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Test

Im Test: NHL 20 – Deking with the Stars

Einen Monat lang haben wir als Hockey-Neulinge NHL 20 getestet. Nach zahlreichen Bodychecks und Schlagschusstoren berichten wir euch unsere Erlebnisse.

Als Glenn Healy von den LA Kings 1991 das Cover von NHL Hockey zierte, war eine neue Videospielreihe geboren. Seitdem veröffentlicht Electronic Arts (EA) jährlich einen neuen Teil der populären Eishocky-Videospielserie. In der 29. Ausgabe zählen neue Spielmodi und das Kommentatorenduo bestehend aus James Cybulski und Ray Ferraro zu den prägnanten Neuerungen. Nettes Detail: Für manche Matches kommentieren sogar Stars und Sternchen wie Rapper Drake mit.

NHL 20 verfügt über eine Menge Lizenzen. Folgende Ligen sind in dem Spiel aktuell vertreten: Aus den USA die National Hockey League (NHL), die American Hockey League (AHL) und die East Coast Hockey League (ECHL), aus Kanada die Canadian Hockey League, aus Deutschland die Deutsche Eishockey Liga (DEL), aus Österreich die Erste Bank Eishockey Liga, aus Spanien die Liiga, aus Schweden die Svenska Hockeyligan (SHL) und die HockeyAllsvenskan sowie aus Tschechien die Extraliga. Ein ebenso großes Bollwerk ist das Hauptmenü, denn es gibt zahlreiche Modi zu spielen, darunter ein schnelles Spiel, der Online Versus, der Saison-Modus, Hockey Ultimate Team, ein knappes Trainigslager und vieles mehr. Hinzu kommen aber auch neue Modi, wie die Squad Battles in Hockey Ultimate Team, der neue von Battle Royale inspirierte Elimination-Modus, der Turniere gegen 81 andere Spieler in NHL Ones oder NHL Threes erlaubt. Nachdem ihr euch über drei Runden gegen immer schwerer werdende Gegner behauptet habt, werdet ihr als Sieger gekürt.

 

Doch da wir komplette Neulinge in der NHL-Welt sind, haben wir zunächst das Trainingslager durchgespielt. Das klingt allerdings zeitintensiver als es wirklich ist. In einer Reihe von kurz gehaltenen Tutorials kann man sich hier grundlegende Aktionen wie die Bewegung übers Eis, das Ausrichten des Schlägers mit dem rechten Analog-Stick, Passspiel, Schlag-/Direktschuss, Faceoff, einfaches und erweitertes Deking inklusive Pirouetten, Puk vorlegen etc. aneignen. NHL 20 verfügt über drei Steuerungsoptionen, die sich weitreichend den individuellen Gepflogenheiten der Spieler angepasst werden können. Als Presets stehen NHL 94, Hybrid und die reine Stick-Steuerung zur Auswahl. Offensiv hat man mit diesen Steuerungsvarianten viele Möglichkeiten, besonders im Hybridmodus. So kann man etwa manches Mal mit den Aktionsknöpfen passen bzw. schießen oder auch rein den Stick dafür verwenden, der zwar genauer ist, aber etwas Eingewöhnung bedarf. In der Defensive fiel es uns von Beginn an sehr schwer die Spieler vom Puck zu trennen. Allmählich stellt sich heraus, dass eine gute Manndeckung, taktisch kluge Bodychecks und das Klauen des Pucks wenn man vor dem Gegner steht, die Schlüssel zum Erfolg sind.

Bodychecks werden, wenn der Puck in der Nähe ist, selten geahndet, doch das sogenannte Hooking ist allgegenwärtig. Aufgrund der frickeligen Verteidigungssteuerung haken wir ständig in die Beine der Spieler des anderen Teams ein und kassieren nicht nur einen Penalty nach dem andern, sondern spielen auch für den Großteil der Saison in Unterzahl. Im Power Play scheinen die eigenen Spieler jedoch oftmals aufzublühen und so schießen wir dort mehr Tore, als in einem regulären 5-gegen-5. Selbst als kompletter Hockey-Einsteiger gewöhnt man sich schnell an das nicht allzu komplizierte Regelsystem und auch an das zuweilen hohe Spieltempo.

