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Im Test: Fist of the North Star — Lost Paradise

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Als im ver­gan­genen Jahr ein Fist of the North Star-Spiel von SEGAs Yakuza-Team angekündigt wurde, kon­nten wir unsere Begeis­terung kaum bändi­gen. Für Fans des Man­gas und der Yakuza-Serie scheint die Zusam­men­führung der besten Ele­mente bei­der Marken ein garantiertes Erfol­gsrezept zu sein. Ein Jahr später stellt es sich im Ergeb­nis der Zusam­me­nar­beit als unbeständi­ges Spiel, das die Magie kein­er der bei­den Serien ein­fan­gen kann, her­aus.

Früher­er Fist of the North Star-Spiele, wie Koei Tec­mos Ken’s Rage, haben die Geschichte des Man­gas mit wech­sel­n­dem Erfolg umge­set­zt. Lost Par­adise ver­fol­gt einen anderen Ansatz, denn es erzählt mit den Charak­teren aus der Serie eine völ­lig neue Geschichte. Der Aus­gangspunkt ist jedoch gle­ich geblieben — starke Män­ner mit über­natür­lich­er Kraft und merk­würdi­gen Mar­tial Arts-Fähigkeit­en kämpfen sich durch eine post-apoka­lyp­tis­che Welt — und der Großteil der Hauptcharak­tere aus Fist of the North Star gibt sich die Klinke in die Hand. Geschichtlich ist die einzige Gemein­samkeit mit der Vor­lage die Hin­ter­grundgeschichte von Hauptcharak­ter Ken­shi­ro und selb­st diese wurde radikal gekürzt.

Die Sto­ry von Lost Par­adise konzen­tri­ert sich auf die Stadt Eden. Diesen Ort darf nur mit Genehmi­gung der Anführer betreten wer­den. Als Ken­shi­ro erfährt, dass seine tot geglaubte ver­flossene Liebe quick­lebendig ist und zulet­zt in Eden gese­hen wurde, reist er dort hin, um die Wahrheit her­auszufind­en. Es entspin­nt eine kurze Reise durch Eden und das angren­zende Ödland. Dort trifft er auf bekan­nte Charak­tere, ohne dass daraus eine große Sache gemacht wird. Neulinge wer­den nicht ein­mal erah­nen, dass ein Teil dieser Charak­tere zen­trale Rollen im Man­ga ein­genom­men haben, da das Spiel diese nach ein­er kurzen Vorstel­lung auch schon wieder ver­ab­schiedet. Es entste­ht das Gefühl, dass Eden nicht auf­grund der Geschichte son­dern als Schau­platz gewählt wurde, damit das Game­play den Yakuza-Spie­len nachemp­fun­den wer­den kann.

Das Erforschen von Eden und Erfüllen von Nebe­nauf­gaben (sog. “Sub­sto­ries”) fühlt sich für Yakuza-Fans ver­traut an. Eden mag nicht viel von dem Glanz und Glam­our von Kamuro­cho haben, doch darin gibt es alles was man erwarten kann: Geschäfte, eine Menge Min­ispiele und viele Gauner, die es zu bekämpfen gilt. Lost Par­adise wirkt auf viele Arten wie ein Yakuza-Titel mit neuem Antlitz. Einzig im Kampf­sys­tem wur­den Nuan­cen geän­dert. Es gibt sog­ar eine Spiel­halle, die am Ende die gle­ichen Arcade-Spiele wie in Yakuza 0 (XTgamer-Test) anbi­etet. Das bedeutet allerd­ings nicht, dass jedes Ele­ment wieder ver­wen­det wurde und es gibt einige Neuerun­gen, die uns gefall­en haben. Als Bar­keep­er kön­nen wir uns in eigens dafür erstell­ten Nebe­nauf­gaben verdin­gen und tre­f­fen auf eine bunte Mis­chung aus Charak­teren, unab­hängig von ihrer Bedeu­tung in der Haupt­geschichte. Statt einem Karaoke-Min­ispiel heilt Ken­shi­ro im Rah­men eines Rhyth­musspiels Patien­ten mit Hoku­to Shinken. Es ist wirk­lich schade, dass die übri­gen Min­ispiele weniger unter­halt­sam gewor­den sind.

Das Kampf­sys­tem wurde im Ver­gle­ich zur Yakuza-Serie verän­dert, doch nicht alle dieser Neuerun­gen sind pos­i­tiv­er Natur. Die Stan­dard-Kom­bo wurde unverän­dert über­nom­men: Mit Quadrat führt ihr schwache Attack­en aus und mit Dreieck been­det ihr die Kom­bo mit einem starken Angriff. Die ikonis­chen Heat-Moves aus der Yakuza-Serie wur­den mit Ken­shi­ros Geheimtech­niken erset­zt. Nach­dem er seine Geg­n­er genü­gend ver­prügelt hat, kann er sie damit betäuben. Es gibt eine anständi­ge Anzahl dieser Tech­niken, die größ­ten­teils direkt aus der Vor­lage stam­men. Erfreulicher­weise wur­den diese Moves detail­ge­trau nachge­bildet, doch die Moves wieder­holen sich schnell, was auf Dauer zer­mürbt. Das Prob­lem ist aus den Yakuza-Spie­len bekan­nt, doch dort gibt es zumin­d­est eine Vielfalt an Waf­fen- und Umge­bungsan­grif­f­en, die in Lost Par­adise fehlen.

