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Im Test: Aliens – Colonial Marines

Im All hört euch niemand schreien – vor Wut. Gearbox’ Aliens: Colonial Marines hat viel Schelte eingefahren, wir prüfen, was davon stimmt und was übertriebene Fanboy-Ansprüche sind.

Über sechs Jahre hat es gedauert, bis wir die Fortsetzung von James Camerons Aliens in Videospielform angehen dürfen. Gearbox (Brothers in Arms-, Borderlands-Serie, Duke Nukem Forever) hat in Kooperation mit TimeGate Studios und Nerve Software das von Fans lang erwartete Konstrukt entwickelt. Allen Erwartungen zum Trotz handelt es sich dabei um eine Schießbude und nicht um einen Taktik-Shooter, selbst wenn ihr im Team unterwegs seid. Doch alles zu seiner Zeit.

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Aliens: Colonial Marines setzt knapp 4 Monate nach den Ereignissen des zweiten Alien-Film Aliens an. Die Colonial Marines-Einheit der USS Sephora geht dem Notsignal der USS Solaco nach, die sich im Orbit über dem Planeten LV-426 und nicht wie in Alien 3 Fiorina-161. Als Corporal Christoph Winter werdet ihr also auf die Solaco geschickt und entdeckt neben einer riesigen Verseuchung durch Xenomorphs auch die Übernahme des Schiffes durch Söldner.

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Das hat zur Folge, dass ihr neben Aliens auch Menschen bekämpft. Leider ist von dem gruseligen Flair der Film von Beginn an kaum etwas zu spüren. Euch werden Dutzende Aliens auf den Hals gehetzt und diese sind noch dazu ziemlich dämlich. Sie laufen gerne im Kreis, bleiben bei Beschuss stehen und greifen meist den stärksten der Gruppe, euch, an. Gruppe? Genau, ihr seid nämlich mit einer Truppe stereotypischer Videospielcharaktere unterwegs. Da wäre der “kampfwillige” Sergeant O’Neal, der direkt aus einem Gears of War-Spiel stammen könnte, die hartgesottene Private Bella Clarison und der über alles erhabene Commander Bishop – nicht der Bishop aus den Alien-Filmen.

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Auf eurer Reise stürmt ihr durch die engen Gänge des Raumschiffes und müsst in Lagerhallen Stellungen verteidigen. Anschließend könnt ihr euch in sicheren Räumen neuaufmunitionieren. Klingt mit dem Drop In-/Drop Out-Koop-Modus nach Left 4 Dead, spielt sich aufgrund der mageren Künstlichen Intelligenz von Mitstreitern und Gegnern sowie der Abwechslungsarmut bei Level-Design, Ereignissen und Gegnergestaltung um einiges schlechter. Anschließend dürft ihr auch den Planeten LV-426 erkunden. Das ist der Ort, wo Ripley in Aliens erfährt, dass dort die ersten Alien-Eier aufgefunden wurden.

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Auch hier ändert sich beim Gameplay wenig. Mit eurem Trupp (KI-Soldaten sind übrigens immer dabei, auch wenn bis zu drei Freunde teilnehmen) lauft ihr nun durch etwas weitläufigere Level-Schläuche und ballert alle Xenomorphs weg. Ist gibt natürlich schon unterschiedliche Arten – Facehugger, den normalen Fußsoldaten, den schleichenden Lurker, den Gift spuckenden Spitter sowie die etwas stärkeren Xeno Boiler und Crusher -, sie sind aber allesamt Kanoenfutter und lassen sich viel zu leicht abschießen. Sie sind schlichtweg zu langsam und kein Vergleich zu den wieselflinken und aus dem Verborgenen attackierenden Aliens aus den Filmen. Rennt ihr mal nicht von A nach B, gilt es eine Tür zu öffnen bzw. zu verteidigen. Ab und an wird das Gameplay auch durch kleine Minispiele wie das Steuern eines Krans oder eines Baufahrzeugs aufgelockert. Oder ihr müsst eine Stellung für den Xenomorph-Ansturm vorbereiten. Cool: Über einen Körperwärme-Sensor könnt  ihr die Gegneraktivitäten auf einem kleinen Bildschirm verfolgen und das sogar im Mehrspielermodus.

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Doch auch hier hat man sehr wenig Freiheiten, alles passiert wie auf Schienen. Ein paar versteckte Gegenstände gibt es dann doch zu finden. Darunter befinden sich neben Marines-Hundemarken und Audiologs auch legendäre Waffen wie Frosts Flammenwerfer oder Ripleys Pulskanone. Die dürft ihr dann auch verwenden, was ein großer Spaß ist. Selbst ein Charakter aus den Filmen tritt dem Cast bei und sorgt zumindest im finalen Drittel für etwas Fanservice, den man vorher stark vermisst hat. Wer das ist, das verraten wir euch natürlich nicht. Bosskämpfe gibt es im Übrigen leider keine, nur ganz am Ende und dieser ist sehr kurz und schwach inszeniert. Die Einzelspielerkampagne kann man in vier bis fünf Stunden abschließen.