Wir haben vornehmlich den Saison-Modus gespielt und mit den EHC Red Bulls München in der DEL packende Duelle wie ein heißes bayerisches Derby gegen die Ice Tigers aus Nürnberg erlebt. In diesem Spiel haben wir in der letzten Sekunde der Verlängerung den entscheidenden Treffer gemacht (siehe Video oben). Solche Momente brennen sich in das Gedächtnis und lassen die Hooking-Probleme, die das Spiel oft zu sehr ins (Achtung, Wortspiel) Stocken bringen, vergessen. Der Saison-Modus gibt euch als Coach eine Reihe an Optionen an die Hand. So könnt ihr die eigenen Reihen selbst gestalten, Trades machen und das eigentliche Spiel in Dutzenden von Einstellungsmöglichkeiten anpassen. Aus anderen Sportspielen kennen wir das so gar nicht, aber in NHL 20 könnt ihr das Spielsystem bis ins kleinste Detail abändern und so das Pacing jedes Spiels komplett verändern. Einsteiger wie wir können auf vorgefertigte Profile zurückgreifen.

Doch Neulinge haben es in dem Menü-Sumpf schwer und das Spiel erklärt einfache Trainertätigkeiten wie das Auswechseln zu schlecht, sodass man meist auf die Automatismen der Künstlichen Intelligenz (KI) angewiesen ist. Abhängig von dem Ausdauerzustand der Spieler werden sie ersetzt. Das klappt ausgesprochen gut.

 

NHL 20 ist auf der PlayStation 4 Pro eine Augenweide: Die Gesichter der Hockey-Größen sehen, soweit wir das beurteilen können, fotorealistisch aus und auch die Bewegungsabläufe sind äußerst flüssig. Das Publikum überzeugt von Nahem ebenfalls in Sachen Detailreichtum, doch aus der klassischen Vogelperspektive gehen dann doch viele Details verloren und so richtig tolle Game Day-Stimmung kommt, zumindest in der Darstellung der DEL, selten auf. Das kennen wir aus den weiteren EA Sports-Spielen wie FIFA 20, in dem uns ständig originalgetreue Fangesänge ins Ohr geblasen werden, anders. Der englisch-sprachige Kommentar des neuen Duos wiederholt sich bereits im zweiten Viertel des ersten Spiels mit den immer gleichen Phrasen, die manchmal auch gar nicht zum eigentlichen Geschehen passen.

Technisch überzeugt NHL 20 größtenteils. Die Ladezeiten sind auf der PS4 Pro angenehm kurz, doch das Spiel bleibt zuweilen einfach stecken. Dann stehen plötzlich zehn Männer in Helme und Schoner gehüllt auf ihren Kufen und nichts passiert. Unser Tipp: Verschiebt das Tor, dann geht’s auch schon weiter (siehe Video oben). Weitere nennenswerte Fehler sind uns nicht aufgefallen.

Fazit

NHL 20 ergänzt die Erfolgsformel um interessante neue Modi, die sich hauptsächlich auf die Online-Komponente beziehen. Doch auch Neueinsteiger, die mit ihrem Lieblingsclub die NHL, DEL oder eine der zahlreichen anderen enthaltenen Ligen gewinnen wollen, werden mit kurzen prägnanten Trainingseinheiten auf das Spiel vorbereitet, während Profis an zahlreichen Stellschrauben drehen, um den Spielablauf besser auf sie zuzuschneiden. Die Präsentation leidet kaum darunter, dass das NBC-Branding in diesem Jahr weggefallen ist. Lediglich ein Schwung zusätzlicher Kommentare hätte geholfen, es etwas abwechlungsreicher zu gestalten. Ein rundum gelungenes Eishockeyspiel also mit Verbesserungspotential in Technik und Aufmachung.

Alle Screenshots haben wir mit der PS4 Pro aufgenommen.

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