Loading...
Test

Im Test: Zero Escape – The Nonary Games: 999

Im Dezember 2009 sorgte ein Spiel namens Nine Persons, Nine Hours, Nine Doors in Japan für Furore: Kritiker liebten die Mischung aus Visual Novel und Escape the Room-Spiel, die Verkaufszahlen blieben aber im Gegensatz zu vielen Spieleinhalten human. Mit Zero Escape: The Nonary Games legt Spike Chunsoft gemeinsam mit Aksys Games das Spiel neu auf und veröffentlicht die Collection diese Woche.

Zero Escape: The Nonary Games enthält neben dem nie offiziell in Europa veröffentlichten Nintendo DS-Puzzler Nine Persons, Nine Hours, Nine Doors (kurz 999) auch das 2012 weltweit für Nintendo 3DS und PlayStation Vita erschienene Virtue’s Last Reward. Doch wie kommt es zu dem Namen? Die Reihe nennt sich aufgrund der Zimmerflucht-Spielmechaniken Zero Escape. Der Untertitel bezieht sich auf die Verbundenheit der Spiele zur Zahl 9, welche besonders beim Erstling schwer zu übersehen ist. The Nonary Games ist hierzulande ab dieser Woche ausschließlich digital auf Steam für den PC und im PlayStation Store für die PlayStation 4 erhältlich. In den USA gibt es zusätzlich eine Veröffentlichung für PlayStation Vita und im stationären Handel. Wir berichten in diesem Test ausschließlich vom 999 PS4-Remaster.

Geschichte

Ihr erwacht in einer Kabine. Ein Bett, ein Schrank, alles sieht etwas altertümlich aus. Aus dem Fischaugenfenster dringt plötzlich Wasser ein – Panik setzt ein. Der Protagonist versucht das Fenster zu verbarrikadieren, doch es hilft alles nichts. Aus dem Raum kann er nicht entkommen, da es mit einem elektronischen Schloss versehen ist. Nach etwas Sucharbeit finden wir zwei Koffer und nachdem wir das Interieur teils zerstört, teils zweckentfremdet und zwei Schlüssel gefunden sowie obskure Notizen entschlüsselt haben, werden wir in Erinnerungsfetzen darüber informiert, mit wem wir es hier zu tun haben.

Wir sind Junpei. Der braunäugige Mann ist in seinen 20ern, hat längeres wuschiges brünettes Haar und sieht sichtlich mitgenommen aus, als er sich im Spiegel der Kabine betrachtet. Als Spieler erleben wir das Geschehen ausnahmslos aus der Beobachterperspektive einer Visual Novel. Wir sehen uns selbst hier also zum ersten und womöglich auch zum letzten Mal. Ein Mann mit einer Gasmaske ist nachts in unser Apartment eingebrochen, hat uns mit Gas betäubt und wohl hierher verschleppt. In einer Lautsprecheransage dröhnt uns eine verzerrte Stimme entgegen, dass wir uns im Nonary Game befinden. Wir werden unser Leben riskieren. Doch es gibt einen Ausweg. Wir sollen eine Tür mit einer 9 finden.

Klingt abgedreht, aber lernt erst einmal unsere 8 Mitspieler kennen, die wir alsbald im Saal treffen: Ace ist ein ergrauter Mann mit kräftiger Statur, der erblindete Snake weiß sich vornehm auszudrücken, Silver ist nach seiner Haarfarbe benannt, Clover ist die kleine quirlige Schwester Snakes, Akane ist im Spiel als June bekannt und Junpeis Freundin aus Kindheitstagen, Seven ist ein bulkiger Mann seines Wortes, die freizügig gekleidete Lotus nimmt das Motto „du bist so alt wie du dich fühlst“ sehr ernst und Nummer 9 ist ein mysteriöser hektischer Charakter. Das sind doch alles keine Namen meint ihr? Richtig, um die Anonymität zu wahren geben sich die 9 Spieler Codenamen.

Jeder Figur ist eine Nummer zugeordnet und jede wichtige Tür ist mit einer Nummer versehen. Um die elektronischen Schlösser zu entriegeln und die Türen zu öffnen, müssen die Spieler ein Armband mit ihrer persönlich unabänderbaren Nummer an jeder Tür scannen. Es dürfen 3 – 5 Personen durch eine Tür gehen und die Digital Root (Quersumme) muss der Aufschrift der Tür entsprechen. Diese interessante Mechanik setzt 999 von anderen Visual Novels ab. Doch dazu mehr, wenn wir zum Gameplay kommen.

Die weitere Geschichte ist voller Wendungen und kleiner Ausflüge in die Vergangenheiten der Protagonisten. Ab dem letzten Drittel zieht die Spannung nochmals deutlich an und das Spiel endet mit einem von 6 Paukenschlägen, denn so viele verschiedene Enden gibt es in 999. Wir haben davon nur eines erlebt, waren aber schwer beeindruckt und zufrieden damit.

Gameplay

In 999 gibt es zwei unterschiedliche Spielphasen. In einer Phase lauscht ihr den englisch und japanisch vertonten Dialogen und lest die englischen Untertitel. An gewissen Stellen dürft ihr etwa entscheiden, welches Deck ihr als nächstes durchsucht oder welche Tür ihr betreten möchtet. Ihr könnt die Dialoge in zwei Ansichten darstellen lassen: Die erste Ansicht ist in typischem Visual Novel-Stil mit Textboxen am unteren Bildschirm und Charakterporträts, die sich in Einzelfällen bewegen. Jederzeit ist der Wechsel in eine Tagebuchansicht möglich, in der der Text gesammelt auf einer Seite dargestellt wird. In der zweiten Phase dürft ihr euch innerhalb eines Raumes frei bewegen und müsst einen Ausweg finden. So sind wir etwa im Maschinenraum eingesperrt und müssen die riesigen Kohleöfen wieder in Gang setzen, haben ein Musikrätsel in einer Kabine zu lösen oder im Casino bei Einarmigen Banditen und in Kartenspielen gewinnen.

