Loading...
Test

Im Test: Velocity 2X

Vertikal-Shooter gibt es wie Sternenstaub im Weltall. Velocity 2X ist ein auf Hochglanz poliertes ParadestĂŒck des Genres. In unserem Test erfahrt ihr, wie es sich auf der Nintendo Switch spielt.

Seit 15 Jahren entwickelt FuturLab aus dem englischen Brighton Videospiele. Bekannt wurde das Studio durch Coconut Dodge fĂŒr mobile EndgerĂ€te und fĂŒr PlayStation 3, PSP und PS Vita. Zuletzt hat das Studio im Mai 2017 Tiny Trax fĂŒr Sonys PSVR veröffenlicht (unser Test).

Am 2. Mai 2012 erschien ihr Game Velocity auf der PlayStation minis-Plattform (wir berichteten). Solche Spiele waren sowohl auf der stationĂ€ren PlayStation 3 als auch auf der mobilen PSP spielbar. Sony hat dieses Konzept spĂ€ter mit Cross-Buy, -Play und -Save auf PS4 und PS Vita weitergefĂŒhrt. Velocity wurde spĂ€ter in einer Ultra-Version mit schönerer Grafik und einer kleinen Story, die anhand von Standbildern erzĂ€hlt wurde, fĂŒr PS Vita, PS3 und PC neu aufgelegt (wir berichteten). Velocity 2X basiert in großen Teilen auf dem Original, wurde allerdings visuell und spielerisch umfassend ĂŒberarbeitet und mit einer neuen umfassenderen Story versehen. Das Spiel erschien am 2. September 2014 fĂŒr PS4 und PS Vita und wurde zwischenzeitlich fĂŒr PC und Xbox One umgesetzt. Die Nintendo Switch-Version, die von Curve Digital und FuturLab entwickelt wurde, ist heute erschienen. Unser Test basiert auf den Versionen fĂŒr Switch sowie PS4/Vita.

Story

In der Rolle von Leutnant Kai Tana macht ihr euch dazu auf zu verhindern, dass das böse Volk der Vokh die Kontrolle ĂŒber die Galaxis ĂŒbernimmt. Hjun Ralan III. steht euch dabei mit Rat und Tat beiseite. Er ist ein Jintanda, die von dern Vokh unterjocht wurden. Mit ihrem Quarp-Jet kĂ€mpft sich Kai durch Vokh-Armeen bis zu deren AnfĂŒhrer Glaive durch, um dem bösen Spiel ein Ende zu setzen.

Die Geschichte von Velocity 2X wird in statischen Bildern vor jedem der 50 Level erzĂ€hlt. Die Zeichnungen der Charaktere sind sehr detailliert. Die Textdialoge wurden vollstĂ€ndig und gut in die deutsche Sprache ĂŒbersetzt. Die Handlung selbst schafft es nicht, die Hauptmotivation zum Weiterspielen zu sein. Zwar wuchs uns der knuffige Jintanda mit der Zeit ans Herz, im Grunde dient die Geschichte allerdings als Vehikel, um euch neue FĂ€higkeiten zu verleihen.

Gameplay

Velocity 2X ist ein Vertikal-Shooter, in dem ihr euren Quarp-Jet von ganz unten an den oben befindlichen Levelausgang manövrieren mĂŒsst. Das Alleinstellungsmerkmal dieses FluggerĂ€ts ist seine FĂ€higkeit sich zu teleportieren – Fachterminus Short Form Teleport. Haltet ihr eine Schultertaste gedrĂŒckt und bewegt den linken Stick, könnt ihr euch an eine beliebige Stelle in der unmittelbaren Umgebung setzen. Daneben habt ihr auch eine Bordkanone, mit der ihr nach vorn feuern könnt. Im Laufe der Kampagne stoßen weitere Features hinzu. So könnt ihr mit B + linkem Analog-Stick oder ĂŒber den rechten Analog-Stick Bomben in alle Himmelsrichtungen abfeuern. Euer Quarp-Jet kann mit der BetĂ€tigung der Y-Taste darĂŒber hinaus Telepods abwerfen. Auf der Karte wĂ€hlt ihr dann den gewĂŒnschten RĂŒcksetzpunkt an und das Spiel setzt euch blitzschnell ohne Ladezeit dorthin zurĂŒck.

