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Special

E3 2012: Die Pressekonferenzen – Ubisoft

Ubisofts E3 2012 Media Briefing stellte bestimmt für viele Gamer einen kleinen Meilenstein da, hat der französische Publisher mit Assassin’s Creed, Rayman, Far Cry und vielen Tom Clancy’s-Serien äußerst interessante Titel im Portfolio. Was man davon auf der E3 sah, seht ihr nach dem Sprung.

Die Pressekonferenz wird mit einem Auftritt von Rapper Flo Rider zum Tanzspiel Just Dance 4 eingeleitet. Danach betritt das ungleiche Paar die Bühne, das in den kommenden 90 Minuten für Kopfschütteln am Band (Facepalm-Alarm, um im YouTube-Jargon zu bleiben) sorgen wird. Die Schauspielerin Aisha Tyler (24 Staffel 4, Bedtime Stories) führt gemeinsam mit dem YouTuber Tobuscus führen durch die Veranstaltung. Ihr kennt beide nicht? So geht es wohl den meisten, auch wenn der YouTuber so präsentiert wird, als ob eine Mischung aus der Queen und Michael Schumacher wäre.

Far Cry 3

Nach etwas Lobhudelei folgt eine Präsentation des heiß erwarteten Ego-Shooters Far Cry 3. Im Spiel seid ihr Jason Brody, der an einer Insel in der Karibik strandet und sich mit den Mitgliedern unterschiedlicher Stämmen auseinandersetzen und wohl mit dem Protagonisten der TV-Serie Homeland nicht verwandt ist. Die Live-Demo ist spannend inszeniert. Sie beginnt mit einer nackten Frau, die euch am dahin prasselnden Lagerfeuer mit Komplimenten umschmeichelt – da können wir uns schlechtere Situationen vorstellen. Anschließend hetzt ihr eure Stammesbrüder für den Kampf gegen den mächtigen Vaas ein. Diesen verrückten Gesellen kennt man schon aus diversen Trailern, in denen er euch immer wieder die Definition von Wahnsinn erklärt – wie ein schlechter Schullehrer in der Dauerschleife. Daraufhin macht sich Jason auf, Vaas umzubringen. Weder das erbarmungslose Meer noch die zahlreichen Gegner können ihn aufhalten. Dass sich der Vorspieler blind in die Action wirft, hat wohl wenig mit Far Cry am Hut, ist aber wohl der generellen Zeitarmut von Live-Demos in E3-Pressekonferenzen geschuldet. Die weitere Präsentation solltet ihr live erleben, sie ist nämlich eine einzige Achterbahnfahrt an Überraschungen. Far Cry 3 im September ist definitiv ein Kandidat, den Shooter-Fans im Auge behalten sollten. Sogar eine eigene kooperative Kampagne für bis zu vier Spieler wird angekündigt.

Splinter Cell: Blacklist und Marvel Avengers

Vor wenigen Stunden wurde Splinter Cell: Blacklist bei Microsoft enthüllt, nun gibt es neue Details zum Mehrspielermodus. Neben der kooperativen Kampagne feiert auch der kompetitive Spies vs. Mercs-Modus aus Splinter Cell: Double Agent ein Comeback. Im gezeigten Trailer erfährt man mehr zur Storyprämisse des im Nahen Osten angesiedelten Action-Adventures. Der Geheimdienst Third Echolon wird auf die Schwarze Liste gesetzt und Sam ist mit seinen Komplizen auf der Flucht vor der eigenen Regierung – und das auch noch in einem Kriegsgebiet. Das bietet eine spannende Ausgangssituation, die bestimmt mit einigem Tom Clancy-typischen Pathos ausgeschmückt wird.

Marvel präsentiert mit Marvel Avengers: Battle for Earth (nicht zu verwechseln mit dem Der Herr der Ringe-Strategiespiel Battle for Middle Earth) ein Videospiel zur populären Filmfranchise. Im vorgerenderten Trailer geben sich Wolverine und Venom schon volles Pfund auf’s Maul. Auch Spider-Man und Magneto können nicht von einander lassen. Dass neben Charakteren aus dem Spider-Man– und X-Men-Universum auch noch andere Charaktere mit dabei sind, sieht man am Ende mit Hulk, Iron Man und Captain America. Einzig die Plattformen, für die das Action-Game erscheint, sind ungewöhnlich: Xbox 360 Kinect und Wii U.

