Loading...
Test

Im Test: 2064 – Read Only Memories – INTEGRAL

Die defi­ni­ti­ve Ver­si­on des Point & Click-Adven­tures 2064: Read Only Memo­ries ist seit drei Wochen erhält­lich und wir haben das Spiel für euch auf Herz und Nie­ren – oder sol­len wir bes­ser sagen auf ROM und Hybrid – getes­tet.

Seit der Ver­öf­fent­li­chung der PC-Ver­si­on im Okto­ber 2015 wur­de Read Only Memo­ries (kurz ROM) aus dem Hau­se Mid­Boss – das wäh­rend der Ent­wick­lung des Spiels für Kon­tro­ver­sen sorg­te –  für Play­Sta­ti­on 4, Vita, Android/iOS und Xbox One umge­setzt. Auf die Beson­der­hei­ten der Nin­ten­do Switch-Ver­si­on wer­den wir im Lau­fe des Tests zu spre­chen kom­men.

Story – Träumen ROMs von menschlichen Emulatoren?

2064: Read Only Memo­ries ist in Neo-San Fran­cis­co (kurz Neo-SF) im namens­ge­ben­den Jahr in der Weih­nachts­zeit ange­sie­delt – eine auch in Video­spie­len popu­lä­re Sai­son wie aktu­el­le Ver­öf­fent­li­chun­gen wie Shen­mue I & II, Detroit: Beco­me Human und Yaku­za Kiwa­mi 2 bewei­sen. Das Spiel ver­sprüht eine dich­te Atmo­sphä­re, die von Cyber­punk geprägt ist und von ver­schie­de­nen pop­kul­tu­rel­len Inhal­ten geprägt wur­de. In vie­len Gen­re­kon­kur­ren­ten seid ihr eine namen­lo­se Figur, doch in ROM dürft ihr euren Cha­rak­ter einen Namen und ein Geschlecht ver­lei­hen. Das wird zumin­dest in den Text­dia­lo­gen berück­sich­tigt, aus­ge­spro­chen wird der Name hin­ge­gen nie. Bis zu Weih­nach­ten sind es nur noch weni­ge Tage und eines mor­gens sitzt ein klei­ner Robo­ter auf dem Tisch des Jour­na­lis­ten bzw. der Jour­na­lis­tin, des­sen bzw. deren Rol­le ihr ver­kör­pert. Turing ist die Krea­ti­on eines füh­ren­den Wis­sen­schaft­lers der mäch­ti­gen Fir­ma Par­al­lax namens Hay­den und soll der ers­te intel­li­gen­te Robo­ter wer­den. Hay­den ist ver­schwun­den und gemein­sam mit Turing und einem kun­ter­bun­ten Ensem­ble an Figu­ren macht ihr es euch zum Ziel, sein Schick­sal auf­zu­klä­ren und die Ver­ant­wort­li­chen zur Rechen­schaft zu zie­hen.

Das Kom­plott um den Mega­kon­zern mag nicht hun­dert­pro­zen­tig ori­gi­nell sein, doch die immer enger wer­den­de Bin­dung zu Turing und die span­nen­den The­men, die das Spiel behan­delt, las­sen uns wei­ter mit­fie­bern. Es geht u. a. um die Bedeu­tung von Iden­ti­tät, den Geburt eines neu­en Vol­kes und was es bedeu­tet Mensch zu sein – hat David Cage bei Mid­Boss ange­klin­gelt, bevor er knapp drei Jah­re spä­ter mit Detroit ein Spiel mit sehr ähn­li­chen The­ma­ti­ken auf den Markt gebracht hat? Die­se The­men sind zuge­ge­be­ner­ma­ßen der­zeit all­ge­gen­wär­tig und Mid­Boss behan­delt sie in 2064: Read Only Memo­ries im Rah­men einer sehr per­sön­li­chen Geschich­te eines erwa­chen­den Robo­ter-Pro­to­typs.

