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Test

Im Test: Anodyne

Kleinkinder brauchen viel Liebe. Anodyne ist ein solches kleines Kind. Bewusst unterentwickelt, gewöhnungsbedürftig und irgendwie zaubert es einem trotzdem immer ein Lächeln ins Gesicht.

Artikel-Autor: Niklas

Die beiden Elternteile dieses Kindes sind Sean Hogan und Jonathan Kittaka und nennen sich, ähnlich wie Brangelina, Analgesic Productions. Der Name des Entwicklerstudios und des Kindes leitet sich von dem Analgeticum Anodyne ab. Jedem gesunden Menschenverstand ist klar, dass die beiden Väter des Spiels keine großen Dämme losbrechen wollen, sondern begeisterten Videospielern und Nostalgikern ein Stück Vergangenheit zurückschenken wollen.

In einer Zeit, in der der Grundsatz höher, schneller, weiter zum Lebensmotto geworden ist, vor allem was Videospiele betrifft, geht Anodyne längst vergessene Wege, nämlich Liebe zum Detail und vor allem Liebe zu Videospielen.

Urlaub für’s Gehirn

Wirft man einen ersten Blick auf Anodyne, so erkennt man sofort die Zelda-Anleihen. Der Stil und schon allein das Spielprinzip an sich sind eine offensichtliche Hommage an The Legend of Zelda: Link’s Awakening.

Der große Bruder ist unschwer zu erkennen
Der große Bruder ist unschwer zu erkennen

Als Young erforscht ihr abstrakte 2D-Top-Down-Welten in denen ungewöhnliche Dinge geschehen. Diese Welten sind jedoch nicht real, sondern existieren einzig und allein in Youngs Unterbewusstsein. Wie ihr schon bald erkennen werdet, ist dies kein gewöhnliches Unterbewusstsein, denn auf irgendeine Weise scheint der gute Young ein großes psychisches Problem zu haben. Diese Probleme gilt es zu beseitigen. Selbstverständlich, wer hätte es anders erwartet, mit einem Besen. In einer großen bunten Welt und einer schönen Landschaft findet ihr euch zu Beginn wieder. Jedoch könnt ihr nicht überall hin reisen, da euch Steine auf Youngs weg davon abhalten. Da sich diese großen Steine nicht einfach mit dem Besen wegkehren lassen, begebt ihr euch in Dungeons um Spielkarten zu sammeln. Diese Spielkarten erlauben es euch euren weg weiter zu gehen.

Die Interpretation dieser Tatsache ist euch jetzt selbst überlassen. Ich für meinen Teil glaube, der gute Young hat schwere psychische Probleme oder vielleicht sogar Schmerzen und braucht dieses Spiel als Analgeticum, wie der Titel des Spiels schon verspricht. Egal wie man es interpretieren will, schon allein die Tatsache es interpretieren zu können, zeigt mit wie viel Aufwand die beiden Entwickler dieses Spiel produziert haben, um nicht wie die meisten Titel heutzutage ein reines Unterhaltungsmedium zu sein, sondern auch etwas zur Anregung der Gedanken darstellen.

Weit weg vom großen Bruder

Je weiter ihr geht, desto albtraumhafter, aber auch abwechslungsreicher wird die Umgebung. Wo ihr noch zu Beginn von einem Stein beleidigt werdet und im nächsten Moment mit Katzen diskutiert, werdet ihr später von riesigen Kamel-Elefanten-Kreuzungen kaum beachtet. Ihr merkt: Irgendetwas in Youngs Unterbewusstsein läuft gewaltig schief. Jedoch, egal wie absurd die Welt in diesem Moment auch sein mag, es taucht in regelmäßigen Abständen ein kleines Mädchen mit Fahrrad auf, das euch manchmal ganz schön nützlich ist.

