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Zelluloitis - Filmecke

Zelluloitis: Video Games The Movie

Ein Film über Videospiele, soweit nichts neues sagt ihr? Da habt ihr recht, wir haben uns Video Games: The Movie angeschaut und checken in unserer Kritik, was der Film begeisterten Zockern und solchen, die mit dem Medium unerfahren sind, bieten kann.

Video Games: The Movie (nachfolgend VG:TM) ist ein via Kickstarter vor knapp genau einem Jahr finanziertes Projekt von Jeremy Snead. Ganze 100.000 US-Dollar betrug das Budget, obwohl man nur 60.000 US-Dollar wollte. Die Begeisterungsfähigkeit für das Medium überrascht uns freilich nicht und nach guten Beispielen, in denen die Videospielentwicklung zum Thema eines Filmes gemacht werden, siehe Indie Game: The Movie, ist das umso verständlicher.

Informeller Supergau

Video Games: The MovieWährend Indie Game: The Movie noch ein klares Thema hat – die Entwicklung der Indie-Spiele FEZ, Super Meat Boy und Braid – so ist das Themenspektrum von VG:TM breit gefächert. Es wird auf den Videospiel-Crash in den 80ern eingegangen, das Wiederaufleben von Virtual Reality spielt eine Rolle, eSports ist ein Thema und auch die Indie-Entwicklung wird kurz angerissen. Und dazu kommen noch viele weitere Aspekte. Da stellt sich die Frage, ob das nicht etwas viel ist für 1 Stunde 40 Minuten und die Antwort lautet postwendend ja.

Der Film hat zwar eine Grundstruktur mit den Themen Geschichte, Kultur, Emotionen und Zukunft, die von geschichtsträchtigen aber Videospiel-mäßig völlig irrelevanten Zitaten von Gandhi, Kenedy & Co. eingeleitet werden. Das war es aber dann auch an Gliederung, denn in jedem Segment wird fröhlich in der Zeitlinie hin und her gesprungen und nach Belieben die oben genannten Themen eingestreut. Das mag in der Zeitlinie der tatsächlichen Entwicklungen ein realitätsnahes Abbildung sein, innerhalb eines Filmes verwirrt das den Zuschauer aber, besonders wenn er wenig Games-affin ist.

Doch wie sieht es mit dem Einstieg aus – kann der Film gelungen den Games-unaffinen Zuschauer in die Materie einführen und bei Laune halten? Der Beginn des Filmes erinnert frappierend an die E3-Pressekonferenzen von Sony, Nintendo und Microsoft. Vor der wichtigsten Spielemesse Nordamerikas geben sich die Branchengrößen die Klinke in die Hand und präsentieren meist in großen Kinos ihre neuen Spiele, aber auch neuen Trends und Technologien. Und diese Konferenzen starten meist mit Trailer-Feuerwerken untermalt von poppiger Musik, worauf mehr oder minder interessante Statistiken über das Spiel- und Kaufverhalten der Konsumenten folgen. Und genauso beginnt auch Video Games: The Movie.

Video Games: The Movie

Visuelles & Herausstechendes

Die Art, in der Prozentzahlen über das Geschlecht der Spieler oder die Gedanken von Eltern über Sinnhaftigkeit von Altersfreigaben des US-amerikanischen Zertifizierungsinstruments ESRB, gibt bereits einen guten Einblick über die kommenden 100 Minuten. Es wird viel mit Effekten, Schriftarten im Stile des vorzustellenden Genres und trendiger Musik gespielt, Popcorn-Unterhaltung. Für einen Film dieser Preisklasse, oder sollen wir eher sagen einer Doku, sieht der Film visuell toll aus, ist von Kenny Prince gut geschnitten und hat eine bombige musikalische Untermalung, egal ob mit lizenzierten Tracks oder Songs des Hauskomponisten Craig Richey. Doch bei solch einem über 40 Jahre umfassenden Film, der so viele Aspekte eines ganzen Mediums behandelt, muss inhaltlich einiges rumkommen und vor allem auch in einer Weise vermittelt werden, die den Zuschauer nicht erschlägt. Und genau das passiert zu Beginn des Films.

Glücklicherweise zieht sich das nicht durch den kompletten Film. Zwar erschließt sich uns die Grundstruktur nicht ganz, da in den einzelnen Kapiteln frei in unrelevante Teilbereiche nach dem Gutdünken des Regisseurs eingegangen werden, aber man bekommt dennoch sehr viel vermittelt. Manche Themen sind so schon so oft und ausführlich anderweitig behandelt werden, dass sie beinahe überflüssig erscheinen. Den Stellenwert von Videospielen, ein Zwischenfazit “Games sind in der Gesellschaft angekommen”, muss man diesen wirklich nochmal in mehreren Filmminuten erläutern, wenn die Games doch eh Teil unserer Popkultur geworden und nicht mehr wegzudenken sind?

