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Kolumne

Kolumne: Die plattform-übergreifende Zukunft

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Kon­so­len­her­stel­ler wol­len kon­trol­lie­ren, was in ihren Netz­wer­ken pas­siert. Spie­ler wol­len sys­tem­über­grei­fend mit­ein­an­der spie­len. Bei­de Sei­ten nähern sich an.

Als Phan­ta­sy Star Online (PSO) am 21. Dezem­ber 2001 in Japan für den PC erschie­nen ist, schreib­te SEGA Geschich­te. Ein Jahr nach Release der Dream­cast-Ver­si­on erlaub­te man Heim­com­pu­ter-Besit­zern, gemein­sam mit den Kon­so­le­ros Aben­teu­er zu erle­ben. Damit ist PSO das ers­te Online-Rol­len­spiel, das Platt­form-über­grei­fen­des Spie­len ermög­lich­te, wie in dem Kom­men­tar­be­reich des de fac­to fal­schen Ein­trags von Guin­ness World Records, der Final Fan­ta­sy XI Online hier­für aus­zeich­ne­te, her­vor­geht.

PlayStation Vita – Die Cross-Play-Maschine

Seit­dem gab es immer wie­der Spie­le, die dies ermög­lich­ten, sie stell­ten aber bis zur aktu­el­len Kon­so­len­ge­nera­ti­on die abso­lu­te Aus­nah­me dar. Lost Pla­net: Extre­me Con­di­ti­on in der Colo­nies Edi­ti­on erlaubt seit Juni 2008 Cross-Play zwi­schen PC und Xbox 360. Da Cap­coms 3rd-Per­son-Shoo­ter zwi­schen­zeit­lich auf Steam erschei­nen und seit Febru­ar die­ses Jah­res Xbox One-kom­pa­ti­bel ist, kann man Lost Pla­net auch heu­te noch gemein­sam spie­len. Por­tal 2 (21. April 2011) hol­te knapp 10 Jah­re nach PSO das Cross-Play auf die Play­Sta­ti­on 3. In einer spe­zi­ell auf koope­ra­ti­ves Vor­ge­hen kon­zi­pier­ten Kam­pa­gne konn­ten PC- und PS3-Spie­ler sich gemein­sam durch die intel­li­gent kon­zi­pier­ten Level rät­seln. Street Figh­ter V und DC Uni­ver­se Online kön­nen von PC- und PS4-Spie­lern gemein­sam ange­gan­gen wer­den. Beson­ders inner­halb der Play­Sta­ti­on-Fami­lie wur­de Cross-Play mit der Ver­öf­fent­li­chung des PSP-Hand­held-Nach­fol­gers Vita (22. Febru­ar 2012) groß geschrie­ben. Nahe­zu jedes Mul­ti­play­er-fähi­ge Spiel, wel­ches gleich­zei­tig für PS4 und PS Vita ver­öf­fent­licht wur­de, war gemein­sam spiel­bar. Hin­zu kamen Fea­tures wie Cross-Buy (ein Mal kau­fen, auf bei­den Platt­for­men zocken) und Cross-Save (nimm den Spei­cher­stand unter­wegs mit), die es so vor­her noch nicht gab, obwohl Nin­ten­do bereits seit 1990 par­al­lel Heim­kon­so­len und Hand­helds ver­kauft. Die PS4 (29. Novem­ber 2013) wur­de in die­sen Zyklus inte­griert, auf­grund des Nie­der­gangs der PS Vita (Pro­duk­ti­ons­en­de: 1. März 2019) unter­stütz­ten aller­dings in den ver­gan­ge­nen Jah­ren immer weni­ger Spie­le, beson­ders im Trip­le A-Bereich, die o.g. Fea­tures.

