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Zelluloitis - Filmecke

Zelluloitis: Spacewalker

Das rus­si­sche Apol­lo 13? Der ärgs­te Kon­kur­rent für Gra­vi­tySpace­wal­ker hat vie­le Vor­schuss­lor­bee­ren bekom­men, wir haben uns das His­to­ri­en­dra­ma über den ers­ten Welt­raum­spa­zier­gang ange­se­hen.

Zunächst sei zum Titel des Films gesagt, dass er auf vie­le Namen hört. In Russ­land nennt man ihn Vrem­ja Per­vyx, im eng­lisch­spra­chi­gen Teil der Erde The Age of Pioneers und hier­zu­lan­de Space­wal­ker. Pro­du­ziert wird der Film von nam­haf­ten Grö­ßen des Film­ge­schäfts wie Timur Bek­mam­be­tov, Regis­seur des 2016er Ben-Hur und von Night/Day Watch, und von Schau­spie­ler Yev­ge­ny Miro­nov. Ers­te­rer hat bereits den fik­ti­ven 2011er Found-Foo­ta­ge-Strei­fen Apol­lo 18 pro­du­ziert und ers­te Erfah­run­gen im Welt­raum gesam­melt. Letz­te­rer ist gleich­zei­tig der Haupt­dar­stel­ler des Films, Ale­xei Leo­now. Regie führt Dmi­triy Kise­lev, der für rus­si­sche TV-Seri­en bereits im Stuhl des Regis­seurs Platz genom­men hat.

Space­wal­ker hat den im März 1965 statt­ge­fun­de­nen Welt­raum­spa­zier­gang durch das rus­si­sche Raum­fahrt­pro­gramm zum The­ma. Der Film führt durch die Trai­nings­pro­zes­se des Kos­mo­nau­ten Leo­now und des Pilo­ten Pawel Bel­ja­jew die letz­ten akri­bi­schen und hek­ti­schen Vor­be­rei­tun­gen und den berüch­tig­ten fehl­ge­schla­ge­nen Test­flug bis hin zur eigent­li­chen Mis­si­on im All namens Woschod 2 knapp einen Monat spä­ter und deren Fol­gen.

Der Film umfasst zwei­ein­vier­tel Stun­den. Erst nach einer guten Stun­de befin­den sich der Bau­er und der Sol­dat in der win­zi­gen Woschod 3KD-Kap­sel. Die Geschich­te bis dahin wird span­nend erzählt: Obwohl der ers­te Welt­raum­spa­zier­gang erst für 1967 – und damit sechs Jah­re nach Gaga­rins ers­ter Erd­um­run­dung – ange­dacht ist, ver­setzt ihn der Kreml kur­zer­hand auf 1965, denn die US-Ame­ri­ka­ner sind den Rus­sen im Welt­raum­ren­nen auf den Fer­sen. Das stellt sowohl die Ent­wick­ler der Rake­te als auch die Kos­mo­nau­ten vor Pro­ble­me und so stirbt einer der Tech­ni­ker und Bel­ja­jews Teil­nah­me wird durch einen Unfall mehr als frag­wür­dig. Anders als vie­le ande­re Gen­re­ver­tre­ter beleuch­tet der Film – wenn auch knapp – das Schick­sal der Ange­hö­ri­gen der Welt­raum­pas­sa­gie­re.

Der Film ist so blen­dend im zeit­ge­nös­si­schen Stil insze­niert, dass uns Hol­ly­wood-Klas­si­ker wie Pearl Har­bor in den Sinn kom­men. Kein Wun­der, schließ­lich ver­schluckt die Pro­duk­ti­on des His­to­rien­epos‘ schlap­pe 400 Mil­lio­nen Rus­si­sche Rubel (knapp 6 Mio. Euro), spielt dabei aber ledig­lich 561 Mio. Rubel (ca. 8.3 Mio. Euro) ein. Vor allem die Sze­nen im Welt­raum, mit denen sich der zwei­te Teil von Space­wal­ker beschäf­tigt, sind ein­fach nur atem­be­rau­bend. Als Leo­now nach einer andert­halb­stün­di­gen beschwer­li­chen Rei­se end­lich den Welt­raum betritt, stockt einem als Zuschau­er der Atem. Habt ihr Fall­out 3 gespielt und seid zum ers­ten Mal aus der Vault in die neue Welt getre­ten, könnt ihr euch die beein­dru­cken­de Insze­nie­rung vor­stel­len. Doch auch an Effek­ten, etwa beim Wie­der­ein­tritt in die Atmo­sphä­re, und ande­ren visu­el­len Schman­kerln wie dem Moment, als die bei­den Her­ren auf­grund des Ein­at­men puren Sauer­stoffs hal­lu­zi­nie­ren, schmei­cheln dem Auge. Da wir­ken die CGI-Effek­te der aktu­el­len Star Trek-Serie Dis­co­very wie aus einem B-Movie, führt man sich die Bud­gets vor Augen (6 Mio. Euro gegen 7,2 Mio Euro pro Fol­ge) ist das Geleis­te­te umso beein­dru­cken­der.