Wii U: Rayman – Legends und ZombiU

Die Live-Demonstration des Nachfolgers von Rayman: Origins mit dem Untertitel Legends muss leider ohne Michel Ancel, dem Schöpfer des gliedmaßlosen Helden, auskommen. Bis zu fünf Spieler können im Jump’n’Run zusammen an einer Wii U spielen. Während bis zu vier Gamer mit Wiimote und Nunchuk oder dem neuen Classic Controller bewaffnet sind, unterstützt ein weiterer Mitspieler die Partie mit dem Wii U GamePad, das mit 6,2 Zoll großem LCD-Touchscreen das Alleinstellungsmerkmal der Wii U werden soll. Dieser zusätzliche Spieler kann per Toucheingabe und Gyroskopiegesten Katapulte bedienen, Blätter abreißen, Wasserräder drehen und verdutze Gegner festhalten. Kombiniert mit den Moves von Rayman & Co. lassen sich hier wunderbar ganze Ketten von Angriffen und Aktion erstellen. Die Jagdeinlagen von Rayman: Origins sind bei den meisten Spielern sehr unbeliebt, da sie den sonst gediegenen Anspruch bis an die Grenze zur Unfairness hochdrehen. Ubisoft Montpellier will daran drehen und zeigt eine dieser neuen Einlagen. Anstatt wie noch in Origins einem überaus flinken Gegner durch extrem knifflige und sich verändernde Levels unter Zeitdruck hinterher zu jagen stehen diese Passagen ganz im Zeichen der Musik. Rayman und Globox in der Präsentation zu rockigen Gitarrensounds durch’s Level und lösen durch Interaktionen mit der Umgebung neue Klänge aus, die sich homogen in den einmal mehr fantastischen Soundtrack miteinfließen – große Klasse.

Ein weiterer exklusiver Wii U-Titel ist ZombiU. Statt Gameplay gibt es ein hochstilisiertes CGI-Video, das an Trailer zu Fallout und Dead Island erinnert. Das zerstörte London wird in Kamerafahrten in Zeitlupe gezeigt. Untermalt wird das Geschehen von der britischen Nationalhymne God Save the Queen in einer Akustikversion. In einem weiteren Vorschauvideo werden weitere Schnipsel aus Spielen für die Wii U gezeigt, darunter das Rayman-Spin-Off Rabbids Land und Your Shape: Fitness Evolved 2013.

2x ZombiU, 1x Wii U-Line-Up und 1x Rabbids Land? Kommt sofort.

Assassin’s Creed III

Ubisofts Steckenpferd Assassin’s Creed darf in der hauseigenen Pressekonferenz natürlich nicht fehlen. Pünktlich zum Mittelteil, der bei anderen Präsenationen viele Zuschauer mit Technikgerede und Sport langweilte, sieht man den neuen Assassinen in Aktion. Habt ihr euch genau wie wir schon immer gefragt, wie Connor Kenway ganze Herrscharen von britischen Soldaten auf den offenen Feldern des Unabhängigkeitskriegs ausschaltet und anschließend den General tötet? Das zeigt euch der eindrucksvolle E3 Trailer. Es würde ja schon fast eine Beleidigung für alle Anwesenden sein, wenn Ubisoft jetzt nicht das Spiel in Aktion zeigt – und das machen sie auch. In schneebedeckten Wäldern muss sich Connor von Ast zu Ast und Klippe um Klippe voarbeiten, um ungesehen ein Lager der britischen Streitmächte zu infiltrieren. Ob man hier wirklich an jeder der zahlreichen Felswände und Bäume entlang klettern kann, kann man wohl erst zur Veröffentlichung am 31. Oktober sagen. In der PS3-Demonstration sorgt Conor für Verwirrung, indem er mit einer Pistole ein Munitionsdepot in die Luft sprengt. Im anschließenden Tumult setzt er das rundum erneuerte Hidden Blade ein, schnappt sich einen Speer und erledigt das Ziel – eine gelungene Präsentation.

