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Test

Im Test: Shelter 2-Saga inkl. Mountains & Paws

Wenn man sich als Dachs erfolgreich durch’s Leben schlägt, gelingt das auch als Luchs. Das denkt zumindest die Berliner Spieleschmiede Might & Delight.

Knapp zwei einhalb Jahre ist es her, da haben wir das ungewöhnliche Tier-Überlebensspiel Shelter (zu Deutsch “Zuflucht”) getestet. Darin spielt ihr eine Dachsmama, die ihre Jungtiere vor allerlei Gefahren schützen muss, diese zu füttern hat und den kleinen Kerlchen die Jagd beibringt. Das etwa einstündige Spiel beeindruckte uns nachhaltig. Ohne jegliche Dialoge schafft es das Machwerk durch diverse Ereignisse, dass uns die kleinen Fellklöpse an’s Herz wachsen. Fällt dann eines davon einfach in den reißenden Fluss und streift fortan nicht mehr mit uns durch den von allerlei Gefahren heimgesuchten Wald, macht uns das traurig und wütend zugleich. Die Reise endete damit, dass wir als ausgewachsener Nachfahre unsere eigene Geschichte schreiben und so unsere tapfere Mutter stolz machen.

Seit der Veröffentlichung von Shelter ist viel passiert. Might & Delight veröffentlichte ganze drei Spiele im Shelter-Universum für Windows PC/Mac/Linux, die wir in diesem Test einmal durchlaufen wollen und sehen möchten, inwieweit sich das Konzept verfeinert und die Umsetzung gar verbessert hat.

Inhalt

Shelter 2

Shelter 2 wurde am 9. März 2015 veröffentlicht. Die Grundformel des ersten Teils ist dabei beibehalten worden, allerdings wurde das Spiel massiv erweitert. Statt einer Dachsmutter schlüpfen wir diesmal in die Rolle einer Luchsmutter. Diese heißt Inna. Neu ist etwa, dass wir die Abkömmlinge benennen dürfen. So wächst ein noch stärkeres Band zu den kleinen Rackern. Zwar ist der Story-Verlauf auch in Shelter 2 linear gehalten, ihr streift aber nicht von Abschnitt zu Abschnitt in den aus dem ersten Teil bekannten Levelschläuchen, stattdessen bietet das Luchsabenteuer mehrere Gebiete – von dichten Wäldern, über schneebedeckte Bergkuppen bis hin zum Sumpfgebiet ist eines an Variation dabei.

So ist das Spiel deutlich abwechslungsreicher, auch durch die unterschiedlichen Tiere in den einzelnen Gebieten. Während ihr in einem Gebiet Mäuse jagd, reißt ihr später gar Rehe und Hirsche. Visuell hat sich das Spiel etwas weiterentwickelt, die interessanten geometrischen Formen, die Flora und Fauna formen, sind beibehalten worden. Durch die schneebedeckten Gebiete oder in goldene Sonne getauchte Felder macht Shelter 2 visuell einen beeindruckenden Schritt nach vorn in Sachen Präsentation.

Was die Emotionalität angeht, war ich von Shelter 2 weitaus weniger mitgenommen, als noch vom ersten Teil. Das mag daran liegen, dass die gleiche Formel benutzt wurde, andererseits haben das andere Games dann doch geschafft, etwa The Walking Dead: Season Two oder Uncharted 2. Gab es im Vorgänger noch beeindruckende vorberechnete Ereignisse, wie einen abbrennenden Wald oder mächtige Tiere, die euch und eure Jungen jagen, so wurde dies in Shelter 2 auf ein Minimum reduziert. Das ist wohl der Preis der spielerischen Freiheit und der offenen Welt. Mir persönlich wäre eine Rückbesinnung an den ersten Teil lieber gewesen. Immer noch toll ist die musikalische Untermalung der Retro Family. Mal plätschert die Musik vor sich, schleicht ihr euch an eure Beute an nimmt sie an Spannung zu und werdet ihr plötzlich zum Gejagten, verstärken die Gitarrenklänge und Drums die Dramatik ungemein.

Allen persönlichen Präferenzen zum Trotz ist Shelter 2 eine würdige Weiterentwicklung des ersten Teils. Durch die Verbesserungen in Präsentation, Weltendesign, Individualisierungen und Umfang wächst das Spiel über den ersten Teil hinaus und bietet ein tolles Abenteuer für den ein oder anderen Luchs da draußen.

Video: Shelter 2 in voller Länge (1 Stunde 50 Minuten)


Shelter 2: Mountains

Am 25. August 2015 erschien Shelter 2: Mountains. Für knapp 5 Euro bietet die Erweiterung, die zwingend Shelter 2 benötigt, ein weitläufiges Berggebiet samt frischen Tierarten – Bären, Füchse und Vögel – und neuen Wettereffekten sowie neuen Geheimnissen, die erkundet werden wollen. Mountains integriert sich nahtlos in das Hauptspiel. Ihr startet also eure Reise erneut und dürft dann in ein zusätzliches Gebiet abtauchen und werdet dabei von furchterregenden Habichten gejagt und dürft voluminöse Wolken über einen Wasserfall ziehen bestaunen. Auch ein heftiger Sommerregen sucht die idyllischen Kulissen heim. Das Wetter ändert sich ständig und so wisst ihr manchmal gar nicht, ob ihr das Gebiet schon durchstöbert habt, oder es sich um ein neues Areal handelt.

