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Angespielt

Angespielt: American Truck Simulator – Viva La Brumm Brumm

Back to the roots: Der tschechische Entwickler SCS Software kehrt mit seiner LKW-Simulation zurück zum Territorium, das sie am besten kennen, den USA.

SCS Software wurde 1997 gegründet, es dauert vier Jahre bis zum ersten kommerziellen Titel, Hunting Unlimited. Schnell schießt man sich allerdings auf ein anderen Genre ein. Schon 2002 folgt die erste Truck-Simulation Hard Truck: 18 Wheels of Steel. In Nordamerika beheimatet kann man allerlei Großstädte frei bereisen und Aufträge ausführen, etwa Gemüse von Indianapolis an die Westküste karren oder Wohnmobile von Tijuana nach Calgory transportieren. Die 18 Wheels of Steel-Serie umfasst bislang schlappe 7 Teile, darunter auch einige Arcade-Ableger wie die Extreme Trucker-Spin-offs.

American Truck Simulator

Seit 2008 veröffentlicht SCS in regelmäßigen Abständen auch europäische Ableger. Mit Euro Truck Simulator, German Truck Simulator, UK Truck Simulator und Euro Truck Simulator 2 (ETS2) und dessen drei Erweiterungen hat sich SCS hier auch ganz schön ausgetobt. Besonders ETS2 ist sehr beliebt bei den Trucker-Fans und hat SCS unbestritten den Durchbruch verschafft. Vorbei sind die Zeiten, als der Stadtverkehr noch aus ein paar verschieden farbigen Pixelautos auf Schienen besteht und die Umgebung mit verwaschenen Reihenhäusern und ein paar Büschen besteht. Die von Fans kreierte Multiplayer Mod lässt in ETS2 nun sogar auf allerlei Servern mit bis zu 2.300 Spielern gleichzeitig durch Deutschland, England, Belgien, den Niederlanden, Österreich, Schweiz, Frankreich, Luxemburg, England, Polen, Tschechien, Slowenien, Dänemark, Schweden und Norwegen fahren, Hobby-Brummis gründen eigene Unternehmen und treffen sich zu Fahrzeugkolonnen mit mehreren Dutzenden von hoch gezüchteten Trucks.

American Truck Simulator (ATS) steht schon seit einigen Jahren in den Startlöchern. Es basiert auf der Engine von Euro Truck Simulator 2, spielt aber in der 18 Wheels-Region Nordamerika. Statt mit den PS-starken quirligen europäischen Trucks der Marken Volvo, Mercedes oder Scania geht es in ATS mit Kenworth und Peterbilt auf die staubigen Pisten Kaliforniens und Nevadas. ATS ist bislang als Starter-Pack digital und im stationären Handel erhältlich, der diese beiden Regionen beinhaltet. Später sollen, ähnlich wie bei ETS2, neue Regionen, also US-Bundesstaaten, dazukommen.

American Truck Simulator

ATS beginnt wie der europäische Ableger damit, dass ihr Schnellaufträge mit gestellten Trucks für Auftraggeber ausführt. Der Vorteil: Ihr braucht euch kaum um einen leeren Tank scheren und müsst bei sicherer Fahrweise auch den Truck nicht unterhalten. Allerdings könnt ihr die Spielwelt noch nicht frei erkunden und nicht selbst entscheiden, wie die Routen aussehen. Habt ihr euch einige Hunderttausend zusammengespart oder einen Kredit bei der Bank aufgenommen, beginnt das eigentliche Spiel – ihr kauft euren zu Beginn noch ziemlich lahmen Truck und erkundet allerlei Städte von Barstow über San Diego, Los Angeles, Fresno und Las Vegas sind einige Kleinstädte und Motropolen mit dabei. Erst wenn ihr die jeweilige Stadt bereist, könnt ihr dort auch Aufträge annehmen.

Die Spielwelt ist ähnlich wie in ETS2 sehr detailliert. Besonders im letztjährigen Scandinavia-Add-on zeigt ETS2 wie homogen malerische Kulissen mit glaubwürdiger Streckenführung in Einklang zu bringen sind. Mit der amerikanischen Variante setzen die Tschechen nochmal eine Schippe drauf: Ihr pest über staubige Wüstenstraßen, auf denen Steppenläufer tanzen, rundum Kakteen und einige verstreute Diner für die rastlosen Seelen. Nahtlos geht dies über in kleinere Städte wie Barstow, die mit kleineren Bauten bestückt sind. Ähnlich wie in Fear & Loathing in Las Vegas könnt ihr den Hunter S. Thompson machen und nach Vegas und zurück nach L.A. kutschieren, auf den gleichen Highways. An einigen Stellen sehen diese den Vorbildern im Bild ziemlich ähnlich, daran sieht man schon etwas den Detailgrad, der in ATS steckt.

American Truck Simulator

Geht’s dann wirklich nach L.A., so ist die Stadt unverwechselbar. US-Metropolen wie Miami besitzen in 18 Wheels of Steel schon Wiedererkennungswert, doch ATS bietet die Optik, die man damals schon erwartete. Die Skyline der Stadt ist omnipräsent, egal wo ihr in der Stadt der Engel seid. Filme wie Heat haben uns solche Shots bereits geliefert, auch in dieser Trucker-Simulation sind solche Szenen problemlos nachzubilden. Ihr findet nicht nur die weltbekannte Silhouette von L.A. mit dem U.S. Bank Tower wieder, auch Downtown L.A. ist mit dabei, die kleinen Ghettos und Villen-Gebiete. Auch kommerzielle Distrikte voll von Kinos und Bars sind vertreten inklusive der superbreiten Avenues. Die Hollywood Hills oder den Walk of Fame haben wir noch nicht gefunden, würde uns bei der Detailtreue aber nicht wundern, wenn diese auch enthalten sind.

