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Im Test: Lost Dimension

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Bei dem 2015 in westlichen Gefilden erschienene Lost Dimension handelt es sich um ein einzigartiges Japano-Rollenspiel, das rundenbasierte Kämpfe mit einem Verrätersystem verbindet. Lost Dimension beweist gleichermaßen auch, dass außergewöhnliche Features noch kein gutes Spiel ausmachen.

Lost Dimension¬†verschwendet keine Zeit damit, um den hei√üen Brei herumzureden. Ein mysteri√∂ser B√∂sewicht namens The End hat bereits mehrere Milliarden Menschen auf dem Gewissen und erkl√§rt, sein Vorhaben innerhalb von dreizehn Tagen zu vollenden. Eine Gruppe von Physikern namens S.E.A.L.E.D. wird mit der Aufgabe betraut, den Turm von The End zu infiltrieren und ihn auszuschalten. Schon bald erkennt S.E.A.L.E.D. allerdings, dass sich Verr√§ter in den eigenen Reihen befinden und so m√ľssen sie sich gegenseitig opfern, um im Turm h√∂her steigen zu k√∂nnen.

Die Pr√§misse mag interessant sein, schnell wird allerdings klar, dass es nicht dar√ľber hinausgehen wird. Geschichtstr√§chtige Ereignisse kann man zwischen den Missionen an einer Hand abz√§hlen und die M√∂glichkeit, mit den Mitgliedern von S.E.A.L.E.D. zu sprechen √§ndert auch nichts daran, wie schlecht die Story aufgebaut ist. Das liegt haupts√§chlich an der Verr√§termechanik, welche in jedem Anlauf per¬† Zufall einen neuen Abtr√ľnnigen generiert. Die Nebenwirkung hiervon ist, dass keiner der Charaktere signifikant ist und angesichts der kurzen Spielzeit wird euch kaum eine Figur an’s Herz wachsen.

Das Potenzial der Verr√§termechanik wurde verschenkt. Nach jedem Kampf h√∂rt Sho bis zu drei verd√§chtige Stimmen und kann anhand derer bestimmen, wer der Spitzel ist. Nicht jede suspekte Person hintergeht uns allerdings und Sho kann gl√ľcklicherweise auf seine Deep Vision-F√§higkeit zur√ľckgreifen. Bis zu drei Mal pro Etage k√∂nnt ihr damit eure Begleiter dahingehend √ľberpr√ľfen, ob sie wirklich f√ľr den Feind arbeiten. Ohne dieses Mechanik ist es nicht m√∂glich, den Schuldigen ausfindig zu machen. Diese Mechanik h√§tte weitaus interessanter sein k√∂nnen, wenn sich Verr√§ter verd√§chtig verhalten w√ľrden oder wenn man sie auf eine andere Art √ľberf√ľhren k√∂nnte.

Ein weiterer frustrierender Punkt ist die Tatsache, dass man das ‘wahre’ Ende erst nach zweimaligem Durchspielen zu Gesicht bekommt. Die Geschichte endet √ľberst√ľrzt und sich emotional zu Investieren zahlt sich kaum aus. Aufgrund der uninteressanten Aufmachung von Handlung und Charakteren gibt es keinen nennenswerten Grund, das Spiel von Neuem anzugehen.

Das Kampfsystem stellt den gr√∂√üten Schwachpunkt von¬†Lost Dimension dar. Sho wird von f√ľnf weiteren Mitgliedern begleitet, die allesamt √ľber eigene Fertigkeiten verf√ľgen. Jeder Charakter darf sich ein Mal pro Zug bewegen, angreifen und seine benachbarten attackierenden Kameraden unterst√ľtzen. K√§mpfe sind reine Mathematik. Interessante Mechaniken findet ihr hier vergeblich. Die K√§mpfer/-innen verlieren an Vernunft, wenn sie eine ihrer Begabungen verwenden oder angegriffen werden. Hierbei handelt es sich um ein Alleinstellungsmerkmal von¬†Lost Dimension. Ist die geistige Gesundheit ersch√∂pft, schl√§gt die Figur wild um sich, egal ob sie Freund oder Feind dabei trifft. Dieses System wirkt sich im Kampf lediglich dahingehend aus, dass ihr in der Auswahl eurer Fertigkeiten beschr√§nkt werdet, da euch die Verwendung derer eine ganze Menge Vernunft kostet.

