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Im Test: Dragon’s Crown Pro

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Wir hatten schon immer eine Schwäche für Vanillaware-Spiele, auch wenn sie ihr Qualitätslevel nicht konstant halten können. Odin’s Sphere erzählte eine fabelhafte Geschichte, doch das eigentliche Spiel darin fühlte sich beizeiten als Arbeit an. Muramasa bot einige exzellente Bosskämpfe, aber zwischendrin gab es Luft nach oben. Jedes Spiel hatte etwas besonderes, aber gleichzeitig unverkennbar eigene Schwachpunkte, die den Spielspaß merklich senkten. Genau deshalb war die Veröffentlichung von Dragon’s Crown eine solche Überraschung und es mauserte sich zu unserem Liebling was Vanillaware-Games als auch Vertreter im Brawler-Genre anbelangte. Diese Neuauflage bietet alles, was den Erstling so großartig machte, bietet allerdings nicht viel neues.

Wie viele Genrekonkurrenten spiel die Handlung in Dragon’s Crown Pro eine Nebenrolle. Als frischgebackener Abenteurer in Hydeland verstrickt ihr euch in Geschehnisse rund um die titelgebende Drachenkrone. Nicht gerade viele Charaktere kreuzen euren Weg und keiner davon entwickelt sich im Laufe des Spiels weiter. Die Geschichte wird durchgehend von einem Sprecher erzählt. Dadurch erhaltet ihr Infos über das aktuelle Areal. Die kurz gehaltene Story nehmen wir positiv auf, den so können wir schnell in ein neues Gebiet einstiegen, ohne lang warten zu müssen.

Die meiste Zeit verbringt ihr damit, unterschiedliche Bösewichte und mythologische Kreaturen zu besiegen. Nachdem ihr ein Level ausgewählt habt, oder die Wahl dem Spiel überlässt, streift ihr durch ebenjene und macht lediglich Halt, um Gegner zu bekämpfen oder Geheimnisse zu entdecken. Das Kampfsystem entspricht dem Genrestandard. Jeder der Charaktere verwendet grundlegende Boden- und Luftkombos. Erst bei näherer Betrachtung eröffnen sich die Besonderheiten der einzelnen Figuren.

Jeder der sechs Charaktere in Dragon’s Crown Pro verfügt über eigene einzigartige Moves, die sich in die drei Kategorien Nahkampf, Magie und Fernkampf einteilen lassen. Nahkämpfer bringen Gegner dazu, ihre Waffen fallen zu lassen, Magier verwenden zum Abrufen ihres Angriffsrepertoires regenerierbare Magiepunkte (MP) und der einzige Fernkämpfer, Elf, verwendet Pfeile für durchschlagskräftige Attacken.

Selbst Charaktere des gleichen Typs haben Unterscheidungsmerkmale. Dies äußert sich in den Ausrüstungsgegenständen und reicht von der Verwendung von Zauberbüchern für Magier bis hin zu Schmuckstücken, die zusätzliche Fähigkeiten aktiveren. Ihr könnt Gegenstände nicht unendlich oft einsetzen und seid so daran gehalten, eure Ressourcen überlegt einzusetzen. Die Haltbarkeit- und Taschensysteme ermuntern euch zusätzlich zur intelligenten Verwaltung eurer zur Verfügung stehenden Mittel. Häufig eingesetztes Equipment nutzt sich ab, dies kann allerdings vermieden werden, wenn man einige Level später zu einer anderen Tasche mit frischer Ausrüstung wechselt. Gelingt es euch gleich mehrere Level hintereinander zu bewältigen, hagelt es mehr Belohnungen als wenn ihr dazwischen zur Stadt zurückkehrt. So werdet ihr dazu ermutigt, wesentlich mehr Gegenstände mit euch zu führen als in anderen Rollenspielen.

