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Test

Im Test: ELEX

Gothic 2 ist eines der besten Rollenspiele aus Europa √ľberhaupt. Ein Titel, welcher auch heute noch den gleichen Charme wie damals ausstrahlt, das Design von RPGs bis heute nachhaltig beeinflusst hat und ein absoluter Klassiker ist. Weder der dritte Ableger noch die darauf folgende Risen-Serie konnten dieses spezielle Etwas replizieren.

Magellan, ein lange vor dem Beginn unserer Geschichte von einem s√§mtliches Leben inklusive der fortschrittlichen Zivilisation von Menschen ausl√∂schenden Meteoriten getroffener Planet, pr√§sentiert sich als √§u√üerst gef√§hrliches Pflaster. Das mysteri√∂se Mineral Elex wurde durch den Aufprall √ľber den gesamten Planeten verteilt und ver√§nderte nachhaltig die Flora und Fauna, zumindest den Teil, welcher die Katastrophe √ľberlebte. Die in Gruppen zersplitterten Menschen nutzen jenen Werkstoff zu unterschiedlichen Zwecken.

Drei Fraktionen bildeten sich √ľber die Jahre nach dem Einschlag: Die technikverliebten Kleriker, welche sich durch Gedankenkontrolle und einer kultartigen Gesellschaftsstruktur ihre Macht sichern, Berserker, welche jegliche Form von Technologie verachten und Elex¬†zum Vorantreiben der Heilung des Planeten in Mana umwandeln, und die Gruppierung der profitgierigen in der W√ľste niedergelassenen Outlaws, deren Gesellschaftsstruktur recht simpel mit den Worten Mad Max beschrieben werden kann.

Bedroht werden diese Fraktionen allesamt von einer¬† Macht im Norden: den emotionslosen und von Elex abh√§ngigen Albs. Unser Protagonist Jax ist ein gefeierter Kommandant jener jener blutr√ľnstigen Fraktion, dessen Kampfjet abgeschossen wird. Zu allem √úberfluss wird er von seinem Bruder, seines Zeichens ebenfalls hohes Tier der Albs, aufgefunden und exekutiert. Der Verhaltenskodex der Albs duldet kein Versagen und ahndet dieses Vergehen entsprechend.

√úberraschenderweise √ľberlebt Jax dieses Attentat auf sein Leben und findet sich, seiner R√ľstung und Bewaffnung entledigt, nun in einer Welt, in der er sich ohne die von Elex gespendete Kraft behaupten muss, wieder.

Rache stellt in der Geschichte von ELEX anfangs die treibende Kraft dar, allerdings √§ndert sich dies sp√§testens, sobald man sich einer der Fraktionen ann√§hert. Jede Fraktion k√§mpft mit ihren eigenen Problemen und Jax muss sich wohl oder √ľbel in deren Machenschaften engagieren um auch nur die geringste Chance zu haben seine Ziele zu erreichen.

Jedem Gothic-Spieler sollte gel√§ufig sein wie sich die Geschichte gestaltet: Man erf√ľllt Aufr√§ge f√ľr die jeweiligen Fraktionen, schlie√üt sich einer an und verfolgt nebenbei den Haupstrang der Story. Insgesamt l√§sst sich die Storyline als kompetent beschreiben, auch wenn ein Gro√üteil der Plottwists recht vorhersehbar bleibt. Viel interessanter sind einige der Nebenquests welche tieferen Einblick in diese recht au√üergew√∂hnliche Welt bieten.

Durch die drei Fraktionen wird einiges an Wiederspielwert geboten, unterscheiden sich deren Waffen enorm voneinander. Weniger variantenreich sind jedoch die den jeweiligen Fraktionen zugehörigen Spezialfähigkeiten. Diese unterscheiden sich unterm Strich nur wenig.

Wie bei vorherigen Titeln ist auch Jax anfangs ein Protagonist, welcher mit weitaus weniger R√ľstzeug auskommen muss als seine RPG-Kollegen. So ist zu Beginn des Spiels jeder Gegner, sei es ein radioaktiv verstrahltes Huhn oder eine ebenso verstrahlte Ratte, absolut t√∂dlich.

Jeder Kampf wird damit zu einem kalkuliertem Risiko, was den Gefechten Brisanz verleiht. √Ąu√üerst ung√ľnstig ist in diesem Zusammenhang jedoch eine der gr√∂√üten Schw√§chen von ELEX: die grauenvolle Gegnerplatzierung.

Selbst Quests, welche f√ľr den Beginn des Spiels ausgelegt sind, schicken den Spieler in mit hochstufigen Gegnern geradezu infizierte Gebiete. Diese Ausfl√ľge enden daher meistens t√∂dlich und frustrieren mehr, als dass sie motivieren. Selbst wenn man des ewigen H√§ndchenhalten, welches sich wie ein Tumor in vielen modernen Titeln breitgemacht hat, √ľberdr√ľssig ist, h√§tte ein gewisser Hinweis auf einen drei Meter hohen D√§mon beim Angehen einer Sammelquest zu Beginn des Spiels einiges an Frust erspart.

Problematisch ist dabei nicht der Umstand, dass ELEX mit klaren Worten die Schwäche des Protagonisten hervorhebt und Kämpfe als möglichst unattraktiv darstellt, schließlich handelt es sich hier um eine unwirtliche Welt. Vielmehr macht sich hier ein weiterer Kritikpunkt, welcher dem gesamten Kampfsystem einen Genickbruch verpasst, bemerkbar. Hier wird mit fehlerhaften Hitboxen geradezu um sich geworfen und zielsuchenden Attacken machen das Ausweichen unnötig schwer. Dazu kommt noch die Möglichkeit durch Gegner kontinuierlich betäubt zu werden, was schnell zum vorzeitigen Dahinscheiden des Spielers beiträgt.

