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Test

Im Test: Guacamelee! 2

Vor knapp fün­fein­halb Jahren beein­druck­te uns Gua­camelee! im Test mit sein­er her­vor­ra­gen­den Lev­e­lar­chitek­tur, knif­fli­gen Rät­sel und motivieren­den Kämpfen. Heute erscheint der Nach­fol­ger und wir check­en, ob die Erfol­gs­formel sin­nvoll aus­ge­baut wurde oder ob man sich auf den Lor­beeren aus­geruht hat.

Der erste Unter­schied zwis­chen den zwei Spie­len sind die Plat­tfor­men, für die Gua­camelee! 2 erscheint — PS4 und PC. Der Erstling erschien ursprünglich für PS3 und PS Vita und wurde zwei Mal in erweit­ert­er Form, als Gold Edi­tion und Super Tur­bo Cham­pi­onship Edi­tion, für PC, PS4, Xbox 360, Xbox One und Wii U neu aufgelegt. Wir haben das Spiel auss­chließlich auf der PlaySta­tion 4 Pro getestet.

Story — Die Rückkehr des Luchadors

Nach­dem der Luchador Juan Agua­cate am Ende des ersten Teils das Mex­iver­sum vor dem Unter­gang durch den Fleisch gewor­de­nen Teufel, Cala­ca, gerettet hat, find­en wir ihn im Nach­fol­ger in ein­er etwas verän­derten Rolle wieder. Er fris­tet ein friedlich­es Fam­i­lien­da­sein mit sein­er Frau und seinen zwei Kindern. Juan füllt diese Rolle buch­stäblich gut aus, denn ein kleines Bäuch­lein ist ihm gewach­sen. Doch in Punk­to Kampfkraft ist er ganz der Alte. Das ist auch gut so, denn schon bald wird er vom Ziegen­rat um Hil­fe gebeten: Schwarze Löch­er haben sich aufge­tan und Juan wird beauf­tragt in der Dunkel­sten aller Zeitlin­ien die Drahtzieher — darunter u. a. ein wild gewor­den­er Kak­tus, ein Skelettmagi­er und ein um die Aufmerk­samkeit sein­er Gruppe kämpfend­er Tänz­er — aus­find­ig zu  machen und das Mex­iver­sum zu ret­ten. Vor allem möchte Juan natür­lich seine Fam­i­lie ret­ten. Hin­ter all­dem steckt der fin­stere Sal­vador, der ver­sucht drei Tetris-Steine zu sam­meln und damit die Heilige Gua­camole zu kreieren, um allmächtig zu wer­den.

Der Vorgänger set­zte ein flip­piges auf diverse mexikanis­che Klis­chees und Bräuche basieren­des Uni- respek­tive MEX­Iver­sum um. In Gua­camelee! 2 wird das an allen Eck­en aus­ge­baut. In den zahlre­ichen Dör­fern tre­fft ihr auf ein buntes Ensem­ble an Charak­teren, die euch in lustig geschriebe­nen Dialo­gen unter­hal­ten. Die für die Entwick­lung des Spiels ver­ant­wortlichen Drinkbox Stu­dios nehmen dabei kein Blatt vor der Mund. Hagelte es teils Kri­tik an den vie­len Memes in Gua­camelee!, so baut­en sie kurz­er­hand eine ganze Höh­le der Memes ein, die mit Plakat­en zugek­leis­tert ist, welche zahlre­iche pop­kul­turelle Anspielun­gen enthal­ten. Doch auch in der übri­gen Spiel­welt wur­den diese unterge­bracht — nicht nur in Form von Hin­ter­grün­den, son­dern auch in kleinen Dialogschnipseln oder eigens dafür design­ten Arealen. Die Zeitlin­iengeschichte macht es möglich, dass sich Juan plöt­zlich in ein­er Welt voller dreis­ter Kopi­en erfol­gre­ich­er 2D-Prü­gler wiederfind­et. Auch der aktuelle Bat­tle Roy­al-Trend bekommt sein Fett weg, pikan­ter­weise in der Welt der Toten. Selb­st der in eine ähn­liche Kerbe schla­gende Titel Sev­ered ist an den Entwick­lern nicht vor­beige­gan­gen, wie die freis­chalt­baren Trophäen beweisen. Spiel­bare Klas­sik­er wie Pac-Man sor­gen nicht nur für Schmun­zeln, son­dern stellen euch vor ganz neue Her­aus­forderun­gen.  

Zwar wur­den alle Dialoge in her­vor­ra­gen­der Qual­ität ins Deutsche über­set­zt, aber­mals hat man sich gegen eine Ver­to­nung entsch­ieden. Wir kön­nen dies bei einem ver­gle­ich­sweise kleinen Stu­dio nachvol­lziehen, wür­den Juan aber echt gern mal sprechen und die Mari­achi-Bands sin­gen hören.

