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Im Test: Code Vein II

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Mit Code Vein II schlägt die Bandai Namco-Serie eine etwas andere Richtung ein, erzählt dabei eine neue Geschichte und spielt in einer offenen Welt.

Dieser Test basiert auf Version 1.0.5 von Code Vein II, die am 4. März 2026 veröffentlicht wurde.

Das erste Code Vein war ein gelungener erster Versuch innerhalb des Soulslike-Genres, der die Ästhetik von God Eater mit einem deutlich anspruchsvolleren Gameplay verbunden hat. Das Spiel hatte zwar einige Schwächen (vor allem die mangelnde Abwechslung und die schlechten DLCs), ihm gelang es allerdings Genrefans etwas Einzigartiges zu bieten.

Über sechs Jahre kehrt die Serie mit Code Vein II zurück, allerdings anders als die meisten es erwartet hätten. Anstatt die Geschichte des ersten Teils fortzusetzen, spielt Code Vein II in einer völlig anderen Welt mit neuen Charakteren. Hier bedroht eine Katastrophe namens „Resurgence“ den Planeten, die nur durch ein von Helden der Vergangenheit erschaffenes Siegel in Schach gehalten wird. Doch auch dieses Siegel steht kurz vor dem Zusammenbruch, da jede Heldin und jeder Held in den Jahren seit seiner Entstehung korrumpiert wurde.

In Code Vein II schlüpft ihr in die Rolle eines Revenant-Jägers – Revenants sind nahezu unsterbliche Menschen mit besonderen Fähigkeiten –, der kürzlich von den Toten auferstanden ist. Gemeinsam mit Lou, einem Revenant mit Zeitreisefähigkeiten kehrt ihr in die Vergangenheit zurück, um einen Weg zu finden, die einzelnen Teile des Siegels zu zu verwenden und so die korrumpierten Heldinnen und Helden zu vernichten.

Es ist schwer, eine Zeitreisegeschichte zufriedenstellend umzusetzen, da sie oft mit Logiklücken und anderen Fehlern zu kämpfen haben. Code Vein II geht keine allzu großen Experimente ein. Jeder Abschnitt der Geschichte konzentriert sich meist auf einen Hauptcharakter. Ihr bereist eine bestimmte Ära, verbündet euch mit einem der Heldinnen und Helden aus vergangenen Tagen, erlebt deren Geschichte und kehrt wieder in die Gegenwart zurück, um gegen die korrumpierte Form des jeweiligen Charakters zu kämpfen – und dann geht’s wieder von Vorne los.

Es ist schade, dass Code Vein II selbst mit diesem relativ simplen Zeitreisekonzept nicht wirklich überzeugen kann. Da die Charaktere meist nur in bestimmten Abschnitten relevant sind, bleiben sie sie für den Großteil der Geschichte wie vom Erdboden verschluckt. Man kann zwar eine bestimmte Epoche besuchen und diese nach Belieben erkunden und ein paar kurze Nebenquests machen, doch größtenteils werden wir durch die Storystränge der einzelnen Charaktere durchgescheucht. Ganz zu schweigen von den Nebencharakteren, die sich im gesamten Spiel kaum oder gar nicht merklich weiterentwickeln.

Letztendlich erhält man eine Geschichte, die versucht, emotionale Momente ohne jegliche Vorbereitung zu erzwingen. Selbst der Zeitreiseaspekt wirkt unausgereift, da der eigene Einfluss in der Vergangenheit außerhalb der eigentlichen Handlung nur wenige Veränderungen in der Gegenwart bewirkt. Dass die Umgebungen über Hunderte von Jahren unverändert bleiben, trägt nicht gerade dazu bei, den Unterschied zwischen den Epochen glaubhaft zu vermitteln, egal wie die Geschichte dies auch darstellen mag.

Wo wir gerade bei den Spielumgebungen sind möchten wir darauf eingehen, dass Code Vein II sich von dem linearen Leveldesign seines Vorgängers verabschiedet. Stattdessen erwartet euch eine offene, frei erkundbare Welt – mit einigen Einschränkungen. Anstatt euch einfach in der Wildnis auszusetzen und euch „Viel Glück!“ zu wünschen, bietet Code Vein II ein recht lineares Spielerlebnis. Nach der anfänglichen Tutorial-Insel erhaltet ihr Zugang zu der eigentlichen Spielwelt. Diese ist im Wesentlichen in drei Abschnitte unterteilt, in denen jeweils eine Heldin oder ein Held besiegt werden muss.

Das Konzept will einfach nicht aufgehen: Zwar dürft ihr selbst entscheiden, in welcher Reihenfolge ihr die Heldinnen und Helden angeht, sie wurden allerdings so angelegt, dass es schon eine empfohlene Reihenfolge gibt. In unserem Test war der erste Abschnitt recht schwierig, wurde aber mit der Zeit durch Levelaufstiege und Verbesserungen der Ausrüstung leichter. Das nächste Gebiet stelle dann keine Herausforderung dar, da alle Gegnerinnen und Gegner darin zu schwach waren.

Letztendlich wirkt die offene Welt einfach leer, selbst wenn man das Fortschrittssystem außer Acht lässt. In der offenen Welt gibt es nicht wirklich viel zu entdecken. Die Gebiete scheinen häufig der gleichen Blaupause zu folgen und es fehlt an Variation der Gegnerinnen und Gegner. Ab und an findet man optionale Dungeons, diese sind allerdings recht kurz und legen die immer gleichen Bosse neu auf.

