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Im Test: Life Is Strange 2 – Episode 2 & 3

Seit der Ver­öf­fent­li­chung von Life Is Stran­ge 2: Epi­so­de 1 sind neun Mona­te ver­gan­gen. Es wird Zeit, dass wir die beschwer­li­che Rei­se der Diaz-Brü­der fort­set­zen.

Epi­so­de 2 hört auf den Namen “Roads” und ist am 24. Janu­ar die­ses Jah­res erschie­nen, Epi­so­de 3 heißt wie­der­um “Was­te­lands” und ist seit dem 9. Mai erhält­lich.

Grund­le­gen­de Sto­ry­de­tails zu Life Is Stran­ge 2 fin­det ihr in unse­rem Test der ers­ten Fol­ge. In Roads neh­men die Diaz-Brü­der Zuflucht bei ihren Groß­el­tern Clai­re und Ste­phen Rey­nolds im beschau­li­chen Ört­chen Bee­ver Creek und nein, einen Onkel namens Ryan konn­ten wir bis­lang nicht aus­fin­dig machen. Das lie­bens­wür­di­ge Pär­chen nimmt die bei­den zwar herz­lich auf, da aller­dings die Poli­zei den Kin­dern auf den Fer­sen ist, müs­sen sie schon bald schwe­ren Her­zens wei­ter­zie­hen. Zuvor erfah­ren sie noch auf­wüh­len­de Fak­ten über ihre Mut­ter Karen, die die Fami­lie schon vor Jah­ren ver­las­sen hat. Was­te­lands ver­sprüht eine gänz­lich ande­re Atmo­sphä­re. Im kali­for­ni­schen Hum­boldt Creek schlie­ßen sich Sean und Dani­el einer Grup­pe aus­ge­ris­se­ner Jugend­li­cher an, von denen wir eine Per­son bereits aus Seat­tle ken­nen. Hip­pies, Hips­ter, Ska­ter? Alles ver­tre­ten.

Im Lau­fe der Fol­ge erle­di­gen wir aller­lei Haus­ar­bei­ten in dem kru­de zusam­men geklöp­pel­ten Camp, das die kun­ter­bun­te Grup­pe in einem Wald­stück unter­hält, müs­sen uns in deren Diens­te bewei­sen und dür­fen die Ent­ste­hung einer herz­al­ler­liebs­ten Freund­schaft und einer auf­re­gen­den Roman­ze mit­er­le­ben. Die Bezie­hung der bei­den Brü­der und die Rich­tung, die die Sto­ry ein­schlägt, erin­nert zuwei­len an die packen­de Dyna­mik, wel­che zwi­schen Cle­men­ti­ne und A.J. in The Wal­king Dead: The Final Sea­son (XTga­mer-Test) ent­stand. Dani­els Super­kraft kann im Spiel auch für diver­sen Scha­ber­nack ein­ge­setzt wer­den. Es ist aller­dings wich­tig, dass man ihm als älte­rer Bru­der bei­bringt, sei­ne Macht behut­sam ein­zu­set­zen. Es ist aller­dings nicht immer leicht, den ver­ant­wor­tungs­vol­len jun­gen Erwach­se­nen zu spie­len, wenn sich für den unschul­di­gen Sean plötz­lich die Mög­lich­keit ergibt, ein net­tes Mäd­chen ken­nen­zu­ler­nen, und es ihm immer wich­ti­ger wird, vor ihr gut dazu­ste­hen.

Spie­le­risch hat sich das Spiel in den bei­den Epi­so­den nicht son­der­lich wei­ter­ent­wi­ckelt. Wei­ter­hin lauscht man zahl­rei­chen Dia­lo­gen, darf hier und da eine mehr oder min­der wich­ti­ge Ent­schei­dung tref­fen und klei­ne­re Gebie­te erkun­den, etwa das Diaz-Anwe­sen vor dem Zwi­schen­fall, das Haus von einem aus dem Pre­quel The Awe­so­me Adven­tures of Cap­tain Spi­rit bekann­ten Cha­rak­ter, das Lager im Wald und das Anwe­sen der Groß­el­tern. Als klei­nes Extra haben die fran­zö­si­schen Ent­wick­ler von Dont­nod kurz­wei­li­ge Mini­spie­le wie ein Wür­fel­spiel mit Pira­ten in Fol­ge 2 und Weed­pflü­cken in Epi­so­de 3 ein­ge­baut. Auch das Skiz­zie­ren von iko­ni­schen Sze­nen ist Sean wei­ter­hin an vor­ge­ge­be­nen Stel­len mög­lich. Ins­be­son­de­re in der drit­ten Epi­so­de müsst ihr in der Rol­le von Sean hau­fen­wei­se wich­ti­ge Ent­schei­dun­gen tref­fen, die über die Zukunft eures Bru­ders ent­schei­den.

