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Test

Im Test: Risen 2 – Dark Waters

Von Orks zu Piratenschiffen, so schnell kann es gehen. Piranha Bytes, die Entwickler hinter der Kultserie Gothic, trennen sich mit dem zweiten Ableger des geistigen Nachfolgers endgültig von einigen doch recht eingestaubten Inhalten und schippern munter in neue Gefilde. In Risen 2 fühlt man sich dennoch selbst nach wenigen Minuten wieder zu Hause. Der typische Charme, der auch schon die Gothic-Spiele zu absoluten Klassikern gemacht hat, zieht einen sofort in seinen Bann und auch das Südseefeeling kann ungemein fesseln.

Artikel-Autor: Merlin

…und ne Buddel voll Rum!

Wer Risen noch nicht gespielt haben sollte, muss sich keine Sorgen machen: Der Nachfolger des neuen Universums ist auch ohne Vorkenntnisse ohne Probleme spielbar und auch die recht interessant gestrickte Geschichte bleibt bis zum Schluss verständlich. Fans des Vorgängers können sich jedoch auf einige Seitenhiebe und altbekannte Charaktere freuen. Ihr nehmt die Rolle des namenlosen Helden aus dem ersten Teil ein und werdet sprichwörtlich aus eurem Bett und anschließend direkt in die Action geworfen. Ein überdimensionaler Kraken verschnabuliert ein ankommendes Schiff. Ihr eilt natürlich zum Strand, um eventuelle Überlebende zu retten, schließlich ist jeder einzelne seit der nahezu vollkommenen Zerstörung der alten Welt unverzichtbar.

Eure Rettungsaktion stellt sich als durchaus erfolgreich heraus, begegnet euch doch der aus dem Vorgänger bekannte Charakter Patty wieder. Die holde Dame konnte sich offensichtlich retten und unterstützt euch fleißig im Kampf gegen krabbenähnliche und überaus aggressive Unterwasserwesen.

Hinter dem Kraken und den zahlreich attackierenden Pseudo-Cthulhu steckt die bösartige Titanin Mara. Diese beherrscht das Element des Wasser und stellt somit für die ohnehin schon stark dezimierte Menschheit eine enorme Gefahr dar. Nach der Entdeckung der neuen Welt  bricht nämlich Aufbruchstimmung aus und die Umsiedlung jenseits des großen Teichs soll lieber Heute als Morgen stattfinden.

Hier kommt ihr ins Spiel. Pattys Vater ist nämlich zufälligerweise der berüchtigte Piratenkapitän Stahlbart und weiß gleichzeit auch, wo sich das magische Artefakt befindet welches den Kraken vernichten könnte.

So macht sich euer Held also auf, um bei Stahlbart anzuheuern, jedoch endet das Spiel nach der Aufnahme in die Crew beileibe nicht. Vielmehr wird euch die Geschichte um die 30 Stunden beschäftigen und auf jeden Fall gut unterhalten. Dies liegt vor allem auch an den wunderbar geschriebenen Dialogen sowie den teilweise altbekannten und oftmals grandiosen deutschen Sprechern. Lediglich die Vertonung Pattys gefällt etwas weniger.

Nicht nur nach drei Grog wunderschön

Hier hat sich Risen 2 wunderbar weiterentwickelt. Die Spielwelt wirkt weitaus lebendiger, Tiere greifen sich gegenseitig an oder streifen in Herden duch das Unterholz, Pflanzen und Bäume wiegen sich im Wind und auch das klare Meer kann durchaus überzeugen. Jedoch herrscht nicht nur perfekte Urlaubsstimmung, das Wetter kann sich schlagartig ändern und euch das Leben durch Gewitter schwer machen. Abgesehen davon ergeben sich durch den dynamischen Tag- und Nachtwechsel einige wunderschöne Momentaufnahmen, welche die teilweise etwas kantige Optik schöner erscheinen lassen als sie teilweise ist.

Zwar kann Risen 2 grafisch nicht mit AAA-Titeln mithalten, jedoch überzeugen vor allem die Charaktermodelle mit ihren zahlreichen Details. Abgesehen davon sehen eben jene auch weitaus realistischer aus als beim Vorgänger. Die Texturen sind meist scharf und die Gestaltung der einzelnen Inseln unterscheidet sich stark, dadurch wird eine Identifizierung der einzelnen Gegenden ohne weiteres möglich. Etwas weniger gelungen fallen jedoch einige Animationen der Charaktere auf. Diese haben sich zwar seit Risen deutlich verbessert, jedoch wirken einige Bewegungsabläufe enorm steif und in seltenen Fällen fühlt man sich doch sehr an ein Marionettentheater erinnert.