PC – Cross-Play seit Äonen auf Steam, Wettbewerber sollten kooperieren

Am 12. Sep­tem­ber 2003 änder­te sich für PC-Spie­ler alles. An die­sem Tag ver­öf­fent­lich­te Val­ve, die bis dahin als pres­ti­ge­träch­ti­ge Ent­wick­ler des revo­lu­tio­nä­ren Ego-Shoo­ters Half-Life und von Mul­ti­play­er-Hits wie Coun­ter-Strike (CS) und Team Fort­ress gal­ten, Steam. Zunächst war das Pro­gramm nur als Mul­ti­play­er-Cli­ent für CS gedacht, es ent­wi­ckel­te sich aber schnell als Ver­kaufs­platt­form für PC-Spie­le aller Art und ist nach lang ver­ges­se­nen hit­zi­gen Debat­ten um Kopier­schutz und Eigen­tum seit vie­len Jah­ren der Pri­mus aller PC-Platt­for­men. Cross-Play, Cross-Buy und Cross-Save gab es hier schon lan­ge bevor es sich Sony auf die Fah­ne geschrie­ben hat­te. Der Groß­teil aller auf Steam ver­füg­ba­ren Spie­le kann näm­lich auf Win­dows, Linux und MacOS gespielt wer­den.

Mit dem Epic Games Store, Ocu­lus Store, Micro­soft Store, uPlay, Ori­gin und Co. gibt es mitt­ler­wei­le so vie­le Platt­for­men, wie nie zuvor am PC (RIP GameS­py und Des­ura). Teil­wei­se lau­fen die Mul­ti­play­er-Ser­ver hier Platt­form-exklu­siv, was das gemein­sa­me Spie­len natür­lich wie­der ein­schränkt. Hier soll­ten die Platt­form­an­bie­ter mehr zusam­men­ar­bei­ten und sich vor allem Steam öff­nen, um auch das Spie­len mit kopier­schutz­frei­en Ver­sio­nen, die man via GOG und Hum­ble Store erwer­ben kann, zu ermög­li­chen. Auch die Mul­ti­play­er-Kom­bi­na­ti­on aus Steam VR- und Ocu­lus-Ver­si­on ist immer häu­fi­ger mög­lich. In Zei­ten von spott­güns­ti­gen Ange­bots­prei­sen und Model­len wie Hum­ble Mon­th­ly oder Twitch Prime soll­te die Dun­kel­zif­fer an Raub­ko­pi­en im Ver­gleich zum Ver­lust an nicht­ver­kauf­ten Exem­pla­ren ordent­lich zurück­ge­gan­gen sein, um sol­che Beden­ken end­lich able­gen zu kön­nen.

Nintendo – von 6 auf 45 Cross-Play-Games

Doch auch außer­halb des Play­Sta­ti­on-Kos­mos gab es immer mehr Spie­le, die vor­mals als absurd abge­stem­pel­te Kom­bi­na­tio­nen von Sys­te­men unter­stütz­ten. Da wäre Pure Chess mit Cross-Play über PC, Wii U und Nin­ten­do 3DS hin­weg. Auch bei Nin­ten­do wird das Platt­form-über­grei­fen­de Spie­len immer wich­ti­ger. Mons­ter Hun­ter Ulti­ma­te 3 ver­füg­te, als eines von sechs Spie­len, über einen Koop-Modus für Wii U und Nin­ten­do 3DS. Für die Nin­ten­do Switch hin­ge­gen wer­den bereits 45 Cross-Play-fähi­ge Games geführt.

Xbox Play Anywhere und Xbox Game Pass Ultimate

Auf der E3 2016 (XTga­mer schau­te mit Euch die PK) kün­dig­te Micro­soft, Play Any­whe­re an. Ein Groß­teil ihrer First-Par­ty-Spie­le, wie Sea of Thie­ves, For­za Hori­zon 4 und Crack­down 3, sind seit­her mit einem Kauf sowohl auf der Xbox One als auch auf Win­dows 10 spiel­bar, begrenzt auf Digi­tal­käu­fe in den Xbox und Micro­soft Stores. Das kann dann, im Fal­le von Gears 5, schnell kom­pli­ziert wer­den. Kauf ihr den neu­en 3rd-Per­son-Shoo­ter auf Steam, seid ihr auf die­se Platt­form beschränkt. Glei­ches gilt dafür, wenn ihr euch Gears 5 im Laden für PC (gekop­pelt an euer Micro­soft-Kon­to) oder Xbox One kauft. Auch wenn es posi­tiv her­vor­zu­he­ben ist, dass Micro­soft (end­lich) auf die Kund­schaft hört und immer mehr Spie­le auf Steam ver­öf­fent­licht, kun­den­freund­lich sieht anders aus.

