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Im Test: Gravity Rush Remastered

Sony lässt dieser Tage die neue Katze aus dem Sack und wir blicken zurück auf das imposante erste Kapitel um Kat, Hekseville und den Nevi.

Gravity Rush erzählt die Geschichte von Kat. Diese erwacht eines Tages auf einem verlassenen Spielplatz in der schwebenden Stadt Hekseville, begleitet von einer mysteriösen Katze, deren Fell von glitzerenden Sternen bedeckt wird. Die Katze, welche kurzerhand Dusty benannt wird, verleihen der blonden jungen Dame die Fähigkeit die Schwerkraft nach Belieben zu ändern. Diese Art der Fortbewegung und das interessante Kampfsystem sind die Herausstellungsmerkmale, die den Titel so interessant machen.

Gravity Rush erscheint am 13. Juni 2012 für die PlayStation Vita, im November des gleichen Jahres dürfen PlayStation Plus-Abonnenten den Titel ohne zusätzliche Kosten spielen. Die HD-Neuauflage Gravity Rush Remastered inkludiert die drei erschienenen Erweiterungen und ist seit dem 2. Februar 2016 für die PlayStation 4 erhältlich.

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Geschichte

Der Schauplatz Hekseville besteht aus unterschiedlichen Stadtteilen. Zunächst dürfen wir das Stadtzentrum namens Auldnoir erkunden. Während die mächtigen Wohngebäude gotisch angehaucht sind, trifft sich das Volk auf dem Marktplatz und an dem markanten Brunnen. Später dürfen wir durch die engen Gassen des Vergnügungsdistrikts Pleajeune pilgern, an den riesigen Schornsteinen der Fabriken des Industriegebiets Endestria vorbeifliegen und die Finanz- und Regierungsmetropole von Vendecentre besuchen. Die verschiedenen Bezirke schalten wir durch absolvierte Story-Missionen frei.

Gravity Rush™ Remastered_20170105163227Die Bewohner Heksevilles werden von den Nevi attackiert. Diese alienartige Lebensform hält die genannten Bezirke unter ihrer Kontrolle, bis Kat und ihre Gefährten sich derer annehmen. Kat wird dabei von Syd, einem örtlichen Polizisten, unterstützt. Insgeheim himmeln sich die geheimnisvolle Katzenlady und der schusselige Strahlemann an und geben ein gutes Team ab. Doch wir treffen auch auf vermeintliche Feinde, die nicht den Nevi angehören. Die in rot-schwarz gekleidete Raven scheint ebenso wie Kat eine sogenannte Drifterin zu sein. Sie ist Kat sehr skeptisch gegenüber, ihre Motivationen bekommen wir im Laufe des Spiels nachvollziehbar vermittelt. Die Traumwächterin Cyanea (passender Name für ihre hellblauen Haaren) rundet die Heldenriege ab.

Sie entführt uns in geheimnisvolle Welten, denn Gravity Rush ist nicht ausschließlich in Hekseville, sondern lässt uns auch die sogenannte Rifte, Risse im Zeit-Raum-Kontinuum erkunden. Auch eine vergessene Stadt wird uns in Erinnerung gerufen, der Ort erinnert etwas an die Baumwipfel-Behausungen der Ewoks in Star Wars.

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Die einzelnen Story-Missionen sowie die sechs verfügbaren Nebenmissionen erzählen interessante, tragische und heitere Geschichten, welche sich am Ende zu einem großen Ganzen zusammenfügen. Während wir im Maid Story Pack als Hausmädchen für Ordnung sorgen und Botengänge ausführen, verdingen wir uns im Special Forces Pack als Teil einer Miliz und gehen auf Nevi-Jagd. Für Gravity Rush wurde eine eigene Sprache entwickelt, sowohl im Klang als auch in Schrift. Der Großteil der Dialoge findet in Form von Textboxen innerhalb der schönen Comic-Panel-Zwischensequenzen statt. Auf eine Vertonung, außer in wirklich kurzen vorgerenderten Szenen, wird größtenteils verzichtet. Und trotzdem wachsen uns die Figuren an’s Herz und wir fiebern selbst nach etlichen Stunden dem fulminanten Finale der 21 Hauptstory-Missionen entgegen.

