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Im Test: The Dream Machine Chapter 4-6

Vor fast genau fĂŒnf Jahren haben wir die ersten drei Kapitel des einfallsreichen Lehm-Adventures The Dream Machine unter die Lupe genommen.

Damals plante man das Spiel bis 2013 fertigzustellen. Aus dem ursprĂŒnglichen Plan wurde nichts, die Veröffentlichung der weiteren Kapitel verzögerte sich zusehends, dafĂŒr gab es statt zwei weiteren Episoden ganze drei, die wir euch nachfolgend vorstellen werden.

Die Tea Party crashen – Kapitel 4

Das vierte Kapitel erschien im Sommer 2013 noch relativ plangemĂ€ĂŸ. Hier ist es unser Ziel, nachdem wir in den vorigen Episoden bereits die TrĂ€ume unserer LebensgefĂ€hrtin Alyssa und unseres Nachbarn Mr. Morton infiltriert haben, unsere Ă€ltere Nachbarin in ihren TrĂ€umen heimzusuchen. Schließlich mĂŒssen wir in den TrĂ€umen aller Mieter unseres neuen Zuhauses die Tentakel einer KĂŒnstlichen Intelligenz (KI) entfernen, damit diese ihre Macht ĂŒber die Menschen verliert.

Wir brauen erstmal unser Schlafpulver und fĂŒhlen uns dabei wie Heisenberg: Erst gilt es das Kochbuch zu vervollstĂ€ndigen, dann werden die Zutaten besorgt und schließlich köcheln wir uns das erfolgsversprechende Pulver, um die Teeparty von Edie zu crashen.

Der Traum von Edie gestaltet sich, obgleich deren gesetzten Alters, ĂŒberraschend spannend. In einem imaginĂ€ren Apartment gilt es die BruchstĂŒcke der Konstruktion zusammen zu setzen. Im Gegensatz zu den anderen Folgen, haben RĂ€tselfĂŒchse relativ schnell die Lösung parat. Allerdings lĂ€dt das spannende Prinzip des RĂ€tsels zum Experimentieren ein und liefert uns interessante Ergebnisse je nachdem, welche Personen wir mit welchen RĂ€umen kombinieren – von einer merkwĂŒrdigen Sexszene, wĂ€hrend der die Mutter zusieht, bis hin zur emotionalen Beichte.

Liebling, wir haben den Organdieb geschrumpft – Kapitel 5

Etwas ĂŒber ein Jahr spĂ€ter erkunden wir Martin Willards und Selma Theeds TrĂ€ume, die unterschiedlicher nicht sein können, aber auf eine Weise miteinander verbunden sind. Selma trĂ€umt von einem Dorf, das frisch aus einem MĂ€rchen entsprungen sein könnte. Die Bewohner des naturbelassenen Gegend sind einfach gestrickt, gehen fleißig ihrer Arbeit nach und machen dabei keinen Unterschied, ob sie eine Hexe, ein Eichhörnchen oder gar ein Vampir sind. Sie alle werden vom Organdieb heimgesucht. Mal stiehlt er eine Leber, mal ein Herz, mal soll es eine Lunge sein. Die Bewohner sind abstruserweise weiterhin lebendig, können sich aber nicht bewegen.

So gilt es Sammelaufgaben fĂŒr das schillernde Ensemble zu ĂŒbernehmen. Aufgrund des Fantasy-Settings liegt eine Parodie an Rollenspiele dar, sind die Aufgaben aufgrund der weitlĂ€ufigen Spielwelt zeitintensiv in ihrer Erledigung.

Die Dialoge sind dabei unterhaltsam geschrieben, besonders gefĂ€llt uns immer wieder bei einem Stamm sprechender KĂŒrbisse vorbeizuschauen, die uns als Gottheit verehren. Hier können wir wie in einem Strategiespiel rein in den Dialogen Entscheidungen ĂŒber Wirtschaft, MilitĂ€r und Diplomatie treffen, um den Fortbestand der ulkigen Gesellen zu sichern.

Doch der RĂ€tselanteil bleibt glĂŒcklicherweise auch in diesem Kapitel nicht aus. Es gilt ein Vampir vor dem Zerfleischen einer wĂŒtenden fragwĂŒrdigen Miliz zu beschĂŒtzen und einen Trank zu brauen, der euch riesengroß macht.

