Im Test: Hotline Miami

Hotline Miami

Als “GTA, wie es sich Rockstar nicht traut zu veröffentlichen” schoss man Hotline Miami eine Menge Vorschusslorbeeren entgegen. Wir versinken in Miamis Unterwelt und klären, ob das Actionspiel den Erwartungen gerecht wird.

Obgleich der Vergleich mit GTA: Vice City als offensichtlich erscheint, da es sich bei Hotline Miami um einen brutalen Actiontitel im Miami der 80er handelt, spielt sich das pixelige Retro-Spiel deutlich anders. In der von Sonne und Neon durchfluteten Stadt übernehmt ihr die Rolle eines Durchschnittstypen, der von der Hotline Miami Aufträge bekommt, bestimmte Gangsterneste auszuräuchern. Zu Beginn jedes Kapitels wacht ihr also im Apartment des Protagonisten auf, hört den Anrufbeantworter ab und macht euch mit eurem Sportwagen samt Scherentüren auf zum Tatort.

Kompromisslose Action im Miami der 80er

Dort werdet ihr von einem Song des großartigen Soundtracks begrüßt und könnt euch schonmal eingrooven. Zuerst gilt es die Maske zu wählen, mit der ihr das Haus betreten wollt. Im Spielverlauf schaltet ihr unzählige Tiermasken frei, die euch spezielle Talente verleihen. So schießt er etwa besser, erweitert euer Sichtfeld, seid schlechter zu entdecken, verfügt über mehr Munition oder werdet von den streunenden Hunden nicht angegriffen. Anschließend gilt es alle Schergen im Gebäude auszuschalten. Die Häuser sind meist mehrstöckig. Bevor ihr die nächste Etage betretet, müssen alle Gegner das Zeitliche gesegnet haben. Für Tötungen bekommt ihr Punkte, die sich in kurzer Zeitspanne in Kombos zusammenfassen und euch Punkte bescheren, die neue Waffen und Masken freischalten.

Die Level sind so aufgebaut, dass ihr zwar ab und an Ruhe zum Verschnaufen und Planen der nächsten Schritte habt, meist geht’s aber rasant und brutal zur Sache. Euch steht ein riesiges Arsenal an Waffen zur Verfügung, das bei guten Punktzahlen schnell an Umfang gewinnt. Es gibt sowohl Nahkampfwaffen wie (Wurf-)Messer, Baseballschläger, Eisenstangen, Glasflaschen, Ziegelsteine und Schwerter als auch allerhand Schusswaffen wie das Maschinengewehr, Schrotflinten und Pistolen. Die Waffen luchst ihr entweder toten Wachen ab oder ihr findet sie im Level. Welche Waffen im Umlauf sind ist bei jedem Versuch zufallsgeneriert.

A sneaking mission

Beim Durchstreifen der Gebäude kommt durchaus etwas Metal Gear Solid- bzw. – etwas passender – Hitman-Flair auf. Eure Gegner haben gewisse Routen und Verhaltensmuster, nach denen sie agieren und ihr müsst den richtigen Moment abpassen, um sie beispielsweise von hinten auszuknocken, um an ihre Waffe zu gelangen. Was sich zu Beginn noch als simpel erweist, wird später durch verwinkelte Häuser, verschiedene Gegnerarten und eine größere Anzahl an Opponenten richtig knackig. Wollt ihr überleben, könnt ihr nicht blindlinks reinstürmen und mit dem Sturmgewehr um euch ballern. Ihr müsst leise vorgehen und möglichst kaum Schusswaffen benutzen, da diese den Ansturm einer ganzen Armada von Feinden anlocken. Da ist es nur konsequent, dass Munition nicht zuhauf in den Level versteckt ist.

Wir haben unterschiedliche Gegnertypen erwähnt. Neben normalen Schergen, die mit Eisenstange oder Maschinengewehr bewaffnet sind, gibt es auch große schwarze Männer und Hunde. Die gut gebauten Herren rennen bei Sichtkontakt schnurstracks auf euch zu und strecken euch mit einem Schlag nieder. Wachhunde laufen stets an den Wänden entlang, gehen aber auch durch Türen, falls diese nur einen Spalt offen stehen. Glücklicherweise ist die Verhaltensweise der Hunde um einiges vorhersehbarer als die der Wachen, da diese ihre Routen schnell ändern können und einen eben ausgeheckten Plan im Nullkommanichts zunichtemachen.