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Gameplay

Der Hauptkniff des Gameplays von Gravity Rush ist wie bereits erwähnt Kats Fähigkeit an der Schwerkraft herumzuspielen. Per Betätigung der Schultertaste schwebt Kat. Wir können nun mit dem rechten Analog-Stick (oder alternativ durch Neigen des DualShock 4) ein Fadenkreuz arretieren und erneut durch die Schultertaste den neuen Schwerpunkt festlegen. Kat saust dann im Affenzahn an die ausgewählte Stelle und diese ist der neue Boden – egal ob es sich um eine Fassade eines Wohnhauses, einen kilometerhoher Steinbogen oder ein fliegendes Luftschiff handelt. Auf dem Boden mimt Kat Tony Hawk und überquert die Brücken und Mauern Heksevilles per Gravity Slide. Da die Spielwelt voller Gegenstände – Kisten, Pflanzen, Balustraden, Stühle – ist, eckt man häufiger an und würde sich gerne geschmeidiger fortbewegen, als es die komplexe Levelarchitektur ermöglicht. Frustreich: Der Gravity Slide erfordert es, beide Schultertasten gleichzeitig zu betätigen, was meist darin endet, dass Kate eine Rolle macht statt zu sliden. Kombiniert man diesen Slide mit dem Schweben, erkunden wir die schöne Stadt meist in angenehmer flüssiger Art und Weise.

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Gravity Rush™ Remastered_20170105232924In Windeseile macht sich Kat sprichwörtlich in Kunde die äußerst vertikal gebaut Stadt zu erkunden. In Vendecentre fühlen wir uns eher als schwingende Spinne als als fliegende Katze, die Hochhäuser erinnern stark an Manhattan (siehe Bild rechts). Doch da die Fläche spätestens im letzten Drittel enorm groß ist, können wir auch den Hintergrund benutzen. Mittels Schnell-Reise hüpft Kat wie ein italienischer Klempner in eine der weitflächig verteilten Röhren und taucht im nächsten Stadtteil wieder auf.

 

In Gravity Rush wird nicht nur friedliebend erkundet, sondern auch viel gekämpft. Wird Kat in die Luft gehoben, katapultiert sie sich bei Betätigung der Quadrat-Taste dem nächsten Nevi entgegen. Alternativ kann sie Fußtritte mit selbiger Taste auch auf dem Boden verteilen, das ist für einen solchen reizenden Luftikus aber doch nur halb so spaßig. Jeder Nevi hat Schwachpunkte in Form von rot-gelb glühenden Kernen. Greifen wir diese an, löst sich der Nevi alsbald in Rauch auf.

Haben wir einige sogenannte Rush-Kombos aneinander gefügt, so dürfen wir mit der Dreieck-Taste in Kombination mit einer Richtungstaste eine von drei Spezialattacken vollführen – eine spiralenförmige Klaue, einen Graviationswirbelsturm und ein kleines Schwarzes Loch. Die Klaue ist eine Lock-on-Attacke, die besonders effektiv ist gegen riesige Gegner mit mehreren Kernen. Der Wirbelsturm ist hingegen eine flächendeckende Attacke, in der Kat selbst zum Zentrum eines Taifuns wird, die allerdings nur geringen Schaden verteilt. Als Schwarzes Loch saugt Kat die komplette Umgebung in sich ein und lässt von den Nevi nichts übrig. Daneben könnt ihr ein Stasisfeld generieren und so mit Fässern um euch werfen, was besonders gegen flinke Gegner große Wirkung zeigt.

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Eure Fertigkeiten dürft ihr in bis zu schlappen 12 Stufen aufbessern. Darunter zählen die Zeit, die ihr in der Luft verbringt, wie schnell sich eure Gravitationsenergie automatisch auflädt, die Effektivität aller Angriffe und und und. Die einzelnen Stufen schaltet ihr wiederum durch Wiederherstellung der Stadt frei. Wir reparieren allerlei Fahrstühle, Brunnen, und weitere Monumente und erhalten dafür nicht nur neue Stufen, sondern dürfen an Challenges teilnehmen (dazu später mehr). Als Währung dienen Edelsteine, die äußerst freigiebig in der gesamten Spielwelt verteilt sind. Es scheint so, als habe jemand eine riesige Tüte Schokolinsen über Hekseville ausgeleert und Kat respektive der Spieler kann einfach nicht anders, als die lila funkelnden Kristalle einzusammeln. In den Rifts gibt es gar eigene Abschnitte, in denen wir unseren Vorrat mehr als verdoppeln. Das führt dazu, dass ihr Kat zum Ende hin ganz schön aufgepowert habt und jeder Gegner mit einem Schlag umfällt. Das macht das Spiel gerade in den Endzügen etwas einfach.

 

Das Sony Interactive Entertainment Japan Studio hat sich beim Gegnerdesign voll ausgetobt und sich vor allem an realen Tieren orientiert. Während die Standard-Nevi nur kleine Figuren mit einem hell leuchtenden Kern als Kopfersatz sind, welcher Energiebälle verschießt, und diese sich im Nahkampf mit ihrem Schweif erwähren, findet ihr euch im Laufe des Spiels weitaus einfallsreicheren Kreaturen gegenüber. Ihr werdet von riesigen hüpfenden Hasen angegriffen, die einzig an ihrem Hinterteil verwundbar sind, bekommt es mit fliegenden blitzschnell zuschlagenden Schwertfischen zu tun, plagt euch mit riesigen Golems der Unterwelt herum und habt es auch mit einigen Bossen zu tun.

