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Angespielt

Angespielt: Shin Megami Tensei – Persona 2: Innocent Sin

Obwohl die PlayStation Portable in vielen Augen schon lange als aktive Spieleplattform tot ist, wissen Fans des Sony-Handhelds ganz genau, dass immernoch sehr interessante Titel dafür erscheinen.

Erst im April hatte uns Ghostlight Persona 3: Portable aus der beliebten japanischen Rollenspielserie Shin Megami Tensei beschert. Nach dem PS2-Remake wurde nun vor wenigen Tagen auch der Vorgänger, der ursprünglich als Zweiteiler für die erste PlayStation erschienen ist, veröffentlicht.

Persona 2: Innocent Sin spielt in der fiktiven modernen japanischen Metropole Sumaru City. Ihr schlüpft in die Rolle von Tatsuya Suou, einem Zwölftklässler der Seven Sisters High School. Kurz nach Beginn des Plots wird die gesamte Stadt, die aus mehreren auf einer 2D-Karte frei begehbaren Vierteln besteht, von einer Joker-Gestalt verflucht.

Warum müssen Joker immer böse sein?

Eine bunt zusammengewürfelte Party aus Tatsuya, der blonden Schulschönheitskönigin Lisa, dem Rabauken Eikichi und dem Reporterduo Maya und Yukina versucht den Bann wirkungslos zu machen, da die Lebensträume von Eikichis dümmlichen Freunden ausradiert wurden und ein Großteil der Schüler buchstäblich ihr Gesicht verlieren.

Schon bald stößt die Truppe auf das Joker-Phänomen, das Träume wahr werden lässt. Außerdem spielt der Emblem-Fluch, der auf der Seven Sister High School lastet, eine nicht unbedeutende Rolle, weswegen alle Schüler ihre Embleme nicht länger auf ihren Uniformen tragen – außer dem Motorrad fahrenden Rebellen Tatsuya natürlich.

Die Dialoge zwischen den Spielsequenzen, in denen ihr zu Beginn das Schulgebäude nach Clous untersucht, sind extrem gut geschrieben und sogar an die Gestik der Charaktere hat man in den Ingame-Sequenzen gedacht. Leider sind nur wenige davon vertont, was aber bei der schieren Masse an Zeilen und der zu PS1-Zeiten geringen Diskkapazitäten kein Wunder ist. Trotzdem gibt es ein paar vorgerenderte Sequenzen, die schon ein wenig imposant und nicht im Geringsten so verwirrend wie das Intro (s. u.).

Man kann doch über alles reden

Außerdem sind die Beziehungen der Charaktere direkt mit dem Gameplay, genauer gesagt dem Kampfsystem, verbunden. In rundenbasierten Kämpfen nehmt ihr in Zufallskämpfen unterschiedliche Dämonen aufs Korn. In Werten wie Agilität, Vitalität, Glück und Stärke könnt ihr euren Haupthelden bei jedem Levelaufstieg verbessern. Bei Partymitgliedern werden die Punkte automatisch verteilt.

Neben normalen Attacken mit Stich- und Schusswaffen und Abwerhmanövern könnt ihr auch sogenannte Personas beschwören. Diese Monster können zudem auch noch in Kombination mit der Gestalt eines Party-Mitglieds eine stärkere Attacke ausführen.  Im Laufe der Zeit verbessern sich eure Personas bei häufigem Einsatz und können sich mit gesammelten Tarotkarten sogar in unterschiedliche Richtungen entwickeln – ähnlich den Steinen in Pokémon.

Diese Spielkarten erhaltet ihr von den Dämonen selbst, indem ihr eine bestimmte Reaktion von diesen hervorruft. Es gibt nämlich eine Dialogoption, in der ihr von den Dämonen lustige Fragen gestellt bekommt wie “Wie sind eigentlich diese Videospiele so?”. Je nach Personalität des Monsters müsst ihr eine entsprechende Antwort geben, die diesem möglichst keine Angst einjagt oder es vor Wut kochen lässt. Das geschieht außerdem dadurch, dass ihr etwa mit einem ulkigen Duo wie den beiden Reporterinnen den Gegenüber zum Schmunzeln bringt oder auch durch die verführerische Lisa Silverman, die mit ihrem Charme jedes Schleimwesen im Sturm erobert Habt ihr drei Mal die gewünschte Reaktion erreicht, so bekommt ihr entweder Geld, ein Item bzw. Informationen (bei Freude) oder ein paar der begehrten Karten (bei Interesse).

