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Im Test: Semblance

Vor einem Monat konnten wir Semblance bei Publisher Good Shepherd Games auf der Spielemesse E3 in Los Angeles anzocken. Damals haben wir noch die PC-Version mit einem Xbox 360-Controller gespielt, dieser Test basiert allerdings auf der finalen Version für die Nintendo Switch.

Die magische Spielwelt von Semblance wurde von einer dunklen Macht eingenommen. Eure Aufgabe ist es, den Bann zu brechen und die Welt in neuem Glanze erstrahlen zu lassen. Die weitere Handlung wird in Form von Wandmalereien erzählt, die eure eigene Fantasie beflügeln und frei interpretierbar sind. Semblance legt seinen Fokus klar auf das Gameplay.

Das Game besteht aus vier Bäumen respektive Welten, die wiederum einzelne kurze Level beinhalten. Man verzichtet also auf ein starres Levelauswahlmenü und hat sich dafür entschieden, das Ganze spielbar zu machen und es zu ermöglichen, dass wir jederzeit bereits besuchte Areale erneut zu betreten. Das ist jetzt nicht völlig neu, passt aber zur Hands-on-Mentalität des Spiels. Innerhalb der Level wurden allerlei glühende Kugeln versteckt, deren Anzahl variiert. Nur wenn ihr alle Kugeln sammelt, schaltet ihr den finalen Abschnitt frei.

Ebenso wie die Spielwelt wird auch die Bedienung minimalistisch gehalten: Unser namenloser Held kann springen und in alle Himmelsrichtungen dashen. Mehr braucht es aber auch nicht, denn diese Mechaniken lassen sich sowohl mit den Joy-Cons der Switch als auch mit einem Controller am PC präzise einsetzen. Obwohl es sich bei Semblance um einen Platformer handelt, setzt er nicht auf klassische Plattformen. Die Spielwelt, in die euch das Game entführt, ist nämlich verformbar. An vorgegebenen Stellen könnt ihr etwa Kerben in Wände schlagen, um nach oben zu klettern, oder euch eine Art Schützengraben im Boden graben, um einer Kristallgestrüpp tragende Fliege auszuweichen. Diese Spielmechanik erweist sich als essentiell.

In jeder Welt stoßen weitere Elemente hinzu, die das Hüpfspiel interessanter aber auch komplizierter machen. Während euch in der ersten Welt oftmals Laserstrahlen das Leben erschweren und ihr herausfindet, dass das Kreuzen von Strahlen doch keine so große Sünde darstellt, fügt der Entwickler in der zweiten Welt eine Art von Strahlen hinzu, die bei Berührung die Plattformen in ihren Ausgangszustand zurücksetzen. Das kann man allerdings für seine eigenen Zwecke nutzen und mit dem richtigen Timing als Sprungbrett nutzen.

Welt 3 besteht aus lila Kristallen. Dashen wir seitlich dagegen, können wir uns in eine Kerze verformen, treffen wir die Kristalldecke bzw. den -boden allerdings, so werden wir zum flachen Fladen. Als Kerze springen wir höher und als Fladen hüpfen wir weiter. Diese Mechaniken sorgen für eine Menge Abwechslung und die Entwickler hatten sichtlich Spaß, kreative Level darum zu basteln. In der Kombination mit Laser- und Anti-Terraforming-Strahlen sowie einem Nebel, in dem wir den Dash nicht verwenden dürfen, ist Köpfchen gefragt.

Während die ersten Welten stetig anspruchsvoller werden und Vielfalt bieten, ebbt dieser Trend am Ende ab. Bis hierhin konnte man das Spiel in seinem eigenen Tempo spiele. In Welt viert wird mit Zeitdruck etwas mehr Spannung erzeugt, das Platforming stellt euch zu diesem Zeitpunkt allerdings vor weitaus weniger Kopfzerbrechen als zuvor. Gerade da man auch die schwierigeren Teile zuvor meistern musste, um dorthin zu kommen, stellt sich hier etwas Ernüchterung ein.

Semblance versprüht eine entspannte Atmosphäre und ist hübsch anzusehen. Die Hintergründe sind detailliert und voller Leben, die Animationen der Hauptfigur flüssig und gleiches gilt für die Bildwiederholungsrate, sowohl im TV- als auch im Handheld-Modus. Die ein oder andere technische Ungereimtheit ist zwar vorhanden – im Test glitchten wir öfters zwischen Plattformen – und einmal sind wir auch festgesteckt, man kann sich allerdings jederzeit zurücksetzen. Dabei gefällt uns, dass unsere an der Spielwelt getätigten Änderungen nach dem Wiedereinstieg erhalten bleiben und wir direkt an Ort und Stelle weitermachen können. Das bunte Treiben wird von einem schönen Soundtrack untermalt, der sich noch etwas zu sehr im Hintergrund hält und öfter in Erscheinung treten könnte.

Das komplette Spiel im Let’s Play

Fazit

Semblance ist ein kreatives Jump’n’Run, bei dem Köpfchen gefragt ist und das gleichermaßen Entspannung versprüht. Schafft man einen Abschnitt partout nicht, rutscht man eben ein paar Meter weiter und versucht sich dort. Es ist gut möglich, dass dann plötzlich der Groschen fällt. Erwartet allerdings kein langes Abenteuer, denn während Einsteiger nach rund vier Stunden den Abspann sehen, dürfte sich die Spielzeit für Genrekenner nochmals deutlich reduzieren. Dafür kostet der Spaß auch nur 10 Euro (abzüglich Veröffentlichungsrabatt auf Steam). Seid ihr auf der Suche nach einem gewieften Platformer, den ihr in eurem eigenen Tempo spielen könnt, liegt ihr mit Semblance richtig.

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