Als Neuerung könnt ihr in Velocity 2X die direkte Rolle ĂŒber Kai aus der 2D-Side-Scroller-Perspektive ĂŒbernehmen und feindliche Basen, die sich als wahre Hindernisparcours herausstellen, aushebeln. Kai kann springen, sprinten und sich hinter fiese Vokh-WĂ€chter teleportieren. DarĂŒber hinaus kann auch sie Telepods werfen, um gefĂ€hrliche Stellen zu ĂŒberwinden oder um sich spĂ€ter an eine wichtige Stelle zurĂŒcksetzen zu lassen. Mit dem rechten Analog-Stick feuert Kai stufenlos in alle Richtungen, sie kann allerdings mit B auch eine kurze Lasersalve aus ihrem Rekenium-Gewehr ausstoßen.

Unsere Eingaben werden blitzschnell auf dem Bildschirm umgesetzt. Die SchĂŒsse in den Side-Scroller-Abschnitten könnten etwas prĂ€ziser sein. Wir hatten auf der PS4 und PS Vita weniger Probleme Ziele abzuschießen als mit den Joy-Cons auf der Switch. Mit etwas Übung klappt das Schießen aber passabel.

In den 50 Level gilt es unterschiedliche Aufgaben zu bewĂ€ltigen. Diese reichen von “knalle alle Gegner ab” ĂŒber “schließe das Level so schnell wie möglich ab” bis hin zu “rette alle Überlebenden”. Sonderlich innovativ sind diese Ziele zwar nicht, es macht trotzdem sehr viel Spaß sie zu erfĂŒllen. Die unterschiedlichen Ziele sorgen fĂŒr Geschwindigkeitswechsel und Abwechslung. Die Level glĂ€nzen zudem mit einem ausgefuchsten Leveldesign.

Habt ihr ein Level mit sehr vielen Gegnern angewĂ€hlt, könnt ihr euch auf LasertĂŒrme und Vokh-Patrouillen einstellen. In den Highspeed-Abschnitten ist eure ManövrierfĂ€higkeit mit dem Quarp-Jet gefragt. WĂ€hrend euch Geschwindigkeitsbooster in die nĂ€chste Levelbegrenzung fĂŒhren, wird der Teleport im Dauerfeuer betĂ€tigt. Sollt ihr hingegen alle Kapseln mit Überlebenden bergen, setzt FuturLab nochmals eine Schippe drauf. Die unĂŒberwindbaren Laserbarrieren verschwinden nur, wenn wir die nummerierten und spĂ€ter auch noch farbcodierten Schalter betĂ€tigen. Gegen Ende finden wir uns in komplexen Labyrinthen wieder, in denen wir auf gut platzierte Telepods und die Hilfe der Karte angewiesen sind. Top: Die Zeit tickt beim Aufrufen der Karte nicht weiter runter. Die als nĂ€chstes zu aktivierenden Schalter werden zudem hervorgehoben, was der Orientierung in den verschachtelten Level zu Gute kommt.

Es gibt zudem eine Hand voll BosskĂ€mpfen, denen ihr euch zu stellen habt. Diese laufen jedes Mal nach dem gleichen Schema: Der Bildschirm ist eingerahmt von farbcodierten Zahlenschaltern, die wir nacheinander mit gezielten BombenabwĂŒrfen vernichten mĂŒssen – wĂ€hrend wir wohlgemerkt zirkulierenden Laserstrahlen, Geschosswellen und kleinen Kommandoschiffen ausweichen. Hier fĂŒhlt sich das Spiel wie ein Bullethell-Shooter an. Daraufhin zerschießen wir den Eingang und finden uns im Innern des gegnerischen Schiffes wieder. Hier warten herausfordernde PlatformerrĂ€tsel auf uns, die die gesamte Bandbreite an Kais erworbenen FĂ€higkeiten erfordern. Diese BosskĂ€mpfe spielen sich in sich genommen sehr abwechslungsreich, da die Schiffe sehr interessante RĂ€tsel auf engstem Raum beherbergen. Das verknĂŒpfende Bullethell-Element wirkt hingegen als Mittel zum Zweck und spielt sich etwas eintönig, da der Bossgegner stets gleich agiert.

Sobald ihr die Feinheiten der Steuerung herausgefunden habt, entfaltet Velocity 2X einen Flow, den wir selten in anderen Videospielen erlebt haben. FuturLab hat es sogar geschafft, den Wechsel der Zu Fuß-Abschnitte und der Jet-FlĂŒge nahtlos ineinander ĂŒbergehen zu lassen. Die Steuerung ist in beiden Gameplay-Bereichen Ă€hnlich gehalten, was der Aufwand an Umgewöhnung zwischen beiden Bereichen erheblich minimiert. Zu keinem Zeitpunkt hatten wir das GefĂŒhl, dass ein Weltraumlevel durch eine forcierte Landung in einer Basis unterbrochen oder gar kĂŒnstlich verlĂ€ngert wird. Gegen Ende des Spiels fĂŒhrt FuturLab dann die namensgebende 2X-Mechanik ein. Wir möchten euch die Überraschung nicht verderben. Soviel sei gesagt: Selbst Profis mĂŒssen hier gehörig umdenken und finden eine neue Herausforderung.

