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Test

Im Test – RiME

Nach über fünf Jahren Entwicklungszeit und zahlreichen Änderungen am Grunddesign ist RiME vergangene Woche erschienen. Wir klären in unserem Test, ob dabei ein spielenswerter Titel herausgekommen ist.

Mit der langen beschwerlichen Entwicklungsgeschichte, die Tequila Works (Deadlight) während der Produktion von RiME erlebte, beschäftigen wir uns an dieser Stelle nicht und konzentrieren uns ganz auf das eigentliche Spiel.

Story

Ein dunkelhäutiger Junge mit zerrissener Kleidung erwacht am malerischen Strand einer kleinen Insel. Der Junge entdeckt inmitten der Insel einen Altar mit einer Reihe von Figuren. Am Horizont strahlen blaue Lichter empor, an deren Ende er Ebenbilder dieser Statuen findet und mit einem Schrei aktiviert. Manche dieser Figuren werden von Wildschweinen behütet, die er mit Früchten weglockt. Andere erreicht er nur durch das Hangeln an gähnend tiefen Abgründen. Sobald alle Statuen aktiviert wurden, beginnt für den Jungen ein aufregendes Abenteuer.

Das Abenteuer ist geprägt von emotionalen Erlebnissen. Der Junge baut intensive Bindungen auf, befreit merkwürdige Geschöpfe, besiegt durchtriebene Kreaturen und fühlt Einsamkeit, Wut, Verlust, Angst und Akzeptanz. All das geschieht, ohne dass der Junge auch nur ein Wort mit einem weiteren Menschen spricht. Und übersteigt der Lebenswille jegliche Vorstellungskraft. Ob das genug ist, um die bösen Kräfte zu besiegen und seine eigene Identität aufzudecken, gilt es herauszufinden.

Gameplay

Der Junge bereist unterschiedliche Gebiete, die jeweils voneinander abgegrenzt sind und einen in der Story verwurzelt einen roten Faden besitzen, für ihn allerdings relativ frei begehbar sind. Die  Aufgaben des Jungen gestalten sich dabei vielseitig. Hat er den oben beschriebenen Prolog gemeistert, gilt es in einem anderen Inselabschnitt einen wütenden Drachen zu erledigen. Der Junge kämpft sein komplettes Abenteuer lang nicht. Stattdessen flüchtet er von einer Ruine zur nächsten, sonst schnappt ihn das fliegende Ungetüm. Dieser Teil ähnelt der von einem mit einem Schal bekleideten Wesen in den verschneiten Bergregionen einer ähnlich emotionaler Geschichte.

Doch er rennt nicht nur davon. In den Untiefen des Eilands entzündet er durch seinen Ausruf Fackeln, die die Höhlen in ein blaues schummriges Licht hüllen, und öffnet dadurch Türen. Sagen überliefern diese Tätigkeit von einem grün-bemützten Abenteurer mit spitzen Ohren. Die Schöpfer dieser Welt geben dem Teenager weitere Hilfsmittel zur Hand. So finden sich immer wieder Würfel in Form von Totenschädeln. Das visuelle Design dieser Würfel könnte ein Indiz auf die Schöpfung sein. Verschiebt der Junge die Würfel auf Druckschalter, aktivieren sich etwa goldene Stege, mit der er drei Türme erklimmt, wodurch er womöglich den Drachen  besiegen kann.

In einem weiteren Abschnitt finden sich viele gespensterhafte Wesen wieder. Diese gesichtslosen Kreaturen zischen gefährlich klingende Melodien und erinnern an Ringgeister, eine Überlieferung aus einem anderen Universum. Durch Lichtkugeln, die der Junge an Spendern findet, können sie vertrieben werden. Diese Kugeln können auch auf Podesten platziert werden. Sieht man dieses Konstrukt dann mit festinstallierten Ferngläsern an, entstehen im goldenen Gewand neue Objekte oder gar Geschöpfe, mit deren Hilfe der Junge aus der Dunkelheit empor steigt.

Apropos Dunkelheit: Zwar verändert sich die Tageszeit dynamisch während der Junge seine Aufgaben erledigt, an einigen Stellen darf er durch das Rollen einer massiven Goldkugel sogar selbst die Tageszeit bestimmen – sehr eindrucksvoll. Doch das dient, wie vieles was er auf seiner Reise entdeckt, nicht als simpler Schauwert, es hilft ihm neue Zugänge mit seinem Schatten freizulegen.

