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Zelluloitis - Filmecke

Zelluloitis: Before I Wake

Ob die Träu­me eines Film­nerds auch durch Befo­re I Wake wahr wer­den, che­cken wir in der neu­en Aus­ga­be unse­rer Fil­me­cke Zel­lu­loi­tis.

Befo­re I Wake han­delt von dem 7-jäh­ri­gen Wai­sen Cody (Jacob Trem­blay). Der zunächst unschein­ba­re lie­bens­wer­te Jun­ge wird von dem jun­gen Pär­chen Jes­sie (Kate Bos­worth) und Mark (Tho­mas Jane) adop­tiert. Die bei­den haben ihren Sohn bei einem tra­gi­schen Unfall ver­lo­ren und ver­su­chen ihre Gefüh­le dar­in zu ver­ar­bei­ten, sich um ein neu­es Kind zu küm­mern, haben dabei aber nicht mit des­sen beson­de­rer Gabe gerech­net.

Der Hor­ror­film von Mike Flana­gan (Ocu­lus) kon­zen­triert sich auf das Wesent­li­che. Wie ver­dient das Paar eigent­lich das Geld, sich so ein gro­ßes opu­lent ein­ge­rich­te­tes Anwe­sen leis­ten zu kön­nen? Und wie blei­ben Marks Haa­re in die­sem Alter so flau­schig? Wir erfah­ren es nicht. Statt­des­sen zeigt man pri­mär Abend- und Nacht­sze­nen, wie es im Hor­ror-Gen­re üblich ist. In den weni­gen Tages­se­quen­zen beglei­ten wir Cody in der Schu­le. Auf­grund eines Ereig­nis­ses ist die­ser Aus­flug aber auch recht knapp gehal­ten.

Die beson­de­re Gabe wird jeden Abend damit prä­sen­tiert, dass Jes­sie und Mark auf dem Sofa flä­zen, einer der bei­den ins Bett­chen will, von einem über­na­tür­li­chen Ereig­nis in Schock­star­re gerät und den ande­ren dar­über infor­miert, dass gera­de ein leuch­ten­der Schwarm an Schmet­ter­lin­gen durch das Wohn­zim­mer fliegt oder der Weih­nachts­baum von anno dazu­mal im Wohn­zim­mer erscheint. Codys Träu­me wer­den real. Das gefällt beson­ders der trau­ern­den Jes­sie, gibt es ihr Mög­lich­kei­ten der Trau­er­be­wäl­ti­gung, die jede Vor­stel­lung spren­gen.

Jes­sies Moti­ve sind nach­voll­zieh­bar, Kate Bos­worth kre­iert aus dem ihr vor­ge­ge­be­nen Grund­riss des Cha­rak­ters eine Per­son mit Ecken und Kan­ten, die eine Ent­wick­lung über die Geschich­te hin­weg erlebt. Mark bleibt hin­ge­gen blass. Tho­mas Jane steht als Mark meist dane­ben und hat die klei­ne Por­ti­on an Dia­log im Skript abbe­kom­men und nimmt im End­ef­fekt eine wesent­lich klei­ne­re Rol­le in der Geschich­te ein, als es zu Beginn den Anschein macht. Jacob Trem­bly, nicht ver­wandt und ver­schwä­gert mit Trai­ler Park Boys‘ John Paul Trem­bley, spielt den unschul­di­gen schüch­ter­nen Cody glaub­wür­dig, er wächst einem im Lau­fe des Films ans Herz, er hät­te ihm aber etwas mehr Pepp ver­lei­hen kön­nen.