In anderen Punkten überrascht der Film aber auch, etwa wenn ein Gearbox-Entwickler über die emotionale Gewalt von Spielen auspackt und beschreibt, wie Games seine persönliche Einstellung zum Leben nach schwerer Erkrankung geändert hat und er den Zugang zur Industrie gefunden hat. Oder auch die Erfahrungen von Industriegrößen wie Randy Pitchford, die über die Lernerfahrungen ihrer Zögllinge mit interaktiven Medien berichten und Gedankenspiele gesponnen werden, wie die Medien von morgen aussehen werden, wenn die Kids von heute schon mit einem so vernetzten und hoch interaktiven Medium aufwachsen.

Video Games: The Movie

Größen gröhlen, Fans sind sprachlos

Da haben wir auch gerade den ersten der Interviewpartner in VG:TM genannt. Da Ex-Epic-Entwickler Cliff Bleszinski (Gears of War) und David Perry (Gaikai bzw. jetzt PlayStation Now) ausführende Produzenten des Filmes sind, hört man ihre Stimme auch desöfteren. Das wirkt aber nicht gezwungen, sondern ist sinnvoll in den Rahmen eingebettet. Auch andere Personen, die das Medium geprägt haben, kommen zu Wort, etwa lässt sich Metal Gear Solid-Schöpfer Hideo Kojima über – was sonst – das Erzählen von Geschichten in Spielen aus, Peter Molyneux fachsimpelt über die Freiheit in den Spielen seit der Jahrtausendwende (böse Zungen behaupten dafür habe er ein Fable) und Ed Fries spricht über die Ursprünge der ersten Microsoft-Spielkonsole als DirectX Box.

Die Industrie kommt also viel zu Wort und auch mehr oder minder bekannte Schauspieler, etwa die Scrubs-Darsteller, reden über ihre Erfahrungen von Videospielen. Das ist manchmal etwas oberflächlich, manchmal wirds aber auch schön nerdig. Was fehlt, kommt blöderweise erst in den Credits: Die Spieler. Erst im Abspann kommen mit den Kickstarter-Unterstützern die Spielerschaft zu Wort, die dieses Medium erst in die Höhe gebracht hat, in der es jetzt ist. Das finden wir etwas unschön. Wie wäre es denn, Fans oder gar Spieleredakteure über Spiele wie Shenmue in Erinnerungen schwelgen zu lassen. Stattdessen fährt man zig-mal durch die Spieletimeline, überfliegt das Veröffentlichungsjahr der Dreamcast und sieht jedes Mal aufs Neue nur die beiden Spiele Half-Life und StarCraft. Die SEGA-Konsole ist für vieles bekannt, für diese beiden Portierungen aber sicher nicht.

Fazit

Ihr habt es vielleicht beim Lesen dieser Kritik gemerkt: Obwohl wir versucht haben, diesen etwas nachvollziehbarer zu strukturieren, als es der Film ist, erschließt sich einem nicht so richtig, was Jeremey Snead mit Video Game: The Movie eigentlich ausdrücken wollte. Unser Tipp ist: seine Leidenschaft für Videospiele. Diese haben, wie es der Film auch nochmal in trockenen Zahlen aufdröselt, Millionen da draußen, doch nicht jeder bekommt die Chance dies in einem Film umzusetzen. VG:TM schneidet einige interessante Themen wie Traumabewältigung durch Games an, fokussiert sich aber zu sehr auf Mainstream-Themen wie “sind Spiele wirklich angekommen?”, “sind wir nicht die Gewaltdiskussion alle Leid?”. Er erzählt auch Geschichten, die man in der Form noch nicht kennt, etwa den Aufstieg und Abgang von Atari direkt vom Mitbegründer oder auch die Herangehensweise von Geschichtenerzählern in Spielen etwa von Naughty Dog (Uncharted, The Last of Us).

Unsere unvermittelte Einschätzung zu Video Games: The Movie: Solltet ihr bisher nichts mit Videospielen anfangen können, (wie seid ihr dann hier gelandet?) dann wird der Film daran auch nicht viel ändern. Seid ihr bereits Gamer, mag euch zwar der Anfang nicht gerade mitreißen, einige Geschichten sind aber durchaus wissenswert und durch die gelungene Präsentation ist der Film auch eine Freude fürs Auge und Ohr. Der filmische Wert ist hier etwas höher als der inhaltliche, sehenswert ist er zwar, ein Muss aber auch nicht. Der Film wird über die offzielle Website für 12,99 US-Dollar (9,60 Euro) vertrieben.

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