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Test

Im Test: Thomas Was Alone

Thomas Was Alone ist ein Jump’n’Run über Blöcke und Freundschaft. Das konnte Minecraft schon, meint ihr? Dann passt mal gut auf.

Das Indie-Spiel hat seine Ursprünge als kostenloses Flash-Spielchen. Die Curve Studios (Stealth Bastard) waren von Mike Bithells Idee aber so beeindruckt, dass sie Thomas Was Alone unbedingt auf die aktuellen Sony-Konsolen bringen wollten. Nun ist es seid gestern im PlayStation Store als Cross-Buy für PlayStation 3 und PlayStation Vita – einmal zahlen, auf beiden Konsolen spielen, für 7,49 Euro erhältlich und für Abonennten von Sonys Bezahldienst PS+ sogar kostenlos. Für PC und Mac gibt es auch Cross-Buy und zwar auf Steam oder anderen digitalen Distributionsdiensten.

Thomas Was Alone

(Ist) Thomas (wirklich) allein Zuhaus’?

Die Geschichte dreht sich um Thomas, dessen trauriges Schickasl schon im Titel beleuchtet wird. So allein ist der Thomas aber die meiste Zeit über gar nicht, wenn wir mal ganz ehrlich sind, denn im Spiel trifft er die unterschiedlichsten Charaktere. Da wäre Laura, deren Selbstvertrauen stark leiden muss, weil so viele Leute in ihrem Leben sie nur als Sprungbrett benutzt haben. Dank der Ironie des Schicksals ist sie im Spiel genau das und erlaubt Thomas in höhere Etagen der Levelarchitektur vorzudringen. John hingegen ist das genaue Gegenteil. Er ist groß und kann weit springen. Da er kaum auf Hilfe angewiesen ist, hat er Allmachtsfantasien. Chris hingegen ist klein, pummelig und ständig ein Klotz am Bein jeder Gruppe, die er sich anschließt. Deswegen ist er ständig wütend.

Thomas Was AloneThomas Was Alone

Die Charaktere in Thomas Was Alone haben also alle Probleme, mit denen wir uns gut identifizieren können. Doch sie sind nicht nur verschiedene Stereobilder einzelner Problemchen. Nein, sie bauen auch untereinander Beziehungen auf und entwickeln sich weiter. Die Geschichten der einzelnen Figuren, die teils nur für ein Kapitel oder ein Level im Scheinwerferlicht stehen, sowie die übergreifende Handlung des von Bithell kreierten Mikrokosmos’ ist es, was im Spiel die Motivation hochhält, weiterzuspielen.

About a Block

Doch natürlich ist Thomas Was Alone kein Textadventure, sondern ein waschechter Platformer. Und als solcher funktioniert er gut. Werdet ihr zu Beginn noch an der Hand genommen, ändert sich das ab der Mitte des Spiels und das ist sogar in der Story verankert. Die Konstellation der Blöcke ändert sich in jedem Level. Jeder Block hat eine andere Form. Manche können weiter springen und Schalter zum Weiterkommen aktivieren, andere sind so klein, dass sie durch kleine Schächte passen. Die Interaktion untereinander ist auch ein großer Faktor, besonders dank der Aktionsfelder. Diese verändern die Beschaffenheit und lassen euch schwimmen, die Gravitation aushebeln oder doppelt springen.

Thomas Was Alone

Im gesamten Spiel gibt es keine Bosskämpfe. Anders als in anderen Platformern versucht der Entwickler nicht krampfhaft Kämpfe in das friedliche Treiben einzubauen. Natürlich gibt es Fallen, meistens sind das Stacheln, die Rücksetzpunkte sind aber fair und mit etwas Grips bleibt man auch nicht stecken. In Thomas Was Alone gibt es keinen Schwierigkeitsgrad, trotzdem sollten Anfänger zu Beginn kaum überfordert sein und Profis auch nicht wirklich langweilen. Schließlich kommen ständig neue Elemente hinzu, die die unterschiedlichen Fertigkeiten der viereckigen Figuren erfordern. Es gibt keine KI-gesteuerten Charaktere, also muss man jeden einzelnen Charakter durch die Level zu seinem individuellen Zielpunkt führen. Das kann schnell in Arbeit ausarten und Backtracking mag kein Gamer gern, doch dank durchdachtem Leveldesign hält sich dies in Thomas Was Alone in Grenzen.