Zu der allgemein stimmig gehaltenen Grafik gesellen sich auch einige Bugs. Teilweise stehen Charaktere in der Luft oder bewegen sich erst gar nicht. Abgesehen davon starten manche Quests teilweise nicht oder können nicht abgeschlossen werden. Jenseits dessen wurde Risen 2 jedoch relativ bugfrei veröffentlicht, eine Katastrophe wie bei Gothic 3 erwartet einen also keinesfalls.

Ja, sie plündern und morden immerzu –  dieser grausame Capt’n und ‘ne wüste Crew

Wer Risen oder die Gothic-Serie kennt, der wird auch in diesem Teil nicht sonderlich überrascht sein. Das Kampfsystem kommt wieder recht einfach daher: Ihr könnt mit eurer angelegten Waffe entweder attackieren oder blocken, lernt ihr spezielle Manöver, könnt ihr diese auch in eure Geplänkel integrieren.

Seid ihr beispielsweise im Umgang mit dem Degen besonders gefeilt, so ist es euch möglich, Angriffe zu kontern und einen direkten Gegenangriff zu starten. Jedoch könnt ihr diese Aktion nur mit Degen durchführen. Wollt ihr auch mit anderen Waffen besser umgehen, so müsst ihr den Umgang mit eben jenen erst lernen.

Apropos lernen: Anstatt eines Skill Systems, bei dem nach jedem Levelaufstieg Punkte vergeben werden, kommt Risen 2 mit einer etwas anderen Struktur daher. Zwar könnt ihr Punkte verteilen, allerdings steigert dies nur eurer grundsätzliches Verständnis von eben jenem Skill. Falls ihr jedoch neue Fertigkeiten erlernen wollt, so ist dies nur durch das Auffinden eines Lehrers sowie durch das Bezahlen eines Batzen Goldes möglich. Vor allem in den ersten Spielstunden könnte dies für einige Tode sorgen, da dieser Umstand nur nebenbei vom Spiel erwähnt wird. Das ist gut in den Outtakes unseres Gameplay-Videos zu sehen.

Risen 2 Gameplay oder: Unsere 45-minütige Reise als Freibeuter

Neben eurer Hauptwaffe könnt ihr auch in eurer Nebenhand ? entweder Schusswaffen oder werfbare Gegenstände verwenden. Die Benutzung eben jener erfolgt automatisch durch einen Mausklick und wird durch eine Wartezeit (Cooldown) limitiert. Je besser eure Fähigkeit mit der jeweiligen Waffe ist, desto besser ist natürlich auch eure Chance den Gegner zu treffen.

Auch Fraktionen kehren zumindest teilweise zurück. In einem bestimmten Abschnitt des Spiels müsst ihr euch entscheiden, ob ihr euch der Inquisition oder den Einheimischen anschließen wollt. Diese Entscheidung beeinflusst euren weiteren Spielverlauf maßgeblich, könnt ihr doch nur bei den Einheimischen Voodokräfte erlangen oder bei der Inquisition den Umgang mit besonders mächtigen Schusswaffen erlernen.

Voodoo kann übrigens als Ersatz für Magie in Risen 2 betrachtet werden. Jedoch werft ihr nicht etwa mit Feuerbällen oder anderen Elementarzaubern um euch, sondern nutzt die Voodookräfte eher, um eure Gegner zu verwirren, zu schwächen oder ihnen Furcht einzuflößen.

Abgesehen davon ermöglicht euch die Macht des Voodo diverse Quests auf einen anderen Weg zu beenden. Ausgestattet mit einer Voodopuppe ist es euch nämlich möglich, bestimmte Charaktere zu übernehmen und euch somit diverse Vorteile zu verschaffen. Dies sorgt für einige recht witzige Dialoge und Auseinandersetzungen.

Jedoch können eure Aufträge nicht nur durch eben jene Kräfte auf verschiedene Weise abgeschlossen werden, vielmehr stehen euch fast immer mehrere Möglichkeiten offen um Aufgaben abzuschließen. Bestehlen wir nun den mit französischem Dialekt sprechenden Händler mit unserem dressierten Äffchen, um eine Waffe für einen liebestrunkenen Schmied zu besorgen oder besiegen wir ihn doch lieber in einem fairen Wettkampf? Falls beide Pläne schiefgehen sollten, können wir auch noch die ortsansäßige Prostituierte bestechen, um unser Ziel zu erreichen…

Das vorher erwähnte dressierte Äffchen können wir übrigens nur als gut trainierter Schurke erhalten. Selbiges gilt für einen Papagei, der die Gegner ordentlich verwirrt. Jedoch haben auch die anderen Attribute ihre Vorteile und können euch bei diversen Quests enorm weiterhelfen. Gerade deshalb macht auch das Zusammenspiel zwischen Aufträgen und der Gestaltung eures eigenen Charakters enormen Spaß, zumal neben drögen Sammelquests auch wirklich wunderbar durchdachte Questreihen erfüllt werden wollen, die mehrere Ausgänge bieten.