 

Der Junge hat einen starken Überlebenswillen und ist sich in seinen Taten sehr sicher, weshalb er sich kaum in echte Gefahr begibt, auch wenn die Umstände den Anschein von Bedrohungen erwecken. Vorsicht sollte er lediglich bei seinen visuell imposanten Taucheinlagen an den Tag legen und fleißig die großzügig verteilten Luftblasen einsammeln. Frustrierend war für den quirligen Protagonisten lediglich das Design eines Rätsels, bei dem mit einem Helfer agiert wird (vgl. Video unten). Hier verpasst man er zu einem weiteren Bereich und kann ohne diesen zu benutzen das Rätsel nicht lösen. Die Länge seines Abenteuers variiert, je nachdem wie viel er abseits der Wege herumstrohmert. Es gibt einige mysteriöse Objekte zu finden, um dem Geheimnis der Insel auf die Schliche zu kommen. In der Regel endet sein Abenteuer nach rund 4 bis 6 Erdenstunden.

Technik

Tequila Works entscheidet sich bei RiMEs visueller Darstellung für Cel Shading. Das Spiel wird in diesem Punkt häufig mit The Legend of Zelda: Wind Waker verglichen. Die Welt von RiME ist zwar bunt, so knallig wie etwa das eben genannte Nintendo-Action-Adventure oder The Witness ist es nicht. Weiße und gelbe Farbtöne dominieren, während das Meer in türkis erstrahlt und die Flora in hellem Grün dargestellt werden. Die Welt wird stimmig inszeniert, ohne dabei echte visuelle Aha-Momente zu bieten. Durch die Mehrarbeit, die in Levelarchitektur und Bauwerke gesteckt wurden, fällt es beim Spielen kaum auf, dass der visuelle Detailgrad nicht außerordentlich hoch ist. Das Abenteuer hinterlässt bei uns visuell ein stimmiges Bild.

Da das Spiel fast vollständig auf eine Spracheausgabe verzichtet, muss man sich beim Sound Design auf den Soundtrack und die Umgebungsgeräusche beschränken. Während die Umgebungen durch xxx authentisch inszeniert werden, fällt vor allem der großartige orchestrale Soundtrack auf. Die Musik wurde von David García Díaz komponiert. Während die malerische Inselkulisse von sanften Streichern untermalt werden, werden in emotionalen Situationen auch gerne Klavier und Trommeln eingesetzt. Zeitweise fühlt man sich an Austin Wintorys Journey erinnert, teils auch an Ennio Morricone, doch das Spiel schafft seine eigene Stimme zu finden, etwa auch durch den Einsatz eigens für das Spiel geschriebener spanisch-sprachiger von Mirella Díez Morán und Silvia Guillem Cofreces mit Gänsehautgarantie gesungener Lieder.

Unser Test von RiME basiert auf der PC-Version. In den Tagen nach der Veröffentlichung des Spiels durften Entwickler Tequila Works und Hersteller Greybox einiges an Kritik der PC-Spieler auf der Distributionsplattform Steam einstecken. Zum Schutz der eigenen Kreation griff man bei vielen aktuellen Spieleentwicklungen (Prey, Nier: Automata, Sniper: Ghost Warrior 3) auf den Kopierschutz der österreichischen Firma Denuvo zurück. Findige Programmierer fanden heraus, dass Denuvo 4 in RiME allerdings 10 bis 30 Mal so viele Daten an Denuvo übermittelt. Das Resultat sind minutenlange Ladezeiten zwischen den Kapiteln und eine von Rucklern geprägte Spielerfahrung.

Wir haben das Spiel auf hohen Details auf einer potenten Maschine mit Core i5-Prozessor, 8 GB Arbeitsspeicher und Radeon 280-Grafikkarte durchgespielt. In offenen Gebieten wie dem Beginn ging die Bildwiederholungsrate besonders stark in die Knie, hier wurden zeitweise weniger als 20 Bilder pro Sekunde dargestellt. Doch auch in Höhlen, in denen viel mit Licht und Schatten gespielt wird, waren wir entfernt von flüssigen 30 fps. Sind wir wiederum unter Wasser unterwegs, hatten wir dann auch plötzlich ganze 60 fps.