Und hier liegt schon die Verbindung zu Mr. Willards Traum (es ist uns ein RĂ€tsel, warum Frauen im Spiel meist mit dem Vornamen und MĂ€nner mit dem Familiennamen angesprochen werden – #Aufschrei -, wir behalten es zum besseren VerstĂ€ndnis bei). Dessen Traum besteht aus engen wĂŒrfelförmigen RĂ€umen, WĂŒrfeln, die Laser schießen, und sprechenden AbgrĂŒnden, die uns unser SelbstwertgefĂŒhl vollends rauben. Um in dem isolierten Gebiet spannende RĂ€tselrĂ€tsel zu lösen, erhalten wir ein Gewehr, das uns und interessanterweise auch alle getragenen GegenstĂ€nde auf BriefmarkengrĂ¶ĂŸe verkleinert. In Kombination mit dem Trank aus Selmas Traum, ist das Gameplay in dieser Episode am abwechslungsreichsten.

Gegen Ende erleben wir eine spannende Wendung, die uns nĂ€gelkauend bis zum Ende mitfiebern lĂ€sst – ein gelungenes Kapitel!

Und morgens grĂŒĂŸt das jĂŒngere Ich – Kapitel 6

Am 11. Mai 2017 ist es soweit: Das finale Kapitel von The Dream Machine erscheint auf Steam und konkurriert zusammen mit der 3. Staffel von Twin Peaks um die abgedrehteste verstörendste Erfahrung des Monats. Der gelockte Hauptcharakter Victor Neff erwacht erstmal in einer Welt, in der alles in Ordnung zu sein scheint. Wir erleben den Prolog erneut, allerdings mit dem Wissen der zwischenzeitlichen Geschehnisse – da kommt uns Life Is Strange in Erinnerung. Schnell stellt sich heraus, dass der Schein trĂŒgt und uns die Traummaschine fĂŒr immer einschlĂ€fern möchte.

Dramatisch ist an diesem furiosen Finale, dass wir in den Traum unseres ungeborenen Kindes eindringen. Fortan dĂŒrfen wir mit dem Schiff aus Kapitel 3 durch den sogenannten Dreamscape (also das Traumland) navigieren und in teils stark abgekĂŒrzter Form alle bislang erkundeten TrĂ€ume begehen. Ziel ist es, die Mitte zu erreichen. In diesem neonfarbenen Dschungel treffen wir Ă€hnlich wie in Kapitel 3 auf verschiedene Versionen unserer selbst in unterschiedlichen Altern. Die Victors versuchen schon seit Jahrzehnten die sogenannte Birth Barrier (Geburtsbarriere) zu durchbrechen. Die spannenden Details erfahrt ihr besser beim Spielen selbst.

Hier besteht wie im Kapitel zuvor eine gesunde Mischung aus RĂ€tseln und Dialogen. Es macht unheimlich viel Spaß, die Beziehungen der Victors unter sich zu erforschen. Das sechste Kapitel ist nichts fĂŒr Zartbesaitete, dringt es in SphĂ€ren vor, die ethisch nicht fĂŒr jeden zu vertreten sind und mit einem “ist ja nur ein Traum” abzutun sind. Das dramatische Finale des Gesamtkunstwerks war uns dann etwas zu abrupt. Hier hĂ€tte man sich etwas mehr Zeit lassen können und Victors Schicksal mit etwas mehr Zeit und Liebe zum Detail inszenieren können.

Fazit

The Dream Machine ist mehr als die Summe seiner Einzelteile. Betrachtet man die Kapitel fĂŒr sich, unterscheiden sich diese in LĂ€nge und Machart teils deutlich. Nimmt man allerdings Victors Kampf gegen die Schlafmaschine als Ganzes, erlebt man einen wahren Trip (besonders zum Ende hin), den man nicht verpassen sollte. Kudos an The Sleeping Machine (der Entwickler nannte sich zwischenzeitlich von Cockroach um) dafĂŒr, dass sie die lange herausfordernde Entwicklungszeit sowie das Nörgeln der Fans durchgehalten haben und ein spannendes und visuell sehr kreatives Abenteuer realisiert haben, das sich nicht auf seinem Gimmick, dass alle Inhalte aus Lehm und Kartonage handgefertigt wurde, ausruht, sondern ein unterhaltsames Spiel auf die Beine gestellt und zu einem wĂŒrdigen, wenn auch recht knapp bemessenem Ende gefĂŒhrt haben.

The Dream Machine
Genre: Adventure
System: PC/Mac
Preis: ca. 22 Euro (Steam / offizielle Website)
Entwickler: Cockroach/The Sleeping Machine (Erstlingswerk)
Publisher: The Sleeping Machine

This game was provided by the publisher for review purposes, check our review policy for details. We took the screenshots ourselves using the Steam version.

One comment
  1. Exxoz Zockt

    Matrix… Titanik und Happy Mushrooooooms… das geht so durch den Kopf bei den Bildern 😀

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