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Reanimal bietet eine ganz ähnliche Spielerfahrung wie Little Nightmares inmitten einer gewohnt zerrütteten Spielwelt.
Seit der Veröffentlichung von Little Nightmares II ist viel Zeit vergangen, doch jetzt meldet sich Tarsier Studios mit einem neuen Horror-Abenteuer für PlayStation 5 (Test-Plattform: PS5 Pro), Xbox Series X|S, Nintendo Switch 2 und PC zurück. Obwohl sich die Welt und die Charaktere merklich von den Little Nightmares-Spielen unterscheiden, bietet Reanimal ein sehr vertrautes Spielerlebnis und übernimmt einige der besten Aspekte der Franchise. Eine noch vagere Handlung und das Ausbleiben einprägsamer Momente verhindern jedoch, dass der Titel die vorherigen Werke des Teams übertrifft.
In Reanimal erwacht man als Junge mit einem Sack als Maske und einer Schlinge um den Hals auf einem Boot. Auf seiner Reise trifft er im Wasser auf ein Mädchen, das ihn zunächst angreift, dann aber zurückweicht. Im Einzelspielermodus steuert man nur den Jungen, im lokalen und Online-Koop-Modus kann zusätzlich in die Rolle des Mädchens geschlüpft werden.
Das Duo bereist verschiedene seltsame Orte, von überfluteten Gebäuden bis hin zu einem verfallenen Waisenhaus. Dabei werden sie von grausamen Kreaturen gejagt, die sie meist zum Verstecken oder Fliehen zwingen. Es wird zwar angedeutet, dass die Kinder ihre Freunde retten wollen, doch viel mehr als das erfährt man nicht.
Generell bleibt Reanimal sehr vage. Es gibt zwar Dialoge, aber die Charaktere sagen meist nur wenige Sätze. Selbst wenn man mal auf andere Charaktere trifft, bringen diese nicht gerade Lichts ins Dunkel. Selbst nach mehrmaligem Durchspielen ist uns nicht klar geworden, was wirklich passiert.
Dieses Problem betrifft nicht nur Reanimal, denn auch in den beiden Little Nightmares-Spielen wurde dem Spielenden selten direkt erklärt, was vor sich geht. Um das zu entschlüsseln, waren schon beinahe detektivische Fähigkeiten erforderlich. In Reanimal treiben die Entwickelnden das auf die Spitze. Einiges mag in den DLC-Kapiteln, die im kommenden Jahr erscheinen sollen, erläutert werden, aber das tröstet nicht über die enttäuschende Haupthandlung hinweg.
Spielerisch bietet Reanimal ein recht vertrautes Erlebnis. Man bewegt sich größtenteils in Umgebungen fort, die weit größer sind als die eigene Spielfigur, springt und klettert, um zum nächsten Gebiet zu gelangen. Die Umgebungen sind detailreich gestaltet, und Licht und Schatten werden gelungen eingesetzt. Die dichte Atmosphäre beim Erkunden des nächsten düsteren Schauplatzes wird dadurch erheblich verstärkt.
Einer der maßgeblichen Schwachpunkte von Reanimal ist die vereinfachte Form der Fortbewegung. Die Rätsel waren in den Little Nightmares-Spielen bereits recht simpel, und hier wurden sie noch weiter vereinfacht. Vieles beschränkt sich darauf, einen bestimmten Gegenstand zu finden – beispielsweise einen Bolzenschneider, um eine verschlossene Tür zu öffnen.
Die Schleichpassagen und Verfolgungsjagden leiden ebenfalls an dieser Problematik. Es ist verständlich, dass diese entschärft wurden, da die ständigen Tode auf Dauer nervig sein können (besonders im Koop-Modus), dennoch trägt ein gewisses Gefahrenpotential zur düsteren Atmosphäre bei und das fehlt hier einfach. Einige Sequenzen, gerade die größeren Kreaturen gegen Ende des Spiels, sind allerdings wiederum ganz großes spielbares Kino.
Auch an den Kreaturen in Reanimal müssen wir Kritik üben. Aufgrund des Namens und der ersten Trailer war anzunehmen, dass euch monströse, überdimensionale Tiere auf die Pelle rücken würden, stattdessen begegnet ihr immer wieder einfach nur einem riesigen Menschen. Zwar sind diese Szenen nicht unbedingt schlecht geworden, dem Spiel hätten aber mehr Begegnungen mit anderen Kreaturen gut getan.
Das Spiel nutzt die Vorteile der zwei Charaktere nicht aus. Wenn man wie wir alleine spielt, übernimmt die Künstliche Intelligenz (KI) die meisten Aktionen des Mädchens (manchmal weist man sie an, bestimmte Gegenstände zu benutzen oder Bereiche auf dem Boot zu beleuchten). Größtenteils machen die beiden einfach exakt das Gleiche: Sie rennen zu den selben Orten oder verschieben den gleichen Gegenstand.
Nur bei wenigen Rätseln wird der kooperative Aspekt genutzt, etwa wenn ein Charakter den anderen auf einen Vorsprung hievt und dort zur Tat schreitet – nicht viel, aber immerhin etwas. Auch ohne menschliche Begleitung verpasst man in Reanimal nichts, abgesehen davon, dass die Wegfindung der KI manchmal etwas merkwürdig ist.
Unser größter Kritikpunkt an Reanimal ist, dass es einfach unfertig wirkt. Kürzere Spiele haben ihre Daseinsberechtigung (zum Preis-/Leistungsverhältnis gibt es sicherlich unterschiedliche Meinungen), aber Reanimal wirkt nicht wie ein Spiel, dessen Spielzeit nur knapp fünf Stunden betragen sollte. Die unausgewogene Bildschirmzeit der Opponenten, die enttäuschende Story und das abrupte Ende führen zu einem eher unbefriedigenden Spielerlebnis.
Das wäre an sich nicht so schlimm, doch angesichts der angekündigten DLCs beschleicht einen das Gefühl, nur die Hälfte der Geschichte erlebt zu haben. Insgesamt soll der Season Pass drei DLCs umfassen und dabei die Geschichte des Hauptspiels mit neuen Charakteren, Gebieten und Gegnertypen fortsetzen.
Fazit
Reanimal ist ein mittelmäßiges Spiel, für das die Fußstapfen von Little Nightmares einfach zu groß waren. Während man anfänglich noch die hübsch gestalteten Umgebungen und die gruselige Atmosphäre genießen kann, sieht man sich schnell an dem repetitiven Gameplay und der dünnen Story satt. Zwar bieten die DLCs durchaus Grund zur Vorfreude, allerdings sollte das Hauptspiel ohne diese Erweiterungen bereits ein abgerundetes Erlebnis bieten.
THQ Nordic hat uns Reanimal für die PS5 zur Verfügung gestellt. Die Screenshots haben wir mit der PS5 Pro aufgenommen.



