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Im Test: Marvel’s Spider-Man

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Spider-Man ist nicht neu in der Videospiellandschaft. In mehreren Titeln hat man mit unterschiedlichem Erfolg versucht, seine Fähigkeiten abzubilden. Seit der letzten Versoftung der Marke sind einige Jahre ins Land gezogen. Im aktuellen Versuch zeigt sich, dass Entwickler Insomniac die Essenz von Spider-Man, was ihn zu einem großartigen Superhelden macht und wie er gewinnbringend in einem Videospiel dargestellt werden kann, verstanden hat.

Die Handlung folgt bekannten Pfaden, allerdings gibt es auch Unterschiede zu früheren medialen Umsetzungen von Spider-Man. Anstatt ein weiteres Mal seinen Werdegang durchzugehen, setzt das Spiel an dem Zeitpunkt an, als Spidey schon allseits bekannt ist. Peter Parker, der von einer radioaktiven Spinne gebissen und zu dem namensgebenden Wände erklimmenden Held geworden ist, hat die Uni-Hörsäle seit langer Zeit hinter sich gelassen und arbeitet gemeinsam mit dem Wissenschaftler Otto Octavius an Prothesen. Dieser Ansatz, der uns einen etwas älteren und etablierteren Spider-Man präsentiert, erlaubt es den Autoren neue Geschichte zu kreieren, statt immer die gleiche Leier abzuspulen.

Das bedeutet allerdings nicht, dass man es jenen, die bislang noch nichts mit Spider-Man zu tun hatten, schwer macht. Gleich zu Beginn wird vermittelt, was für ein Mensch Peter Parker ist und was er bislang alles erreicht hat. Er ist immer noch der gleiche charismatische Held, den viele aus den Comics kennen, und es ist eine wahre Freude ihn dabei zu beobachten, wie er mit Freund und Feind im Laufe der Story des Spiels umgeht. Überraschend ist hingegen, wie viel Zeit man Peter Parker und nicht seinem Alter Ego Spider-Man gewidmet wird. Die Herangehensweise von Insomniac ist dadurch differenzierter als wir es von Spider-Man kennen, da sie uns sowohl Einblicke in seine Superhelden-Eskapaden als auch in sein Alltagsleben geben.

Peters Interaktionen mit bekannten Gesichtern mögen sehr lustig sein, die übergreifende Handlung bleibt allerdings hinter den Erwartungen zurück. Einige Elemente arbeitete man gut aus, etwa Peters Zusammenarbeit mit Otto, doch gegen Ende führt man nur noch einen Bösewicht nach dem nächsten ein und erzählt die Geschichte vorschnell zu Ende. Das heißt nicht, dass die Story total verkorkst ist, man hätte ihr nur einige Stunden mehr geben könne, um die Charaktere noch weiter zu entwickeln. Das Ende berührt so oder so ungemein und es war schön, das ein oder andere bekannte Gesicht wiederzusehen, auch wenn es jeweils nur kurz war.

Spider-Mans Markenzeichen ist der Einsatz seiner Spinnenfäden, um sich durch die ikonischen Häuserschluchten New Yorks zu schwingen. Nie wurde das so detailgetreu umgesetzt wie in diesem Spiel. Das Schwingen fühlt sich natürlich an, da sich die Netze an Gebäude heften und nicht nur magisch in der Luft schweben, wie es in früheren Spider-Man-Spielen der Fall war. Buchstäblich im Handumdrehen baut ihr Momentum auf und zischt durch die Lüfte während ihr Netz an Netz feuert. Doch das ist nicht das einzige Element, dass das Durchqueren von New York so unterhaltsam macht. Unserem Helden steht neben dem gewöhnlichen Netzschwung eine Fülle an Bewegungsfähigkeiten zur Verfügung. Er kann sich an bestimmte Objekte heranziehen und sich von ihnen abstoßen, um einen Geschwindigkeitsschub zu gewinnen. Zusätzlich ist es ihm möglich, ohne jegliche Verzögerung vom Wandlauf zum Schwingen zu wechseln.

