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Angespielt

Angespielt: State of Decay 2

Fünf Jahre nach Veröffentlichung ihres Erstlingswerk ruft der im US-amerikanischen Washington beiheimatete Entwickler Undead Labs erneut die Zombieseuche aus und bringt die Plage auf Xbox One und PC.

State of Decay (unser Test / vollständiges Let’s Play) war ein technisch unsauberes Spiel auf Basis eines kleinen Budgets, jedoch ein geglücktes Experiment mit interessanter Prämisse. Die Undead Labs folgen unserer Empfehlung und erweitern das Konzept und integrieren einen Online-Mehrspielermodus.

Kampagne

Zu Beginn stellt uns das Spiel vier Ausgangssituationen zur Wahl. Diese beschreiben knapp gehaltene Szenarios und geben zwei feste Charaktere vor. Zur Auswahl stehen „Griesgrämige Geschwister“, „Alte Freunde“, „Beziehungspause“ und „Seltsames Paar“. Die Charaktere verfügen über die Grundwerte Kardio, Geistesgegenwart, Kämpfen und Schießen, optional stößt ein Spezial-Skill wie Chemie, Versorgung, Mechanik, Gartenbau und Filmwissen hinzu. Die einzelnen Werte werden im Spiel durch rege Benutzung verbessert. Schlagen wir den Zombies häufig auf den Schädel, verbessert sich der „Kämpfen“-Wert, sprinten wir viel, geht die Kardio nach oben. Wir entscheiden uns für letztere Backgroundstory. Die Protagonist(inn)en Phoebe und Rober haben die beiden zuletzt genannten Fähigkeiten in petto.

Egal für welches Duo ihr euch entscheidet, eure ersten Schritte werdet ihr in State of Decay 2 im als Einführung dienenden Flüchtlingslager Camp Osprey wagen. Hier wird euch beigebracht wie man schlägt, schießt und Gegenstände aufsammelt, die drei zu Beginn wichtigsten Spielaktionen. Das Gameplay funktioniert wie im Vorgänger: Ihr durchsucht Häuser nach Materialien, Waffen und Items, bringt das Zeug in eure Basis und sorgt dafür, dass es allen Überlebenden eurer Kolonie gut geht. Das Survival-Gameplay und sogar die Tastenbelegung sind gleich geblieben, HUD (Head-Up-Display) und Inventar sind hingegen etwas verändert worden. So bietet sowohl die große Karte als auch die stets eingeblendete Minimap und das Inventarsystem aufgrund von zahlreichen Filtern und Vergleichsspalten eine bessere Übersicht. Die primären Gesundheitsitems und Ausdauererfrischer verfügen über eigene Slots und kleistern damit den anfangs spärlichen Platz nicht zu.

Die Zombie-Arten gleichen denen aus Teil eins. Während die normalen Zombies, ob halb zerfetzt oder mit roten Augen, relativ behäbig sind, gibt es Spezial-Zombies, sogenannte Freaks. Das sind Kreischer/Screamer, Koloss/Juggernaut, Aufgeblähter/Bloater, Tobsüchtiger/Feral, SWAT Zombie und Army Zombie. Kenner des ersten Teils freuen sich auf eine Rückkehr aller dieser Arten. Neuzugänge haben wir bislang keine zu vermelden.

4K-Video #1

Basenbau

In der Basis gilt es die Vorräte an Lebensmitteln, Medizin, Munition, Baustoffen, Benzin und jetzt auch Teile zu verwalten. Darüber hinaus müsst ihr im Auge behalten, ob ihr für alle Überlebenden überhaupt genügend Kojen habt und euren Einfluss hochhalten. Jeder Charakter eurer Gruppe ist spielbar und verfügt über einen individuellen Grad an Einfluss. Dieser wird erhöht, wenn er der Gruppe dienlich ist – etwa Lebensmittel heranschafft oder ganze Meuten an Untoten ausschaltet – oder kleine Botengänge und Auftragsmorde für andere Enklaven verrichtet. Das funktioniert ebenso wie im Vorgänger mit dem Unterschied, dass ihr neben einem Begleiter aus eurer Gruppe einen weiteren „externen“ KI-Kameraden an eurer Seite habt und euer Verbündeter sich nicht von jetzt auf gleich buchstäblich per pedes aus dem Staub macht.

