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Im Test: Hakuoki – Demon of the Fleeting Blossom

Das feudale Japan am Ende der Edo-Ära: Die ehemals ehrenwerten Samurai haben ausgedient und müssen gegen die politische wie technische Evolution um ihr Überleben kämpfen.

Falls ihr nun von Hakuoki ein Spiel im Stile von Way of the Samurai oder Red Dead Redemption oder erwartet, das im Wilden Westen eine ähnliche Prämisse verfolgt, so liegt ihr komplett falsch. Hierbei handelt es sich nicht um ein 3D-Spiel, sondern um eine Visual Novel, die eine Geschichte mithilfe von gezeichneten Bildern, wenigen Animationen und Textboxen erzählt. Die Spielelemente beschränken sich deshalb auf Entscheidungen und nicht pfeilschnelle Reaktionstests und ausgefeilte Padmanöver.

Japan anno 1864

Visual Novels sind besonders im Heimatland von Hakuoki sehr beliebt, Japan. Der einzige mir bekannte Vertreter dieses Genres, der auch in Europa das Licht der Welt erblickte, ist eine Aufarbeitung des ersten Metal Gear Solid. Ace Attorney oder Professor Layton gehen schon eher in die Adventure-Richtung, da sie auch spielerische Puzzleelemente eingebaut haben. Bei der PSP-Version von Hakuoki, die nach drei Jahren den Sprung in den Westen (genauer: in die USA) geschafft hat, wird das Genre noch einmal mehr eingeschränkt. Sogenannte Otome-Games sind in Nippon besonders beim weiblichen Publikum äußerst beliebt, da sie Liebesgeschichten erzählen.

In Hakuoki: Demon of the Fleeting Blossom schlüpft ihr in die Gestalt des Mädchens Chizuru Yukimura, deren Vornamen ihr wie in Mass Effect frei verändern könnt. Die Teenagerin wurde von ihrem Vater Kodo verlassen und macht sich nun in Kyoto auf die Suche nach ihm. 1864 patrouliert die Polizei-Spezialeinheit Shinsengumi die Straßen der blühenden Metropole. Als es in dem von freundlichen Menschen bevölkerten Städtchen nacht wird, erlebt die kleine Chizuru etwas Schreckliches. Ein paar herrenlose Samurai (sog. Ronin) wollen dem Mädchen etwas anhaben. Kurz darauf stürzen sich blutrünstige Shinsengumi-Soldaten auf die ahnungslosen Ronin und lassen kaum etwas von den Halunken übrig.

Die Soldaten wissen sich nicht zu helfen und halten Chizuru für einen kleinen Bengel, da sie sich wie ein Junge kleidet, um in Kyoto gefahrloser nach ihrem Vater zu suchen. Kurzerhand entscheiden die Hauptmänner Chizuru mit in ihr Hauptquartier zu bringen und dort zu entscheiden, wie man mit ihm bzw. ihr weiterverfahren werde.

Im weiteren Spielverlauf macht ihr Bekannt- und schließt später auch Freundschaft mit diversen Mitgliedern der Shinsengumi aus allen Rängen. Zu den wirklich gut geschriebenen Charakteren zählen z. B. der heitere Captain Shinpachi, den respektierten Chief Kondo oder sein weiser Assistent Keisuke Annan. Viele der Figuren und Geschehnisse basieren auf dem realen Kampf zwischen den Fürstentümern Satsuma und Chōshū. Das Vorbild für Annan stellt Keisuke Yamanami dar, der in der Realität wie im Spiel Seite an Seite mit dem undurchsichtigen Hijikata Toshizō kämpft.

Geschichtsstunde und Beziehungssim in einem

In erster Linie will die junge Protagonistin natürlich ihren Vater finden, aber bis es dazu kommen kann, dreht sich alles um den Alltag in der von maskulinen Kriegern beherrschten Shinsengumi-Kompanie. Die Streitkräfte dieser Armee bekämpfen neben Kleinganoven in den Straßen Kyotos auch nationalistische und imperialistische Kräfte in der Edo-Region (das heutige Tokio), die lieber den Kaiser über alles herrschen sehen möchten. Eine übersinnliche Komponente kommt auch noch hinzu, da die Blutrünstigkeit aus dem Intro noch, ohne zu viel vorweg zu nehmen, eine größere Rolle in Hakuoki spielt.