Man hat auf ver­schiedene Arten ver­sucht die Kämpfe abwech­slungsre­ich­er zu machen, doch auch hier gibt es aller­lei Prob­leme. Durch Tre­f­fer und erfol­gre­ich ange­wandte Geheimtech­niken wird die “Burst”-Anzeige gefüllt. Sobald diese voll ist, wird Ken­shi­ro für wenige Sekun­den beson­ders stark. Dieser Burst-Modus sorgt für Befriedi­gung, da ihr darin Geg­n­er durch die Luft wer­fen und blitzschnell auswe­ichen kön­nt. Viele Moves kann man allerd­ings auss­chließlich in diesem Modus vollführen und der Unter­schied zwis­chen dem nor­malen Spiel und dem Burst-Modus ist zu groß. In diesem Zus­tand kön­nt ihr nicht ein­mal nor­mal sprin­gen, was Ken­shi­ros Angriff­s­reper­toire für viele Kämpfe weit­er ein­schränkt.

Lost Par­adise erset­zt Waf­fen mit Tal­is­ma­n­en und diese führen zu weitre­ichen­den Prob­le­men. The­o­retisch kön­nt ihr bis zu vier Tal­is­mane, die euch zum Großteil Vorteile im Kampf bescheren, aus­rüsten. So kön­nt ihr auf einen Schlag eine Hand­voll Geg­n­er auss­chal­ten oder für eine begren­zte Zeit einen Flam­men­wer­fer ver­wen­den. In der Prax­is machen die lan­gen Aufladezeit­en die Ver­wen­dung von Tal­is­ma­n­en obso­let, es sei denn ihr verbessert sie stetig. Zur Aufrüs­tung der Tal­is­mane ist die Beschaf­fung von Mate­ri­alien erforder­lich. Dies geschieht durch das Durch­streifen des Ödlands in einem der schlimm­sten Vehikel, die wir je in einem Videospiel gefahren sind. Klar, kön­nt ihr auch die Einzel­teile eures fahrbaren Unter­satzes verbessern, doch dafür ist weit­eres ödes Sam­meln von Mate­ri­alien nötig.

Nach­dem ihr die meis­ten Nebe­nauf­gaben abgeschlossen habt, bleibt nur noch Grinden — entwed­er nach Mat­er­alien oder im Host­ess Club-Ver­wal­tungsmin­ispiel. Falls man Yakuza 0 direkt davor gespielt hat, freut man sich über die erfrischen­den Neuerun­gen an dieser Nebe­nak­tiv­ität, doch man wieder­holt ständig die gle­ichen Auf­gaben, um einen Nutzen aus dem Min­ispiel zu ziehen. Selb­st wenn man nur Ken­shi­ros Fer­tigkeit­en verbessern will, muss man zig Are­nakämpfe absolvieren, um bes­timmte Orbs zur Ver­wen­dung in den unter­schiedlichen Fer­tigkeit­en­bäu­men sam­meln. Das Upgradesys­tem dient lediglich dem Auf­blähen des Spiels. Es hätte mehr Sinn gemacht, die Wertesteigerun­gen ein­fach beim Lev­e­lauf­stieg freizuschal­ten.

Grafisch erzeugt Lost Par­adise gemis­chte Gefüh­le. Das Ensem­ble an Hauptcharak­teren sieht seinen Vor­bildern aus dem Man­ga wie aus dem Gesicht geschnit­ten ähn­lich — selt­same Pro­por­tio­nen und Ähn­lich­es — doch die nicht­spiel­baren Charak­tere und die Umge­bun­gen sehen weit­ge­hend hässlich aus. Das ist eine weit­ere Gemein­samkeit mit der Yakuza-Serie, aber hier sticht es stärk­er her­vor. Das bet­rifft vor allem das leere schlecht tex­turi­erte Ödland. Erwäh­nenswert ist, dass viele Ani­ma­tio­nen direkt aus Yakuza über­nom­men wur­den und der visuelle Stil dadurch sehr wech­sel­haft ist. Die Kämpfe — unbe­strit­ten das wichtig­ste Spielele­ment — sehen großar­tig aus. Die Geheimtech­niken wer­den spek­takulär in Szene geset­zt und Geg­n­er explodieren in Spring­brun­nen aus Blut, ganz zur Befriedi­gung des Action-Spiel­ers.

Let’s Play

Fazit

Zum Voll­preis kann man Fist of the North Star: Lost Par­adise nicht wirk­lich empfehlen. Die Kämpfe machen ein­gangs Spaß, doch zu schnell verteilen wir rei­hen­weise Knock­outs und die über­mäßig lan­gen Geheimtech­niken wieder­holen sich zu oft. Alles weit­ere schre­it förm­lich Yakuza, nur schlechter und Grind­ing ist viel zu all­ge­gen­wär­tig. Das Spiel unter­hält zwar, es hätte aber eine spaßige Hom­mage an einen fan­tastis­chen Man­ga wer­den kön­nen und ist schlussendlich eine dürftige Nach­bil­dung ein­er viel besseren Serie gewor­den.

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