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Vom Scout Camp zum Indie-Game-Hit? Das 5-gegen-5-CTF-Spiel Last Flag von Night Street Games nimmt sich den Erfolg von Helldivers II zum Vorbild.
„Two Hearts, one Valve“, heißt es in „Birds“ von Imagine Dragons. Wie passend, denn das erste Spiel des Studios des Lead-Sängers und neuerdings Videospielentwickler Dan Reynolds wird nicht nur auf Valves PC-Plattform Steam, sondern auch im Epic Games Store veröffentlicht. Gerade läuft die Open Beta. Gemeinsam mit seinem Bruder Mac hat Dan 2020 das Studio Night Street Games in Las Vegas, Nevada gegründet. Das Debütspiel des 30-köpfigen Teams wurde während des Summer Game Fest im vergangenen Juni angekündigt und sorgte zunächst für Irritationen, um welches Spiel es sich eigentlich handeln würde, da man im ersten Trailer wenig vom eigentlichen Spielgeschehen sehen konnte. Die Reynolds-Brüder und Game Director Matthew Berger greifen dies in einer exklusiven Präsentation des Spiels für die Games-Presse auf und meinen, man habe dazugelernt und dies mit dem „Gameplay Reveal“ im August auf der gamescom und dem PSA, dass es sich um kein Battle Royale handelt, direkt korrigiert, auch wenn dieser Trailer „weniger unterhaltsam“ sei.
In seiner Jugend spielte Dan gerne im Scout Camp, Capture the Flag und eine weitere Inspirationsquelle war Valves Team Fortress 2 – ein kurzweiliger Mehrspielertitel mit ikonischen Charakteren, geringer Einstiegshürde und süchtig machendem Spielprinzip. In Last Flag finden wir uns in einer fiktiven Game Show in den 1970ern wieder. Lumberjack – ein Holzfäller inspiriert von Dans bestem Freund und Trainer -, Scout – ein Falkner, der sich kurzerhand an die kräftigen Beine seines treuen Begleiters hängt und der zur Würdigung der Mitwirkung von ukrainischen Entwicklerinnen und Entwicklern die Landesflagge trägt – und die anderen sieben Charaktere werden über Röhren direkt auf eines von zwei zur Veröffentlichung verfügbaren weitläufigen Karten transportiert. Weitere Level sollen im Übrigen nachgereicht werden und man arbeitet bereits an der Konzeption der vierten Map.
In der ersten Phase versteckt ein selbst ausgewählter oder vom Spiel bestimmter Träger die Flagge des eigenen Teams und nutzt dabei bestenfalls die mannigfaltigen Versteckmöglichkeiten in den verwinkelten Karten aus. Die übrigen Teammitglieder können derweil auf die Jagd nach bis zu zehn Cashbots gehen, um Geld zu sammeln und später die Fähigkeiten aufzubessern. In der nächsten Phase geht’s dann an’s Eingemachte und ihr müsst die feindliche Flagge aufstöbern und für eine Minute halten, um die Partie zu gewinnen. Keine Partie soll länger als 20 Minuten dauern und in unserer Test-Session können wir das bestätigen.
Um die Suche nach der gegnerischen Flagge zu beschleunigen, könnt ihr verschiedene Radartürme erobern. Diese durchsuchen unterschiedliche Quadranten der Karte und visualisieren für euch den besten Suchort auf der Minikarte. Je mehr Türme ihr erobert und je länger ihr sie haltet, desto schneller findet ihr die Flagge. Jeder Charakter verfügt über unterschiedliche Waffen und Spezialfähigkeiten. So geht der Lumberjack naturgemäß mit seiner Axt im Nahkampf zu Werke, Roadie kann mit einer Spezial-Granate seine Gegner zu einem bestimmten Punkt ziehen und sie dann mit einem Granatwerfer traktieren, Skyfire brutzelt alles in einem sehr begrenzten Bereich mit dem Flammenwerfer weg und Arsenal verwendet ein Plasma-Gewehr und kann Mini-Guns platzieren. Eine weitere Spezialfähigkeiten zwingt alle Feinde in einem bestimmten Radius zum Tanzen und immobilisiert sie so – herrlich absurd. Power-ups lassen euch wie in einem klassischen Shooter mehr Schaden auszuteilen und Sprung-Pads erlauben euch neue Areale zu erreichen. Durch die Weitläufigkeit der Karten und die begrenzte Spielerzahl spielt sich Last Flag weitaus weniger chaotisch als man annehmen könnte. Wege können verkürzt werden, indem man eroberte Radartürme als Spawnpunkte nutzt – zur Heilung dienen sie indessen auch. Die Rollenverteilung innerhalb eines Matches ändert sich dynamisch – schützt ihr lieber den Flaggenträger, erobert ihr Türme, damit das andere Team nicht eure findet oder killt ihr Cashbots um Geld zu sammeln?