Wir haben uns beim Durchspielen des Add-ons dazu entschieden, die weiteren Gebiete von Shelter 2 zu meiden und uns voll und ganz auf das Moutains-Areal zu konzentrieren. Dadurch wurde unser Lauf etwas kürzer als noch im Hauptspiel. Bespielt man hingegen auch die übrigen Gebiete ebenso, kann man von einer erhöhten Spielzeit von rund 30 – 45 Minuten rechnen.

Lohnt sich also der Griff zum Add-on oder als Neuling sogar der Kauf der Complete Edition, die für knapp 28 Euro Hauptspiel und Erweiterung beinhaltet? Definitiv. Die emotionalen Momente, die wir noch in Shelter 2 vermissten, stecken in Mountains. Der letzte überlebende Abkömmling bibbert in unserem Maul während wir ihn im Tiefschnee versuchen vor dem über uns kreisenden Gefiederungetüm zu beschützen und furchteinflößende Klänge uns in die Ohren jagen – das sind die Augenblicke, die Shelter im Kontrast zu den friedlichen Abschnitten so besonders machen. Wir können den Griff zum Add-on also empfehlen.

Video: Shelter 2 – Mountains in voller Länge (1 Stunde 37 Minuten)


Paws – A Shelter 2 Game

Paws ist der jüngste Shelter 2-Zögling und am 24. März 2016 erschienen. Am Titel könnt ihr es unter Umständen schon ableiten: Für Paws ist Shelter 2 nicht notwendig, es fungiert als eigenständiges Spiel. Might & Delight beschreibt Paws als Ableger der Hauptserie, der in einer magisch angehauchten Welt spielt und zum ersten Mal einen Jüngling als Protagonisten hat. Ganz genau, ihr übernehmt diesmal nicht die Rolle einer Luchsmutter, sondern müsst euch durch die gefährliche Welt als kleines Tierjunge schlagen. Dabei werdet ihr von einem Gefährten unterstützt, einem zugegebenermaßen sehr knuffigen Bärenjungen, den ihr auf eurer Reise trefft.

Fortan müsst ihr den Bären haushalten, ihn füttern und im Gegenzug erlaubt er euch auf seinen Rücken zu steigen und anderweitig nicht zu erreichende Vorsprünge zu erreichen. Paws ist deutlich linearer als Shelter 2, eine Rückbesinnung an die Struktur des ersten Teils. Dabei ist Paws in mehrere Kapitel unterteilt, die von eloquent geschriebenen kleinen Gedichten verbunden werden. Schon in den Vorgängern gab es einige mystische Momente, Situationen, in denen auf sog. Spirit Animals angespielt wird. Diese Themen beleuchteten bereits andere Spiele wie Never Alone – Kisima Inŋitchuŋa (XTgamer-Playthrough) oder Life is Strange (XTgamer-Musikvideo). Shelter überließ wie auch die genannten Spiele dem Spieler, welche Elemente real sind und welche sich nur im Kopf des Tiers abspielen.

In Paws wird diese Verbindung auch zu anderen Tiergattungen gelegt. Am Ende des Spiels könnt ihr dann die Zusammenhänge herstellen und es gibt einen großen Aha-Moment. Das schaffen nicht viele Spiele, doch geht es ja auch um die Reise dorthin und die ist, obwohl das gleiche System von Erkunden und Jagen integriert ist, deutlich anders als in Shelter. Da ihr ein kleiner Luchs seid (viele von euch können sich sicher leicht in diese Rolle versetzen *zwinker*), jagt ihr dementsprechend nicht Großwild, sondern Schmetterlinge und Vögel oder schnappt euch ab und an eine Beere und einen leckeren Froschschenkel. Die Jagd ist dabei deutlich einfacher und richtig aufpäppeln zu einem Großtier ist diesmal augenscheinlich nicht möglich.

Die Engine kommt so langsam an ihre Grenzen, wie ihr auch in unserem Durchspielvideo seht. Diverse Glitches und unschöne visuelle Momente gehören zum Spiel, auch wenn etwa der von Schwanen bevölkerte Tümpelabschnitt ziemlich beeindruckend ist. Das gefiel uns auch schon an Shelter 2 – man erkundet neue Areale und sieht bereits durchlebte Gegenden in der Rückschau unter sich erstrecken – ähnlich gut schaffte das etwa Brothers: A Tale of Two Sons (XTgamer-Test/Playthrough). In Sachen Spielzeit ist Paws auf dem Niveau der ersten beiden Shelter-Spiele.

Paws ist ein lineares Abenteuer mit einigen süßen und herzzereißenden Momenten in der Welt von Shelter 2. Wo der Survival-Aspekt etwas in den Hintergrund tritt, wird eine Geschichte aufgebaut, deren Ausgang man nicht verpassen möchte. Der Widerspielwert ist hingegen bei Shelter 2 deutlich größer, da man hier die in nervenaufreibenden Abschniten beschützten Jungtiere in einem erneuten Lauf mit eigens gewählten Namen wieder in das Rennen um’s Überleben schicken darf. Storydesign, Musik und die Gestaltung der süßen Jungtiere schaffen ein einmaliges Abenteuer, das man als Anhänger der Reihe nicht verpassen sollte.

Video: Paws in voller Länge (1 Stunde 43 Minuten)

Die Berliner veröffentlichten übrigens auch ein eBook zu Paws namens The Lonesome Fog. Wir sind gespannt, wo die Reise der Tierabenteuer von Might & Delight noch hingeht und als welche Tierart wir demnächst geheimnisvolle Welten durchstreifen dürfen.

This game was provided by the publisher for review purposes, check our review policy for details.

One comment
  1. Exxoz Zockt

    Ein wirklich inspirierendes Spiel. Und wie man sieht… eines aus Berlin. Sehr schön und macht weiter so… Du aber auch XT.

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