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Angespielt

Angespielt: Tron – Evolution

Wenn Disney nach einem Nachfolger zum 18 Jahre alten “Tron”-Film ruft, kommen sie alle zusammen: Die Filmemacher, weltbekannte Musiker und auch ein kanadisches Spielestudio.

“Tron: Evolution” heißt das Spiel zum neuen Film namens “Tron: Legacy”, der am 27. Januar in die deutschen Kinos kommt. Jeff Bridges spielt wieder die Hauptrolle – sowohl im Film, als auch im Spiel. Letzteres ist jedoch zwischen den beiden Filmen angesiedelt. Die Geschehnisse, die Kevin Flynn im neuen “Tron”-Streifen virtuelles (Versteht ihr? Virtuell…) Kerkersitzen in The Grid eingebrockt haben, sollen im Action-Adventure von Propaganda Games aufgeschlüsselt werden. Die in Vancouver ansässige Spieleschmiede zeichnet sich für den guten “Turok”-Shooter aus dem Jahr 2008 verantwortlich. Ein anderes Projekt für Disney, das vielversprechende Action-Rollenspiel “Pirates of the Caribbean: Armada of the Damned” mit passender Lizenz, wurde leider eingestellt.

Zurück zu “Tron: Evolution”. Wir haben das Action-Adventure in der fertigen Verkaufsfassung im Einzelspielermodus bereits einige Stunden auf der PlayStation 3 anspielen können. Zur Geschichte: In dieser Welt, die in den Innereien eines Computers spielt, spielt ihr (buchstäblich) das Monitorprogramm Anon, was wiederum für Anonymous steht. Dieses Sicherheitsprogramm wurde von Kevin Flynn (in den Filmen verkörpert durch Jeff Bridges) programmiert, um eine Verschwörung inmitten dieser virtuellen Realität aufzudecken. Diese hat wohl damit zu tun, dass sogenannte ISO-Programme einen freien Willen entwickelt haben und gedenken diesen frei auszuleben. Eine der Anführerinnen der ISOs, Jaren, wurde kürzlich ermordet. Flynn verdächtigt Clu, die auch schon im ersten Film ihr Unwesen treibte, die wohl versucht sich das gesamte System unter den Nagel zu reissen. Was auch sonst…

So kurz und prägnant das jetzt rüberkommt, so kompliziert ist es in der Spielwelt dargestellt. Charaktere wie Clu oder Quorra (Olivia Wilde in “Tron: Legacy”) werden kaum vorgestellt. Hier werden die Filme zur Vermittlung des Wissens vorausgesetzt. Cleveres Marketing? Nicht ganz, da das Spiel mit seiner Einsteigerfreundlichkeit prahlt. Kommen wir passenderweise zum Gameplay. Zu Beginn wird euch die Steuerung erklärt. Sprünge über klaffende Abgründe, an der Wand entlang laufen und sprunghafte Kämpfe erinnern sehr an die Abenteuer aus Tausend und einer Nacht in “Prince of Persia”. Das Kampfsystem besteht aus den Schulterbuttons und zwei Angriffsknöpfen. Mit der Zeit bekommt ihr verschiedene Disks, die sich durch Stärke- oder Explosionseigenschaften voneinander unterscheiden. Da meist für einen Gegnertyp nur eine Disk effektiv oder – noch schlimmer in Sachen Entfaltungsmöglichkeiten innerhalb des Kampfsystems – sogar nur eine Attacke dem Gegner “Lebensenergie” abzieht, ist dies aber fast schon belanglos. Spezialmanöver wie Fernkampfattacken können ebenfalls wie ein besonders heftiger Stoß vollführt werden. Alles in allem macht es aber keinen großen Unterschied, wie ihr euch der Gegner entledigt, solange ihr euch an die (angezeigten) empfohlenen Waffen haltet. Diese könnt ihr auch wie eure restliche Ausrüstung rudimentär aufrüsten. So macht ihr mehr Schaden oder steckt besser die Attacken der Widersacher weg. Dieses Element ist aber, zumindest in den ersten 3 – 4 Stunden, die wir spielen konnten, völlig überflüssig. Die Auswirkungen sind minimal und bis ihr einmal die erforderlichen Credits habt, dauert es schon eine Weile.