ShootMania: Storm

Die nächsten 30 Minuten sind in Sachen Entertainment in ganz anderen Hemisphären unterwegs. Nach sexuellen Anspielungen und mehr furchtbarer Moderation betreten zwei eSports-Shoutcaster die Bühne und präsentieren ein Live-Showmatch zwischen den Rocket Angels und den Railgun All-Stars. Das Spiel ist ShootMania: Storm, das nächste Kapitel in Nadeos Mania-Universum. Nach diversen TrackMania-Rennspielen betritt der französische Entwickler Neuland und entwickelt gerade an einem auf kompetitiven Mehrspieler ausgelegten Ego-Shooter. Es wird der Elite-Modus gespielt. In dieser Spielvariante tritt ein Spieler des ersten Teams gegen die komplette drei Spieler starke Riege der anderen Mannschaft an. Der Attackierende kann auf eine Railgun zurückgreifen, während die Verteidiger auf Raketenwerfer setzen. Trifft das in der Defensive befindliche Team den Eindringling mit zwei Raketen, haben sie die Runde gewonnen. Die Rollen werden in jeder Runde getauscht. Die Matches sind sehr spannend und kurzweilig – alles was die Ubisoft-Pressekonferenz bis zu diesem Zeitpunkt nicht erreicht hat. Auch die zweite Gewinnmöglichkeit, die Runde als Angreifer durch Zeitablauf zu gewinnen, wird gezeigt.

Die Karten bieten viel Platz sich zu bewegen, aber auch viele Deckungsmöglichkeiten und Höhenunterschiede. Das sieht gepaart mit den schnellen Bewegungsabläufen, die in ShootMania möglich sieht, schon sehr gut und nach einer interessanten eSports-Disziplin aus. Der Sci-Fi-Look ist zudem eine willkommene Abwechslung zu Call of Duty und Counter-Strike. Ob es sich bei ShootMania: Storm um einen würdigen Nachfolger von Unreal Tournament 3 mit besserem Teamplay handelt, könnt ihr bereits ab sofort in der offenen Betaversion ausprobieren.

Watch Dogs

Am Ende gibt es den Höhepunkt. CEO Yves Guillemot präsentiert Ubisofts neue Marke Watch Dogs, eine IP, die von vielen als Highlight der E3 2012 angesehen wird. Watch Dogs spielt im gegenwärtigen Chicago. Im August 2003 gab es bei 55 Einwohnern Nordamerikas einen beinahe 24-stündigen Stromausfall. Dort setzt Ubisofts Actionspiel an. In der Realität wurde ein Softwarebug im Mission Control Room des Energieversorgers FirstEnergy für den Blackout verantwortlich gemacht. Im Spiel hingegen ist der frustrierte Hacker Raymond Kenney an diesem Vorfall Schuld. Zehn Jahre später sind alle Verwaltungsaufgaben zentralisiert in sogenannten centralOperationSystems. Diese ctOS ermöglichen die Kontrolle von U-Bahn-Linien, Ampeln, Videoüberwachung und Kraftwerke. Und unter wessen Aufsicht stehen diese Supercomputer, die unglaublich viele Daten sammeln? Private Firmen verdienen sich so ihr täglich Brot und können euch dadurch nicht nur Produkte verkaufen, sondern auch eure Weltanschauung beeinflussen.

Im Spiel mimt ihr Aiden Pierce, der das gesamte ctOS der Metropole Chicago unter seiner Kontrolle hat. Dieser hat es sich zur Aufgabe gemacht, mächtige zwielichtiger Personen zu Fall zu bringen, deren Missetaten im digitalen Schatten, den sie werfen, ans Tageslicht zu bringen oder ihm direkt das Licht auszuknipsen. Das wird wohl euch überlassen. Apropos: Das Gameplay sieht in der Live-Demo abwechslungsreich und vielversprechend aus. Um den Underground-Künstler Joseph deMarco zur Strecke zu bringen, müsst ihr erst einmal in seine Ausstellung eindringen. Damit ihr am telefonierenden Türsteher vorbeikommt, blockt ihr einfach dessen Telefonnetz und lenkt ihn so ab. In der mit allerlei Besuchern gefüllten Bar trefft ihr auf einen Kellner, der passend zum übergreifenden “alles ist miteinander verbunden”-Thema des Spiels einen Würfel mit einem QR-Code anstatt eines Kopfes trägt. Dieser Code bringt euch zur viralen Website der Ausstellung, auch wenn das Scannen bei uns nicht geklappt hat.