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Das Spiel ist ganz klar auf kooperatives Durchspielen angelegt, hat es doch direkt einen per TAB einblendbaren Kill-Counter und an allen Ecken und Enden gibt es Erfahrungspunkte der Marke Call of Duty. Freizuschalten gibt es dabei neue Schießprügel, die dem Standard-Arsenal jedoch auch nicht gerade großartig überlegen sind.

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Die Inszenierung in den Zwischensequenzen ist gut gelungen, die Qualität story-relevanter Ereignisse im Spiel ist dagegen mehr schlecht als recht. Der Soundtrack könnte direkt aus einem neuen Alien-Film stammen und ist exzellent, doch die Grafik gleicht dem Gameplay und ist dröge und veraltet. Texturen sehen selbst in maximalen Details aus wie von einem anderen Stern und von den Licht-und Schatteneffekten der vollmundigen Versprechen, Trailern und E3-Demos ist selbst auf hochgezüchteten PCs nichts zu sehen.

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Es scheint so, als hätte Gearbox von Publisher SEGA eine letzte Frist bekommen und musste das Spiel vorschnell (nach sechs Jahre schon fast ironisch so etwas zu sagen) auf den Markt werfen. Dementsprechend viele technische Fehler haben sich ins Spiel eingeschlichen. Eine Gegnerklasse, die sich teleportiert, gibt es zwar nicht, trotzdem passierte es in unserem Durchgang ständig. In den doch etwas gruseligen Schleichpassagen müssen wir darauf achten, nicht zu schnell zu sein und Gegner auf uns aufmerksam zu machen. Doch die KI beachtet einen auch dann nicht, wenn sie direkt vor einem stehen (siehe Bild). Hier fehlt uns übrigens schmerzlich eine Takedown-Funktion wie in Deus Ex: HR oder Far Cry 3, um Feinde leise unschädlich zu machen. Weitere Bugs verursachen, dass Objekte in der Luft schweben oder für den Spieler unerreichbar sind.

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Mehrspieler-Modus

Im Mehrspieler-Modus könnt ihr im traditionellen Team Deathmatch oder im Flucht-Modus den Marines beistehen oder in den Reihen der Xenomorphs kämpfen. Hier spielt Colonial Marines wirklich seine Stärken aus. Level-Design, Fähigkeiten der Klassen und freischaltbare Fertigkeiten greifen so ineinander, dass hier wirklich die klassische Aliens-Gruselatmosphäre erzeugt wird. Ihr könnt unter mehreren Alien-Klassen (siehe Kampagne) wählen und durch gute Leistungen neue Fähigkeiten, Skins und Waffen freischalten, was eine Zeit lang motiviert. Als Xenomorph aus dem Verborgenen anzugreifen klappt erstaunlich gut, da dass Bewegungsreportoire der flinken Wesen erlaubt an Wänden und Decken entlang zu laufen und durch enge Lüftungsschächte zu schlüpfen. Auf jeden Fall einen Blick wert und länger spaßig als die Einzelspieler-Kampagne.

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Fazit – was lange währt, wird endlich so lala

Aliens: Colonial Marines ist weder ein guter Ego-Shooter, noch eine erfolgreiche Fortsetzung der Franchise. Stattdessen wird hier durchschnittliche Shooter-Kost von der Stange präsentiert, die in allen Belangen unfertig ist. Sei es die dahin dümpelnde Story voller Stereotypen und vorrauschaubarer Ereignisse, das langweilige Level-Design, die lahmen Aufgaben oder die schwache Gegner-KI. Zwischensequenzen und Auflockerungsaktionen sowie der interessante Mehrspielermodus zeigen aber, dass das Potential hier durchaus vorhanden war. Colonial Marines scheint das Ergebnis des Sprichworts “viele Köche versalzen die Suppe” und macht an einigen Punkten viel richtig, an weitaus mehr Stellen aber einiges falsch. Das Game fühlt und spielt sich deutlich anders als in den Demos. Wer unbedingt in das Alien-Universum in einem stumpfen Ego-Shooter abtauchen will, der wird mit Aliens: Colonial Marines für einen Nachmittag bis maximal ein Wochenende gewissermaßen seine Freude haben. Für alle anderen stellt der Vollpreis eine Farce dar und wir können keine Kaufempfehlung aussprechen.

Alle Bilder in der Gallerie

Alle Screenshots wurden von uns anhand der PC-Verison in maximalen Details und 1.920×1.280 erstellt.

Aliens: Colonial MarinesAliens: Colonial Marines
Genre: Ego-Shooter
System: PS3, Xbox 360, Wii U, PC
Getestete Version: PC
Preis: ab 40 Euro
Entwickler: Gearbox (Borderlands, Brothers in Arms)
Publisher: SEGA

One comment
  1. Rafael

    ‘Aliens vs. Predator’ had also a lot of bad critics and I´m glad I´ve
    tried the game. I´m not really a huge fan from the franchise but they
    should polish these games more. Incredible potential is being thrown
    away by the sum of several minor – and bigger – problems, which justify the predominant
    opinion.

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