Man möchte sagen, trotz seines old-school 16 Bit-Charmes ist Anodyne keineswegs ein Zelda-ähnliches Gehüpfe durch eine fröhliche Welt. Anodyne kann auch manchmal sehr erschreckend und abartig werden, so dass es schon teilweise einen Platz als Psycho-Thriller verdient hätte. In Anodyne wird ähnlich wie in Corpse Party  bewusst ein dunkles Thema gewählt, um Denkanstöße zu geben, auch zu philosophischen Fragen. Wer also dieses Spiel kaufen möchte, sollte sich bewusst sein, dass er sich keineswegs entspannt vor den PC setzten und die alten Zelda-Zeiten aufleben lassen kann. Denn Anodyne ist durchaus ein Spiel, welches ein Existenzrecht außerhalb von Zelda-Anleihen hat, und welches sich die volle Aufmerksamkeit des Spielers verdient.

Auf in psychische Probleme mit Schmerzmitteln
Auf in psychische Probleme mit Schmerzmitteln

Dies wird zudem unterstrichen durch die extrem stimmige Welt und das Design dieser. Hinzu kommt der brillante Soundtrack, welcher sowohl ruhigere Töne trifft, aber auch eine warnende Wirkung in bestimmten Situationen haben kann.

Young durch sein eigenes Unterbewusstsein zu steuern ist dem Spieler sehr einfach gemacht, da man im Grunde nur wenige Knöpfe benötigt, jedoch ist die Steuerung selbst manchmal etwas unpräzise, was vor allem bei den Hüpfpassagen sehr nervig werden kann, vor allem da man dank der Schräglage der Kamera die Abstände schlecht einschätzen kann.

Seid ihr dann über die Abgründe eines Dungeons gehoppelt, erwarten euch meist leicht zu besiegende Endgegner, bei welchen der Schwierigkeitsgrad leider kaum steigt. Dies macht manchmal den Eindruck die Entwickler wollten die Spielzeit lediglich künstlich verlängern, da diese ansonsten nur 3-5 Stunden statt der 7 betragen hätte. Lasst euch sagen Entwickler: Weniger Spielzeit ist nicht gleich weniger vom Spiel. Manchmal kann weniger mehr sein, vor allem wenn auffällt, dass es nur um der Spielzeit willen eine solche Spielzeit gibt. Wenn eine zusätzliche Spielzeit unrelevant für die Story oder das Spiel an sich ist, dann lasst diese doch bitte weg, und verschwendet nicht euer und unsere Zeit.

Anodyne kommt mit einer auf fünf Tasten reduzierte Tastatur-Steuerung daher. Zwar kann man bereits via Xpadder & Co. die Tasten eines Controllers damit belegen, eine vollwertige Gamepad-Unterstützung soll es in künftigen Updates jedoch auch geben.

Fazit

Deutlich und unmissverständlich
Deutlich und unmissverständlich

Trotzdem ist Anodyne keineswegs Zeitverschwendung. Wer auf 16 Bit-Spiele und Top-Down-Adventures steht, der greift selbstverständlich zu, gar keine Frage. Aber auch alle anderen, die einfach mal etwas anderes erleben wollen, als die Videospiele die sie im Regal stehen haben, und kein Problem damit haben, auf die neueste Grafik und ausgefeiltes Gameplay zu verzichten um des Spielerlebnisses Willen, der muss sich Anodyne auf jeden Fall zumindest ein Mal anschauen. Ich kann niemandem versprechen, dass dieses Spiel gefallen wird, denn es ist keineswegs perfekt, aber zumindest wird es beeindrucken, denn auf alle Fälle ist es einzigartig.

Und wer beeindruckt ist, und sich dann diesem Spiel widmet, der wird es lieben lernen, wenn er sich darin fallen lässt. Wie gesagt: Anodyne verdient sich die Aufmerksamkeit der Spieler, und erkämpft sich später dann ihre Herzen.

nd/olp

Anodyne Bild 5Anodyne
Genre: Action-Adventure
System: PC, Linux, Mac
Preis: ca. 8 Euro
Entwickler: Analgesic Productions
Publisher: Analgesic Productions

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