Es wird schnell wichtig, die richtigen Gegenstände zu finden und einzusetzen. Das Inventar ermöglicht einen guten Überblick über eure Gegenstände, wobei anders als im Genre üblich wirklich nur relevante Gegenstände, für die ihr Verwendung finden werdet, ihren Platz finden. Über das D-Pad könnt ihr den aktuell ausgerüsteten Gegenstand ändern und den Entscheidungsbaum aufrufen. Etwas merkwürdig gelöst ist das Drehen um die eigene Achse. Mit den Schultertasten könnt ihr einen weiteren Bereich des Raumes ansehen. Hier werden die technischen Grenzen der ursprünglichen Nintendo DS-Hardware deutlich. Diese verschwommenen Bewegungen nehmen etwas Atmosphäre aus dem Spiel. Ebenfalls unschön ist, dass der Cursor sich nur sehr langsam bewegt und dass sich selbst mit gedrückter Quadrat-Taste keine merkliche Besserung einstellt.

Das sind allerdings nur Kleinigkeiten, denn die Rätsel sind motivierend, intelligent und auch durchaus abstrus. Etwa um Clover aus einem Raum mit einem Androiden zu befreien müssen wir ihn erst in Brand stecken und dann die Feuerschutztür nutzen. An anderer Stelle nutzen wir den Pushmaster5000 um in bester Ryo Hazuki-Manier Kisten im Frachtbereich zu verschieben und korrekt anzuordnen. Es gibt für manche Rätsel unterschiedliche Lösungsmöglichkeiten und im zweiten oder dritten Durchlauf werdet ihr durch unterschiedliche Routen mit frischem Rätselmaterial versorgt.

Um alle 6 Enden zu sehen, müssen wir im Gegensatz zur Nintendo DS-Version das Spiel nicht von Neuem starten, wir können in der PS4-Version im Entscheidungsbaum einzelne wichtige Stellen anwählen und direkt dorthin springen. Schön ist auch, da wir nicht direkt zu den Entscheidungen springen, sondern nur an den Anfang des relevanten Dialogs, dass man gehörte Dialoge überspringen kann, wie es bislang nur in Virtue’s Last Reward möglich war.

Atmosphäre

Da es sich primär um eine Visual Novel handelt, ist nicht nur die Geschichte wichtig, sondern auch die grundlegende Stimmung, die das Spiel vermittelt. Die düstere Atmosphäre wird durch gruselige Notizen, die ihr findet, und von einem fantastischen Soundtrack, der für die PS4-Version neu aufgelegt wurde, untermalt. Hinzu kommt die fantastische Leistung der Synchronsprecher, wir bewerten hierbei ausschließlich die englische Vertonung. Im Hauptmenü dürft ihr auch eine japanische Synchronisation auswählen. Auch die Technik macht uns keinen Strich durch die Rechnung. Es gibt zwar wenig Animation im Spiel, diese sind zu jederzeit flüssig, Ladezeiten sind kurz und Abstürze haben wir keine gehabt.

Visuell sei gesagt, dass die Figuren zwar deutlich aufgehübscht wurden und die Hintergründe auch sehr ansehnlich und stimmungsvoll sind, bei den Objekten zeigt sich die Nintendo DS-Vergangenheit durch scharfe Kanten und verwaschene Texturen jedoch deutlich. Zeit die Items lange anzustarren hat unsere Heldentruppe aber ohnehin nicht.

Fazit

Nine Persons, Nine Hours, Nine Doors und Danganronpa sind Spiele, die von Fans gerne als Hardcore-Visual Novels gehypt und als Must-Play empfohlen werden. Nachdem wir 999 auf der PlayStation 4 als Teil des Nonary Games-Doppelpacks einmal abgeschlossen haben, können wir diese Aussage bestätigen. 999 bietet eine spannende Geschichte, die sowohl Spieler als auch die charakterlich wie visuell fein gezeichneten Charaktere auf eine emotionale Achterbahnfahrt schickt. Es gibt so viel zu entdecken, dass die Rückspulfunktion ähnlich wie etwa in Life Is Strange nicht wegzudenken wäre. Die vollständige Synchronisation, mit Ausnahme der Gameplay-Texte, fügt dem Spiele ein riesiges Atmosphäre-Plus hinzu und lässt das Abenteuer der auf einem verlassenen Ozeandampfer Gestrandeten umso lebensechter wirken, trotz der Anime-typischen charakterlichen Überzeichnungen. Solltet ihr 999 bislang verpasst haben, gibt es jetzt keine Ausrede mehr, euch für 9 Stunden mit 9 interessanten Figuren auf 9 knifflige Rätselräume einzulassen und Zeros Nonary Game zu lösen.

Zero Escape: The Nonary Games – Nine Persons, Nine Hours, Nine Doors
Genre: Adventure / Visual Novel
Systeme: PS4 (getestet), PC, DS, PS Vita (nur in Nordamerika)
Price: ca. 40 – 60 Euro (Steam / PSN)
Entwickler: Spike Chunsoft
Publisher: Spike Chunsoft / Aksys Games

This game was provided by the publisher for review purposes, check our review policy for details.

Share
  • Kat van Lee

    OMG! Das ist schon draußen? I NEED IT!!! ♥ (Wenn es mal im Angebot ist xD)