Auch Las Vegas ist angemessen groß und pompös inszeniert. Nachts glitzern hier die riesigen Kasinos. Sowohl das gold schimernde Bellagio als auch das prymadienartige Luxor Hotel and Casino sind in imposanter Größe mitten in der Stadt wiederzufinden. Realitätsnah wird die Stadt mit Schnellstraßen mit Tempolimit 65 Meilen pro Stunde (105 km/h) durchzogen. In der Stadt sind dann nur 30 mph erlaubt. Und die Polizei prüft regelmäßig. Anders als in ETS2 sind waschechte schwarz-weiße Streifenwagen unterwegs und bestrafen euch mit Aufheulen der Sirene mit 700 bis 1.000 US-Dollar Strafe. Mit Anfangstouren von 1.000 bis 4.000 US-Dollar sind diese Strafen deftig, besonders wenn man einen 100.000 US-Dollar schweren und mit 20% verzinsten Kredit abbezahlt. Vorbei sind die Zeiten, als man auf der Autobahn noch nach Blitzer-Vorwarnschildern Ausschau hält. Leider begeht die Polizei selbst die größten Verbrechen und ignoriert mancherorts munter rote Ampeln oder schneidet euch, schade.

American Truck Simulator

Die bulligen US-Trucks steuern sich zwar ähnlich der Karossen in ETS2, jedoch merkt man schon den PS- und Hubraum-Unterschied. Auch bei der Fracht, denn die Kontainer sind deutlich länger und breiter als üblich. Da man sich spätestens seit ETS2: Scandinavia um realistischere Firmen-Frachtbereiche kümmert, fällt das Einparken zunehmend schwerer. Glücklicherweise bietet SCS hier drei unterschiedliche Varianten. Ihr könnt den Truck im K.I.T.T.-Stil selbst einparken lassen, verzichtet damit aber auf zusätzliche Erfahrungspunkte (EP). In der 15 EP-Variante werden auf einem gut erreichbaren Bereich ein leicht zu erreichender Zielbereich gesetzt, in dem ihr euren Truck samt Fracht einparkt. Die 90 EP-Version ist deutlich komplizierter, hier quetscht ihr euch zwischen Levelende und parkenden Vehikeln. Mit etwas Übung gelingt einem das auch, wir begrüßen die Auswahl. Zu Beginn eckt ihr aber oft an allerlei Kisten an, die dank verbesserter Physik nicht am Boden haften, sondern umherschleudern.

ATS wirkt nicht nur durch die verbesserte Physik lebensechter, es sind mehr Fußgänger als sonst platziert, Helikopter fliegen durch die Skyline von L.A., Doppeldecker-Flugzeuge zieren den Horizont über Ackergebieten und massive Windparks sorgen für optische Vielfalt. Von Zeit zu Zeit fühlt man sich echt an die besten GTA-Momente erinnert, etwa den imposanten Windpark im fünften Teil oder das von Neonlichtern und Highways gesäumte Las Vegas in San Andreas.

American Truck Simulator

Audiovisuell ist ATS top präsentiert. Visuell wurde ETS2 durch die tolle Update-Politik von SCS schon mit ansehnlichen Lichteffekten ausgestattet, ATS stellt nochmal deutlich mehr detaillierte Assets dar und sieht dabei nicht schlechter aus, im Gegenteil. Man ist immer wieder von der Optik und stabilen Bildwiederholungsrate erstaunt. Die Trucks klingen kernig wie eh und je und die ab und zu in Erscheinung tretende In-Game-Musik setzt den richtigen Ton, allerdings greift man die meiste Zeit wohl eh auf die integrierte Radio-Option mit allerlei eingebauten Online-Sendern zurück, nach Belieben dürfen via einer ini-Datei neue Sender hinzugefügt werden.

Vorabfazit

Nach 6 Stunden ATS steht für uns fest, ETS und 18 WoS sind sinnvoll miteinander verwoben worden und eine der tollsten Trucker-Simulationen ist geboren. ATS fördert die Entdeckerlust mit toll gestalteten Streckennetzen, homogenen Landschaften und imposanten Städten. Bis die Mod-Community eine funktionierende Multiplayer-Variante entwickelt hat, dürften nur noch maximal Wochen vergehen. Spätestens dann möchte ich euch in der “Bat-Country” begrüßen und in einer Kolonne an schweren Trucks diverse Touren quer durch die USA machen. Selbst wenn SCS mit den zusätzlichen Bundesstaaten noch auf sich warten lässt, bietet ATS bereits eine umfangreiche, toll inszenierte, fantastisch spielbare Simulation. Wir gehen nun zurück zu den Roots, buchstäblich, wenn Jimmy F. sie hergibt, bis dahin hören wir eben Fluffy Razors Gigs in Vegas.

Die komplette Galerie

Alle Screenshots wurden von uns persönlich anhand der Steam-Version in 1.920×1.080 erstellt.

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