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Im Test: The Lost Child

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Auch wenn sich DRPGs (Dice­less Role-Play­ing Games; Rol­len­spiele, die nicht auf Zufalls­fak­toren basieren) nicht mehr der größten Pop­u­lar­ität erweisen, erscheinen ab und an doch noch Vertreter dieses Gen­res. Ab und an blitzen unter den faden DRPGs auch Dia­man­ten wie Etri­an Odyssey her­vor und zeigen das Poten­tial von Dun­geon Crawlern. The Lost Child ver­sucht dem Genre neue Impulse zu geben, scheit­ert dabei und bietet eine schwache Spiel­er­fahrung.

The Lost Child set­zt sich von vie­len Rol­len­spie­len dadurch ab, dass es in der Gegen­wart spielt. Hauptcharak­ter Hay­a­to bekommt in sein­er Arbeit als Reporter für ein Okkult­magazin Ärg­er mit Dämo­nen. Von dem Engel Lua, dem einzi­gen anderen per­ma­nen­ten Mit­glied eur­er Gruppe, erhält Hay­a­to das Gan­gour. Mit diesem Gerät kann er Dämo­nen ein­fan­gen und im End­ef­fekt die Geg­n­er, die ihm auflauern, bekämpfen. Das Spiel fokussiert sich nicht auf die Sto­ry, in der wenig Inter­es­santes bis kurz vor Schluss passiert. The Lost Child ist ent­fer­nt ver­wandt mit dem vorherge­hen­den Spiel des Entwick­lers El Shad­dai (XTgamer-Test). Für die eigentliche Geschichte spielt diese Verbindung keine Rolle.

Die Grund­formel von The Lost Child ist rel­a­tiv sim­pel. Das ken­nt man aus dem Port­fo­lio von Kadokawa Games. Ihr erfahrt durch Hin­weise, die bei dem Okkult­magazin einge­hen, über neue Areale, redet mit eini­gen Nicht-Spiel­er-Charak­teren und macht euch auf den Weg in den Dun­geon. Durch die Struk­tur der lin­earen Hand­lung besucht ihr Dun­geons zwar mehrfach, doch Anreize dazu darüber hin­aus nochmal ein bes­timmtes Ver­ließ zu betreten liefert das Spiel nicht.

Dun­geons sind in einem DRPG ein beson­ders wichtiger Bestandteil, doch in diesem Bere­ich ver­sagt das Spiel. The Lost Child bietet eine ansehn­liche Anzahl an zu erforschen­den Dun­geons, doch der Großteil lässt in Punk­to Lev­e­lar­chitek­tur und Rät­selde­sign zu wün­schen übrig. Die meis­ten Stock­w­erke enden noch dazu in Sack­gassen, ohne Schätze oder jegliche andere Beloh­nun­gen. So etwas kommt auch in anderen Dun­geon Crawlern vor, doch Spiele wie Mary Skel­ter (XTgamer-Test) ver­suchen es zumin­d­est den Spiel­er mit inter­es­san­ten Dun­geon-Designs bei der Stange zu hal­ten.

The Lost Child wird lediglich durch die Mechanik zum Fan­gen von Mon­stern vor dem völ­li­gen Unter­gang bewahrt. Zunächst kön­nt ihr mit dem Gan­gour lediglich Dämo­nen gefan­gen nehmen, später schnappt ihr euch auch alle Engel und sog­ar die gefal­l­enen. Das ist gar nicht schw­er. Ihr bringt ein­fach einen Geg­n­er mit ein­er Spezialat­tack­en, die das Gan­gour ermöglicht, um. Die Anzahl an Mon­stern, die ihr mit euch herumgeschleppt, ist nicht begren­zt. Hay­a­to und Lua kön­nen neben Erfahrungspunk­ten, mit denen sie im Lev­el auf­steigen, auch drei unter­schiedliche Arten von Kar­ma sam­meln. Let­zteres fungiert als Erfahrung für Mon­ster. Kar­ma wird  nicht direkt nach jed­er gewalt­täti­gen Auseinan­der­set­zung verteilt, wie es bei den Erfahrungspunk­ten der Fall ist, stattdessen verteilt ihr es nach Belieben an alle Mon­ster inner- und außer­halb eur­er Gruppe. Sam­melt ihr mit euren erfahre­nen Reck­en eine Menge Kar­ma, kön­nt ihr damit eure neuen Mon­ster blitzschnell aufleveln. Die Mechanik zum Mon­ster­fan­gen ist zwar ein­fach­er gehal­ten als in anderen Spie­len, stellt allerd­ings eine schöne Abwech­slung dar, da wir nicht ständig auf unsere aktiv­en Mon­ster acht­en müssten.