Anfangs ste­hen sich bei­de noch distan­ziert gegen­über, doch schon bald wächst uns das schüch­ter­ne eigen­wil­li­ge Ding ans Herz. Auch abseits der Haupt­ge­schich­te erzählt 2064: Read Only Memo­ries inter­es­san­te Schwän­ke aus den Leben der eigen­tüm­li­chen Cha­rak­te­re. Da wären z. B. die bei­den rebel­lie­ren­den Teen­ager Oli und Chad, die mit “Punks” ihr eige­nes spiel­ba­res sepa­rat anwähl­ba­res Pre­quel besit­zen und im Clinch mit ihren in der Orga­ni­sa­ti­on “Human Revo­lu­ti­on” (kurz “HR”) mit­wir­ken­den Eltern ste­hen, Jess – die­ser Hybrid aus Mensch und Kat­ze hat mit den Aus­ein­an­der­set­zun­gen einer gespal­te­nen Gesell­schaft zu kämp­fen – oder Doc­tor Fair­light (nicht zu ver­wech­seln mit dem enthu­si­as­ti­schen Detek­tiv Bob­by Full­bright aus Ace Attor­ney), einem ehe­ma­li­gen Vor­stands­mit­glied von Par­al­lax und des­sen Assis­tent Dek­ker uns stark an einen ähn­lich benann­ten Kopf­geld­jä­ger aus einem sehr popu­lä­ren Cyber­punk-Film erin­nert. Der Cast an Neben­cha­rak­te­ren ist so bunt und gut aus­ge­ar­bei­tet, dass uns die kecken Dia­lo­ge bei­zei­ten an Cap­coms oben genann­te Anwalts­spiel­rei­he erin­nern. Wo wir gera­de bei Refe­ren­zen sind: ROM ver­fügt über Dut­zen­de meist sub­ti­len pop­kul­tu­rel­len Anspie­lun­gen. Das abge­dreh­te Mul­ti­play­er­ga­me Duck Game wird hin­ge­gen ganz offen in der ört­li­chen Has­sy Bar bewor­ben und ein bestimm­ter auf Tratsch spe­zia­li­sier­ter US-ame­ri­ka­ni­scher TV-Sen­der bekommt hier sein Fett weg.

  

Die Beson­der­heit an der über­ar­bei­te­ten 2064: ROM-Ver­si­on ist, dass alle Dia­lo­ge von hoch­klas­si­gen Syn­chron­spre­chern ver­tont wur­den. Melis­sa Hut­chi­son, vie­len aus Tell­ta­les The Wal­king Dead für die Ver­kör­pe­rung der Rol­le von Cle­men­ti­ne bekannt, spricht die Haupt­fi­gur Turing, Dave Fen­noy (in The Wal­king Dead sprach er Lee) führt als Spre­cher durch die sechs Kapi­tel und You­Tube-Star Jim Ster­ling ver­leiht dem Anfüh­rer der Anti-Aug­men­tie­rungs­be­we­gung Human Revo­lu­ti­on namens Bri­an Mul­ber­ry sei­ne unver­gleich­li­che Stim­me. Alle Cha­rak­te­re wur­den durch die Bank gut besetzt und die tol­len Voice-Overs sor­gen gemein­sam mit dem düs­te­ren Sound­track für eine tol­le Atmo­sphä­re, die uns für zehn Stun­den in die dys­to­pi­sche Welt von Neo-SF geso­gen haben.

 

Gameplay – Hassy schon gesehen

Im Gen­re de Point & Click-Adven­tures erfin­det 2064: Read Only Memo­ries das Rad nicht neu. Es fühlt sich bei­zei­ten eher als Visu­al Novel an, da man einer fest vor­ge­ge­be­nen Sto­ry folgt und sich von einem Dia­log-Bild­schirm zum nächs­ten klickt. ROM bie­tet trotz­dem etwas Ent­schei­dungs­frei­raum und Abwechs­lung. Auf der von Turing ver­wal­te­ten Kar­te schal­tet ihr im Lau­fe des Spiels immer neue lie­be­voll gestal­te­te Schau­plät­ze inner­halb Neo-SF frei, dar­un­ter die sehr an eine welt­be­kann­te Kaf­fee­haus-Ket­te erin­nern­de Has­sy Bar, den fried­li­chen Gol­den Gate Park, die Bar­ca­de Stardust (sogar mit Mini­spiel, aber ohne spiel­ba­res Vir­tua Figh­ter) und eine Ser­ver­farm des Par­al­lax-Kon­zerns. Zwar kön­nen wir die­se Loka­li­tä­ten nach eige­nem Gus­to berei­sen, der Fort­schritt in der Sto­ry ist hin­ge­gen line­ar.

Das klas­si­sche Point & Click-Game­play ist zwar im Ver­gleich zu Tell­ta­le-Spie­len umfang­rei­cher, for­dert Adven­ture-Vete­ra­nen mit seich­ten Rät­seln nicht beson­ders stark. Mini­spie­le lockern hier und da auf. So müs­sen wir etwa die Ampeln in Neo-SF so mani­pu­lie­ren, dass wir ein Auto­cab, ein auto­ma­tisch fah­ren­des Taxi, in die Fal­le locken. An ande­rer Stel­le schie­ßen wir uns im Rail-Shoo­ter-Stil den Weg frei. Dar­über hin­aus dür­fen wir einen fet­ten Weih­nachts­rap für einen… auf­stei­gen­den Rap­per schrei­ben. Die­se Pas­sa­gen sind rar und gut umge­setzt. Sie erin­ner­ten uns in ihrer Qua­li­tät und Häu­fig­keit an das Game­play der Free­bird-Spie­le (To The Moon, Fin­ding Para­di­se).