Hat man die Tutorials zu Kampf- und Bewegungssystem einmal hinter euch, ergeben sich nett anzusehende Parcoursläufe, die meist damit enden, dass ihr in einem geschlossenen Raum landet, indem ihr alle Gegner eliminieren müsst, die wiederum von ihrem Chef abgelöst werden. Nach ca. anderthalb Stunden kommen auch Vehikel zum Einsatz. Habt ihr einen zu Beginn auf Distanz äußerst penetranten Panzer, der sich im Nahkampf als sehr dümmlich herausstellt, erledigt, dürft ihr für einige Panzerschlachten dessen Steuer übernehmen. Das ist eine willkommene Abwechslung, aber sehr schnell wieder vorüber. Das Lightcycle aus dem aktuellen Film, welches übrigens von einem deutschen Ingenieur stammt, darf natürlich auch nicht fehlen. Auch diese rasante Passage macht Spaß, da ihr einer Mitstreiterin folgen müsst, dabei aber vor den gemeinen Viren fliehen und Hindernissen ausweichen müsst.

Stichwort Virus: Die Atmosphäre in “Tron: Evolution” ist sehr gut gelungen. Überall in der Welt gibt es verseuchte Stellen, die ihr selbstredend tunlichst meiden solltet. Die Levelarchitektur wirkt wie aus einem Guss, lässt oftmals aber auch die gewisse Abwechslung vermissen. Die Zwischensequenzen sind gelungen und deutsch vertont. Dieser Punkt ist allerdings weniger gut, denn die Wörter verlassen die virtuellen virtuellen Lippen nicht synchron zur Bewegung und die Sprüche von Flynn & Co. sind oftmals sehr schlecht umgesetzt (“Flynn: Werde ich das ultimative Schutzprogramm entwickeln?!” “Ja.” “Okay.” Und stürzt sich in den vermeintlichen Tod.). Der Soundtrack stammt wie in “Legacy” von Daft Punk und ist äußerst gelungen. Selbst das wohl bekannteste Lied des Films – “Derezzed” – ist gut ins Spiel eingebunden.

Technisch ist “Tron: Evolution” keine Bombe, aber durchaus gelungen. Spiegelungen am Boden, effektreiche Attacken und detaillierte Kulissen ergeben – wie schon des öfteren erwähnt – ein stimmiges Gesamtbild. Dass die Charaktermodelle nicht so detailliert dargestellt sind wie bei anderen Titel und Kantenglättung sowieso ein Konsolenproblem ist, fällt da nur wenig ins Gewicht. Aus den Boxen dröhnen atmosphärische Effekte. Leider sind die Stimmen manchmal etwas leise abgemischt im Vergleich zum restlichen Klangportfolio.

Insgesamt hätte “Tron: Evolution” doch etwas mehr Entwicklungszeit brauchen können. Die Steuerung ist manchmal etwas unpräzise und man läuft eine angrenzende Wand hinauf, obwohl man eigentlich vertikal an der anderen Wand entlang rennen wollte. Auch das Upgradesystem wirkt aufgesetzt und der Schwierigkeitsgrad ist extrem unausgewogen. Ein kleiner Schuss Abwechslung im Parcours/Kampf-Gefüge, außer sehr kurzen Vehikelsequenzen, hätte dem Spiel ebenso gut getan wie eine klarere Handlungslinie. Da ist Propaganda Games wohl teilweise der berüchtigte rote Faden ausgegangen. Doch außer diesen Macken präsentiert sich das Spiel als sehr stimmig und audiovisuell beeindruckend. Hüpfspielfans, die einem neuen “Prince of Persia” entgegenfiebern, könnte das Spiel zusagen. Jedoch überwiegt der Eindruck, dass “Tron: Evolution” nur ein überdurchschnittliches Action-Adventure ist. Das wird sich auch in den folgenden Stunden nicht ändern, haben wir uns sagen lassen. Aber das passt wohl gut zum Film, dessen Qualitäten ähnlich sein sollen.

Tron: Evolution
System: PC, PS3, Xbox 360, Wii, PSP
Verwendetes System: PS3
Preis: ab 29,99 Euro
Genre: Action-Adventure
Entwickler: Propaganda Games (“Turok” (2008))
Publisher: Disney Interactive
Erscheint am: 20. Januar 2011

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