Dieses System funktioniert in der Praxis sehr gut, da man so nicht jeden Gegner bekämpfen muss, schneller an Boni kommt und über die Charaktere zusätzliche Hintergrundinfos erhält. Außerdem ist das Ganze ein taktisch kluges Element in Kämpfen gegen eine große Anzahl an Gegnern. Ein Wermutstropfen ist, dass auch dieses Dialogsystem wie in Team Bondis L.A. Noire nicht immer ganz nachvollziehbar ist. Leider kann man den zufallsgenerierten Kämpfen auch nicht ausweichen und bekommt daher besonders zu Beginn öfters die gleichen Dialoge zu hören.

In den knapp drei Stunden, die wir spielen konnten, erlebt man bereits einen Bosskampf erleben. Dieser findet im Glockenturm (Deadly Premonition, anyone?) des Schulgebäudes statt und erfordert schon etwas taktisches Können ab. Im Laufe der Quests bekommt man auch ein Waffen vertickendes Restaurant oder ein Detektivbüro zu sehen, an dessem Eingang euch eine Münzen-fressende Prof. Genki-ähnliche Katze befindet.

Gerüchte sind Lügen mit Widerhaken

Neben traurigen und sehr spannenden Momenten hat Persona 2 wie ihr seht auch einen eigenwilligen Humor und generiert einen ganz eigenen Charme.

Das Detektivbüro präsentiert euch einen weiteren Teil des Gameplays. Da von nun an alle Gerüchte wahr werden, die im Umlauf sind, müsst ihr in der lebendigen Stadt stets ein Ohr offen haben für nützlichen Gossip. Damit geht ihr dann zum dicklichen Chefdetektiv und dieser sorgt dafür, dass euer Wunschgerücht weiträumig gestreut und wahr wird.

Die Umsetzung auf die PSP ist Entwickler Atlus, die das Spiel in den USA selbst vertreiben, exzellent gelungen. Die Optik wurde angemessenen portiert und sieht auf dem Handheld richtig gut aus. Auch die Steuerung geht leicht von der Hand. Mit dem Steuerkreuz bewegt ihr euch beispielsweise langsam durch die frei drehbaren Levels, wohingegen ihr mit dem Analogpad durch die 3D-Welten sprintet.

Fazit

Jeder JRPG-Fan hat sich sicherlich die Finger nach der PSP-Umsetzung von Persona 2: Innocent Sin geleckt und wird damit eine große Freude haben. Doch auch Neueinsteiger der Serie haben keine größeren Probleme, da Persona 2 auch gänzlich ohne Vorkenntnisse gespielt werden kann. Die Mischung aus modernem realistischem Japan-Setting und der Traum/Dämonendimension ist sehr gelungen.

Auch wenn das Gameplay mit seinen rundenbasierten Zufallskämpfen und den beschwörbaren Monstern doch etwas an Final Fantasy erinnert, ist die Welt sehr viel greifbarer und die Charaktere deutlich menschlicher.

Die Storywriter haben in den ersten Stunden schon für mehrere Twists gesorgt und in freudiger Erwartung werde ich gerne noch mehr von Sumaru City erforschen. Obwohl ich die Zufallskämpfe nicht so gern mag, sind sie durch die Dialog- und Paktbildungsoptionen manchmal sogar ganz sinnvoll, um schnell im Dungeon an einen Heiltrank zu kommen. Die Möglichkeit die Fights zu umgehen dachte man anno 1999 wohl noch nicht.

Jeder RPG-Fan, der nun überrascht ist damals noch nichts von dem Spiel gehört zu haben, sei gesagt, dass die Persona-Serie, die im Shin Megami Tensei-Universum angesiedelt ist, erst mit dem dritten Teil auf der PS2 im Jahr 2008 das Licht der Welt erblickt hat.

Den direkten Nachfolger Persona 2: Eternal Punishment will Atlus vielleicht ebenfalls auf aktuelle Plattformen portieren. Im nächsten Jahr wird erstmal in Japan Persona 4 (2009, PS2) auf der PlayStation Vita und in anderer Form auch für PS3 und Xbox 360 erscheinen.

Persona 2: Innocent Sin gibt es einzeln im PlayStation Network für 34,99 Euro oder im Bundle mit dem anderen großen PS1-Remake von The Legend Of Heroes: Trails In The Sky (unser Angespielt-Video) für nur 47,99 Euro. Eine Packungsversion gibts auch in Form der 40 Euro günstigenCollector’s Edition mit Soundtrack, Kunstkarten und Poster.

Shin Megami Tensei: Persona 2 – Innocent Sin
System: PSP/PSVita
Sprache: Englisch
Preis: 39,99 € (Collector’s Edition), 34,99 € (PSN)
Genre: Rollenspiel
Entwickler: Atlus
Publisher: Ghostlight

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