Dragon’s Crown Pro lockt euch nicht nur mit besserem Loot dazu, Level immer wieder anzugehen. Nachdem ihr ein Areal zum ersten Mal abgeschlossen habt, eröffnet sich an einem bestimmten Punkt eine neue B-Route. Hier stellen sich euch schwierigere Gegner und neue Bossgegner entgegen, zusätzlich könnt ihr weitere Nebenaufgaben bewältigen. Wir sind beeindruckt davon, wie viel Abwechslung die neun Level bieten. So werden abermalige Durchläufe niemals langweilig. Schließt ihr das Spiel erstmals ab, schaltet ihr weitere Inhalte, höhere Schwierigkeitsgrade und sogar einen zusätzlich zufallsgenerierten Dungeon mit unendlich vielen Stockwerken frei.

Wie im Genre üblich habt ihr die Option, Hydeland mit bis zu drei anderen Spielern on- wie offline zu erkunden. Das System der computergesteuerten Charaktere gestaltet sich interessant: Auf eurer Reise findet ihr Knochen von verstorbenen Abenteurern, die ihr zurück zur Stadt bringen und gegen ein Endgeld wiederbeleben lassen könnt. Fortan kämpfen sie an eurer Seite, entweder ab Anfang des Levels oder sie stoßen zu einem zufälligen Zeitpunkt eurer Gruppe hinzu. Spielt ihr online, können sich jederzeit andere Gamer eurer Partie anschließen. Eine Option, dies zu deaktivieren, fanden wir nicht. Die PS4-exklusive Pro-Version unterstützt Plattform-übergreifende Mehrspielersitzungen mit der Urversion für PS3 und PS Vita. Das ist ein erfreuliches Feature, die allerdings wohl durch das Fehlen von neuen Inhalten ermöglicht wurde (hierzu später mehr).

Ein Test eines Vanillaware-Produktes kommt nicht ohne Lob für die Grafik aus. Dragon’s Crown Pro sieht fantastisch aus. Es bietet schön gezeichnete Sprites, die von der erhöhten Auflösung profitieren und das Spiel zu einem der best aussehendsten 2D-Spiele aller Zeiten machen. Die überzogenen Proportionen der meisten Charaktere mögen für manche Spieler abschreckend wirken, diese surrealen Karikaturen tragen für uns allerdings zum Charm des Spiels bei. Es ist unglaublich, wie viel Liebe zum Detail in die unterschiedlichen Gegnermodelle und Umgebungen gesteckt wurde. Die Anzahl an Animationen wurde allerdings gering gehalten.

Nach all den Jahren ist Dragon’s Crown immer noch ein großartiges Spiel, doch kommen wir zu den Neuerungen der Pro-Version. Hier gibt es wenig zu vermelden. Der Soundtrack wurde neu von einem vollständigen Orchester eingespielt und hievt die ohne tolle Musik auf ein neues Level. Erwartungsgemäß für ein Remaster der aktuellen Generation wurden Auflösung und Bildwiederholungsrate erhöht. In dieser Fassung könnt ihr von Beginn an alle Monologe des Erzählers hören. Darüber hinaus bietet das Remaster nichts neues – keine Änderungen in der Balance, keine zusätzlichen Inhalte. Es handelt sich um das gleiche (zugegebenermaßen sehr gute) Spiel, das Vanillaware-Fans bereits gespielt haben. Die Macher feilten an Dragon’s Crown selbst nach der Veröffentlichung noch. Dieser positive Trend setzt sich bei Dragon’s Crown Pro nicht fort.

Fazit

Habt ihr Dragon’s Crown noch nicht erlebt, können wir euch Pro uneingeschränkt empfehlen. Es gibt nichts vergleichbares und es ist mehr als wert gespielt zu werden, besonders wenn ihr ein paar Freunde für gepflegten Koop zusammen trommelt. Besitzt ihr allerdings bereits die PS3- und PS Vita-Versionen, bietet die Neuauflage euch kaum Anreize erneut zuzuschlagen. Wir hoffen darauf, dass Vanillaware erneut einen Abstecher in das Brawler-Genre macht und uns entweder einen Nachfolger zu Dragon’s Crown oder ein völlig neues Spiel präsentieren wird.

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