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Im Test: Not Tonight

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Der Brexit ist eine große Sache, nicht nur in Großbritannien, sondern weltweit. Kein Wunder also, dass einige mutige Entwickler versuchen, ein solch kontroverses Ereignis in einem Videospiel umzusetzen. Als wir die Beschreibung für Not Tonight gelesen haben, wurden wir etwas misstrauisch demgegenüber, wie die Macher dieses eher ernste Thema behandeln würden. Wir waren allerdings immer noch fasziniert davon, welchen Rahmen man dem Spiel spendiert hat. Es ist eine Schande, dass das finale Produkt das Ziel auf unterschiedliche Art und Weise verfehlte.

Not Tonight ist im Großbritannien nach dem Brexit angesiedelt, als alles zusammenbrach. Eine rechtsextreme Gruppe kam an die Macht, das Land wurde abgeschottet und alle Ausländer wurden verbannt. Anstatt dass man sich mit dem Thema ernsthaft auseinandersetzt, hat man sich für ein eher satirisches Spiel, das euch lieber zum Lachen bringt als dass es euch etwas lehrt, entschieden. Die Botschaft des Spiels wirkt unbeholfen und geht einem nach weniger einer Stunde Spielzeit auf die Nerven. Jeder Charakter, den ihr im Spiel trefft, ist eindimensional und es fällt schwer jemanden sympathisch zu finden, der selten wie ein wirklicher Mensch handelt.

Der Hintergrund des Spiels ist sein größtes Problem, da er nicht nur Einfluss auf die Geschichte, sondern auch auf das Spielgeschehen hat. Euer Charakter arbeitet als Türsteher, um seine Schulden gegenüber dem antieuropäischen Großbritannien zu begleichen. Jede Schicht spielt sich gleich: Bewältigt mindestens eine Warteschlange, indem ihr deren Ausweise und weitere erforderliche Informationen nach Unstimmigkeiten überprüft und dann entscheidet, ob die Person eintreten darf. Das Spiel ist am ehesten mit Papers Please aus dem Jahr 2003 vergleichbar. Von diesem Game wurde Not Tonight stark inspiriert. Doch anstatt darüber zu entscheiden, ob Menschen das Land betreten dürfen – und es damit um Leben und Tod geht -, verwaltet ihr größtenteils eine kleine Gruppe außerhalb eines schäbigen Nachtclubs.

Für ein Spiel, das ein solch politisiertes Ereignis thematisiert, regt es den Spieler zu wenig zum Nachdenken über seine Taten und deren Auswirkungen auf die Welt an. Die Geschichte ist quasi in Stein gemeißelt: Ihr schließt euch einer Widerstandsgruppe, die die Regierung stürzen will, an. Dabei ist es ganz egal, wie ihr mit bestimmten Charakteren interagiert. Als wir am Ende von Not Tonight angekommen waren, hatten wir nicht das Gefühl das Spiel wirklich beeinflusst zu haben. Das Spiel endet plötzlich und dadurch fühlt sich alles davor noch bedeutungsloser an.

Es ist nicht gerade hilfreich, dass viele der Mechaniken des Spiels mit dem albernen Setting in Konflikt geraten. Es beginnt gediegen damit, dass ihr anhand der Ausweise kontrolliert, ob die Person über 18 ist, dieses Dokument noch gültig ist und die korrekten Stempel vorweist. Im weiteren Verlauf des Spiels gibt es eine Kleiderordnung und die Gästelisten verkürzen sich stark, was wenig Sinn macht. Anzeigen für Hunger und Gesundheit werden spät eingeführt. Das Spiel bietet eine fadenscheinige Erklärung dafür und so wirkt dieser Zusatz dämlich.

Die überspitzt dargestellte Situation und eure profane Arbeit als Türsteher ergeben in der Summe ein äußerst repetitives Spiel. Das zugrunde liegende Konzept mag dem genannten Papers Please ähneln, doch im Gegensatz zu diesem Spiel bietet Not Tonight nichts interessantes, das eine eurer täglichen Schichten besonders macht. Am Ende des ersten im Spiel vergangenen Monats waren wir bereits außerordentlich gelangweilt und dieses Gefühl wurde in den weiteren Monaten nur noch verstärkt.

Zumindest liefert Not Tonight ab, wenn es um die fantastische Optik geht. Die Hintergründe jedes Arbeitsplatzes wirken lebendig und bieten einige der schönsten Sprites, die wir in diesem Jahr gesehen haben. In diesem Bereich zahlt sich das alberne Setting für das Spiel aus. Die Artists konnten einige innovative Areale anlegen und damit das langweilige Spielgeschehen etwas erträglicher gestalten. Ein Wermutstropfen ist, dass ihr meist lediglich auf euren unmittelbaren Arbeitsbereich auf der unteren Bildschirmseite starrt.

Fazit

Aufgrund der Thematik war direkt klar, dass das Spiel in jedem Falle polarisieren würde. Selbst wenn man den stümperhaften Versuch eine Geschichte zu erzählen außer Acht lässt, ist Not Tonight kein unterhaltsames Spiel. Dem Spielgeschehen mangelt es an Kreativität, einem weniger fragwürdigen Design und an Ausgewogenheit. So entsteht Langeweile und das Spiel erreicht nicht im Ansatz die Qualität des Spiels, von dem es inspiriert wurde. Es kann ruhig mehr Spiele wie Papers Please geben, aber Not Tonight ist nicht recht viel mehr als ein Paradebeispiel dafür, wie man es nicht machen sollte, in beinahe jeder Disziplin.

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