Am Ende jedes Levels werdet ihr bewertet. Die Kategorien fallen je nach Levelziel unterschiedlich aus, darunter Anzahl der erfolgten Rettungen, der gesammelten Rekenium-Kristalle und der durch AbschĂŒsse gewonnene Punkte. ZusĂ€tzlich wird auch die von euch benötigte Zeit gemessen. FĂŒr jede dieser Kategorien gibt es Gold-, Silber- und Bronze-Ziele, die eurem Konto unterschiedlich viel Erfahrungspunkte zufĂŒhren. Mit den erzielten Erfahrungspunkten schaltet ihr neue Level frei. Erst gegen Ende hin mussten wir einige Level von neuem spielen, um die fĂŒr die Freischaltung der nĂ€chsten Level erforderliche Zahl an Erfahrungspunkten zu bekommen. Profis erfĂŒllen direkt alle geforderten Ziele und erhalten eine Medaille mit der Aufschrift “Perfekt”. Bonuspunkte gibt es dafĂŒr allerdings nicht. Das Belohnungssystem funktioniert hervorragend und motiviert dazu, eure eigenen Bestzeiten und die eurer Freunde zu schlagen. FĂŒr jedes Level gibt es nĂ€mlich auch Online-Ranglisten, die nach Freunden und weltweitem Ranking gefiltert werden können.

Im Flugcomputer können allerlei Extras wie Konzeptzeichnungen, Kais TagebucheintrĂ€ge und ein Codex mit allen Völkern, Feinden, VerbĂŒndeten, Gebieten und AusrĂŒstungsgegenstĂ€nden eingesehen werden. Sogar ein Taschenrechner findet sich dort wieder.

Es gibt drei Erweiterungspakete fĂŒr Velocity 2X, die in der Retail-Fassung fĂŒr PS4 und PS Vita und in der Nintendo Switch-Version ohne zusĂ€tzliche Kosten enthalten sind. Das ACHTUNG-Paket bietet sechs auf Speed getrimmte Level. Im Dual Core Pack darf man in zehn Level die in der Kampagne etwas zu kurz kommende 2X-Mechanik vollends auskosten. Das TĂ€glicher-Sprint-Paket ist selbsterklĂ€rend. Die tĂ€glichen Herausforderungen sind zufallsgeneriert und bieten allen, die bereits alle 66 Spiele der Kampagne und der beiden o.g. DLCs gemeistert haben, stetig neue Inhalte. Zum Testzeitpunkt haben die Online-Ranglisten fĂŒr Kampagne und DLCs noch nicht ordnungsgemĂ€ĂŸ funktioniert.

Jedes Level ist nur wenige Minuten lang, daher eignet es sich ideal fĂŒr das kurze Zocken unterwegs mit der Switch oder PS Vita. Trotz all dieser Features betrĂ€gt die gesamte Spielzeit fĂŒr erfahrene Spieler lediglich drei bis vier Stunden. Neulinge können eine Hand voll Stunden draufrechnen. Wir hĂ€tten angesichts des veranschlagten Preises von 20 Euro noch ein paar Bonuslevel erwartet, besonders angesichts der Tatsache, dass das Spiel bereits vier Jahre alt ist und Spieler der PlayStation-Fassung lediglich den Bonus der enthaltenen Erweiterungen haben, sollten sie diese nicht bereits erworben haben.

Technik

Velocity 2X sieht sowohl auf einem mit einer PlayStation 4 oder Nintendo Switch verbundenen großen Fernseher als auch auf dem OLED-Bildschirm der PlayStation Vita und der Switch im Handheld-Modus fantastisch aus. Die OberflĂ€chen der Raumstationen, die wir erkunden, sind plastisch, Sternenbilder, Planeten und Nebulas funkeln im Hintergrund und SchĂŒsse ergeben schöne Partikeleffekte. Es gibt unterschiedliche Themen wie Eis und Pflanzenbewuchs, die sich hauptsĂ€chlich auf die Außenpassagen auswirken. Sind wir mit Kai im Innern von Raumschiffen unterwegs, sehen wir oft die gleichen HintergrĂŒnde.

