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Im Test: Shining Resonance – Refrain

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Die Shining-Series glänzt seit vielen Jahren mit Abwesenheit von der westlichen Videospielszene. In dieser Zeit hat sich die Serie stark von dem Bild, an das sich Fans erinnern, verändert. Grafikstil und rundenbasiertes Kampfsystem der klassischen Spiele wurden über Bord geworfen. Shining Resonance: Refrain ist für viele Spieler der erste Berührungspunkt mit der Serie und das ist eine Schande, denn es zeigt wie tief die Serie gesunken ist.

Shining Resonance wurde in Japan ursprünglich für die PS3 veröffentlicht. Es erzählt die Geschichte von Yuma und der Seele eines mächtigen Drachens, die sich in ihm befindet. Er bekämpft das Imperium, welches die Kontrolle über die Superkräfte aller mythologischen Drachen erlangen möchte. Yuma schließt sich mit den Dragoneers zusammen. Die Dragoneers sind Krieger, die mit Hybriden aus Waffen und Instrumenten, sogenannten Armonics, kämpfen. Im Laufe seines Abenteuers findet Yuma mehr über das Imperium und die düstere Vergangenheit dieser Welt heraus.

Die übergreifende Handlung von Shining Resonance leidet in großem Maße daran zu kurz erzählt zu werden. Lediglich an wenigen Punkten haben sich die Entwickler ausreichend Zeit genommen, das Imperium oder den allumfassenden Konflikt in dieser Welt auszuarbeiten. Die Darstellung der Welt ist farblos. Das Erforschen neuer Gebiete gestaltet sich langweilig, denn es fehlt an Hintergrundgeschichten und Wahrzeichen. Das Land Alfheim, in dem die Story von Shining Resonance angesiedelt ist, ist nichts anderes als eine Reihe von Umgebungen, die auf weder auf irgendeine Weise miteinander verbunden noch mit interessanten Geschichten gefüllt wurden. Die Heimatwelt des Imperium, die konstant in der Story Erwähnung findet, bekommt man nicht ein einziges Mal zu Gesicht.

In Punkto Hintergrundgeschichte und Charakterentwicklung hat man zumindest die Gruppe an spielbaren Figuren etwas besser ausgearbeitet, doch die Umsetzung ist aufgrund der Struktur des Spiels mangelhaft. Die Protagonisten wohnen manchmal besonderen Ereignissen in Städten bei, durch die wir mehr über sie selbst und ihre Motivationen erfahren. Ist eure Freundschaft zu einem Charakter stark genug, könnt ihr euch mit ihm im lokalen Gasthof unterhalten und euch darüber hinaus verabreden, um ihn noch besser kennenzulernen. Das Problem daran ist, dass das Freischalten von neuen Ereignissen und das Steigern der Freundschaftsstufe mühsam ist.

Stehen euch keine neuen Ereignisse in der Stadt zur Verfügung, ist es erforderlich eine Nacht im Gasthof zu verbringen. Nachdem ihr dieses Schema so oft wiederholt habt, bis in diesem Storyabschnitt keine neuen Ereignisse zur Verfügung stehen, könnt ihr eure Freundschaftsstufe grinden. Das geschieht dadurch, dass ihr mit jedem Charakter so lange in den Kampf zieht, bis ihr abends mit ihm plaudern könnt. Zusätzlich müsst ihr darauf hoffen, dass die Zuneigung der jeweiligen Figur so hoch ist, dass ihr sie zu einem Date in der Stadt ausführen könnt. Der Vorgang in der eigenen Gruppe neue Freundschaften zu schließen ist bereits langweilig, doch das Ganze für jeden spielbaren Charakter zu wiederholen, nimmt zu viel Zeit in Anspruch. Die modernen Persona-Spiele zeigen, dass man Beziehungen zu Charakteren aufbauen kann, ohne dass der Spieler jeweils stundenlang grinden muss.

Shining Resonance: Refrain ist spielerisch mau. Eingangs wird das Bild vermittelt, dass die Welt von Alfheim riesig und voller Areale, die besucht werden können, ist. Schon bald findet ihr heraus, dass das nicht zutrifft. Es gibt nur eine kleine Anzahl an unterschiedlichen Gebieten und ihr müsst sie ständig erneut besuchen, da die Story viel Backtracking von euch erfordert. Die Wege sind kurz, doch die stetigen Wiederholungen werden schnell lästig. Die Welt ist leblos, die einzelnen Abschnitte sind linear und regen nicht gerade zum Erforschen an. Die Tatsache, dass das Spiel über keine Dungeons und lediglich über eine kleine langweilige Stadt verfügt, ist hierbei nicht förderlich.