Auch Berufe können euch nur durch Lehrer beigebracht werden. Zudem sind diese an bestimmte Attribute gekoppelt. Wer ein zäher Hund ist, kann ohne Probleme das Schnapsbrennen lernen, wer sich nicht mit Schusswaffen auskennt, wird jedoch auch als Büchsenmacher keine Zukunft haben.

Als ernstzunehmender Pirat bekommt ihr natürlich auch im Verlauf des Spiels euren eigenen Kahn und könnt ab diesem Moment frei entscheiden, wo euer Abenteuer denn nun weitergehen soll. Eine Crew darf auch nicht fehlen. Diese könnt ihr euch zumindest zum Teil frei zusammenstellen. Sobald ihr also als frischgebackener Kapitän unterwegs seid, könnt ihr auch permanent einen eurer Crewmitglieder als Unterstützung für eure Aufträge mitnehmen. Diese haben verschiedene Fertigkeiten und sind vor allem als Ablenkung für den Gegner ungemein nützlich. Ist man nämlich alleine unterwegs, was oftmals früh im Spiel der Fall ist, so gestalten sich die Kämpfe deutlich schwieriger.

Sehr nützlich: Questziele werden auf der Karte markiert, jedenfalls wenn man eine besitzt. Natürlich könnt dies den ein oder anderen Hobby-Abenteurer unter euch ärgern, da mit dieser Änderung die Suche nach eben jenen Zielen und damit auch die Erkundung der Umgebung wegfällt. Diese Sorgen stellen sich jedoch zumindest zum Teil als unberechtigt heraus, lässt sich doch jenseits des beschrittenen Pfades allerlei entdecken. Höhlen, Schätze und andere Kuriositäten sind zahlreich vorhanden und laden zum gründlichen Durchsuchen eurer Umgebung ein.  Auch legendäre Waffen, die nur aus zwei Splittern zusammengesetzt werden können, sowie diverse Sammelgegenstände schaffen es selbst den schlimmsten Messi zufriedenzustellen.

Apropos Schätze: Ein Piratenabenteuer wäre nicht gerade lebenswert ohne Schatzkarten, nicht wahr? Dies dachten sich die Verantwortlichen bei Piranha Bytes wohl auch, kann der Spieler doch in Risen 2 eben jene Karten und die mit ihnen verbundenen Schätze zuhauf finden. Kleine Details wie eben jene lassen euch tiefer in die Spielwelt versinken.

Volles Pfund auf die Ohren

Die Soundkulisse kann durchaus überzeugen. Vor allem die deutschen Sprecher liefern eine saubere Arbeit ab und dürften einigen noch bekannt sein. Selbiges gilt auch für die restliche Musikuntermalung. Diese ist absolut atmosphärisch und liefert Klänge, die man eben bei einem Freibeuterabenteuer erwarten würde. Wirkliche Ohrwürmer sind hingegen nicht dabei.

Fazit

Wer bisher noch nichts mit Risen oder Gothic anfangen konnte, sondern sich eher nach epischen Rollenspielabenteuern á la Skyrim verzehrt, der wird auch mit Risen 2 nicht bekehrt werden. Die zu erkundenden Gebiete sind wunderschön designt, allerdings nie sonderlich groß. Auch die Geschichte rund um Mara kann nicht unbedingt an Genregrößen heranreichen und dürfte wohl kaum für Luftsprünge sorgen. Jedoch kann Risen 2 bei ganz anderen Punkten vollkommen überzeugen. Besonders das frische Setting sowie der typische Gothic-Charme der quasi aus jeder Pore geradezu trieft vermag Kenner zu überzeugen. Fans können hier also bedenkenlos zugreifen, Skeptiker sollten dieses ganz besondere Rollenspiel zumindest einmal anspielen.

Die Bilder wurden von uns persönlich in 1.920×1.200 und den höchsten Details gemacht.

Risen 2
System: PC (Xbox und PS3 ab August)
Verwendetes System: PC
Genre: Rollenspiel
Preis: 37 Euro
Entwickler: Piranha Bytes
Publisher: Deep Silver

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