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Test

Im Test: The Dream Machine Chapter 1-3

Viele Entwickler behaupten, ihre Games in aufwändiger Handarbeit zu basteln. Die Macher des Adventures The Dream Machine können das mit Fug und Recht behaupten, denn alle Figuren und Objekte im Spiel sind handgebaut. Ob das Gameplay und die Story bei diesem imensem Aufwand darunter leiden, klären wir in unserem Test.

Das Point & Click-Adventure The Dream Machine für PC und Mac befand sich ganze vier Jahre beim zwei Mann starken Studio Cockroach in Schweden in der Entwicklung. Ihr spielt Victor, der gerade mit seiner schwangeren Freundin Alicia in einen Apartment-Komplex eingezogen ist. Zu Beginn scheint alles noch ganz harmonisch: Eine Menge Topfpflanzen schaffen ein verhältnismäßig schönes Ambiente, erste Pläne werden geschmiedet und die gemütliche Couch soll auch schon bald geliefert werden. Doch wie so oft kommt alles anders als gedacht.

Die Insel

Die Besonderheit an The Dream Machine ist der einzigartige Grafikstil. Alle Spielfiguren und Objekte bestehen nicht aus Polygonen, sondern wurden aus Lehm und Pappe angefertigt. Das verleiht dem Spiel einen unvergleichlichen Charme, der an Knetfiguren aus Serien wie Wallace & Gromit oder der Sesamstraße erinnern. Auch wenn uns das Gesicht von Alicia erst einmal einen gehörigen Schrecken eingejagt hat, sind die Figuren mit Liebe zum Detail gestaltet und sie sehen erfrischend anders aus.

Genreüblich bewegt ihr Victor durch Linksklick mit der Maus durch das Apartmentgebäude und kombiniert Gegenstände, die ihr schamlos klaut… aufsammelt und in euer Inventar steckt. Wer schon einmal einen Umzug mitgemacht hat, der weiß, dass der zu Beginn leer und riesig wirkende Wohnraum schnell mit allerlei Kisten vollgestopft wird. Beim Frühstück am als Tisch umfunktionierten Pappkarton tauschen sich Victor und Alicia über ihre erste Nacht in der neuen Wohnung aus. In der wurdet ihr ganz zu Beginn in Form eines Traums in die Spielmechanik eingeführt. In Victors Traum seid ihr auf einer einsamen Insel gestrandet. Glücklicherweise findet ihr bald eine Angel (warum auch nicht?), eine Schaufel, mit der ihr einen Wurm als Fischköder ausgrabt und den alsbald gefangenen Fisch tötet, und ein Feuerzeug (wo auch immer das herkam…) sowie Holz, womit ihr euch an der Feuerstelle wärmt und den Fisch ordentlich durchbratet.

Hört Morton ein Huh?

Ungewöhnlich wird das Spiel zum ersten Mal, als Victor eine Karte im leblosen Körper des Tieres findet. Darauf ist ein Schatz verzeichnet, der sich als Wecker entpuppt und euch gnadenlos aus dem karibischen Traum in die harte Realität klingelt. Zurück im Wohnzimmer versucht ihr gemeinsam mit eurer Partnerin den Traum zu deuten. Hier kommt wie häufig im Spiel ein Multiple-Choice-Dialogsystem zum Einsatz. Tut ihr den Traum einfach als bedeutungsloses Konstrukt der Arbeit von Synapsen im Gehirn ab oder sagt ihr Alicia, dass er wohl für mehr gewünschten Freiraum steht? Das ist eure Entscheidung. Je nachdem, ob ihr freundlich oder gemein seid, ihr noch tiefer in die Konversation einsteigt oder hastig aus den Dialogen flüchtet, ändert sich die Reaktion des Gegenüber. Erwartet hier aber nicht zu viel: Bedeutungsvolle Entscheidungen haben wir im linearen Abenteuer bislang noch nicht feststellen können.

Schon bald lernt ihr im ersten der derzeit drei verfügbaren Kapitel drei weitere Charaktere kennen – den merkwürdigen Vermieter Mr. Morton, die ältere Bridge spielende Dame von nebenan und den faulen Möbelpacker, der die Lieferung “von Tür zu Tür” wörtlich nimmt. Er stellt diese in der Eingangstür ab und legt direkt eine wohl verdiente Pause ein. Hier könnt ihr noch so hartnäckig sein, der Geselle bleibt unbeeindruckt und lässt die vom Entwickler intelligent eingebaute Levelbegrenzung an Ort und Stelle stehen. Das geheimnisvolle Verhalten von Mr. Morton, dessen Familie schon seit Generationen den Komplex besitzt, beeindruckt Alicia so sehr, dass sie sogar von ihm träumt. Und da sind wir genau beim Thema des Spiels.

