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Zelluloitis - Filmecke

Zelluloitis: Protégé – Moon To

Mal wieder einen gut gemachten Hong Kong-Thriller gefällig? Wir stellen euch Protégé mit Andy Lau und Daniel Wu in den Hauptrollen vor.

Nick (gespielt von Daniel Wu) ist ein Undercover-Polizist, der im Drogensumpf einen der großen Bosse zu Fall bringen soll. In acht Jahren hat er sich vom Chauffeur zum engsten Vertrauten des misstrauischen Quin (verkörpert von Andy Lau) hochgearbeitet. Quin ist schwer krank, bekommt eine Niere transplantiert und will sich in die ahnungslose Welt seiner Familie zurückziehen, Nick soll das Multi-Millionen-Dollar-Geschäft übernehmen. Doch dieser steckt natürlich im Zwiespalt zwischen Drogen, Korruption und Loyalität zur Polizeitruppe. Hinzu kommt, dass er die Junkie-Mutter Fan (Zhang Jing Chu) kennenlernt, die sein Leben auch nochmal gehörig durcheinander wirbelt.

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Nick (links) wird bei Quin, einer der größten Figuren in der Drogenschmuggel-Szene Hongkongs, eingeschleußt.

Protégé ist ein Milleu-Drama, das mit viel Fingerspitzengefühl die aufregende Schattenseite Hongkongs beleuchtet, dabei aber auch in die Tiefe geht und die menschlichen Dramen, die sich zeitgleich abspielen, nicht vergisst. Für viele ist das Verkaufsargument von Moon To, wie der Film im Original heißt, Andy Lau auf der anderen Seite des Gesetzes zu sehen. Der sichtbar gealterte Lau hatte 2002/2003 in der Infernal Affairs-Trilogie (die Vorlage für Scorseses The Departed) die selbe Rolle inne, wie sein jetziger Gegenspieler Daniel Wu.

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Auch auf der Gegenseite macht Lau eine tolle Figur, miemt den leicht cholerischen und verbitterten Drogenbaron, der seine ganz eigene Vorstellung von der Weltordnung hat. Wu alias Nick versucht derweil das schmierige Geschäft mit seinem Gewissen zu vereinbaren. Gerade als alles unter einen Hut zu bekommen scheint, trifft er die bettelarme Mutter Fan. Sie liebt mit ihrer kleinen Tochter in einer heruntergekommenen Wohnung und vermittelt tagsüber Nutten mit ihren Freiern. Ohne zu viel zu verraten, ist die Möglichkeit, dass es eine Liebelei zwischen den beiden geben könnte, nicht weit hergeholt. Doch der durchgeknallte Ex-Ehemann versucht den beiden einen Strich durch die Rechnung zu machen. Louis Koo zeigt hier wunderbar, wie man einen durch und durch abscheulichen und gewissenlosen Charakter darstellt.

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Quin führt ein Doppelleben. Einerseits verdient er seine Brötchen mit Haschischkuchen, seiner Familie gaukelt er den erfolgreichen Geschäftsmann vor.
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Armut und Einsamkeit schweißen Nick, Fan und deren Tochter zusammen.

Die Beziehung zwischen Cop und Junkie kann leicht in Klischee-hafte Bereiche abgleiten. Regisseur Derek Yee (bekannt durch Jackie Chans Die Stadt der Gewalt) vermeidet das glücklicherweise meist durch ungekünstelte Dialoge, die häufig das aussprechen, was der Zuschauer denkt. So versucht Nick die desillusionierte Fan wachzurütteln, dass sie aus eigener Kraft aus dem Drogensumpf herauskommen müsse. Auch das Verhältnis zwischen Quin und Nick ist glaubhaft, wenn es auch hier aufgrund des Story-Ziels ein paar Abstriche in Sachen Plausibilität gibt. Grob umrissen verhalten sich Daniel Wu und Andy Lau wie Johnny Depp zu Al Pacino im Mafia-Klassiker Donnie Brasco. Sie haben auch eine ähnlich gute Chemie zueinander vor der Kamera. Dabei verraten wir natürlich nicht, ob der Streifen genauso enden wird.

Wo wir schon bei Vergleichen mit westlichen Filmen sind: Auch die Unfähigkeit der Polizei, Undercover-Agenten frei operieren zu lassen und ihre Deckung nicht auffliegen zu lassen, wird hier gut bebildert. Das kennt man bereits aus Serpico oder den Bourne-Filmen, um nur wenige zu nennen.

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Fan ist zwar eine liebevolle Mutter, dem Drogenwahnsinn jedoch völlig ausgeliefert.

Apropos Kamera: Die Bilder, die Protégé liefert sind teils atemberaubend, was vor allem in der uns vorliegenden Hong Kong-Blu-ray-Fassung zur Geltung kommt. Aus dieser Version stammen auch alle Bilder in unserem Artikel. Die Ausflüge auf die Drogenplantagen Thailands machen ebenso viel Spaß, wie Tony Montanas Geschäftreisen nach Bolivien in Scarface (siehe Bild unten). Und ganz wie Brian de Palmas Klassiker aus den 80ern gibt es dort auch in Moon To eine deftige Szene. Großes Lob also an die Bildregie von Kwok-Man Keung, der schon bei Die sieben Schwerter und Dead or Alive hinter der Kamera stand.

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Ist Protégé also die läppischen 4 Euro wert, die es auf DVD kostet? Auf jeden Fall! Hierbei handelt es sich nicht um eine simple Kopie des Erfolgsrezepts von Infernal Affairs mit vertauschten Rollen. Der Film baut mit seiner facettenreichen Handlung ein glaubhaftes Drama auf und hat ein tolles Pacing, das die Laufzeit von 111 Minuten wie im Fluge vergehen lässt. Bei all den Emotionen muss man aber auch sagen, dass es auch genügend Action-Szenen gibt. In diesen wird nicht wild geschossen, sondern Beschattungen, Razzien und Übergaben stehen an der Tagesordnung. Durch die spannende Inszenierung lockern solche Sequenzen die ernste Thematik und teils brutalen Szenen auf. Habt ihr also Spaß an Filmen der Marke Infernal Affairs, Election (hier spielt Louis Koo ironischerweise die Rolle des Proteges) oder City Wolf/A Better Tomorrow, dann solltet ihr euch Protégé nicht entgehen lassen.

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