Der Xbox Game Pass erlaubt zum Preis von 9,99 Euro pro Monat Zugriff auf eine Fül­le von First- und 3rd-Par­ty-Spie­len. Galt die­ses Ange­bot seit 2017 exklu­siv für Xbox One-Spie­ler, hat man sich in den ver­gan­ge­nen Mona­ten für den PC geöff­net und eine Beta-Ver­si­on für 4,99 Euro pro Monat (aktu­ell 1,- Euro) dafür ver­öf­fent­licht. 100 Spie­le ste­hen zur Ver­fü­gung. Kuri­os: Schon zuvor konn­ten Inha­ber eines Xbox Game Pass dank Play Any­whe­re Spie­le wie die oben genann­ten Titel auf ihrem PC spie­len, ohne Zuzah­lung. Jetzt ver­kauft Micro­soft bei­de Game Päs­se sepa­rat oder kom­bi­niert mit Xbox Live Gold im neu­en Xbox Game Pass Ulti­ma­te für 12,99 Euro im Monat (aktu­ell 2,- Euro für zwei Mona­te, bestehen­de Rest­lauf­zei­ten von Xbox Gold und Xbox Game Pass kön­nen kos­ten­frei in Ulti­ma­te-Abos umge­wan­delt wer­den). Hat man einen leis­tungs­star­ken PC, will aber man­che Games auch auf der Xbox One X spie­len kön­nen, loh­nen sich die­se Fea­tures. Unse­rem The­ma Cross-Play hilft Micro­softs Öff­nung, denn aktu­el­le Block­bus­ter wie Gears 5 und For­za Hori­zon 4 sind Cross-Play via PC und Xbox One – auch, wenn ihr Gears 5 auf Steam spielt. Es bleibt zu hof­fen, dass Micro­soft mit Pro­jek­ten wie der PC-Umset­zung von Halo: The Mas­ter Chief Collec­tion, xCloud und Scar­lett die­sem Trend treu bleibt.

Die Cross-Play-Gegenwart

Beson­ders in die­sem Jahr schei­nen die Kon­so­len­her­stel­ler sich für ande­re Platt­for­men zu öff­nen und Cross-Play zu ermög­li­chen. Psyo­nix ver­su­chen seit Jah­ren ihren erfolg­rei­chen eSports-Dau­er­bren­ner Rocket League Spie­lern auf allen Platt­for­men gemein­sam zugäng­lich zu machen. Seit dem 15. Janu­ar ist es soweit: Spie­ler auf PC, PS4, XB1 und Switch kön­nen in 2v2- bis 4v4-Matches gegen­ein­an­der antre­ten, egal auf wel­chem Sys­tem sie das Spiel gestar­tet haben. Dank Cross-Plat­form-Freun­des­lis­te habt ihr immer im Blick, wer auf wel­chem Sys­tem gera­de spielt. Da Rocket League aller­dings nicht über ein Account­sys­tem ver­fügt, muss man jeden Spie­ler bis zu vier Mal hin­zu­fü­gen und die genann­te Lis­te wird schnell unüber­sicht­lich. Einen Sprach­chat, in dem platt­form­über­grei­fend mit­ein­an­der tak­tiert wer­den kann, gibt es bis heu­te nicht. Auf unse­re Nach­fra­ge hin teil­te man uns mit, dass dies von eini­gen Platt­form­in­ha­bern nicht gewünscht wird.

Beson­ders Sony rückt immer wie­der in den Fokus, wenn es um Platt­form-über­grei­fen­des Spie­len geht. So müs­sen teil­wei­se Cross-Play-Fea­tures im Nach­hin­ein wie­der abge­schal­tet und kön­nen nach inten­si­ven Ver­hand­lun­gen erst wie­der akti­viert wer­den, sie­he im Fall des wohl der­zeit belieb­tes­ten Video­spiels Fort­ni­te. Absurd, wenn man die ein­gangs erwähn­te Rol­le Sonys in der Ent­wick­lung von Cross-Play betrach­tet. Im Bereich der Free-to-Play-Spie­le mit Mul­ti­play­er­fo­kus ist Cross-Play der­zeit ein wich­ti­ger Trend. Daunt­less, SMITE und Pala­dins: Cham­pi­ons of the Realm unter­stüt­zen alle­samt das Spie­len über PC, PS4, XB1 und Switch (soweit ver­füg­bar) hin­weg. Da die Ent­wick­ler aller­dings um Chan­cen­gleich­heit bemüht sind, legen sie der Spie­ler­schaft selbst teil­wei­se Gren­zen auf. In Fort­ni­te kön­nen etwa Switch-Spie­ler nur mit Smart­pho­ne-Zockern zusam­men spie­len, da das Game auf der Nin­ten­do-Kon­so­le in einer nied­ri­ge­ren Bild­wie­der­ho­lungs­ra­te läuft, im Ver­gleich zu PC, PS4 und XB1. Bereits im nächs­ten Monat wer­den eini­ge popu­lä­re Spie­le um Cross-Play ergänzt, etwa Realm Roya­le (PC, Switch, PS4, XB1) und PlayerUnknown’s Batt­le­grounds (PUBG; XB1, PS4).

