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Test

Im Test: Papo & Yo

Das PS3-Action-Adventure Papo & Yo spaltete vergangenen Sommer die Gemüter. Die einen lobten den Mut zum Ansprechen von ernsten Themen, anderweitig wurde die spielerische Qualität bemängelt. Zehn Monate später ist das Spiel auch für den PC gelandet und muss sich in unserem Test bewähren.

Creative Director Vander Caballero verarbeitet in Papo & Yo seine Kindheit und behandelt unangenehme, wichtige Themen, Alkoholismus und die Gewalt gegen Kinder. Im Bereich der Videospiele sieht man solche Storys sehr selten. Passt das denn überhaupt zu einem Medium, in dem man Dritte Weltkriege verhindert und Drachen besiegt?

Papo & Yo
Er will doch nur spielen: Das Monster will durch einen brasilianische Favela eskortiert werden.

Das Monster im Manne

Im Spiel übernehmt ihr die Rolle von Quico. Der kleine Bursche fristet sein Leben in einem brasilianischen Favela mit einem mächtigen Monster und seiner Actionfigur Lula. Diese verleiht ihm übernatürliche Kräfte, welcheer nutzt, um das Monster von A nach B zu geleiten. Das Vieh ist die meiste Zeit friedlich wie ein Lamm und lässt sich mit leckeren Zitrusfrüchten bis zum Übergang zum nächsten Level locken. Dazwischen aktiviert ihr Schalter und nutzt den dicken Bauch des Riesenlulatsch als Sprunghilfe, während dieser ein gemütliches Nickerchen macht.

Papo & Yo stellt eindrucksvoll die kindliche Vorstellungskraft zur Schau und überrascht uns ab und an mit coolen Ideen. Wer die letzten Level von Alan Wake gespielt hat, kann sich die Gestaltung der Umgebung in etwa vorstellen. Lula aktiviert beispielsweise nicht nur Schalter, an die wir nicht heran kommen, sondern dient dem Jungen auch als Jetpack – Doppelsprung einmal anders. So tüfelt ihr euch durch die Welt, bis es zum ersten Mal passiert.

Papo & YoPapo & Yo

Wie ein wilder Stier

Verschlingt das Monter einen Frosch, ist es vorbei mit der Ruhe. Euer übergroßer Begleiter verwandelt sich potzblitz in einen rasenden Stier und will euch an den Kragen. Ihr könnt ihn nur mit faulen Früchten bändigen. Schnell geht’s im Spiel nicht mehr nur darum, die richtigen Schalter zu betätigen, sondern auch das Monster vor den Fröschen fernzuhalten. Richtig viel Abwechslung in die Spielmechanik bringt das aber auch nicht. Die Hüpfpassagen steuern sich zwar augenscheinlich mit Maus und Tastatur besser als in der schwammigen PS3-Version, die Aktivierung des Jetpacks erfolgt aber zu oft von Geisterhand, weswegen einige Passagen unnötig viel Geduld abverlangen und Frust schüren.

Papo & YoPapo & Yo

Stimmung hui, Gameplay naja

Dabei ist Papo & Yo keineswegs ein herausforderndes Spiel. Es gibt eine Hand voll Rätsel, die euch erstmal in’s Grübeln bringen. Sonst werdet ihr aber relativ linear durch die hübsche, langsam auseinander brechende Welt geführt. Ein Tipp-System sorgt dafür, dass ihr niemals lange in einem Level verweilt. Auch seine Schwester Alejandra greift Quico öfters unter die Arme.

Papo & Yo
Inceptionized: Nicht nur Christopher Nolan kann die Welt verbiegen.

Spielerisch kann man Papo & Yo also mit den Fröschen, denen ihr auf eurem Abenteuer begegnet, vergleichen. Die Story und insbesondere das aufschlussreiche Ende verwandeln das Spiel nicht ganz in einen Prinzen. Beim Erzeugen einer einmaligen Atmosphäre hat man sich äußerst viel Mühe gegeben. Lichtstimmung, die von Gitarren und Trommeln geprägte Musik und eine original brasilianische Sprachausgabe (mit deutschen Untertiteln) sorgt dafür, dass ihr bald richtig tief in der Spielwelt eintaucht. Technische Ungereimtheiten wie Clipping-Fehler ziehen dann wieder einige Atmosphärepunkte ab.

Papo & YoPapo & Yo

XT Mood Play: 1 Stunde mit Papo & Yo

Fazit

So mutig man bei der Themenwahl für Papo & Yo vorgegangen und respektvoll damit umgeht, so unausgegoren spielt es sich. Die bildhübsche Inszenierung (selbst in 1080p sehr genügsam bei der Hardware-Power) kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Rätsel schnell gelöst sind und den Sprungpassagen der letzte Feinschliff fehlt. Auch die Kamera macht meistens nicht das, was man von ihr in einem Spiel aus der 3rd-Person-Perspektive erwartet. Papo & Yo zeigt, dass nicht nur Filme ernste Themen wie die Sucht nach Rauschmitteln behandeln kann. Es zeigt aber auch, dass eine gelungene Story nur dann seine volle Wirkung entfaltet, wenn das Gameplay entweder auf das Nötigste reduziert ist, oder qualitativ kein Klotz am Bein ist. Diese Balance schafft das Spiel leider nicht, Fans von experimentierfreudigen Games bekommen eine schöne über knapp vier Stunden erzählte Handlung geliefert.

Papo & YoPapo & Yo

Wir haben alle Screenshots anhand der PC-Version in 1.920×1.280 und maximalen Details erstellt.

papoyopackshotPapo & Yo
Genre: Action-Adventure
Systeme: PS3, PC (getestet)
Preis: 12 – 15 Euro (PSN/Steam)
Entwickler: Minority
Publisher: Minority

 

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