Die Auseinandersetzungen sind zu Beginn unterhaltsam, auch wenn sie recht anspruchslos sind. Abwechslung wird in¬†Lost Dimension nicht gro√ü geschrieben. Immer wieder werden Gegner und Umgebungen recycelt und die spielbaren Areale sind unglaublich winzig. Hinzu kommt, dass die nicht √ľberspringbaren Bewegungsabl√§ufe und Angriffsanimationen der Gegner wahnsinnig langsam sind. Wir vermissen eine Vorspulfunktion, besonders angesichts der elend langen Wartezeiten, bis sich ein Gegner √ľberhaupt in Bewegung setzt.

Wir sind bereits auf die einzigartigen F√§higkeiten der einzelnen Mitglieder eurer Gruppe eingegangen, doch die Freischaltung davon ist misslungen. Sobald eurer Charakter die n√§chste Stufe erreicht oder wenn ihr bestimmte Missionen vollendet, k√∂nnt ihr Gift Points (zu Dt.: Begabungspunkte) im jeweiligen F√§higkeitenbaum verteilen. Zun√§chst wirkt die Darstellung der Fertigkeiten einsch√ľchternd, doch schnell stellt sich heraus, ein Gro√üteil unn√ľtz ist. Die maue Anzahl an Gift Points, die ihr w√§hrend eures ersten Durchgangs sammelt, entmutigt davon, verschiedene F√§higkeiten auszuprobieren. Am Ende holt ihr euch nur das N√ľtzlichste.

Selbst unter Beachtung der Wurzeln des Spiels auf PlayStation 3 und PlayStation Vita sieht¬†Lost Dimension nicht gut aus. Charaktermodelle sind detailarm und die kruden Gesichter sehen meist nicht einmal den 2D-Konterfeis √§hnlich. Die 2D-Sprites sind der sch√∂nste Teil des Spiels, aber auch sie m√ľssen aufgrund der Animationen an visueller Pracht einb√ľ√üen. Die Visualisierung der Gegner und Spielbereiche geht in Ordnung, aber auch diese bieten nicht gen√ľgend Detailreichtum und Abwechslung.

Nach 10 Stunden gelangen wir am Ende von¬†Lost Dimension an und uns wird bewusst, dass die Umsetzung f√ľr den PC kein einfaches Unterfangen war. Die Bildwiederholungsrate liegt, sobald man die Charaktere bewegt oder lediglich durch die Men√ľs schaltet, unter 60 Bildern pro Sekunde. Diese Einbr√ľche st√∂ren das Spielerlebnis, insbesondere im Anblick der visuellen Unzul√§nglichkeiten – in¬†Lost Dimension finden weder Kantengl√§ttung noch anspruchsvolle Nachbearbeitungseffekte Anwendung. Dar√ľber hinaus schleichen sich eine Menge Fehler ein wie verschwindende Musik und die Abwesenheit von Shos Sprite nach K√§mpfen.

Der Portierung fehlen jegliche grafische Anpassungsm√∂glichkeiten, die am PC gang und g√§be sind. Einzig die Aufl√∂sung und die Darstellung im Fenster d√ľrfen wir festlegen. Man m√∂chte annehmen, dass die PC-Version von¬†Lost Dimension selbst auf Einsteigerrechnern annehmbar laufen w√ľrde, aber die Probleme mit der Bildwiederholungsrate lassen uns diese Einsch√§tzung √ľberdenken. Die Tastenbelegung ist nicht ideal. Da ist es sch√∂n, dass man die Funktionen frei auf der Tastatur belegen darf. Der Controller stellt nach wie vor das ideale Eingabeger√§t dar, da die Ausrichtung der Kamera und die Bedienung der Men√ľs mit Maus und Tastatur suboptimal vonstatten gehen.

Fazit

Lost Dimension ist eine herbe Enttäuschung. Die besondere Verrätermechanik hätte die Geschichte in eine interessante Richtung lenken können. Die blassen Charaktere, schwache Handlung und repetitiven Kämpfe verwähren Lost Dimension jegliche Chance, sich von anderen Rollenspielen abzuheben.

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