Auch im Kampfsystem macht man sich Spider-Mans einzigartiges Portfolio an Fähigkeiten zu Nutze, allerdings weniger erfolgreich. Die Kämpfe gestalten sich ähnlich wie in den Batman Arkham-Spielen und konzentrieren sich aufs Ausweichen und Konterangriffe gegen große Gegneransammlungen. Dabei nutzt ihr rudimentäre Kombos, unterschiedliche Fertigkeiten und aufrüstbare technische Hilfsmittel. Ob ihr Gegner mit Spinnennetzen mumifiziert oder sie mit kleinen Robotern bewegungsunfähig macht, liegt ganz bei euch. Spider-Man hat viele Möglichkeiten sich seiner Widersacher zu entledigen. Für den Großteil der Kämpfe könnt ihr euer riesiges Angriffsrepertoire zwar ignorieren, gegen stärkere Feinde ist es allerdings von Vorteil, die Aktionen etwas zu variieren. Ein Feature, dass gerne auch in andere Spiele Einzug erhalten darf, ist die Fokusanzeige. Sobald diese gefüllt ist, knockt ihr euren Gegenüber direkt mit einem Schlag aus oder heilt euch zu einem bestimmten Teil. So müsst ihr Koten/Nutzen abwägen – wollt ihr eure Opponenten einfacher ausschalten oder euren Gesundheitszustand in Schuss halten – und trotz der genannten Probleme bleiben die Kämpfe spannend.

Kein Open-World-Spiel ohne überproportional viele Sammelgegenstände und Nebenaufgaben: Spider-Man macht hier eine gute Figur. Die Nebenaktivitäten reichen von Feindbasen ausheben bis hin zu Rennen gegen die Zeit. Jede gemeisterte Mission beschert euch unterschiedliche Token. Damit schaltet ihr neue Anzüge, die euch frische Fähigkeiten bieten, frei und entwickelt eure Gadgets weiter. Viele der Aufgaben bieten Bonusziele, die es erfordern, selten genutzte Fertigkeiten einzusetzen und euch zusätzliche Token einbringen. Das bringt Abwechslung in den optionalen Inhalt, doch die schiere Masse an Bonusmissionen wirkt etwas überdimensioniert. In den unterschiedlichen Stadtteilen löst ihr verschiedene Verbrechen. Selbst nachdem wir alles andere auf der Karte abgearbeitet und jeden Anzug freigeschaltet hatten, war immer noch knapp die Hälfte der Verbrechen offen – New York schläft echt nicht.

Ein Bereich, der uns verblüfft hat, ist Spider-Mans Optik. Das Spiel sieht auf einer normalen PlayStation 4 durch und durch fantastisch aus und läuft meist in 30 Bildern pro Sekunde. Durch die weitestgehend stabile Bildwiederholungsrate gelingt es diesem Spider-Man-Spiel im Vergleich zu seinen Vorläufern, die Geschwindigkeit beim Schwingen durch die Mega-Metropole authentisch darzustellen. Auch der visuelle Detailgrad ist beeindruckend, besonders wenn es um die Darstellung der unterschiedlichen Anzüge, die ihr euch überstreifen könnt, geht. Jeder einzelne Anzug wurde in akribischer Kleinarbeit bis hin zum verwendeten Material nachmodelliert. Etwas, das nur auffällt, wenn man die Kleidung genau inspiziert. Die Menge an Grafikoptionen sind ebenfalls positiv anzumerken. Die Möglichkeit, die Bewegungsunschärfe abzustellen, sollte es in jedem Spiel geben. Der Unterschied ist in Spider-Man bemerkenswert.

Fazit

Nach einer Vielzahl von enttäuschenden Spielen kehrt der durch Spinnennetze kletternde Superheld zu alter Form zurück. Spider-Man erzählt nicht die beste Geschichte und es leidet unter den üblichen Open-World-Problemen, das Action-Adventure bietet trotzdem eine großartige Spielerfahrung. Zukünftige Superheldenspiele sollten sich Spider-Man als Maßstab nehmen und wir können es gar nicht erwarten, was Insomniac Games in den kommenden Jahren noch alles auf die Beine stellen wird.

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