All­ge­mein nimmt sich der Film selbst viel zu ernst und sorgt man­ches Mal für unfrei­wil­li­ge Lacher, ist aber von pro­duk­ti­ons­tech­ni­scher Sei­te kei­nes­wegs min­der­qua­li­ta­tiv. So hät­ten die Träu­me eines 7-Jäh­ri­gen wohl auch ein­mal nicht von Insek­ten, frem­den Kin­dern oder üblen Mons­tern han­deln kön­nen, da wäre eini­ges mög­lich gewe­sen. Viel­leicht hat das Bud­get da aber so man­chen Wunsch des Dreh­buch­au­tors ver­wehrt, das ver­nimmt man in dem auf der Blu-ray Disc neben dem Kino-Trai­ler ein­zi­gen Extra ent­hal­tene­ne 30-minü­ti­gen Making-of in den Zwi­schen­tö­nen der übli­chen Lob­hu­de­lei­en.

 

Die Geschich­te wird ange­nehm ein­ge­fä­delt, zwi­schen­durch hät­te es eben ger­ne ein paar mehr Über­ra­schun­gen (nein, wir reden nicht von Jump-Sca­res) geben dür­fen, doch der letz­te Akt macht aus Befo­re I Wake einen wirk­lich sehens­wer­ten Film und ver­schafft euch einen wahr­haf­ti­gen „Pay­off“. Sel­ten schaf­fen es Hor­ror­fil­me, eine solch inter­es­san­te Auf­lö­sung zu bie­ten. Heart­less mit Jim Stur­gess kommt da spon­tan in den Sinn. Zwar singt der Prot­ago­nist nicht wie in dem eben genann­ten Gru­sel­strei­fen, doch auch Befo­re I Wake bie­tet einen fan­tas­ti­schen Sound­track, der zuwei­len das Gesche­hen auf eine ande­re psy­chi­sche Ebe­ne ver­la­gert. Da wir­ken selbst die Sze­nen mit Mark ein­mal weni­ger als Sham­poo-Wer­bung, sehr über­spitzt for­mu­liert.

Tja und was ist mit der Hor­ror­at­mo­sphä­re und dem Gru­sel- bzw. Schock­an­teil? Es gibt zwar Jump-Sca­res, pri­mär funk­tio­niert der Hor­ror aber auch einer psy­cho­lo­gi­schen Ebe­ne. Die Angst und das ver­meint­lich Böse mani­fes­tiert sich im Film sehr plas­tisch. Auch wenn die Spe­zi­al­ef­fek­te durch­aus gut und das Set Design auf­wen­dig ist, fühlt man sich man­ches Mal etwas an die Infi­zier­ten aus I Am Legend erin­nert. Schön ist, dass der Über­gang zu den Gru­sel­sze­nen flie­ßend ist, was in der Sto­ry sinn­voll begrün­det wird, und das Zuse­hen umso span­nen­der macht.

Fazit

Befo­re I Wake ist ein inter­es­san­ter Psy­cho-Thril­ler mit tol­len Effek­ten und einer tra­gi­schen Geschich­te. Der Weg dahin die­se zu ent­de­cken, führt über eine seich­te Pär­chen-Sto­ry, die man wei­ter ver­kür­zen hät­te kön­nen, schließ­lich tritt die Sto­ry hier etwas auf der Stel­le. Schnell genug gibt es eini­ge Schau­platz­wech­sel und umso näher wir auf das Ende hin steu­ern, des­to span­nen­der wird der eigent­li­che Hin­ter­grund. Der Film mag etwas hin­ter sei­nen Mög­lich­kei­ten zurück blei­ben, bie­tet eine span­nen­de über­na­tür­li­che Sto­ry, die haupt­säch­lich von der tol­len Dar­bie­tung eines 7-jäh­ri­gen Talents getra­gen wird und am Ende noch ein­mal groß auf­trumpft. Der Traum eines Film­nerds mag das nicht sein, Spaß macht der Film trotz­dem und lässt einen noch eine Wei­le grü­beln.

Befo­re I Wake ist ab sofort auf DVD und Blu-ray erhält­lich. This movie was pro­vi­ded by the film dis­tri­bu­tor for review pur­po­ses, check our review poli­cy for details.

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