 

Gameplay — Von gleitenden Hühnern bis fliegenden Wrestlern

Gua­camelee! 2 ist eine Mis­chung aus 2D-Prü­gler und Jump’n’Run. Da es sich um ein soge­nan­ntes Metroid­va­nia han­delt, kann man die Spiel­welt frei erkun­den, stößt aber des öfteren auf meist far­b­codierte Bar­ri­eren, die ihr erst durch­brechen kön­nt, wenn ihr in der Haupthand­lung so weit fort­geschrit­ten seid, um den entsprechen­den Super-Move freizuschal­ten. Die Geg­n­er bewe­gen sich nicht frei auf der Ober­welt, das Spiel begren­zt in fest vorgegebe­nen Bere­ichen, die sich auf­grund ihres Ausse­hens antizip­ieren lassen, euer Weit­erkom­men und lässt aller­lei Feinde auf euch los. Die Geg­n­ervielfalt war bere­its in Gua­camelee! groß: Auf Juan hat­ten es einge­grabene Pflanzen, Skelet­tkrieger mit Fernkamp­fan­grif­f­en, Feuer speiende Drachen und sich zusam­men­rol­lende Ele­fan­ten­rau­pen abge­se­hen.

  

All diese Geg­n­er kehren in Gua­camelee! 2 zurück, allerd­ings ist die Dosierung im Ver­gle­ich zum Vorgänger eine ganz andere. Während der erste Teil noch unter Bal­anc­ing­prob­le­men litt und euch Welle um Welle unzäh­lige Feinde ent­ge­gen gewor­fen hat­te, ist das Geg­n­er­aufkom­men ver­hält­nis­mäßiger und dabei nicht weniger anspruchsvoll, da man Juans Fähigkeit­en bess­er denn je ein­set­zen muss. In Gua­camelee! 2 tre­fft ihr beizeit­en zwar auch auf mehr als 100 Geg­n­er auf ein­mal, doch dann übernehmt ihr die Rolle über ein gigan­tis­ches Hüh­nchen und mäht auf befriedi­gende Weise durch die Horde. Machen die steti­gen Kämpfe Laune, so sind die Bosskämpfe etwas ent­täuschend auf­grund ihrer Kürze und des gerin­gen Schwierigkeits­grades. Hat man das Spiel abgeschlossen, kann man es auf “schw­er” noch ein­mal ange­hen und dann sollte euch der Kak­tus gehörig durch die Gegend jagen.

Juan hat einiges auf dem Kas­ten. Statt nur ein Ziegen­lehrer hat Juan dies­mal mehrere Lehrer und eine größere Band­bre­ite an Super-Moves und die Möglichkeit neue Skills zu erler­nen. Wie im Vorgänger kann er in alle Him­mel­srich­tun­gen einen beson­ders starken Hieb vollführen. Hinzu kommt, dass sich Juan jed­erzeit auf Knopf­druck in ein Huhn ver­wan­deln kann. Diesen kleinen Gag aus Teil 1 haben die Drinkbox Stu­dios aus­ge­baut und zu einem echt­en spielerischen Mehrw­ert weit­er­en­twick­elt. Als Huhn ste­hen Juan Pol­lo-Superkräfte zur Ver­fü­gung, darunter der Pol­lo-Schuss (ein diag­o­naler Schlag) und das Pol­lo-Gleit­en (das Huhn schlit­tert am Boden ent­lang). Diese Angriffe sind nicht nur bären- respek­tive huhn­stark, sie ermöglichen es auch wie ein­gangs erwäh­nt optionale Räume mit Her­aus­forderun­gen zu betreten. Hier müsst ihr Juans Fähigkeit­en, in men­schlich­er wie in Huh­n­form, auf den Punkt genau ein­set­zen und kom­binieren. Beispiel­sweise müsst ihr Juan mit Dop­pel­sprung, Upper­cut und einen Hak­en nach oben kat­a­pul­tieren und als Huhn dann auf die andere Seite, über böse Dor­nen hin­weg, gleit­en. Als Beloh­nung winken Gold, Herz- und Masken­teile. Habt ihr drei Herz- bzw. Masken­teile beisam­men, wird euer Lebensen­ergiebalken bzw. eure Aus­dauer erweit­ert.