 

Der Basenbau wurde gewaltig erweitert: Wir können deutlich mehr Anlagen bauen (Krankenstationen, Werkstätten, Wachtürme, Waffenanlagen, Gärten, Stromgeneratoren und vieles mehr) und diese mit Modifikationen aufwerten. Bauen wir etwa einen Wasserkühler an, erhöhen sich gewisse Effekte, die den Erzeugnissen wie Seuchegegenmittel oder Rohrbomben zu Gute kommen. Wie in State of Decay stellt euch das Spiel vor ein Platzproblem. In eurer ersten Basis habt ihr lediglich wenige Slots zur Verfügung, um Anlagen zu bauen. Glücklicherweise bietet die deutlich größere Spielwelt diverse Tankstellen, Werkhöfe und Villen, die wir als Basis übernehmen können. Hierfür benötigt man allerdings sehr viel Einfluss und muss eine Menge der im Folgenden angesprochenen Missionen verrichten. Die Anzahl an Außenposten, die ihr errichten könnt, richtet sich nach Ausbaustufe eures Kommandostandes. Außenposten können an fast jedem beliebigen Haus errichtet werden und dienen als sichere Zonen. Sie lassen euch zusätzlich auf euer Schließfach zugreifen, in dem ihr eure Gegenstände abliefert. Euer Lager, in das ihr die wichtigen Ressourcensäcke bringt, ist allerdings lediglich in eurem Hauptstützpunkt anwählbar.

 

Missionen

Eine echte Missionsstruktur wie im Vorgänger vermissen wir in den ersten Spielstunden in State of Decay 2. Zwar gibt uns das Spiel eine Hand voll Aufträge vor, dann sind wir jedoch auf uns allein gestellt und helfen Überlebenden, die sich uns anschließen wollen oder deren Gruppe uns dann besser gesonnt ist und mit uns zu Handeln beginnt. Wir können auch auf Erkundungen gehen oder kleinen Charakter-spezifischen Missionen nachgehen und uns etwa auf die Suche nach dem Song des Lebens zu machen – ob wir den nicht doch in einem anderen Spiel finden? Nach gewisser Spieldauer leidet State of Decay 2 an den gleichen Problemen wie der Vorgänger: zu häufige Wiederholungen der Zufallsmissionen, Ressourcenknappheit, da leer geräuberte Häuser sich nicht magisch wieder auffüllen, und ellenlange Wege zurück zur Basis. Hinzu kommt, dass man deutlich weniger Fahrzeuge findet und diese aufgrund der Spritknappheit schnell liegen bleiben, bestenfalls direkt vor einem besonders mächtigen riesigen Koloss (siehe direkt am Ende unseres 2. 4K-Videos und des untenstehenden Screenshots).

State of Decay 2 vermittelt das Gefühl, eine Gruppe managen zu müssen, die Extremsituationen ausgeliefert ist, sehr gut. Entsenden wir einzelne Charaktere zu oft, werden sie krank. Häufig kracht es auch untereinander. Richtige Dialoge kann man untereinander leider nicht führen. Stirbt ein Gruppenmitglied, verschwindet sie aus dem Spiel. Dieser Permadeath macht viele Nachtausflüge noch brenzliger als sie eh schon sind.