Auf allen drei Plattformen lĂ€uft der Shooter in butterweichen 60 Bildern pro Sekunde. Die Auflösung betrĂ€gt auf den stationĂ€ren Konsolen 1080p/Full HD, spielt man Velocity 2X unterwegs auf der Switch, wird es in 720p/HD dargestellt. WĂ€hrend wir in den PlayStation-Versionen keinerlei Probleme mit der Bildwiederholungsrate feststellen konnten, sieht es bei der Nintendo Switch anders aus. Wir haben das Spiel intensiv im Handheld-Modus gespielt. Hier lĂ€uft das Spiel in den ersten zwei Dutzend Level durchgehend flĂŒssig. Sobald die dynamische Kamera jedoch einmal rauszoomt und zahlreiche Gegner, die ihr mit eurem Quarp-Jet bekĂ€mpft, darstellt, bricht die Framerate enorm ein und wir betrachten das Spiel in Zeitlupe. Das haben wir im letzten Spieldrittel in einer Hand voll Level festgestellt und hoffen auf eine baldige Ausmerzung mittels Patch. Diese plötzliche Verlangsamung des Spieltempos reißt den Spieler aus dem Flow, der das Markenzeichen der Franchise darstellt.

FĂŒr die Erstversion von Velocity entwickelte Tausendsassa James Marsden, der noch dazu maßgeblich fĂŒr die Entwicklung aller Velocity-Spiele verantwortlich ist, noch eigenhĂ€ndig die Musik.  In der Entwicklung von Velocity 2X entschied man sich dazu prominente Hilfe zu suchen und ließ Joris de Man (Killzone 2, Horizion: Zero Dawn) die ikonischen Velocity-StĂŒcke ĂŒberarbeiten. Der von Dance-/Electro-Liedern geprĂ€gte Soundtrack passt sehr gut gut zur Weltraumthematik des Spiels und trĂ€gt einen enormen Anteil dazu bei, dass sich Velocity 2X so gut spielt und man es gar nicht mehr weglegen möchte.

Die Ladezeiten zwischen dem Abschluss eines Levels und der RĂŒckkehr ins HauptmenĂŒ sind auf der Switch etwas lĂ€nger als auf den PlayStation-Systemen. Spielt man nur ab und an, fĂ€llt das nicht ins Gewicht. Bei lĂ€ngeren Spielsitzungen fĂ€llt dieses Detail jedoch störend auf.

Fazit

Velocity 2X ist ein exzellenter Vertikal-Shooter mit stilsicherer PrĂ€sentation, prĂ€ziser Steuerung und fantastischem Leveldesign. Die Umsetzung fĂŒr die Nintendo Switch beinhaltet alle erschienenen Erweiterungen und ist bis auf die etwas ungenaue Schusssteuerung in den Side-Scroller-Abschnitten und die EinbrĂŒche der Framerate in belebten Gebieten durchweg gelungen. Besitzer einer der Versionen fĂŒr PC, PS4/Vita und Xbox One erhalten indes nichts neues, es sei denn sie besitzen die Erweiterungen noch nciht. Habt ihr Velocity noch nie gespielt, bietet sich mit Velocity 2X fĂŒr die Nintendo Switch jetzt die ideale Gelegenheit, dem herausfordernden motivierenden dynamischen Action-Game eine Chance zu geben.

Einen von Curve Digital veröffentlichten Nachfolger namens Velocity Supernova wird FuturLab laut Aussage des Studiochefs James Marsden nur unter der Bedingung entwickeln können, wenn sich Velocity 2X auf der Nintendo Switch gut verkaufen wird, da man mit der Veröffentlichung auf der PS4/Vita via PS+ sowie ĂŒber Publisher BadLand Games kaum bis gar kein Geld eigenommen habe. Zum finanziellen Erfolg der Zusammenarbeit mit Activision/Sierra bei der Portierung auf PC und Xbox One hat sich FuturLab indes nicht geĂ€ußert. Diese Aussage sowie der Einstandsrabatt in Höhe von 20 Prozent, der den Preis fĂŒr kurze Zeit von 20 auf 16 Euro senkt, könnte Fans zusĂ€tzlich dazu animieren, sich die Switch-Version zu holen.

Weitere selbst aufgenommene Videos der PS4-Version haben wir hier fĂŒr euch bereit gestellt. Die gifs wurden uns vom Entwickler auf Basis der Nintendo Switch-Version zur VerfĂŒgung gestellt.

Twitch Live Stream is ONLINE
Twitch Live Stream is OFFLINE