Jed­er Ein­satz von Super-Moves kostet Aus­dauer, die sich nur langsam neu auflädt. Da wäre es doch prak­tisch, wenn bei Betäti­gen ein­er Rich­tungstaste Gesund­heit und Aus­dauer blitzschnell aufge­füllt sind. Das ermöglicht der neue Fähigkeit­en­baum, der jed­erzeit aufruf­bar ist. Von den eigentlichen Bösewichtern aus dem Vorgänger­spiel kann Juan seine Super-Moves in ihrer Effek­tiv­ität ver­stärken lassen, neue Griffe ler­nen und auf den Kampf bezo­gene Boni wie mehr Geld oder gerin­ger­er Aus­dauerver­brauch freis­chal­ten. Ein sehr nüt­zlich­es Fea­ture, dass ihr gegen Spie­lende freis­chal­ten werdet ist die Fähigkeit durch Auswe­ichen Feinde greif­bar zu machen. Üblicher­weise müsst ihr die Geg­n­er erst auf halbe Energie herun­terkämpfen, bis dies möglich ist. Der Skill-Tree ist sehr vari­a­tion­sre­ich, man schal­tet ständig neue coole Fea­tures frei und benutzt durch die Freis­chal­tungsvo­raus­set­zun­gen auch ein bre­it­eres Arse­nal an Attack­en. Es bleibt einem aber auch die Möglichkeit, sein mühevoll erkämpftes Gold für die beson­ders starken Fähigkeit­en aufzus­paren.

Gua­camelee! 2 bietet eine aus­ge­feil­tere Lev­e­lar­chitek­tur als sein Vorgänger. Den Entwick­lern ist mit gefühlt weniger Schnell­reise­felsen eine bessere Navigierung geglückt. Regelmäßig verteilte Schreine, an denen ihr automa­tisch spe­ichert und euer Kostüm wech­seln kön­nt, beu­gen Frust­mo­mente an knif­fli­gen Stellen vor. Zusät­zlich hat das Spiel ein Check­pointsys­tem, das euch meist am let­zten Vor­sprung wieder ins Spiel ein­steigen lässt. Doch keine Sorge: Beson­ders in den optionalen Rät­sel­räu­men kön­nt ihr wieder gehörig fluchen, wenn ihr eine Stelle auch nach dem zehn­ten Mal partout nicht schafft. Der Zahn der Zeit nagt hier dann wohl nicht an dem In-Game-Pro­tag­o­nis­ten, son­dern an den eige­nen Reflex­en seit Veröf­fentlichung des Erstlings.

Wie die Super Tur­bo Cham­pi­onship Edi­tion des ersten Teils kann man auch Gua­camelee! lokal mit bis zu drei Fre­un­den spie­len, die jed­erzeit ins Spiel ein­steigen kön­nen. Online-Koop ist hinge­gen nur über das PS4-Fea­ture Share Play und ein­er sehr guten Inter­netverbindung auf bei­den Seit­en möglich.

  

Technik — Die leckerste Guacamole der Welt

Gua­camelee! 2 ist eine Augen­wei­de. Die Ani­ma­tio­nen der Charak­tere sind but­ter­we­ich, die Hin­ter­gründe äußerst atmo­sphärisch und abwech­slungsre­ich und die Bild­wieder­hol­ungsrate bleibt selb­st bei Darstel­lung ein­er Vielzahl an Fig­uren sta­bil. Wir hat­ten auf­grund des stil­sicheren Vorgängers hohe Erwartun­gen an die visuelle Darstel­lung, doch Gua­camelee! 2 kon­nte diese noch übertr­e­f­fen. Man ist ver­sucht ständig zwis­chen der Licht- und Schat­ten­welt hin und her zu wech­seln, da die Drinkbox Stu­dios diese sin­nvoll miteinan­der ver­woben und diverse Geheimnisse ver­steckt haben. Auch die Musik unter­schei­det sich in bei­den Wel­ten, manch­mal etwas deftiger, manch­mal etwas dumpfer. Fans der Marke freuen sich über zurück­kehrende Musik­stücke, doch es sind auch aller­lei neue Mari­achi-Klänge zu hören. Auch musikalisch kann Gua­camelee! 2 auf ganz­er Lin­ie überzeu­gen.

 

Fazit

Gua­camelee! 2 ist ein würdi­ger Nach­fol­ger gewor­den. Wer in Gua­camelee! Freude mit dem leicht zu erler­nen­den und schw­er zu meis­tern­den Kampf­sys­tem hat­te, der wird im Nach­fol­ger seine wahre Freude daran haben. Die motivierende neue Hand­lung und die durch­weg gelun­gene Tech­nik set­zen dem Spiel die Kro­ne auf. Wir beschließen den Test mit einem Screen­shot aus dem Spiel, der die anste­hen­den Diskus­sio­nen im Steam Com­mu­ni­ty­hub bere­its vor­greift und gut abbildet.

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