Bei den Kämpfen hätte es sich angeboten, dem Überdruss zum zigsten Mal die gleichen Areale zu durchlaufen, Abhilfe zu schaffen, doch das Kampfsystem in Shining Resonance: Refrain motiviert nicht über die ersten Spielstunden hinaus. Jeder Charakter verfügt über einen schwachen und einen starken Angriff sowie vier Fertigkeiten, die außerhalb des Kampfes festgelegt werden können. Die Kombos sind einfach gehalten, da man lediglich ein paar leichte mit einer schweren Attacke oder einer Fähigkeit verknüpfen kann. Anders als in vergleichbaren Action-Rollenspielen wie der Tales-Serie gibt es keine interessanten Kombos, die vollführt werden können. Der Mangel an interessanten Skills und Kombos verhindert, dass die Kämpfe jemals Spaß machen. Die Art, wie ihr kämpft, verändert sich in den 30 Spielstunden nicht.

Yuma besitzt die Gabe, Magiepunkte (MP) dazu zu nutzen, sich in einen Shining Dragon zu verwandeln. Diese Mechanik deckt weitere Schwächen im Kampfsystem des Spiels auf. Die Angriffe des Shining Dragon sind gewaltig, sie können mehrere Gegner auf einmal treffen und sie können in kurzer Abfolge verwendet werden, ohne kurz zu pausieren wie es in normalen Kombos der Fall ist. Durch diese Fähigkeit ist Yuma weitaus stärker als der Rest des Ensembles. Das führt dazu, dass ihr fortan keinen anderen Charakter einsetzt, wenn ihr die Bossgegner schnell besiegen wollt.

Apropos, die Bosskämpfe sind der totale Reinfall. Der Großteil von Shining Resonance: Refrain ist leicht zu meistern. Das erlaubt es euch, von Zeit zu Zeit die Charaktere auszutauschen. Im letzten Spieldrittel sind die Bosse hingegen viel höher gelevelt als eure Gruppe. Hegt ihr eine Abneigung gegen Grinden für Erfahrungspunkte, seid ihr im Grunde dazu gezwungen mit Yuma anzutreten, um nur den Hauch einer Chance in den Bosskämpfen zu haben. Zum plötzlichen Ansteigen des Schwierigkeitsgrades kommt hinzu, dass eure Charaktere aufgrund der miserablem Künstliche Intelligenz (KI) kopflos umher laufen und rapide ihre MP verschwenden. Es gibt zwar eine Mechanik, die es euch erlaubt das Verhalten eurer Gruppenmitglieder anzupassen, doch die ist so stumpf, dass ihr besser so tut als gäbe es sie nicht.

Der Umzug auf die aktuelle Konsolengeneration bringt zumindest ein paar Vorteile mit sich. Die Charaktermodelle sehen in 1080p großartig aus, auch wenn sie sich teilweise von den 2D-Artworks unterscheiden. Die Umgebungen sind weniger eindrucksvoll. Einige davon würden auch gut zu einem PS2- oder einem späten PS3-Spiel passen. Die Bildwiederholungsrate bleibt größtenteils stabil, sie bricht ab und an unnötigerweise in Kampfsituationen ein.

Die bedeutendere Neuerung ist die Integration aller Download-Erweiterungen (DLC), die bislang für das Spiel erschienen sind, und der neu hinzugekommene Refrain-Modus, der bei einem erneuten Durchgang angewählt werden kann. Dieser Modus bietet zwei neue für die Story relevante Charaktere und eine kleine Anzahl an zusätzlichen Inhalten für die Zeit, nachdem ihr das Spiel abgeschlossen habt. Diese neuen Charaktere erweitern die magere Auswahl an Party-Mitgliedern, doch es ist enttäuschend, dass die Hauptgeschichte nicht entsprechend angepasst wurde. Eine der neuen Figuren ist in Auseinandersetzungen so schwach, dass es kaum Anreize dafür gibt, ihn einzusetzen. Außer einigen neuen Kostümen, die größtenteils für den weiblichen Teil der Charaktere ausgerichtet sind, fügt Refrain dem unzulänglichen Hauptspiel wenig hinzu.

Fazit

Es wäre eine Menge Arbeit erforderlich gewesen, um eine Veröffentlichung des Spiels auf modernen Konsolen zu rechtfertigen. Anders als Dragon’s Crown, das bereits vor der Neuauflage ein großartiges Spiel war und das nicht viele Neuerungen benötigte, war Shining Resonance ein außerordentlich durchschnittliches Rollenspiel, das in vielen Bereichen hätte verbessert werden können. Es ist eine Schande, dass die eklatanten Probleme des Originalspiels in Refrain nicht ausgemerzt wurden. So wäre es besser gewesen, wenn das Spiel weiterhin in der Versenkung verschwunden geblieben wäre.

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