Rebellion der Maschinen

Durch Umstände, die wir euch nicht verraten wollen, findet ihr bald die namensgebende Dream Machine. Diese zapft die Träume der Hausbewohner an und deckt damit ihren Energievorrat. Das Konzept einer verrückt gewordenen Maschine ist nicht neu, hat es doch seinen Weg aus Filmen wie 2001: Odyssee im Weltraum in viele Spiele wie Portal 2 oder Analogue: A Hate Story geschafft, es besitzt aber einen netten Twist im Spiel. Diese Traummaschine wurde dazu hergestellt, um wissenschaftliche Forschungen anzustellen, die ergaben, dass alle Träume Teil eines großen Ganzen sind, dem Dream Space. In diesen kollektiven Raum tretet ihr ein, indem ihr zwei Personen einen Helm für Sender und Empfänger aufsetzt, der an Taucherhelme aus den 70er-Jahren (vgl. Bioshocks Big Daddy und Alan Wakes Thomas Zane) erinnert.

In Kapitel 2 und 3 betretet ihr mehreren Träume von unterschiedlichen Personen. In einem befindet sich eine Gedenkstätte mit riesigen Steingesichtern von bereits verschiedenen Menschen. Andererorts bewegt ihr euch auf einem Kreuzfahrtschiff umher, das voll von Victors Klonen ist. In den Träumen ist es stets euer Ziel, die Person zu finden, die den Traum erdacht hat – den Architekten des Traums also, um den Film Inception zu zitieren. Auf dem Weg dorthin löst ihr diverse Rätsel und führt spannende Dialoge, die euch mehr über den Träumenden zu erfahren.

Um dem Barkeeper auf dem Schiff zum Beispiel zu beweisen, dass ihr keine zwei linken Hände habt, müsst ihr ihm einen Drink mixen. Diese Aufgabe ist wie einige andere in The Dream Machine zufallsgeneriert. Wir müssen einen Bloody Mary anfertigen. Während die meisten Zutaten wie Gin und eine Zitrone in der Bar zu finden sind, müssen wir für den Rest unsere Fantasie spielen lassen. Nachdem wir etwas Schabernack mit der Küche getrieben haben und etwas Traumlogik miteinbeziehen, ist der vorzügliche Cocktail fertig. Sagen wir mal so: Victor hat den Namen des Getränks etwas zu wörtlich genommen.

Wolkig mit Aussicht auf Fortsetzung

Neben Rätseln, bei denen eure Kombinationsfähigkeiten gefragt sind, gibt es auch das ein oder andere Puzzle. Um ein Gerät zu überladen, muss Victor die Verbindungen entsprechend umlegen. Etwas später findet ihr mit den Funkfrequenzen eines umgebauten Radio einen geheimen Lageplan, den es daraufhin zusammenzusetzen gilt. Das Rätseldesign ist sehr durchdacht und lässt euch an manchen Stellen richtig knobeln. Für Adventureprofis sollten die Aufgaben doch recht schnell zu lösen sein. Ist das Spiel deshalb schnell durchzuspielen? Weit gefehlt. Selbst wenn ihr an den Rätseln nur wenig knabbern müsst, seid ihr bereits in Kapitel 1 bis 3 gute vier Stunden beschäftigt.

Ihr werdet schnell in die Welt von The Dream Machine hineingezogen – ganz wie Protagonist Victor ja auch in die Maschine entschwindet. Dafür ist die von den Schweden erzeugte Atmosphäre verantwortlich. Neben dem schönen Grafikstil trägt auch die Musik einen großen Teil dazu bei. Diese vermittelt mit ihren ruhigen lang gezogenen Klängen die Endlosigkeit eines Traums und die englischen Texte (eine Sprachausgabe ist nicht vorhanden) sind interessant geschrieben. Selbst die Dialoge sind manchmal recht lustig, was in Videospielen häufig nicht der Fall ist.

Im Winter bis Frühling 2012/2013 werden noch zwei weitere Episoden erscheinen. Zum Preis von ca. 14 Euro für die komplette “Staffel” auf Steam oder als Browser-Version kann sich der Umfang daher sehen lassen. Eine deutsche Übersetzung ist ebenso geplant wie eine Veröffentlichung des Soundtracks.

Toll an der Browser-Version: Sie steht dem zu installierenden Programm in nichts nach, die Speicherstände werden in einer Cloud gesichert und ihr könnt das Abenteuer somit jederzeit, überall und ohne zeitspieligem Download oder einer Installation erleben. Das erste Kapitel könnt ihr übrigens in dieser Form kostenlos ausprobieren, was wir euch strengstens empfehlen! Klickt dazu auf der offizielle Website auf “Play”, unter “Store” kauft ihr einzelne Kapitel oder die gesamte Staffel.

Fazit

The Dream Machine ist ein gelungenes Adventure, das mit viel Liebe zum Detail gestaltet wurde. Die Geschichten und Szenarien, in die euch Entwickler und Traummaschine entführen, sind spannend und interessant. Dank seinem einzigartigen Look unterscheidet sich das Game deutlich von der Konkurrenz. Jedem Adventure-Fan legen wir The Dream Machine wärmstens ans Herz.

The Dream Machine
Genre: Adventure
System: PC/Mac
Preis: ca. 14 Euro (Steam / offizielle Website)
Entwickler: Cockroach
Publisher: Cockroach

Zum Abschluss entlassen wir euch mit einigen Bildern aus dem Spiel, des Teams um Anders Gustafsson und Erik Zaring und verschaffen euch einen Blick hinter die Kulissen der Produktion von The Dream Machine.

 

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