Bei der vorhin erw√§hnten Sammelquest w√§re es beispielsweise kein gr√∂√üeres Problem gewesen, die betreffende Pflanze unter dem Hintern des √§u√üerst aggressiven D√§mons zu stibitzen, allerdings bedeutet jeder Treffer seinerseits einen Ladebildschirm. Wenn man dann noch von definitiv ins Leere gegangenen Attacken getroffen wird, wird man des Lebens nicht mehr froh. Von zielsuchenden Steinw√ľrfen manch anderer gro√üer Gegner wollen wir gar nicht erst reden.

Besonders am√ľsant wird es sp√§testens, wenn in Quests gegen Ende des Spiels gro√üe Gegnergruppen ausgeschaltet werden m√ľssen. Selbst mit hochwertiger Ausr√ľstung werden diese K√§mpfe zu einer Studie von Trial and Error, man hat nie das Gef√ľhl eine wirkliche Kontrolle √ľber das Kampfgeschehen zu haben.

Aufleveln allein hilft bei diesem Problem auch nicht. Die St√§rke eures Charakters wird n√§mlich vor allem durch die angelegten Waffen und R√ľstung beeinflusst. Mag selbst ein rostiges Schwert bei anderen Titeln zumindest etwas an Nutzen durch gesteigerte Attribute aufweisen, wird es in ELEX im sp√§teren Spielverlauf ebenso nutzlos wie zu Beginn sein.

Wie wird man nun also zu einem gef√ľrchteten Mutantenschl√§chter? F√§higkeiten sind hier das Zauberwort. Durch jeden Levelaufstieg sammelt man Lernpunkte, welche wiederum bei bestimmten Lehrern gegen einen Punkt in der jeweiligen F√§higkeit eingetauscht werden k√∂nnen. Diese reichen vom Tr√§nkeherstellen √ľber das H√§uten von Gegnern bis zu erh√∂htem Schaden mit einem Waffentyp. Dieser gute Mix an F√§higkeiten macht die Anpassung eures Charakters zur Freude. Es fehlt jedoch die M√∂glichkeit, Attribute und Lernpunkte zur√ľckzusetzen. Wer sich sein ohnehin schon schweres Leben jedoch etwas leichter machen m√∂chte, sollte zumindest das H√§uten von Gegnern erlernen. Bei den Wucherpreisen von fraktionsspezifischen Waffen und R√ľstungen ist dies fast schon notwendig.

Grafisch zaubert ELEX nicht unbedingt eine die Grafikkarte schmelzende Pracht. Dies ist jedoch aufgrund des kleinen Teams kein Wunder und der grunds√§tzliche Aufbau von Magellan macht einiges wieder gut. Die thematische Kombination der jeweiligen Gebiete aus Fantasy, Science-Fiction und Postapokalypse h√§tte nicht funktionieren d√ľrfen, seltsamerweise gelingt dies Piranha Bytes jedoch absolut. Das soll jedoch nicht bedeuten, dass sch√∂ne Aussichten f√ľr ELEX ein Fremdwort sind. Die Umgebung ist detailliert und manch ein Sonnenuntergang l√§sst uns staunen. Durch einen praktischen Jetpack, welcher schon fr√ľh im Spielverlauf gefunden wird, macht die Erkundung jenseits von blutr√ľnstigen Mutanten eine Menge Spa√ü. Quests lassen sich an jeder Ecke finden und ein Gro√üteil kann auch auf verschiedenen Wegen abgeschlossen werden.

Ein weiterer Pluspunkt: die Vielzahl an rektrutierbaren Begleitern. Diese bringen nicht nur ihre eigene Questreihen, Vorlieben und Abneigungen mit sich, sondern stellen auch kompetente Kampfpartner welche als zusätzlichen Bonus nicht das Zeitliche segnen, dar. Abgerundet wird das Ganze durch ein Loyalitätssystem. Je nachdem wie ihr euch im Beisein eines Kumpanen bei Gesprächen verhaltet, wirkt sich dies auf die Beziehung mit diesem Charakter aus. Bei manch einem Begleiter kann dies auch in einer Romanze enden.

Fazit

ELEX l√§sst mich gespaltenen Gem√ľts zur√ľck. Einerseits gibt es mir ein Spielgef√ľhl, welches ich seit Gothic 2 sehnlichst vermisst habe, andererseits f√ľhlt es sich so an, als w√§re die Zeit still gestanden. Die absolut horrende Gegnerverteilung sorgte f√ľr einige Stunden im Ladescreen und lie√ü mich aufgrund des Kampfsystems nicht mit dem Gef√ľhl zur√ľck, dass ich selbst an meinem Versagen schuld war.

Diese Momente sind einfach nur frustrierend und √ľberschatten die absolut interessante und gut gef√ľllte Spielwelt. Jede Interaktion mit NPCs und die Erkundung meiner feindlichen Umwelt war die reinste Freude,¬† jede Begegnung mit einem Feind ein schwei√ütreibendes Trauerspiel. Trotz dieser Schw√§chen ist ELEX absolut empfehlenswert, solange man mit den besprochenen Problemen leben kann.

Die drei Fraktionen unterscheiden sich grunds√§tzlich, der Genremix macht die Spielwelt einzigartig und der typische Piranha Bytes-Charme ist ein Qualit√§tsmerkmal, welches f√ľr sich spricht.¬†

Wer jedoch ein zug√§ngliches RPG f√ľr zwischendurch sucht, wird entt√§uscht. ELEX richtet sich nur an die Geduldigen und Frustresistenten.