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Im Test: Infinite Adventures

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Im vergangenen Jahr haben wir über überraschend viele Dungeon Crawler berichtet und viele davon haben das nischige Genre zu neuen Höhen verholfen. Infinite Adventures ist ein neues DRPG (Dungeon Crawler-Rollenspiel), welches sich seit einigen Jahren in der Entwicklung befand. Das Endprodukt ist nach dieser langen Entwicklung ein in sich nicht schlüssiges Spiel, das wir obwohl es Spaß macht nicht bedenkenlos empfehlen können.

Im Vergleich zu den vergangenen DRPGs, über die wir berichtet haben, handelt es sich bei Infinite Adventures um einen wesentlich traditionelleren Dungeon Crawler. Hier sammelt man keine Monster und gründet keine riesige Gruppe, denn das Spiel versucht eigene Wege zu gehen. Das eigentliche Ziel ist für euch und eure Gruppe an Abenteurern die Erforschung des ‘Unendlichen Labyrinths’ (‘Infinite Labyrinth’), das augenscheinlich mit einer anderen Welt verbunden ist. Ihr habt die Wahl zwischen der Kreation eigener Abenteuer oder der Übernahme von vorgebauten Charakteren. Den Hauptcharakter müsst ihr in jedem Fall selbst gestalten.

Die Charaktererstellung wurde nicht übermäßig kompliziert gestaltet, dennoch vermittelt man dem Spieler nicht gut genug, was die eigentlichen Klassen eigentlich können. Manche Klassen wie der Bettler sind selbsterklärend, da er in anderen Rollenspielen ein Heiler wäre. Ohne die Hinzuziehung externer Hilfe ist es jedoch kaum herauszufinden, was ein Geo Templar anstellen kann. Im Charaktereditor stellt man die Weichen für die Spielwelt, gibt dem Spieler aber zu wenig Informationen zu den Mechaniken von Infinite Adventures. Das ist Teil eines größeren Problems, welches wir im Laufe des Testsnoch tiefergehend behandeln werden.

Habt ihr eure Gruppe aufgebaut, könnt ihr auch schon das Infinite Labyrinth erkunden. Ganz im Kontrast zu seinem Namen steht eine begrenzte Anzahl an Stockwerken zur Verfügung (oder Stationen, wie es im Spiel heißt). Optional lassen sich zufallsgenerierte Areale freischalten. Die grundlegende Spielmechanik gestaltet sich folgendermaßen: In der Stadt rüstet ihr eure Gruppe aus, stürzt euch ins nächstgelegene Labyrinth und spielt so lange bis ihr ein neues Stockwerk oder Story-Event erreicht. Durch letztere gelangt ihr größtenteils zurück in die Stadt oder ihr müsst im Rahmen des Events das Labyrinth verlassen, um weiter voranzuschreiten. In späteren Stockwerken stört diese Tatsache, da ihr oft zurück in die Stadt geschickt werdet und eine Menge Backtracking in Kauf nehmen müsst. Ihr könnt die Rate der Zufallskämpfe festlegen – und sie in den niedrigeren Schwierigkeitsgrade sogar komplett abschalten -, trotzdem ist es nervig nochmal alles grundlos zu durchlaufen.

Das Labyrinth selbst besteht zum Großteil aus generischen Gängen und Räumen. Interessante Gimmicks und ansprechende Designs bekommen wir nur selten zu Gesicht. Für Auflockerung sorgt lediglich das ein oder andere Blockverschieberätsel oder einer der Geheimgänge. Es gibt wenig Loot im Spiel und dann wird es auch noch von Yokai bewacht. Das sind besonders starke Gegner, die auf der Karte sichtbar über die Oberwelt laufen. Eine Reihe von Stockwerken frustrierte uns besonders, da viel zu viele Sackgassen eingebaut wurden. Insgesamt hätte man dem Labyrinth einen interessanteren Grundriss verpassen können. Darüber hinaus wären ein paar zusätzliche Rätselarten schön gewesen, da die Blockrätsel nie wirklich schwierig zu lösen sind.

Die Kämpfe sind Infinite Adventures Glanzpunkt und machen die stumpfen Dungeons wieder wett. Die Scharmützel sind kurz und unterhaltsam und das Kampfsystem bietet interessante Klassen und Kraftmechaniken. Jede Klasse nutzt eine von vier Ressourcenarten, die vom generischen Mana bis hin zur Wut, die sich beim Einstecken und Austeilen von Schaden steigert, reicht. Die Klassen fühlen sich einzigartiger als in anderen DRPGs an und erlauben euch in der Zusammenstellung eurer Gruppe kreativ zu sein. Die Kraftanzeige fügt eine weitere Strategieebene hinzu. Ihr könnt entweder eure Fähigkeiten verstärken oder besonders starke Spezialmanöver, die sich ‘Kessen’ nennen, nutzen. Ersteres zahlt sich mehr aus. Es scheint derzeit bei DRPGs ein Trend zu sein, dass man während der Kämpfe eine zusätzliche Ressource verwalten muss. In Infinite Adventures führt dieses Element zu taktischeren Kämpfen.