Thomas Was AloneThomas Was Alone

Tolle Darbietung des Sprechers

Apropos angenehm: Auch in der Narration hat man sich viel Mühe gegeben. Das Geschehen wird ständig von einem britischen Sprecher unterlegt, dessen Monolge mit Untertiteln sehr gut in’s Deutsche übersetzt wurden. Wie nervig ständige Kommentare eines Herren von der Insel in’s Ohr zu bekommen, zeigt Big Sky Infinity, ein weiterer Cross-Buy-Titel aus dem PSN. Doch hier ist das nicht der Fall, da der Kommentar von Danny Wallace sehr professionell ist, zur ruhigen Atmosphäre des Spiels passt und sehr schön kurze Warte- bzw. Ladezeiten überbrückt. Nicht umsonst hat er für seine Darbietung einen BAFTA-Award bekommen. Nicht nur die Gefühle der Protagonisten werden eruiert und Verbindungen gesponnen, nein auch die ein oder andere Anspielung an andere Spiele fällt. Als Thomas für kurze Zeit in’s Internet geht, hört er nämlich davon, dass es Pfeile gibt, die Knie treffen, und etwas namens Kuchen, das aber nur eine Lüge zu sein scheint. So etwas ist mittlerweile Gang und Gäbe, zaubert uns aber doch immer wieder ein Lächeln auf die Lippen.

Thomas Was AloneThomas Was Alone

Thomas Was Alone
Bestenlisten gibt’s auch für jedes Level, aber nur, wenn man während des Spielens mit dem PSN verbunden ist.

Anders als bei üblichen Flash-Versoftungen hat man hier ordentlich Inhalt nachgelegt. In 5 bis 7 Stunden wird man in Thomas Was Alone bestens unterhalten und kann dank Cross-Save sogar zwischen PS3 und Vita wechseln. Spielerisch nehmen sich die beiden Plattformen nichts. Auf beiden Systemen bekommt ihr das gleiche Erlebnis geliefert. Aufgrund der Koop-Rätsel hätte ein Koop-Modus wohl durchaus Sinn gemacht. Nur ändert sich die Zahl der Figuren in jedem Level und die Atmosphäre wäre sicherlich mit einem bis drei Mitspielern sicherlich auch eine andere. Eine durchaus verschmerzbare Design-Entscheidung also.

Klar ist Thomas Was Alone kein visueller Brecher, stilistisch gefällt uns das Spiel aber richtig gut. Es ist sehr farbenfroh, setzt primär auf Vektorgrafik-Formen und zaubert eine schöne Lichtstimmung auf den heimischen HD-Fernseher bzw. OLED-Bildschirm. Was den Soundtrack von David Housden angeht, so hält sich dieser angenehm im Hintergrund und erzeugt mit elektronisch geprägten und mit Klavier begleiteten Songs eine wohlige Stimmung.

Thomas Was Alone

XT Mood Play: 30 Minuten mit Thomas Was Alone

Fazit

Thomas Was Alone ist ein Spiel, das mit viel Liebe zum Detail erschaffen wurde. Es ist ein Jump’n’Run ohne Kämpfe, ein Videospiel, bei dem mach nicht das Ende der Welt verhindern muss, nicht als strahlender Sieger empor steigt. Hier werden Charaktere etabliert, die so unwirklich wie sie aussehen, ganz reale Persönlichkeiten und Probleme haben. Die gilt es zu bewältigen und damit die Welt aus dem Inneren heraus zum Besseren zu verändern und auch selbst Opfer zu bringen. Telltale Games hat das mit The Walking Dead schon erfolgreich gemacht und Thomas Was Alone schafft es auf ganz eigene Art und Weise, dass man sich um das Schicksal der abstrus dargestellten Figuren kümmert. Spielerisch bekommt ihr einen soliden Platformer mit gelungenen Koop-Rätseln geboten, der euch selten überfordert, aber auch keine Langeweile aufkommen lässt. Ein rundes Vergnügen für all jene, denen Dear Esther zu wenig Gameplay und The Cave zu wenig Jump’n’Run hatte.

Thomas Was AloneThomas Was Alone

Außer den ersten drei Bildern haben wir alle Screenshots anhand der PS Vita-Version erstellt.

Thomas Was Alone Thomas Was Alone
Genre: Jump’n’Run
Systeme: PS3/Vita (getestet), PC/Mac
Preis: 7,99 Euro / 5,99 Pfund / 9,99 US-Dollar (PSN/Steam/Desura)
Entwickler: Mike Bithell + Curve Studios (Stealth Bastard Deluxe, Lone Survivor PSN)
Publisher: Angel VGD / Mike Bithell

 

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