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Im Test: A Fold Apart – Romanze mit Ecken und Kanten

A Fold Apart erzählt eine rührende Geschichte über eine Fernbeziehung und setzt sie spielerisch mit einer anspruchsvollen Faltmechanik um.

In A Fold Apart lernen sich zwei Studenten beim Büffeln in der Bibliothek kennen und lieben lernen. Nach einer kurzen Phase der Glückseligkeit werden die beiden wegen eines Jobangebots des bzw. der Architekturstudent/-in auseinander gerissen und sehen sich fortan mit den Hindernissen einer Fernbeziehung im aktuellen technologischen Zeitalter konfrontiert.

Zu Beginn könnt ihr euch entscheiden, in welcher Geschlechterkonstellation das Paar das Spiel durchleben soll. Hinzu kommt, dass ihr euch für eine von 16 Untertitelsprachen entscheiden könnt. Die Geschichte wird in englischsprachigen Texteinblendungen erzählt, deren Aufmachung die aktuelle Stimmung wiederspiegelt – eine herrliche Abwechslung zu den sonst so üblichen Textboxen. Es wäre der Atmosphäre zuträglich gewesen, wenn die deutschen Texte direkt auf diese Weise dargestellt geworden wären und nicht am oben Bildschirmrand bereits die kommenden Textpassagen verraten würden.

Die beiden Liebenden kommunizieren ausschließlich über Textnachrichten miteinander. Die Perspektive wechselt zwischen den Figuren. Manchmal darf man sich aussuchen, was ein Charakter schreibt und somit die kommenden Interaktionen beeinflussen. Am Ende verändert das allerdings nicht. Während die Geschichte noch fröhlich und leicht verdaulich beginnt, entwickeln beide Figuren ihre Zweifel an der Beziehung und der gemeinsamen Zukunft. Das wird auf beeindruckende Weise mit der Veränderung der Spielwelt visualisiert und passender Musik untermalt. Immer wieder tauchen die beiden in ihre Gedankenpaläste ab und führen dann die Konversation zu Ende. Auf ihre Probleme gehen die Charaktere im folgenden Gespräch aber oft nur oberflächlich ein. A Fold Apart wirft uns in nachvollziehbare Situationen und lässt uns mit den Figuren fühlen, endet aber dann doch überhastet und lässt viele Fragen zur Zukunft der beiden offen.

  

A Fold Apart führt uns gemächlich in die Spielmechanik des Faltens der Spielwelt ein. Können wir eingangs lediglich die seitlichen Ränder falten und so zum Ausgang, dargestellt mit einem Stern, voranschreiten, nimmt der Anspruch bald zu. Mit Blöcken müssen wir Hindernisse überwinden, auf verschwindende Plattformen achten, die Ecken falten und die ganze Welt drehen, um die kniffligen Puzzles zu lösen. Fällt der Protagonist ins Leere oder verschwindet ein benötigter Block, beginnt das Level automatisch von vorne. Glücklicherweise gibt es eine Tippfunktion, mit der wir Schritt für Schritt das Level lösen. Wollt ihr lediglich die Geschichte erleben, könnt ihr auf diese Weise jedes Rätsel lösen.

Die Steuerung mit den Analog-Sticks der Joy-Cons oder eines Pro Controllers funktioniert gut und im Optionsmenü lässt sich die Faltsensitivität festlegen. Wir hätten allerdings gerne auf dem Touchscreen der Nintendo Switch die Ecken der Spielwelt gefaltet, um so ein haptischeres Erlebnis zu haben und die Level schneller zu lösen. Die kanadischen Entwickler von Lightning Rod Games haben allerdings keine Unterstützung des Touchscreens der Switch eingebaut. Das ist etwas verwunderlich, angesichts der dafür prädestinierten Spielmechanik und der Veröffentlichung des Spiels für Touch-Geräte via Apple Arcade. Im Übrigen ist das Spiel auch für PC, Mac, PlayStation 4 und Xbox One erhältlich.

  

Das Pacing und die Symbiose zwischen Exposition und Spielmechanik verdienen ein außerordentliches Lob. In A Fold Apart gibt es keinen Zeitdruck, sondern nur den eigenen Ansporn, das Rätsel mit möglich wenig Schritten und ohne Zuhilfenahme der Tippfunktion zu lösen. Die Möglichkeit, einzelne Kapitel separat zu laden ist nicht vorhanden. Da die Spielzeit mit drei Stunden überschaubar ist, kann man aber relativ zügig zur gewünschten Stelle hinspielen.

Technisch läuft die Switch-Version sowohl im Handheld- als auch im TV-Modus nicht hundertprozentig rund. Die Bildwiederholungsrate von 30 Bildern pro Sekunde bricht während des Spiels ab und an ein. Dank der kurzen Ladezeiten wird der Spielfluss kaum merklich unterbrochen.

  

Fazit

A Fold Apart ist ein charmant präsentiertes Puzzle-Abenteuer mit sympathischen Figuren und herausforderndem Gameplay. Das Spiel setzt auf eine simple Spielmechanik und steigert den Anspruch allmählich, sodass man – genau wie die Protagonisten des Puzzle-Spiels – vor immer neue Herausforderungen gestellt wird. Die Mechanik bettet sich gut in die Geschichte ein, in deren Verlauf die beiden Charaktere nachvollziehbare Probleme innerhalb einer Fernbeziehung erleben. Dabei fiebern wir bis zum Ende mit, auch wenn es schwer mit anzusehen ist, wie die beiden ihre Probleme auf zunehmende Weise in sich hineinfressen und im Endeffekt dem Partner nur das sagen, was er hören will. Zwischendrin sind wir immer wieder mit unserem Latein am Ende bemühen die hilfreiche Tippfunktion mehr als ein Mal. Das offene Ende lässt einige Fragen offen und die Puzzle-Mechanik hätte noch mehr Stoff für weitere Level geliefert. Wir sehen es allerdings als gutes Zeichen, dass man nach der 3-stündigen Spielzeit weitere Level lösen und der Fortführung der Geschichte beiwohnen möchte. Besonders Fans von Spielen wie Last Day of June und Where Is My Heart? werden mit A Fold Apart eine Menge Freude haben.

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