Neben einer gewissen Melancholie durch das Abdanken der Samurai und im Speziellen des letzten Shoguns Japans, den die Shinsengumi beschützen, versprüht die Visual Novel auch diverse andere Emotionen, denn ihr könnt auch zu verschiedenen Figuren eine Liebesbeziehung aufbauen. Schlappe sechs junge Männer stehen für euch zum Fleischfang bereit und könnten unterschiedlicher kaum sein. Da wären der spritzige Jungspund Heisuke, der überhebliche Okita und der verschlossene Saito. Wir haben uns für Letzteren entschieden und müssen, um den Burschen glücklich zu machen, erstmal seinen Charaktere ausloten und dann die passenden Entscheidungen treffen. Falsch machen könnt ihr wenig: Nach Kapitel 3 schlagt ihr einen der verschiedenen Pfade ein – ob ihr wollt, oder nicht!

Natürlich sind auch Treue und Ehre ein großes Thema in einem Spiel dieser Ära, aber auch was es ausmacht, ein Mensch zu sein. Das ganze Abenteuer erlebt ihr aus der Sicht eines kleinen Mädchens. So erinnert Hakuoki etwas an die Menschlichkeitsdiskussionen in Deus Ex und die Erzählweise des Coen-Remakes von True Grit.

Komfortcheck

Glücklicherweise ist die Bedienung von Hakuoki außerordentlich gut. Seid ihr euch nicht sicher, wie die Konsequenzen für eure Entscheidung ausfallen werden, tippt ihr einfach den Schulterknopf an und macht einen schnellen Speicherstand, den ihr mit dem rechten Button wiederum jederzeit laden könnt. Ladezeiten gibt es dabei, wie im gesamten Spiel, keine. Habt ihr einmal keinen Quick Save erstellt, ist das auch kein Problem. Ihr könnt nämlich jede Passage nach einmal wiederholen und steigt am gewünschten Zeitpunkt wieder im Spiel ein. Bereits gewählte Entschlüsse merkt sich das Spiel praktischerweise und beim erneuten Durchspielen lauft ihr keineswegs der Gefahr die gleiche Route zu wiederholen.

Dazu gibt es im Übrigen jeden Anlass: Sechs alternative Enden und diverse schön gezeichnete Set-Piece-Bilder, die wichtige Charaktermomente zeigen, gibt es freizuspielen. Noch dazu kann ein Durchgang schon einmal zehn Stunden dauern!

Zeitgenössische Begriffe, Ereignisse und Personenprofile könnt ihr zudem jederzeit in der nützlichen Enzyklopädie nachschlagen.

Die englisch untertitelten japanischen Sprecher machen ihren Job ausgezeichnet. Auch der Soundtrack steuert ihren Beitrag zu der wundervollen Atmosphäre bei, die gepaart mit der brillanten Bildsprache an asiatische Filmklassiker wie Hero erinnern. Die Musik wird dabei ähnlich wie in Adventures vom Schlage eines Ace Attorney dynamisch zum Geschehen auf der Mattscheibe eingespielt wird.

Versionen

Apropos Mattscheibe: Von Hakuoki gibt es neben Animes und Filmen auch schon diverse Ableger und Umsetzungen für PSP, Nintendo 3DS und PlayStation 3. Es wäre sehr schön, wenn der US-Publisher Aksys Games diese oder kommende Spiele der Serie auch wieder mit so viel Liebe zum Detail übersetzen könnte. Auch eine europäische Version wäre schön. Der britische Hersteller Ghostlight (Persona 2, Fate/Extra) wäre hierfür ein möglicher Kandidat.

Die PSP-Diskversionen von Hakuoki: Demon of the Fleeting Blossom sind nur in den USA zu haben, allerdings gibt es dort auch eine lohnenswerte Collector’s Edition mit dickem Artbook und dem Soundtrack. Wer den Import scheut, kauft sich entweder eine amerikanische PSN-Karte (das Spiel kostet im US-PSN nicht mal 20 Euro) oder bestellt es auf der deutschen Website von Amazon (40 Euro).

Fazit

Hakuoki ist ähnlich wie Dear Esther nur schwer als Videospiel im gängigen Sinn zu beschreiben. Im Gegensatz zum von uns getesteten Adventure gibt es hier Entscheidungsfreiheit und unterschiedliche Enden. Wer sich auf die gelungene Umsetzung der Endo-Epoche und eine mitreissend wie spannend inszenierte Geschichte einlässt, wird eine Menge aus Hakuoki rausholen können. Das Beziehungselement ist ein netter Bonus, wirkt dabei aber keinswegs aufgesetzt.

Hakuoki: Demon of the Fleeting Blossom
System: PSP
Preis: ca. 40 Euro (Amazon.de) / 24,99 US-Dollar (US PlayStation Network)
Genre: Visual Novel
Entwickler: Otomate
Publisher: Aksys Games

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