Zwar sind die Kämpfe der stärkste Teil des Spiels, ein paar Probleme sind hingegen in der Gestaltung der Klassen vorhanden. Viele der Fähigkeitenbäume sind nutzlos im Vergleich zu anderen, ganz egal wie ihr eure Gruppe arrangiert, und einige Klassen sind anderen gegenüber übermächtig. Auf den niedrigeren Schwierigkeitsgraden ist das kein all zu großes Problem, man hätte die Klassen aber etwas besser ausbalancieren können. Die genannten Kessen sind im späteren Verlauf des Spiels vergleichsweise schwach, da man Zugriff auf bessere auf Kraft basierte Skills erhält.

Wir kommen zu einem Bereich, in dem Infinite Adventures nicht überzeugen kann: die Geschichte. Viele Dungeon Crawler-Fans bevorzugen interessante Dungeons und spannende Kämpfe gegenüber einer umfassenden Handlung, aber Spiele wie Labyrinth of Refrain haben gezeigt, dass man beides miteinander kombinieren kann. Schon früh wird klar, dass in Infinite Adventures viel Zeit damit verbracht wurde, die Spielwelt zu gestalten und die Hintergrundgeschichte zu formen sowie jede Entscheidung im Charaktereditor an Relevanz zu verleihen und die umfangreichen Beschreibungen von Orten und wichtigen Personen zu formulieren. Viele der Informationen werden jedoch in zu schneller Abfolge heruntergerattert, sodass man keine wirkliche emotionale Bindung aufbauen kann.

Dem Spiel fehlt ein wenig der Charakter, da viel Zeit mit unwichtigen Dingen vergeudet wird. Die Charaktere sprechen oft davon, aus welchen Ländereien sie stammen, und erzählen von Personen, die ihr nie treffen und deren Existenz ihr schnell wieder vergessen werdet. Ihre eigentlichen Motivationen sind simpel gehalten und am Ende des Spiels stellen sich nur eine Handvoll Charaktere als interessant heraus. Statt eine riesige Welt mit einer detaillierten Hintergrundgeschichte zu erschaffen, hätte man sich eher auf die Charaktere, die für den Spieler relevant sind, konzentrieren sollen.

Die Storyprobleme in Infinite Adventures werden mit der wechselhaften Optik und der schlechten Sprachausgabe noch verschlimmert. Die 2D-Hintergründe sind der visuelle Höhepunkt im Spiel, doch dieser positive Eindruck setzt sich nicht in der Darstellung von Charakteren und Gegnern fort. Sich sehr unterscheidende Stile sind nichts neues bei DRPGs, doch durch die Schwankungen sieht selbst das ansehnliche Material schlechter aus. Die 3D-Umgebungen sehen größtenteils öde und leblos aus. Die Sprachausgabe setzt der schlechten Story den Todesstoß. Der Umfang der Synchronisation ist hervorzuheben, da jede einzelne Zeile der Dialoge vertont wurde, doch das wird dem Spiel im Endeffekt zum Verhängnis. Da wir für euch den Test aufbereitet haben, haben wir die Sprachausgabe nicht abgeschaltet, auch wenn es die Option gibt. Ohne die amateurhafte Synchro haben die Dialoge teils etwas mehr Wirkung.

Wie eingangs erwähnt wurde an Infinite Adventures eine lange Zeit entwickelt. Während die Entwickler schon an Patches arbeiteten, gab uns die veröffentlichte Version den Eindruck, man hätte den Release noch mindestens einen Monat herausschieben sollen. Das Spiel fühlte sich aufgrund von Abstürzen und fragwürdigen Balance-Entscheidungen unfertig an. Es ist offensichtlich, dass das Spiel primär für Konsolen entwickelt wurde und so unterstützt das Spiel lediglich Mausklicks, aber nicht die Bewegung mit dem Büronager am PC. Viele der Probleme wurden zum Zeitpunkt des Schreibens dieses Tests bereits behoben, doch es gibt noch einiges auszumerzen.

Fazit

Ob Infinite Adventures einen Kauf rechtfertigt, hängt von euren persönlichen Ansprüchen ab. Sucht ihr nach einer soliden Geschichte, solltet ihr euch anderweitig umsehen, was auch an der mageren Präsentation liegt. Wollt ihr hingegen eine Gruppe zusammenstellen und in Dungeons versinken, gibt es definitiv schlechtere Spiele zu haben.

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