Das alles wäre halb so schlimm, wenn sich die Spielmechanik im Vergleich zu dem ersten Code Vein zumindest verbessert hätte, aber selbst das ist nicht der Fall. Auf den ersten Blick wirkt es ähnlich und wir erhalten Zugriff auf ein bekanntes Arsenal an Waffen und Fähigkeiten. Mit den Waffen vollführen wir leichte und schwere Angriffe und nutzen Spezialfähigkeiten, die wir mit Ichor aktivieren können. Ichor wiederum erhalten wir durch den Einsatz von Drain-Attacken, die nach dem Aufladen noch mehr Schaden austeilen und uns zusätzliche Ressourcen bieten.

Problematisch an dem Kampfsystem ist, dass die Bosse scheinbar nicht auf das Moveset des Spielenden ausgelegt sind. Wenn es gut läuft, ist es qualitativ vergleichbar mit dem ersten Spiel – einige Aspekte wie schwerere Waffen sind gar noch verschlechtert worden. Zum Verkaufsstart ließen die Bosse oft kaum Pausen zwischen ihren Angriffen und griffen sogar jedes Mal an, wenn man angefangen hat sich zu heilen. Diese Problematik wurde durch Patches zwar etwas verbessert, ist aber noch lange nicht aus der Welt geschafft worden.

Und genau das macht Code Vein II oft so frustrierend. Es ist kein per se schweres Spiel, da man die Spielbalance schon nach der Hälfte des Spiels ausgehebelt hat (vor allem, wenn man die Karte erkundet und noch viel weiter aufsteigt). Das Besiegen der Bosse beim ersten Versuch sorgt nicht wirklich für Erfolgserlebnisse. Eingehende Angriffe konnten wir häufig einfach ignorieren, auf die Taktik komplett pfeifen und so versuchten wir meist, möglichst schnell die Lebensleiste der Bosse zu leeren.

Die Tragik daran ist, dass man den Spielenden durchaus viele Möglichkeiten bietet, ihren eigenen Charakterbuild zu finden Das Level bestimmt nur die Basiswerte, während die Skalierung eurer Charakterwerte und weitere Faktoren an Blutcodes gekoppelt sind. Blutcodes wiederum erhält man hauptsächlich durch das Zusammenwirken mit Verbündeten und diese verändern die Werte eures Charakters und bieten beim Ausrüsten spezifische Boni.

Auch in den Bereichen Gewicht und Überlastung bietet Code Vein II ganz eigene Lösungen an. Eure Ausrüstung beeinflusst jeden einzelnen Charakterwert. Behaltet ihr den Gesamtwert eurer Ausrüstung unter der Hälfte jedes einzelnen Attributs, könnt ihr schneller ausweichen. Überschreitet ihr hingegen das Limit bei mehreren Attributen, vollführt ihr eine behäbige Ausweichrolle. Zusätzliche Boni sind an bestimmte Schwellenwerte eurer Attribute gekoppelt und so werdet ihr für eine umsichtige Ausrüstung eures Charakters belohnt. Da die Blutcodes frei wechselbar sind, erfahren wir beim Ändern des Spielstils keinen wirklichen Nachteil. Es wäre wünschenswert dieses System in einem Spiel wiederzufinden, in dem es tatsächlich einen Unterschied spielt.

Selbst wenn das Kampfsystem vor der geplanten Erweiterung noch einmal überarbeitet wird, gibt es einen anderen Bereich, der dringend verbessert werden muss: die Performance. Code Vein II reiht sich in die Riege von aktuellen Unreal-Engine-5-Games mit schwankender Framerate und spürbaren Rucklern ein. Unabhängig von euren PC-Spezifikationen (unser Testsystem verfügte über eine GeForce RTX 5070 Ti) ist in Code Vein II eine konstante Bildrate von 60 Bildern pro Sekunde derzeit schwer realisierbar.

Wie Isaac am PC stieß Lady V auf der Xbox Series X auf ganz ähnliche Probleme, insbesondere in der offenen Welt und vermutlich sieht es auf der PS5 nicht anders aus. Die Unreal Engine 5 und eine schlechte Performance gehen derzeit häufig Hand in Hand und es bleibt zu befürchten, dass sich daran in Zukunft nicht viel ändern wird. Besonders ärgerlich an den Performance-Problemen in Code Vein II ist, dass sich die Grafik im Vergleich zum ersten Teil nicht großartig weiterentwickelt hat. Zwar ist die visuelle Qualität etwas höher, aber das rechtfertigt diese Leistungseinbußen nicht. Der Versuch, realistischere Umgebungen darzustellen, schadet Code Vein IIs Optik sogar eher, da sie im krassen Gegensatz zu den stilisierten Charaktermodellen stehen.

Fazit

Code Vein II ist eine Enttäuschung, selbst wenn wir schon schlechtere Soulslikes gespielt haben. Es hat nichts aus den Erfolgen und Fehlern des ersten Teils gelernt, was letztendlich zu einem schlechteren Spielerlebnis führt. Der Wechsel zu der offenen Welt hätte mit den richtig gesetzten Stellschrauben durchaus klappen können, insbesondere wenn man sich an den „offenen Zonen“ von Nioh 3 orientiert hätte. Stattdessen leidet das Leveldesign unter den sich wiederholenden Umgebungen und es gibt außer ein paar Sammelobjekten keinen wirklichen Anreiz zum Erkunden der Spielwelt.

Patches und die geplante Erweiterung geben Code Vein II im kommenden Jahr eine geringe Chance, das Ruder herumzureißen. Aktuell würden wir euch allerdings empfehlen, noch etwas zu warten, bevor ihr euch an Code Vein II heranwagt.

Bandai Namco hat uns Code Vein II für diesen Test zur Verfügung gestellt. Die Screenshots haben wir am PC erzeugt.