Im anschließenden Dialog mit einem von Aidens Verbündeten offenbart sich, dass Aidens Aktivitäten als Strippenzieher Chicagos bei der Bevölkerung wohl teils bekannt sind und er sich selbst als Beute benutzt, um an deMarco heranzukommen. Als dieser im triefenden Regen in die Kreuzung zur Bar eintrifft, benutzt der Protagonist ein weiteres Mal die Macht des ctOS. Er schaltet alle Ampeln gleichzeitig auf grün und produziert somit einen heftigen Verkehrsunfall. So etwas wird beispielsweise in GTA IV schon mit Bluteffekten dargestellt, dass aber ein Mann verzweifelt an seiner beim Unfall verstorbenen Frau zerrt und emotional zerstört ist, haucht den Charakteren Leben ein und vermittelt schon einmal, dass hier eure Entscheidungen bezüglich der Gefährdung von Zivilisten eine Rolle spielen und hoffentlich auch Konsequenzen haben. Ihr könnt den geschockten Mann auch in Sicherheit bringen und so etwas Gutes tun. Wir hoffen aber, dass die Aktionen im richtigen Verhältnis zueinander stehen. Der Auslöser für den Tod der Autofahrerin ist schließlich euer Handeln. Doch das cineastisch inszenierte Watch Dogs setzt nicht komplett auf das Technikwunder ctOS, wenn es um den Kampf geht. Aiden kann sowohl Nahkampfangriffe starten als auch Schusswaffen bedienen. In den Schießereien spielt sich das von Ubisoft Montreal (Assassin’s Creed-Serie) entwickelte Game wie ein 3rd-Person-Shooter. Sogar einen Zeitlupeneffekt, der stark an Max Payne 3s Bullet-Time erinnert, ist enthalten. Aiden ermordet sein Ziel kaltblütig und die Präsentation endet damit, dass die Kamera zu einem anderen Charakter wechselt, der Aiden gemeinsam mit weiteren Figuren bei seiner Flucht helfen soll. Das verwirrt die anwesenden Journalisten gehörig, wird aber später damit erklärt, dass dies Teil der Mehrspielerkomponente ist. Ihr seid also nicht der einzige Watch Dog in Chicago.

Unser erster Eindruck von Ubisofts neuem Actionspiel Watch Dogs ist sehr gut. Das offene Chicago wirkt lebendig, das Szenario frisch und die Spielmechanik spannend. Auch die eigens entwickelte Engine dürfte ein Grund dafür sein, dass Watch Dogs ein scharfer Konkurrent von GTA V werden wird. Den nahtlosen Übergang zwischen Einzel- und Mehrspielermodus haben wir vorher einzig in The Crossing, einem eingestellten Projekt der Arkane Studios (Dishonored), gesehen und das dürfte bei gelungener Umsetzung und mit einigen spannenden Aspekten für Innovation und Furore sorgen.

Dass Ubisoft Montreal diese Ideen mitbringt, haben sie bei der Enthüllung ihres neuen Projekts bereits bewiesen. Jetzt wünschen wir euch viel Spaß mit der kompletten Live-Demo von Watch Dogs.

Fazit

Von den drei behandelten E3-Pressekonferenzen gefällt uns Ubisofts Media Briefing bislang am besten. Das breite Portfolio des größten europäischen Publishers kann man zwar auch auf den anderen Pressekonferenzen bestaunen, wichtige Titel wie Assassin’s Creed III, Far Cry 3, Rayman: Legends und besonders das Debüt von Watch Dogs hat man aber zum Glück für den Zuschauer für die eigene Veranstaltung gesichert. Das Line-up und die gezeigten Live-Demos konnten also überzeugen. Die eigentliche Show war hingegen ein kompletter Reinfall. Eine hübsche Hollywood-Schauspielerin mit einem Internetstar zu kombinieren ist an sich keine einfallslose Idee. Wenn sich aber beide als Lachnummer im schlechten Sinne entpuppen, ist kollektiver Fremdschamalarm angesagt.

Ob die E3-Pressekonferenz von Sony charmanter ausfällt, berichten wir euch in den kommenden Tagen. Wollt ihr unsere Artikel über die anderen Konferenzen lesen oder jede Menge Videos von der E3 sehen, seid ihr auf unserer E3-Microsite goldrichtig.

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