Inner­halb der Dia­lo­ge müs­sen Ent­schei­dun­gen getrof­fen wer­den, die sich auf Turings Sicht auf die Welt aus­wir­ken – soll unser mecha­ni­scher Freund der Welt mit Vor­sicht ent­ge­gen­tre­ten oder sich offen aus­le­ben, euch bleibt die Qual der Wahl. Eure Ent­schei­dun­gen wir­ken sich nicht nur dar­auf aus, wie ande­re Figu­ren auf euch reagie­ren, sie füh­ren zu einem von sechs unter­schied­li­chen Enden. Die Spiel­zeit beträgt cir­ca zehn Stun­den und durch die unter­schied­li­chen Enden regt 2064: Read Only Memo­ries zum Wie­der­spie­len an.

Switch-Version – Wirklich so INTEGRAL?

Als ein­zig Fas­sung bekommt die Nin­ten­do Switch-Ver­si­on den Zusatz INTEGRAL spen­diert. Die Boni fin­den sich in einem eigen­stän­di­gen Menü­punkt wie­der. Hier dür­fen wir die rüh­ren­de kur­ze Vor­ge­schich­te Punks spie­len. Dar­über hin­aus dür­fen wir uns Art­works und Kon­zept­zeich­nun­gen anse­hen oder Cha­rak­ter­pro­fi­le stu­die­ren, wäh­rend wir den ein­zel­nen Musik­stü­cken des Sound­tracks lau­schen. Auf dem PC muss­te man für die Erwei­te­run­gen “Sounds & Sights of Neo-SF” anfäng­lich noch zah­len, mitt­ler­wei­le gibt’s jedoch ein Bund­le, das Spiel und DLC ohne Auf­preis umfasst und der INTE­GRAL-Ver­si­on auf der Switch ent­spricht. So exklu­siv, wie ange­prie­sen, sind die Inhal­te der Switch-Ver­i­son also nicht, doch sie run­den das gelun­ge­ne Gesamt­pa­ket sinn­voll ab.

Visu­ell über­zeugt 2064: Read Only Memo­ries sowohl im TV-Modus in Full HD als auch im Hand­held-Modus in HD, in dem wir das Spiel fast aus­schließ­lich gespielt haben, mit einer char­man­ten Umset­zung des stets popu­lä­ren Pixel­art-Stils. Per­for­mance-Pro­ble­me und Abstür­ze konn­ten wir nicht fest­stel­len. Auf­grund sei­ner Struk­tur und Umset­zung, die einem Hör­buch ähnelt, bie­tet es sich an das Spiel auf der Switch im Hand­held-Modus zu spie­len. So kann man kurz vor dem Ein­schla­fen noch ein hal­bes Kapi­tel spie­len und sei­nen Fort­schritt jeder­zeit in einem ver­steck­ten Menü auf unter­schied­li­chen Spiel­stän­den spei­chern. Das Spiel spei­chert auch auto­ma­tisch in unre­gel­mä­ßi­gen Abstän­den. Das Adven­ture kann sowohl mit Joy-Cons als auch mit dem Switch Pro Con­trol­ler ange­gan­gen wer­den. Für den Touch­screen haben die Ent­wick­ler im Hand­held­mo­dus kei­ne Ver­wen­dung gefun­den.

Fazit

2064: Read Only Memo­ries erzählt eine span­nen­de Geschich­te vor einem inter­es­san­ten Cyber­punk-Hin­ter­grund und bie­tet toll geschrie­be­ne Cha­rak­te­re bzw. Dia­lo­ge. Bin­nen weni­ger Stun­den haben wir Turing in unser Herz geschlos­sen – die ble­cher­ne Ver­si­on der Stim­me Cle­men­ti­ne hat hier­bei gewiss gehol­fen – und über­le­gen reif­lich, in wel­che Rich­tung wir ihr Schick­sal len­ken. Das Ende sorgt mit einem toll insze­nier­ten Show­down zwar für Ner­ven­flat­tern, ent­täuscht letzt­end­lich man­gels spür­ba­rer Kon­se­quen­zen eures Han­delns. Spie­le­risch wer­den Poin & Click-Fans ent­täuscht, da man ins­ge­samt zu wenig ent­de­cken kann und sel­ten vor Rät­sel gestellt wird. Sucht ihr nach einer char­mant geschrie­be­nen Visu­al Novel, die eine dich­te Cyber­punk-Atmo­sphä­re ver­sprüht, liegt ihr mit 2064: Read Only Memo­ries rich­tig und wer­det über eine ver­gleichs­wei­se lan­ge Spiel­dau­er über gut unter­hal­ten.

Twitch Live Stream is ONLINE
Twitch Live Stream is OFFLINE