Cross-Save wird auch immer wich­ti­ger. Seit einem knap­pen Monat kann man, nach­dem sich Bun­gie von Activi­si­on getrennt hat, sei­nen Fort­schritt in Desti­ny 2 frei über PS4, XB1 und PC hin­weg nut­zen. Als ers­tes gro­ßen Ein­zel­spie­ler-Rol­len­spiel nimmt Divini­ty: Ori­gi­nal Sin 2 in der Defi­ni­ti­ve Edi­ti­on einen inter­es­san­ten Weg: Über eine Cloud könnt ihr via Steam und Nin­ten­do Switch Online euren Fort­schritt frei zwi­schen PC und Switch über­tra­gen. Squa­re Enix’ Final Fan­ta­sy: Crys­tal Chro­ni­cles Remas­te­red soll Cross-Save zwi­schen PS4 und Switch unter­stüt­zen.

Für den größ­ten Gesprächs­stoff in Sachen Cross-Play sorgt aktu­ell Call of Duty: Modern War­fa­re. Als ers­ter Teil der wohl popu­lärs­ten Video­spiel­mar­ke aller Zei­ten wird der Reboot von Modern War­fa­re Platt­form-über­grei­fen­des Spie­len auf PC, PS4 und XB1 unter­stüt­zen. Der­zeit läuft eine offe­ne Beta­pha­se, in der Cross-Play stan­dard­mä­ßig akti­viert ist, aller­dings auch jeder­zeit abge­schal­tet wer­den kann. Pikant seit jeher ist die Fra­ge, ob Spie­ler mit Maus und Tas­ta­tur hier­bei nicht einen ent­schei­den­den Vor­teil haben. Ent­wick­ler Infi­ni­ty Ward hat das Spiel­ge­sche­hen aller­dings so ange­passt, dass sowohl Spie­ler am Con­trol­ler als auch jene, die mit Maus und Tas­ta­tur bewaff­net sind, Chan­cen­gleich­heit haben sol­len. Sie gehen sogar einen Schritt wei­ter und erlau­ben es Kon­so­len­spie­lern mit Maus und Tas­ta­tur in die Schlacht zu zie­hen und gibt ihnen zahl­rei­che Ein­stel­lungs­mög­lich­kei­ten zur Hand. In unse­ren Matches, die wir bereits seit der geschlos­se­nen Beta am letz­ten Wochen­en­de machen konn­ten, hat sich uns das von den Ent­wick­lern berich­te­te Bild bestä­tigt: Spie­ler lan­den unab­hän­gig von dem Ein­ga­be­ge­rät mal wei­ter oben, mal wei­ter unten. Trotz­dem spielt sich CoD: MW auf einer PS4 Pro mit Maus und Tas­ta­tur ange­nehm und Unter­schie­de zur PC-Ver­si­on sind nur opti­scher Natur. Bis ein­schließ­lich Mon­tag, 23. Sep­tem­ber, könnt ihr die Open Beta noch auf PC, PS4 und XB1 aus­pro­bie­ren.

Gera­de im Ange­sicht von Cloud- und Strea­ming-Diens­ten wie xCloud, Goog­le Sta­dia und Play­Sta­ti­on Now ist Cross-Play die Zukunft und nie­mand soll­te davon aus­ge­schlos­sen wer­den, sei­ne Lieb­lings­spie­le mit sei­nen Freun­den, unab­hän­gig von deren Sys­tem, spie­len zu kön­nen.

Was hal­tet ihr von Cross-Play? Stimmt ger­ne in unse­rer Umfra­ge rechts ab und hin­ter­lasst uns eure Mei­nung unter die­sem Arti­kel.

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