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Da das Spiel ursprünglich für Handhelds konzipiert wurde, sind die mehrstufigen Kämpfe recht schnell beendet. Am Ende jeder Nebenmission und in vielen Story-Missionen erwehrt ihr euch hingegen mächtigen Bossgegnern, deren Identität wir aus Spoilergründen nicht verraten. Hier gilt es euer gesamtes Wissen anzuwenden. Fühlen sich manche Bossfights doch etwas in die Länge gezogen an, merkt man dem Großteil dieser Kämpfe an, wie genau das Spiel vor der Veröffentlichung getestet wurde. In den Arenen finden sich genau so viele Gesundheitspakete, die wir benötigen um um die Runden zu kommen. Besonders in Kämpfen, in denen die Heldegruppe zusammenarbeitet und ihr mit der epischen orchestralen Musik befeuert werdet, kommt eine tolle Atmosphäre auf.

Die erwähnten Challenges runden als dritte Art neben den 21 Story-Missionen und 6 Nebenmissionen Kats Aufgaben ab. Es gibt weit über 20 Herausforderungen, in den Kat in Wellenform so viele Nevi wie möglich besiegen muss oder in Luft- oder Slide-Checkpoint-Rennen Bestzeiten aufstellt. Es gibt nicht nur Gold-, Silber- und Bronze-Bewertungen, für die es Edelsteine winkt, die Punkte bzw. Zeiten werden auch online gespeichert. Die Challenges machen durch das tolle Leveldesign Spaß, wiederholen sich in ihren Aufgaben jedoch zu häufig. Da müssen Trophäen-Jäger wohl durch, wenn sie am begehrten Platinum schnuppern wollen.

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Technik

Gravity Rush hat einen einzigartigen Grafikstil. Hekseville unterscheidet sich in den einzelnen Stadtteilen nicht nur durch die Architektur, jedem Bezirk wurde auch eine eigene Farbe zugeordnet. Während im Vergnügungsviertel lila angesagt ist, erstrahlt der Downtownbereich in ausgeglichenem grün und das Industrieviertel ist ein giftiges gelb zu eigen. Die Figuren sind karrikativ, schlacksig, mit dicken Comic-Strichen versehen worden, haben aber trotzdem feine Details inne, die besonders im Remaster von Bluepoint Games zur Geltung kommen. Trotzdem kann das Action-Adventure seine PlayStation Vita-Vergangenheit nicht leugnen und besonders am unteren Ende der Stadt finden sich so einige unscharfe Texturblöcke (siehe Bild unten). Das Spiel läuft größtenteils flüssig in 1080p und 60 Bildern pro Sekunde. Einzig wenn viele Energiebälle auf Kat einprasseln, etwa bei einem von Nevi überzogenen Leuchtturm, kommt die Konsole etwas in’s Schwitzen.

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Fazit

Gravity Rush ist ein packendes spielerisch hervorragendes Action-Adventure, nicht nur für Katzenliebhaber. Mag Kats Identitätskrise zu Beginn noch dem Videospielklischee zu entsprechen zu scheinen, spannt SIE Japan Studio innerhalb der folgenden 15 bis 30 Stunden eine packende Geschichte voller Wendungen und Schicksalsschläge, deren Ausgang von Beginn an nicht so abzuschätzen ist. Die Form der Fortbewegung ist innovativ, wenn auch weit davon entfernt perfekt zu sein, die Kämpfe sind dank der guten Umsetzung der Gravitationsspielereien sowie dem tollen Gegner- und Leveldesign abwechslungsreich und das Erfahrungspunktessytem ein Traum für Rollenspielfetischisten. Das Remaster sieht toll aus, läuft flüssig und wurde bis auf wenige Ausnahmen toll an den Controller angepasst. Für den Nachfolger wünschen wir uns, dass letzte Ungereimtheiten in der Steuerung ausgemerzt werden, es viel mehr dieser genial geschriebenen Nebengeschichten gibt und es ruhig etwas mehr Abwechslung bei den Missionszielen geben kann.

Gravity Rush 2 steht bereits in den Startlöchern, die Veröffentlichung ist für den 18. Januar geplant und mehr zu Kats Abenteuern erfahrt ihr in Kürze bei uns.

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Gravity Rush Remastered
Genre: Action-Adventure
System: PS4
Preis: ca. 30 Euro
Entwickler: SIE Japan Studio (Knack) / Bluepoint Games (Uncharted: TNDC)
Publisher: Sony
This game was provided by the publisher for review purposes, check our review policy for details. All screenshots were taken directly on the PS4 by us.

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