Der Film ist in der Tat ähn­lich episch insze­niert wie Apol­lo 13 und hat audio­vi­su­el­le Momen­te alá Gra­vi­tySpace­wal­ker ist aber vor allem ein mensch­li­ches Por­trait von Leo­now und Bel­ja­jew und lebt von Augen­bli­cken, in denen die bei­den etwa Schnaps aus Frust trin­ken, weil die Mis­si­on gecan­celt wur­de, dann aber Ser­gei Koro­lew die Kabi­ne betritt und auf­grund der emo­tio­na­len Argu­men­te der bei­den den Start trotz erheb­li­cher Sicher­heits­be­den­ken durch­füh­ren lässt und am Ende deren ver­meint­li­chen „Tee“ doch etwas zu stark fin­det. Außer­dem spie­len die Dreh­buch­au­toren um Yuriy Korot­kov (Die neun­te Kom­pa­nie) gezielt mit der Erwar­tungs­hal­tung der Zuschau­er und kre­ieren ein mensch­li­ches geschichts­träch­ti­ges Welt­raum­dra­ma.

Die Qua­li­tät der deut­schen Syn­chro­ni­sie­rung reicht von pas­sa­bel bis groß­ar­tig. Der orches­tra­le Sound­track des Kom­po­nis­ten Yuriy Pote­en­ko (Night/Day Watch) könn­te ein­dring­li­cher kaum sein und schafft zusam­men mit den Sound­ef­fek­ten eine bedroh­li­che und bedrü­cken­de Atmo­sphä­re und auf­grund der geer­de­ten rea­len Vor­la­ge ist die­se sogar noch nach­voll­zieh­ba­rer als etwa in Gra­vi­ty.

Fazit

Space­wal­ker ist eine toll insze­nier­te Ver­fil­mung des ers­ten Momen­tes, in dem ein Mensch den Welt­raum betritt. Dar­über hin­aus ist es auf­grund sei­ner akri­bi­schen Detail­ver­liebt­heit glei­cher­ma­ßen lehr­reich wie emo­tio­nal erzählt. Damit gesi­chert ist, dass das Dreh­buch nicht zu roman­ti­siert wird, hat Ale­xei Leo­now der Film­crew per­sön­lich als Bera­ter zur Sei­te gestan­den. Dabei ver­zich­tet der Film völ­lig auf patrio­ti­sche Fremd­scham-Momen­te, wie es in man­chen west­li­chen Strei­fen der Fall ist. Aus­ge­klü­gel­te Regime-Kri­tik braucht ihr hin­ge­gen nicht erwar­ten, der Film ist aller­dings auch nicht poli­tisch geprägt und kon­zen­triert sich größ­ten­teils auf die Leo­now und Bel­ja­jew zwi­schen 1963 und 1965. Den kom­mer­zi­el­len Miss­erfolg kön­nen wir ganz und gar nicht nach­voll­zie­hen und emp­feh­len euch, zur deut­schen Heim­ki­no­ver­öf­fent­li­chung am 27. Okto­ber dem Film eine Chan­ce zu geben.

 

Space­wal­ker kann ab sofort auf Blu-ray in einer 3D- und 2D-Edi­ti­on im Limi­ted Steel­book sowie auf ein­fa­cher Blu-ray und auf DVD vor­be­stellt wer­den. Screen­caps are from the scree­ner we were pro­vi­ded by the film dis­tri­bu­tor for review pur­po­ses, check our review poli­cy for details.

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