Im Übrigen fehlen uns, wie im Vorgänger, Befehle an unsere KI-Mitstreiter. Per Funk können wir zwar Lebensmittel-, Benzin- oder Medizinvorräte auf der Karte markieren lassen und jederzeit einen Charakter befehligen uns zu folgen und jederzeit in dessen Rolle wechseln, allerdings ist es – zumindest in den ersten Spielstunden – nicht möglich, einzelne Figuren auf Kundschaft zu schicken. Stattdessen bekommen wir ab und an einen Funkspruch, dass sie gerade unterwegs waren und die Vorräte etwas aufgefüllt haben. Ziehen wir mit einem KI-Begleiter los, so schützt er uns vor der untoten Brut. Er unterstützt uns aber nicht darin, Häuser zu durchkämmen und zu looten. Gerade dieser Punkt störte uns im Vorgänger wahnsinnig, da wir genüsslich von der Künstlichen Intelligenz beobachtet werden, während wir ein Dutzend Spots im Haus mit gedrückter Y-Taste durchsuchen. Immerhin können wir Verbündete als Packesel benutzen. Vorräte können zwar geöffnet werden, wenn wir sie allerdings im Sack in unser Lager schaffen, werden sie den allgemeinen Ressourcen zugeführt. Jeder Charakter kann nur einen Sack tragen. Glücklicherweise ist in den Kofferräumen der Autos etwas Stauraum. Auf den Sitzen können wir hingegen nichts unterbringen. Zuhause angekommen müssen wir jeden Sack einzeln ins Lager im 2. Stockwerk tragen. Im ersten Teil wurden automatisch alle im Vehikel befindlichen Gegenstände (auch Säcke voller Materialien, Nahrung etc.) in euer Lager manövriert. Warum man im 2. Teil darauf verzichtet, ist uns ein Rätsel. Evtl. handelt es sich um eine Verbesserung, die wir noch freischalten müssen, denn Vehikel können zumindest in der Panzerung aufgewertet werden.

Technik

State of Decay war technisch ziemlich dem Zerfall nahe. Grafisch zählte das Spiel nicht zu den hübschesten im Genre und die Bildwiederholungsrate brach regelmäßig ein. State of Decay 2 ist deutlich hübscher anzusehen. Die Sichtweite wurde massiv erhöht, die Modelle der Charaktere und Zombies sind detaillierter  und ab und an gibt es sogar ein paar Tiere wie Vögel und Ratten zu beobachten. Trotz der erweiterten Spielwelt gibt es keinerlei Ladezeiten, selbst wenn wir Gebäude betreten – und in State of Decay 2 kann man sehr viele Gebäude betreten.

 

Die Animationen sind denen des Vorgängers sehr ähnlich. So können wir mit der B-Taste in die Hocke schnellen und leiser vorgehen. Auch die Bewegungsabläufe zum Einrammen oder Öffnen von Türen sind gleich geblieben. Bodentexturen sind wie in Teil eins teils nicht mehr zeitgemäß und sehr verwaschen. An anderer Stelle werden wir mit detailliert dargestellten Steinen und Bump-Mapping verwöhnt – der Entwickler ist also sehr unausgeglichen damit umgegangen, wie hübsch die Spielwelt gestaltet wurde. Licht-, Schatten- und Partikeleffekte von zerberstendem Holz oder zerspringendem Glas werden um einiges schöner dargestellt. Das Spiel verfügt erneut über einen deutlichen Bewegungsunschärfeneffekt (Motion Blur), welcher sich nicht abschalten lässt. In Verbindung mit zahlreichen Mikrorucklern macht es die Navigation auf den vor Barrikaden nur so wimmelnden Straßen teils sehr schwierig. Die in unregelmäßigen Abständen auftretenden Ruckler können wir aufgrund der Hardware-Power der Xbox One X nicht nachvollziehen. Es gibt im Übrigen keine Optionen für Xbox One X-Besitzer, um etwa den Detailgrad oder die Framerate anzupassen.

Ein etwas merkwürdiger Bug stellte sich bei uns nach mehreren Spielstunden am Stück ein. So fingen die Bildschirmanzeigen plötzlich unkontrolliert an zu blinken und das Ganze konnte nur durch einen Neustart behoben werden.

4K-Video #2

Vorabfazit

Nach einem guten halben Dutzend an Spielstunden befinden wir State of Decay 2 als gute Basis für ein Survival-Spiel, allerdings fehlt uns im aktuellen Stadium noch eine packende Story, abwechslungsreiche Missionen und waschechte Neuerungen, die das aus dem fünf Jahre alten Vorgänger bekannte Gameplay sinnvoll aufwerten. Als primäres Zugpferd scheint man für den zweiten Teil den Drop-In & Drop-Out Koop-Modus für bis zu vier Spieler zu sehen. Wir konnten den Multiplayer bislang nicht austesten. Wer auf der Suche nach mehr State of Decay ist, freut sich über den neuen Teil. Ob er auch für Neulinge den knappen Preis von 30 Euro wert ist, klären wir zu gegebener Zeit in unserem nicht minder ausführlichen Test.

Die Screenshots entspringen der finalen Version auf der Xbox One X und wurden unseren beiden 4K-Videos entnommen.

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