Bei­de Fol­gen sind voll von klei­ne­ren tech­ni­schen Unge­reimt­hei­ten. Da wäre das bestän­di­ge Pro­blem, dass die Dia­lo­ge größ­ten­teils nicht lip­pen­syn­chron sind, was im Hin­blick auf die recht aus­drucks­lo­sen Gesich­ter nicht gera­de ein Atmo­sphä­rep­lus dar­stellt. Unsicht­ba­re Wän­de ver­hin­dern das Erkun­den von schein­bar weit­läu­fi­gen Gebie­ten. Im Haus der Groß­el­tern ist stän­dig ein schier nicht enden wol­len­des Was­ser­ge­räusch zu ver­neh­men. Dia­lo­ge aus Zwi­schen­se­quen­zen und Spiel­sze­nen über­lap­pen sich, sodass man gar nichts mehr ver­steht. In einer Cuts­ce­ne ver­sinkt Sean in Dani­el beim Pil­ze­sa­meln. Ein Pro­blem hat LIS2 auch damit, die auf der Xbox One X hoch auf­ge­lös­ten Tex­tu­ren schnell zu laden, sodass man immer wie­der kar­ge Unter- und Hin­ter­grün­de zu Beginn von Zwi­schen­se­quen­zen bzw. beim Umschnitt auf eine ande­re Kame­ra­per­spek­ti­ve sieht. Das lenkt gemein­sam mit Ani­ma­ti­ons­feh­lern von der eigent­li­chen Geschich­te ab.

Abge­se­hen von den oben genann­ten Pro­ble­men, die hof­fent­lich im Lau­fe des Lebens­zy­klu­ses des Spiels noch beho­ben wer­den, macht LIS2 auch eini­ges rich­tig auf tech­ni­scher Sei­te. Das Spiel sieht schier atem­be­rau­bend aus. Die Umge­bun­gen wie der Wald füh­len sich lebens­echt und leben­dig an. Die länd­li­chen Gebie­te strot­zen vor Flo­ra und Fau­na und die Innen­ein­rich­tun­gen vor Details wie Krit­ze­lei­en an Wän­den und vie­le Objek­te mit Bezug zur Sto­ry.

Ent­täusch­te uns Epi­so­de 1 noch mit kar­ger lizen­zier­ter Musik­un­ter­ma­lung, erfreu­te uns aber mit einem atmo­sphä­ri­schen Score aus der Feder von Jona­than Mora­li aka Syd Mat­ters, machen die bei­den dar­auf fol­gen­den Fol­gen eine wesent­lich bes­se­re Figur dar­in. Hier­zu gehö­ren Suf­jan Ste­vens – Death With Digni­ty, Mt. Wolf – Red, First Aid Kit – I Found A Way, Goril­laz – On Melan­cho­ly Hill, Nata­lie – Milk & Bone, Jus­ti­ce – D.A.N.C.E., I’m Wil­ling – Ben Lee, Bob Brad­ley & Tho­mas Balm­forth – Into Black und Jason Tar­ver & Tho­mas Green­wood – You Gui­de Me Home. Die eng­li­schen Syn­chron­spre­cher leis­ten nach wie vor tol­le Arbeit. Bis­lang gab es noch kei­ne unpas­sen­de Stim­me oder eine unge­nieß­ba­re Per­for­mance.

Fazit

Hin­ter­ließ die Ein­gangs­fol­ge von Life Is Stran­ge 2 noch gemisch­te Gefüh­le bei uns, ver­bes­sert sich die Qua­li­tät des Spiels zuse­hends im Lau­fe der Ver­öf­fent­li­chung wei­te­rer Epi­so­den. Dies trifft zumin­dest auf die Berei­che Cha­rak­ter­ent­wick­lung, emo­tio­na­le Bin­dung des Spie­lers, Abwechs­lung von Game­play, Schau­plät­zen und Musik zu. Tech­nisch ist das Spiel nach wie vor atem­be­rau­bend und erschüt­ternd zugleich, da es eine fan­tas­ti­sche Optik bie­tet, wel­che mit diver­sen Clip­ping- und Ani­ma­ti­ons­feh­lern erkauft wur­de. Spie­le­risch ver­sucht Dont­nod an gewis­sen Stel­len die bewähr­te For­mel auf­zu­bre­chen, ohne lang­jäh­ri­ge Fans zu ver­prel­len und zu viel zu ändern. Gera­de im Hin­blick auf die rasan­te Ent­wick­lung des mit außer­ge­wöhn­li­chen Fähig­kei­ten aus­ge­stat­te­ten Dani­els erwar­ten wir, dass die Ent­wick­ler uns eine direk­te Kon­trol­le über Dani­els Kräf­te erlau­ben und dem Spie­ler so noch mehr Frei­heit ver­lei­hen wer­den. Wir ver­trei­ben uns die Zeit der­weil am gemüt­li­chen Weih­nachts­markt von Bee­ver Creek und spa­ren auf die gro­ße Fich­te bis auch die letz­ten bei­den ver­blei­ben­den Epi­so­den (E4: 22. August, E5: 3. Dezem­ber) erschie­nen sind.

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