Die Gewalt im Spiel ist sehr explizit. Werft ihr einen Gegner durch das Aufstoßen einer Tür zu boden, streckt ihr anschließend mit einem Schweif des Katanas nieder. Das hat eine Menge Pixelblut zur Folge. abgetrennte Gliedmaßen und offen sichtbare Eingeweide sind keine Seltenheit. Klar kann man das Spiel mit seinem schrägen Setting und der 8 Bit-Retro-Optik nicht sonderlich ernst nehmen und die übertriebene Gewalt damit auch nicht. Das bedeutet aber nicht, dass die Stimmung in’s Lächerliche gezogen wird, im Gegenteil. Der raue Ton spiegelt sich auch in den Zwischensequenzen wieder. Die Story hält euch am Anfang noch im Unklaren, aber ab dem Moment als drei mit Tiermasken verkleidete Gestalten eines Morgens in eurer Wohnung auftauchen, nimmt sie an Bedeutung zu und hält einige Überraschungen für euch bereit.

Soundtrack fetzt, Rage-Level hoch

Stilistisch ist Hotline Miami eine Wucht. Auch wenn ihr euch im Miami des Jahres 1989 nicht frei bewegen könnt, ist der pulsierende 8-Bit-Look stimmungsvoll, die Gebäude sind mit Liebe zum Detail gestaltet und erzeugen gemeinsam mit der tollen Musik von M.O.O.N., Jasper Bryne & Co. (die auch vorbildlich im Spielordner als OGG-Musikdateien beiliegen) eine von Adrenalin und Nostalgie geprägte Atmosphäre. An die Bedienung muss man sich erst einmal gewöhnen. Unglücklicherweise steht zum Zeitpunkt des Tests noch keine Unterstützung für Controller zur Verfügung. Da man blitzschnell reagieren muss, ist es ein Graus, dass man die Sensitivität der Maus im Spiel nicht regulieren kann. Allgemein gibt es sehr wenige Optionen im Spiel, auch grafischer Natur. Ist man aber erst einmal im Flow, stellt auch das kein allzu großes Ärgernis mehr da.

Etwas Ärger ist aber trotzdem vorprogrammiert, da der Schwierigkeitsgrad sehr hoch angesetzt ist. Beim Betreten einer neuen Etage wird zwar zwischengespeichert, beendet ihr aber das Spiel, müsst ihr das Kapitel von Neuem beginnen. In den wenigen Bosskämpfen, die es gibt, ist das Frustlevel wesentlich geringer, da man großteils schnell herausfindet, wo die Schwachstelle des Gegenüber liegt.  Gehen wir auf diese Kämpfe näher ein, würden wir euch zu viel von dem spannenden Plot verraten, was uns natürlich fern liegt. Für Entdecker: In die Story wurden auch einige popkulturelle Referenzen u. a. an Kill Bill und Helden der 80er eingebaut.

Fazit

Hotline Miami gefällt uns aufgrund des spannenden herausfordernden Gameplays und der düsteren, gefährlichen Stimmung. Toll finden wir, dass verschiedene Vorgehensweisen nicht nur zugelassen werden, aufgrund des Punktesystems wird man sogar dazu ermutigt, bei der Metzelei kreativ zu Werke zu gehen. Die 20 anwählbaren Missionen werden von Ausflügen in Bars und Supermärkte aufgelockert, die die Story unterbewusst vorantreiben. Das Spiel hätte ruhig etwas länger sein dürfen, aufgrund der Highscores und freischaltbaren Objekte ist ein gewisser Wiederspielwert dafür vorhanden. Der kompromisslos brutale Look, etwas Klarheit in der abstrusen Geschichte zu schaffen und die spannenden Katz- und Mausspiele sind das, was Hotline Miami ausmachen und zu einem für rund 5 bis 10 Stunden motivierenden Actionleckerbissen machen. Das ist sicherlich nicht nach jedermanns Geschmack, die Hotline Miami heuert ja aber auch nicht jeden an.

Würdet ihr uns gerne an eurer Meinung zum Spiel teilhaben lassen oder seid ihr an einem Gewinnspiel interessiert? Ab damit in die Kommentare!

Hotline Miami
Genre: Action
System: PC/Mac
Preis: 8,49 Euro (Steam, Good Old Games etc.)
Entwickler: Dennation Games
Publisher: Devolver Digital

 

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    “GTA, wie es sich Rockstar nicht traut zu veröffentlichen”? Rockstar hat gleich zwei Spiele veröffentlicht, die genau in das Schema von Hotline Miami passen, und keines hat irgendetwas mit GTA zu tun. Manhunt, anyone?

    • XTgamerPatrick

      Ich hab es ja nicht so genannt, war ja ein Zitat und zu indizierten Spielen können wir uns nicht äußern.