Nicht nur in punkto Charakter- und Weltendesign findet man sich in Last Flag in den 1970ern wieder, sondern auch in punkto Musik. Der von Dan Reynolds, JT Daly (2018 nominiert für zwei Grammys für den Besten Rock-Song K.Flays „Blood in the Cut“ und das Beste Abmischung eines Albums „Every Where Is Some Where“) und David Lowmiller (verantwortlich für das Sound-Design in mehreren Battlefield- und Dead Space-Spielen) kreierte Soundtrack wurde auf zeitgenössischen Instrumenten eingespielt. Dreht man die Lautsprecher auf, fühlt man sich tatsächlich, als wäre man in einem Agenten-Thriller der 60er oder 70er wie Danger Man oder Nummer 6 gelandet – die geheimnisvolle Insel letzterer Kultserie um Patrick McGoohan wäre sicherlich auch eine interessante Spielumgebung.
Night Street Games CEO Mac Reynolds meint, dass es im aktuellen Zeitalter zwar eine Herausforderung sei, als Indie-Studio ein erfolgreiches Debütspiel zu veröffentlichen, der Erfolg aktueller Beispiele im Shooter-Genre – hier wird wohl auf den Überraschungserfolg von Helldivers II der Arrowhead Game Studios angespielt – würden aber Wege zum Erfolg zeigen und gerade mit dem Fokus auf den Capture the Flag-Modus sei Last Flag einzigartig. Zusätzliche Modi schließt Game Director Matthew Berger nicht aus, allerdings werde man keinen öden Deathmatch-Modus einbauen, sondern den Spielvarianten seinen eigenen Stempel aufdrücken. Spielende sollen für Last Flag nur einmal zur Kasse gebeten werden. In-Game-Transaktionen soll es nicht geben – alle Gegenstände und Verbesserungen soll man im Spielverlauf freischalten können. Zwar gibt es aktuell nock keinen konkreten Veröffentlichungstermin, wir gehen aber von einer baldigen Ankündigung aus. Konsolenversionen sollen im Übrigen im Laufe des Jahres folgen.
Vorabfazit
Last Flag ist ein zugängliches kurzweiliges Capture the Flag-Spiel mit geringer Einstiegshürde und interessanten Spezialfähigkeiten. Jede Partie spielt sich durch die unterschiedlichen Charaktere etwas anders und der 70er-Charme ist in diesem Genre definitiv ein Alleinstellungsmerkmal. Ob Last Flag ein Erfolg oder nicht hängt nicht zuletzt nicht nur vom noch nicht bekannten Kaufpreis, sondern auch davon ab, wie umfangreich das Spiel zur Veröffentlichung sein wird. Die beiden mit viel Liebe zum Detail gestalteten Maps machen bereits einiges her, doch werden sie das auch noch nach mehreren Wochen? Es ist ein gutes Zeichen, dass Night Street Games bereits an Nachschub arbeitet. Interessierte können die Open Beta aktuell gratis auf Steam und im Epic Games Store (in beiden Stores als Demo bezeichnet) herunterladen und noch bis zum 2. März spielen.
Night Street Games hat uns Zugang zu einer Vorabversion von Last Flag ermöglicht.