Der Denuvo-Kopierschutz wurde zwischenzeitlich geknackt, der Entwickler machte von seinem Versprechen Gebrauch,  die vermeintliche lästige Performance-Bremse vom Spiel zu entfernen. Wir haben das Spiel erneut ohne Denuvo in verschiedenen Kapiteln ausprobiert und können bestätigen, dass sich die Ladezeiten deutlich verringert haben und die Performance verbessert hat. Stellen wir die Grafikdetails auf “Mittel”, so können wir selbst in den offenen Gebieten 30 Bilder pro Sekunde erreichen, während in anderen Gebieten hohe Details flüssig möglich sind. Die “Ultra”-Einstellung ist immer noch deutlich zu anspruchsvoll an die Technik, hier erzielen wir 10 fps.

Um euch einen Eindruck von den Unterschieden der Detailstufen zu geben, findet ihr nachfolgend einen Bildervergleich (von links nach rechts: “Niedrig”, “Mittel”, “Hoch”, “Ultra”). Die Schatten sind bereits ab mittleren Details scharf, auf höheren Stufen ist lediglich das Wasser etwas schöner und ein Unschärfeeffekt wird hinzugefügt. Einzig auf der “Ultra”-Stufe werden weitere Grasbüschel hinzugefügt. Erwähnenswert ist, dass man einzelne Grafikeinstellungen in einer erweiterten Ansicht auch separat konfigurieren kann.

RiME mit nierdigen GrafikdetailsRiME mit mittleren GrafikdetailsRiME mit hohen GrafikdetailsRiME mit ultra Grafikdetails

Obwohl durch den Wegfall von Denuvo 4 das Spielerlebnis verbessert wurde, ist das Spiel derzeit zu unoptimiert. Besitzer von schwachbrüstigeren System können da Spiel jetzt spielen, doch gerade Gamer, die einen potenten Rechner haben, sehen bei den höheren Einstellungen massive Framerate-Schwankungen von 25 bis 60 Bilder pro Sekunde, die im krassen Kontrast zu der dem Auge schmeichelnden Optik stehen. Wir wünschen uns, dass in den angekündigten Patches weiter an der Performance-Schraube gedreht wird.

Gamplay-Video: Das komplette dritte Kapitel (Spoiler-Gefahr)


Fazit

Die Reise des Jungen in allen Facetten und Gefühlsstadien zu erleben, ist sicherlich ein Höhepunkt des Spielejahres 2017. Die Unschuldigkeit, mit der das Abenteuer beginnt, hat uns erstrahlen lassen, die emotionalen Abgründe, die wir erkunden, haben uns zu Tränen gerührt. Wer sich darauf einlässt einlässt und weiß, dass er ein Spiel der Marke Journey, The Last Guardian oder Papo & Yo erhält, und kein von Gameplay-geprägtes Game alá The Legend of Zelda oder The Witness, der wird mit einem stimmigen Erlebnis belohnt. Zwar sind die Einflüsse der genannten Titel nicht von der Hand zu weisen, Tequila Works schafft es jedoch dem Spiel eine eigene Note zu verleihen und setzt am Ende noch einen Looping in die emotionale Achterbahnfahrt. PC-Spielern würden im Grunde eine Demo benötigen, um zu sehen, ob es auf ihrem System läuft. Die unausgewogene Performance ist, auch wenn wir uns eine Verbesserung wünschen, kein Hindernis, das Spiel zu genießen zu können und hoffen, dass das nächste Projekt von Tequila Works keine weiteren fünf Jahre auf sich warten lässt.

RiME
Genre: Action-Adventure
System: PC/Mac (getestet), PS4, Xbox One, Switch
Preis: ca. 35 Euro
Entwickler: Teqila Works (Deadlight)
Publisher: Greybox

This game was provided by the publisher for review purposes, check our review policy for details. We took the screenshots ourselves using the Steam version.

 

One comment
  1. Exxoz Zockt

    Ich habe HART überlegt ob ich mir diesen Titel zulege. Aber dieserKopierschutz der die Performance so in den keller traibt hat mich enorm abgehalten. Auch wenn dieser Titel ENORM lockend wirkt… aber irgendwo muss man auch als Verbraucher so eine Linie ziehen -.- … Auch wens um den Titel dann echt schade ist ^^

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