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Im Test: SuperEpic

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Selbst angesichts des Fortschritts, den die Videospielindustrie im Laufe der letzten Jahre gemacht hat, fällt es schwer zu widerlegen, dass hier und da bedauerliche Trends gab. Spiele voll von Micro-Transaktionen, Veröffentlichungen in unfertigem Zustand und Klone von erfolgreichen Konzepten waren bis zuletzt in. SuperEpic ist ein Metroidvania, das sich selbst nicht ernst nimmt. Es macht sich genau diese unschöne Seite des Gamings zum Thema. Das Game überzeugt allerdings weder als Satire noch als Metroidvania.

Von Beginn an macht SuperEpic deutlich, worum es darin gehen wird. Regnantcorp hat die Welt nach Free-to-play Mobile Games süchtig gemacht, sie angefangen zu kontrollieren und schlussendlich versklavt. Der Waschbär TamTam und sein Freund, ein Llama, sind Teil des Widerstands gegen den Einfluss der Firma. Nachdem sie von einer mysteriösen hilfsbereiten Person kontaktiert wurden, entscheiden sie sich dazu Regnantcorp zu Fall zu bringen.

Die Idee, die Probleme des Gamings zu parodieren, ist gar nicht schlecht, doch das Thema des Spiels wird euch in jeder Zwischensequenz bis ins Unendliche eingetrichtert. Es fällt schwer, eine Bindung zu den Charakteren aufzubauen, da neun aus zehn Charakteren ein kurzes Dasein fristen. Jeder Regantcorp-Mitarbeiter, auf den ihr trefft, dient lediglich einer Punchline und nicht weiter mehr. Als wenn das schon nicht genug wäre, wurde ein Großteil der Dialoge schlecht geschrieben. Viele der Textzeilen im Spiel lesen sich holprig oder sie haben offensichtliche Rechtschreib- bzw. Grammatikfehler. Würde das behoben werden, wäre die Story auch keinen Deut besser. Vergegenwärtigt man sich allerdings das Thema des Spiels, erscheint das Ganze schon irgendwie ironisch.

Spielerisch ist SuperEpic solide, wenn auch uninspiriert. Der Spielfortschritt gestaltet sich wie in anderen Genrevertretern. Auf eurer Reise durch das riesige Regnantcorp-Bürogebäude eignet ihr euch neue Fähigkeiten an, die euch Zugang zu neuen Gebieten verschaffen. TamTam kann Angriffen ausweichen und sich schneller fortbewegen, was allerdings – anders als bei den unbegrenzten Rückwärtsschritten in Castlevania – an eine Ausdaueranzeige gekoppelt ist. Das ist alles nicht übermäßig kompliziert, selbst unter Berücksichtigung der freischaltbaren Bewegungsaktionen, aber eben grundsolide.

Eure Standardaktionen werden von einer Hand voll Angriffen abgerundet. Darunter fallen die normale Kombo, einen Launcher und eine Slam-Attacke. Gegner können in der Luft jongliert werden und genau das ist im Großteil der Kämpfe die beste Art Gegner anzugreifen – außer Bosse. Kämpfe gegen Standardgegner sind nicht gerade Grund zur Ekstase, da sie sich nicht wehren können, sobald sie angegriffen werden. Da es ein Leichtes ist, Gegner zu bewegungsunfähig zu machen und die Auswahl an einzigartigen Waffen gering ist, ist es häufiger weniger mühselig das Kämpfen zu überspringen und sich zum nächsten Gebiet zu begeben.

Upgrades wären eine gute Möglichkeit gewesen für spielerische Abwechslung zu sorgen, aber sie sind entweder langweilig oder weniger effektiv als das Jonglieren von Gegnern. Sie reichen von grundlegenden Steigerungen von Statuswerten wie Gesundheit und Ausdauer, bis hin zu stärkeren Waffen und Rüstungen. Wie bereits erwähnt verfügen Waffen nicht über unterschiedliche Movesets. Der einzig merkliche Unterschied macht sich in der Angriffsgeschwindigkeit bemerkbar. Das hat aber kaum Einfluss auf eure Spielweise. Später schaltet ihr noch weitere Kombinationen frei, doch deren Effektivität lässt zu wünschen übrig.

Der Kauf von neuen Ausrüstungsgegenständen kostet Geld und hier kommen die Minigames ins Spiel. Klar könnt ihr das Geld von gefallenen Gegner einsammeln, aber das würde die Kämpfe ja noch mühsamer machen. Die beste Möglichkeit, eure finanzielle Lage zu verbessern, ist das Abscannen von QR-Codes, die in den unterschiedlichen Arealen verteilt wurden. Manche davon führen zu Mobile Minigames, die beliebte Mobile Games wie Flappy Bird und Crossy Road parodieren. Die Qualität der Belohnungen hierfür hält sich allerdings in Grenzen. Die sinnbildliche Eier-legende Wollmilchsau ist ein Idle Game, das euch immer wertvollere Belohnungen beschert, sobald ihr weitere Teile hinzugefügt habt.

Auch hier ist die Idee, außerhalb des Hauptspiels Minigames anzubieten, nicht schlecht und der Ton des Spiels wird darin getroffen. Das Problem daran ist allerdings, dass sie genauso von kurzer Unterhaltung sind wie die Hauptcharaktere des Spiels. Ihr spielt eine lahme Mobile Game-Parodie für wenige Minuten, schnappt euch den Code, den ihr für SuperEpic benötigt, und habt es bereits wieder vergessen. Es passt zwar zu dem Thema des Spiels, allerdings ist es unnötig schwerfällig, wenn man stets ein Smartphone in der Nähe haben muss, falls irgendwelche QR-Codes zu scannen sind. Da ihr so viel Geld über die Minigames einnehmt, schwindet eure Motivation zu kämpfen geradezu dahin.

Gameplay und Story mögen ihre Probleme haben, doch das trifft nicht auf die Präsentation von SuperEpic zu. Alles wurde liebevoll in 2D gerendert und die Sprites sehen selbst in dem Handheld-Modus der Nintendo Switch gestochen scharf aus. Jede Abteilung von Regnantcorp sieht einzigartig aus, ist allerdings auch voll von kreativen Gegnerdesigns. Angesichts dessen, wie unverhohlen man in SuperEpic parodiert, lehnt man sich auf der visuellen Ebene überraschend wenig an andere Kreationen an. Ab und an gibt es klare Referenzen, doch selbst dann grenzt sich SuperEpic deutlich von der Inspirationsquelle ab.

Fazit

SuperEpic ist weit davon entfernt ein schlechtes Spiel zu sein, doch anders als der Titel verspricht ist es besonders durchschnittlich in vielen Bereichen: Erkundung nach Schema F, sich wiederholende Kämpfe und eine Story, die einem das Thema des Spiels versaut. Indie-Metroidvanias gibt es wie Sand am Meer und dieses Spiel solltet ihr nur im Notfall oder, wenn ihr die fantastisch gestalteten Sprites bewundern wollt, angehen.

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