eine Hand voll an Entscheidungen, die von euch getroffen werden müssen. Das führt dazu, dass es lange Abschnitte ohne jegliche wahre Interaktion gibt. Die ein oder andere unwichtige RINE-Nachricht schleicht sich dennoch rein.

Das führt uns zum größten Schwachpunkt von Steins;Gate 0 im Vergleich zu seinem Vorgänger. Das erste Steins;Gate bot zwei Hauptpfade, die sich auf die Ereignisse rund um die Heroinen konzentriert haben. Hinzu kamen kürzere Routen für einige der anderen Charaktere. Der Fokus fiel also auf die Hauptereignisse und die Nebenstränge waren lediglich kurze schöne Ablenkungen. In 0 sind die einzelnen Gabelungen in der Geschichte jedoch ziemlich lang, egal wie wichtig sie für die übergreifende Handlung sind. So fühlt sich die Story zusammenhangslos an und sie verwirrt den Spieler, je nach Reihenfolge, in der man die Pfade angeht.

Diese Probleme untermauern die hohe Qualität der geschriebenen Vorlage von Steins;Gate. Die Mechanik der Manipulation der Zeitlinien wurde so gut beschrieben, dass einem stets die Limitierungen von Rinators Vorhaben mit der Zeitmaschine bewusst waren. Diesmal werden diese Einschränkungen weniger offensichtlich dargestellt und die Entscheidungen, die der Spieler im Bezug auf die Zeitlinie trifft, werden dem Leser weniger ausführlich erklärt. Wir konnten die Folgen unserer Entscheidungen nicht immer nachvollziehen und selbst nachdem wir alle Pfade absolviert haben, ergaben Teile der Handlung im Gesamtkontext wenig Sinn.

Steins;Gate 0 stellt visuell größtenteils eine Verbesserung im Vergleich zum ersten Teil dar. Der Zeichenstil bleibt sich selbst treuer als noch im Erstling und kommt dabei ohne dessen seltsame Gesichter aus. Die Anzeigen wurden ebenfalls angepasst, um der veränderten Stimmung gerecht zu werden. So greift man auf einen rostigen Metalllook statt dem klinisch reinen Stil von Steins;Gate zurück. Die Musik des Spiels ist ebenfalls fantastisch und verleiht jeder einzelnen Szene emotionale Tiefe.

Fazit

Steins;Gate 0 durchzuspielen war gewissermaßen enttäuschend, besonders wenn es direkt an einen Durchlauf des Originals grenzt. Während wir uns über ein Wiedersehen mit den Charakteren gefreut haben und einige der Neuerungen Sinn ergeben, führt die schwächere Haupthandlung dazu, dass man Steins;Gate 0 Fans des Erstlings nur mit Einschränkungen empfehlen kann. Es gibt einige schöne Momente, die allerdings hinter einer um ein Vielfaches schwächeren Geschichte im Vergleich zum ersten Teil versteckt.

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