Das Fan­gen von Mon­stern macht Spaß, doch sobald wir sie in den Kampf schick­en sieht es anders aus. Das Kampf­sys­tem ähnelt ein­er Vielzahl an run­den­basierten DRPGs, set­zt sich aber auf­grund des Gan­gours leicht von der Konkur­renz ab. Das Gan­gour kann lediglich von Hay­a­to benutzt wer­den und verteilt ver­schiedene Attack­en, die von den Mon­stern in eur­er Gruppe befeuert wer­den. Die Attack­en funk­tion­ieren sich meist nach dem Schema “mache Schaden in Höhe von X durch das Y-Ele­ment” und stellen eine vergebene Chance dar, das Kampf­sys­tem aufzu­pep­pen.

Schlim­mer als die Tat­sache, dass das Gan­gour so fad umge­set­zt wurde, sind die ver­hun­zten Schwierigkeits­grade. Auf der Vor­e­in­stel­lung ist das Durch­spie­len von The Lost Child ein Kinder­spiel, ein paar Bosskämpfe ausgenom­men. Geg­n­er ster­ben hier nach einem Tre­f­fer und Bosse besiegt ihr durch ewige Wieder­hol­ung des stärk­sten Angriffs. Es ist gar nicht erforder­lich, eine aus­geglich­ene Gruppe auf die Beine zu stellen, da ihr mit Mon­stern, die über starke auf ein Ziel aus­gelegte Attack­en ver­fü­gen, den Kampf bere­its gewon­nen habt. Jet­zt fragt ihr euch vielle­icht, warum wir nicht auf eine schwierigere Ein­stel­lung wech­seln. Machen wir das, sind die Boss­geg­n­er extrem unfair und nur durch zahllose Stun­den an Grind­ing zu besiegen. Der Unter­schied zwis­chen den bei­den Schwierigkeitsstufen fällt viel zu drastisch aus. Das Spiel ist entwed­er viel zu ein­fach oder unglaublich frus­tri­erend. Das wirkt sich vor allem auf die Genauigkeit eur­er Angriffe aus, denn auf der hohen Stufe schlagt ihr viel öfter ins Leere.

Wie viele Vita-Spiele sieht die Umset­zung von The Lost Child für Heimkon­solen dürftig aus. Unser Test basiert im Übri­gen auf der PlaySta­tion 4-Ver­sion und das Spiel ist auch für die Nin­ten­do Switch erhältlich. Die Darstel­lung der Mon­ster ist fan­tastisch, da man jed­er Frak­tion einen eige­nen Stil ver­passt hat, doch die für alles ver­wen­de­ten niedrig aufgelösten Sprites ver­miesen die visuelle Pracht. Merk­würdi­ger­weise ist das Art­work der Hauptcharak­tere schlechter als das der übri­gen Fig­uren und der Mon­ster. Das sieht immer noch bess­er aus als die 3D-Areale. Ver­glichen mit den inter­es­san­ten Umge­bun­gen in Demon Gaze und Etri­an Odyssey sind die Dun­geons in The Lost Child lang­weilig und leb­los.

Fazit

Ich habe The Lost Child mit der Erwartung­shal­tung, einen ordentlichen Dun­geon Crawler zu erhal­ten, ange­fan­gen zu spie­len und größ­ten­teils ist das Spiel dem gerecht gewor­den. Das Spiel bietet die ein oder andere inter­es­sante Idee, hält sich größ­ten­teils aber an Gen­re­standards und ragt daher nicht aus der Konkur­renz her­vor. Das Spiel ist nur empfehlenswert, wenn ihr unbe­d­ingt einen neuen Dun­geon Crawler spie­len wollt.

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